Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1913)
- Date
- 1913-03-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. ,Jüdische BolkSstimme.' Nr. 12 nien hat bereits den Wunsch ausgesprochen, daß die Mächtetonfcrcnz über diesen Punkt nicht in» London unter Vorsitz Sir Greys, sondern in Petersburg unter der Leitung Sasonows stattfinden möge, Rumänien Hofft, daß dadurch der russische Einfluß auf die Verhandlungen vcrgrößert werde nnd weiß sehr Wohl, daß Rußland wegen der paar Hunderttausend Juden keine Schwierigkeiten wachen werde. England ist abef wieder wohl iwstande, auch außerhalb Londons, seinen Wünschen und Ansichten Gehör und Nespckt zu verschaffen. Interessant ist diese Stel- Inngnahme Englands auch aus folgendein Grunde. Ruinänien dachte bisher, daß uw י Dreibundmächte gegen seine Forderungen aussprechen werde, während die Mächte der entcntc ihn unterstützen werden. Man rechnete auch schon wit einer eventuellen Stiunncngleichheit und trug sich bereits wit dem Gedanken, eine siebente Macht den Beratungen zuzuziehen. Zuerst sollte Amerika das Züngelchen an der Wage werden. Rumänien hat aber begreiflicherweise dagegen Stellung genommen und so dürfte, wenn es überhaupt dazu kommt, Spanien als siebente Macht einspringen. Mit der Einigkeit der Tripclentcntc in diesem Punkte ist cs aber vorbei. Das Stimmenverhältnis muß jetzt, ob nun sechs oder sieben Machte gegen Rumänien ausfallcn. Dabei ist aber noch zu bedenken, daß mm auch die anderen Mächte kaum für einen offenen Vertragsbruch werden eintrcten können. England hat zur rechten Zeit das rechte Wort gesprochen. Und wenn sich nun in der Lage der rumänischen Juden etwas bessert und sic etwa gar in den Genuß ihrer Rechte eingesetzt werden, so ist das das ausschließliche Verdienst Englands. Aus dem Westen isi das Licht gekommen. Zum 25jährigen Amtsjubiläum des Prof. Dr. Kurrein in Teplitz. Der Feslartikel in der letzten Nummer diescs geschätzten Wochenblattes anläßlich des 25jährigen Amtsjubiläums des verdienstvollen Präsidenten des Böhmischen Rabbinerverbandcs Dr. Adolf K u r r c i 11, der, wie ich erfahre, aus der Feder des bckanirten Journalisten und Rabbincrs Tr. Felix Kanter in Zwittau geflossen ist, ist ein wahres Kabinettstück journalistischer Mlciiiinalm’i. Darin ist das Leben und Wirken und vor allem die Persönlichkeit des Jubilars mit wenigen, kräftigen Slrichen in vollendeter Weise gezeichnet. Mau sieht hier förmlich den gelehrten Dr. Klirren! sowohl als hervorragenden Kanzelredner als auch überaus fruchtbaren Schriftsteller und nicht minder als ausgezeichnelen charaktervollen und cdclbenkcnden Menschen und Kollegen plastisch vor sich. V e 11 u s. Wie ich seine große Stirne gesehen bab, Hab ich gleich Io gesagt — ich war weg, ganz weg für ״ihm"! — ״Gehn Sic zum alten Mente, dem französischen ״Dalles", so wart ich draußen, bis Sic hcrauskommen." Ja aber, warnm heißt er so?" ״Weil er einen Napoleonsbart hat und nobel tut mir sein Dalles. Talles (Armut) und Gainve (Stolz paßt nit. — E faul Aeppelc schwimmt obenauf — nit jüdisch beten kann er — er halt das Gebetbuch immer vcrlehrt — so weiß ich cs," sagt sic, c stolzer Spanier — er tragt ka Henne zum Rabbi —! Ausred' hat er genug, die Köchin vom Rabbiner hat ihn beleidigi" — ״Herr Doktor sagt man, nicht Rabbiner" — ״so geh ich nicht hin, c tote Henne braucht ka Doktor," sagt er. ״Poldi, Poldi!" ״Ein wahres Quecksilber — er hat die Freisen, wenn er e bissel warten soll; neulich soll er eine Maß Milch tragen zur dämpigen Gojte — wo die Judcngasse aufhört — zerbricht er den Topf, um damit ich ihm andermal nicht durch die Gasse schick' —. Kommen wir herein?" ״Guten Purim, Frau Vögele," wie aus einem Munde grüßten wir beide. ״Gott's Willkomm!" ״Im Belt?" ״Ja — alle Vögelach fliehen herauf — ich herunter, ^chaun Sie nix so herum — nur lütt' Ihnen, Malboucheleben, um e Umschlag auf den Fuß am Bein-" Und Freilinko gehn Schon aus diesem Grunde allein verdient i 1ie Anregung des gelehrten Verfassers des genannten Fcstartikels anläßlich des Amtsjubi läums des Prof. Dr. Kurrcin, eine Fesrfchrif hcrauszugeben, die vollste Beachtung in Kölle׳ genkreisen und wäre zu wünschen, daß diese Jde! sobald als möglich, jedenfalls aber noch im Laust dieses Jahres verkörpert und verwirklicht werde. Tr. Kurrein hat nicht bloß auf literarischen und homiletischem Gebiete Hervorragendes geleistet, sondern er war während der letzten 25 Jahre wie kein Zweiter unablässig bemüht den Stand nnd das Ansehen der Kollegen nach innen wie nach außen zu heben und zu fördern. Tic Kollegen würden entschieden sich selber ehren, wenn sie diesem uneigennützigen Vorkämpfer der Nabbiner und Verfechter ihrer Interessen die gebührcnde Ehrung zuteil werden ließen. Wir schlagen daher vor, daß ein Komitee sich bilde, welches die nötigen Vorarbeiten zur Herausgabe dieser geplanten Festschrift in Angriff nähme und stellen wir es in erster Reihe den Mitgliedcrn des B ö h 111 ische n Rabbinerverbandcs anheim, diesbezügliche Beschlüsse zu fassen. Es würde uns freuen, wenn die vom Kollegen Dr. Kanter in seinem ausgezeichneten und formvollendeten Artikel gegebene Anregung auf fruchtbaren Boden fiele, was in Anbetracht des segensreichen Wirkens des ehrwürdigen Herrn Jubilars nur freudig zu begrüßen wäre. Wir schließen uns aus vollem Herzen den aufrichtigen Wünschen des Schreibers des Festartikels an, indem wir dem verehrten Jubilar die Worte zurufcn: ידך בכהך זד, והושע את עמך Loschitz Rabb. Dr. I. G ü n z i g. Tie Redaktion der Jüdischen Volksstimmc erklärt sich gerne bereit, die Herausgabe der geplanten Festschrift zu übernehmen und bittet die Herren Interessenten, ihr diesbezügliche Norschlüge zu unterbreiten. Die Redaktion. Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina. Der Vcrlmnd jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina, dessen fünfter Jahresbericht eben crschicnen ist, tann mit Befriedigung auf seine Tätigkeit im vergangenen Jahre zurückschcn. Die Institutionen, die von ihm ins Leben gerufen wurden, haben sich weiter gut entwickelt und weisen viele Fortschritte auf. In Jaffa werden zurzeit in der Schule 57 Mädchen beschästigt gegen 40 im Vorjahre. Das Atelier in Jerufalcm ist von 50 auf 150 Mädchen vergrößert. Das Atelier in Tiberias beschäftigt in diesem Jahre 80 Mädchen gegen 30 im Vorjahre. Die feinsten Arbeiten vor Doktors Haus — bitte, meine Schöne — er soll heut kommen. Das Madel (Enkelin von ihr) ist wie ausgewechselt — Geduld soll ich nur haben." Man hört lachen. ״Kinder, gleich komm ich, du llnzocht", zürnt die Großmutter — ״ich schick dich ins Waisenhaus, bis ich gesund bin." ״Auf solche Leute soll man sich verlassen," sagt Malbouchc. — ״Babi, Babinko! Nur diesen Purim, den letzten, gönne mir; sie warten draußen ״Ich mutz dich noch aushören." ״Gute Babusch!" und schon legt sie ihre freudenroten Wangen an die trockenen Lippen der guten Vögele, die ihre Rührung verbirgt. ״Geh, du Unzocht (Ausgelassene oder Gassenmädel), so fang an und bei der Verbeugung gib acht, du sollst nicht bei die Leut nicht auf einer Seite den Rücken zeigen." ״Es war e mal e Esther," begann die kleine Minna, und schnell herunterleiernd, war sie kaum zu Ende, hatte nicht die Geduld, und lief mit ihrem Päckchen Maskenklcidchen — einen Handkuß der Großmutter zuwerfcnd, zur Tür-. ״Warum fleht das Bett so weit von der Wand?" ״Weil Gottele mein Hausherr ist und nicht das Dach richten laßt und deshalb Hab ich mein ״Parablej", daß mir das Wasser herunterlauft. Auch der Ofen — der Donner soll in ihn fahren — ist wie er, ohne See!', nur rauchen tut er. Gottlob, der Purim ommcn von dort. Neuerdings wird dort auch Nähunterricht erteilt. In Safet ist im Laufe dieses Jahres ine Nähschule für 75 Mädchen eröffnet. Da unter der Sevölkcrung in Safet große Not herrscht, kann man anchmcn, daß die Schule von großem Segen für die -tadt werden wird. Die Zahl der Heimarbeiterinnen, stc bis jetzt aus den Schulen hervorgcgangen ist, beläuft ich vorläufig auf 20, da wegen der schlechten häuslichen Verhältnisse das Arbeiten zu Hause noch nicht überall möglich ist. Im ganzen beschäftigt die vom Verein einwführte Spitzeninduslrie und Näharbeit jetzt 388 Mädchen. Dazu kommen 16 Lehrerinnen, teils für Spitzen und Nähen, teils für Hebräisch und Turnen. Mit dem Dienstpersonal sind cs rund 410 Personen, denen durch den Verband eine Erwcrbquellc geschaffen worden ist. Auch der Verdienst der Mädchen hat sich gesteigert. Wen» eine mittlere Arbeiterin 25—30 Franken monatlich vcrdient, so gibt es auch schon Mädchen, die bei feinerer Arbeit und Stücklohn imstande sind, bis zu 50 Franken zu verdienen. In de» Schulen wird auf Ordnung und Sauberkeit gesehen. Tie Räume sind hell und freund-!ich. Auch ivird für ärztliche Untersuchung der Augen gesorgt, tvas speziell in Jerusalem, wo die ägyptische Augenkrankhcit an der Tagesordnung ist, von bcsonderer Wichtigkeit ist. Die Nachfrage nach den Spitzen ist im Wachsen, so daß die Spitzen gut verkauft werdeu. Die vom Verbände in Kinercth bei Tiberias begründete landtvirtschaftliche Haushaltungsschulc hat sich als sehr lebensfähig gezeigt. Seinen bescheidenen Mittcln entsprechend hat der Verband mit 6 Mädchen angefangen. Ter Versuch gelang ausgezeichnet, und zur Zeit sind cs 14 Mädchen, die dort arbeiten. Die Mädchen erhalten praktischen und theoretischen Unterricht in Haushaltung und Gartenbau. Neuerdings soll Milch- Wirtschaft und Geflügelzucht noch dazu kommen. Das Krankenhaus in Haifa, das vom Verbände subventioniert wird, hat sich während der kurzen Zeit seiner Existenz als ein wahrer Segen für die Gegend erwiesen. Die Hälfte der Kranken kommt aus den galiläischcn Kolonien, die bis jetzt die Wohltat eines jüdischcn Arztes entbehren mutzten. Auch das Jaffaer Krankenhaus wurde vom Verbände subventioniert. An beiden Krankenhäusern bestehen Wöchncrinnenstuben, die von der Moskauer Ortsgruppe des Verbandes erhalten werden. Die Zahl seiner Mitglieder ist in ständigem Stcigen begriffen. Im Jahre 1911 betrugen die Mitgliederbeitrüge etloa 10.000 Mark., im Jahre 1912 17.000 Mark. An Spitzen wurden im Jahre 1911 für 7459 M. vcrkaust, im Jahre 1912 für 13.859 M. Es ist zu wünschcn, daß dem Verbände sich möglichst viele jüdische Frauen anschlicßen, damit er durch Zuströmung immer reicherer Mittel seine so schön cingelcitcte Tätigkeit in größerem Maßstabc ausüben kann. Um der stets wachsenden Arbeit gerecht zu werden, hat der Verband am 1. März d. I. eine eigene Geschäftsstelle eröffnet, von wo aus sämtliche schriftlichen Arbeiten erledigt werde», und wo auch die in seinen Ateliers angefertigten ist da. Viel Hab ich iiiitgeinacht, da, zwischen dem Bett war jeder Tropfen gefroren. Dian hat können mit'n Bett Schlittasch fahren/' ״Jeder hat ein ander Liedel," sagt Madame Malbouchc, ״morgen komm ich, zu Gotteswillen." Wir eilten — es war die zwölfte Stunde. Gottlob, jetzt noch zwei Wege. Ich trete in die niedere Stube, zwei Stiegen hinan. Ter alte Vetter, ein Junggeselle, läßt seine kleine Nichte von den Knieen gleiten, grüßt verlegen und nimmt die Megillah zur Hand. Nettel, die Witwc, putzt und glättet den guten Nock des Onkels und grüßt freundlich. Im Zimmer ist nur ein Fenstcrchen mit Blumentöpfen, die schattig machen. — ״Warum lassen Sic das Fenster nicht offen," frage ich, ״Sonnenfchein wärmt," indeni ich das kleine Kind mitleidig betrachte und ilm׳ ein Stückchen Kuchen reiche. ״In das niedere Fenster guckt jeder," meint sic traurigen Tones. Im Moment ist die Kleine draußen. Ich eile auch und sehe, wie sie den Nest des Kuchens in die Aschkammer des kleinen Ofens legte und erst säuberlich die Asche herausscharrte — wie im Nebelschleier sitzend — und mich lächelnd anschaut. ״Dummes Kind," seufzt sie — und ini Weitergehen höre ich draußen. ״Wo habe ich meine Augen, daß ich es nicht gleich seh? Ihm hätte ich nichts absparen sollen, das straft mich Mährisch-schlesisdie Bank Brünn. Telephon Nr. 380, Direkt!«!. Ferdinandsgasse Nr. 29 Telephon Nr. 1016, Wechselstube. «׳erzinst EINLAGEN gegen K K|q Kl| 01 gebundene Einlagen laut Obereinkommen. Bank- Büchel und in ( lautender - Rechnung mit ״ ״ I2 1° geschähe aller Art, Börsen־!! Wechslergeschäfte.