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Jüdische Volksstimme · 1913-03-20 · Heft 12 (20.3.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 12 (20.3.1913)
Date
1913-03-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XIV2. Jahrg. Nummer 12 Wiener Bezugspreise: Für Oeslerrcich-Ungarn, halbjährig . Kronen 5.20! ganzjährig.. Kronen 10.— ' Deutschland, ganzjährig ...... Mark 10.— ן Rutzland, ganzjährig.Rubel 5.— Balkan, Frankreich.Franks 12.— Einzelne Nummer 20 It. \ Herausgeber: Max Hickl. Erscheint jeden Donnerstag. M«. Inserate: die üspaltige Peritzcile 30 h. Buchbändlerische Vertretung: Otto Klemm, Leipzig. Geschästsjtelle, Wien: Rotenturmjtratze Nr. 3l. Telephon 3000/Vlll. Sprechstunden von l0—12 Uhr; Poslsparkassakonto Nr. 312.842. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoricrt. — Manuskripten ist Rückporto beizufügen. Brünn—Budapest. 5W>* März 1913 11. Avar scheut i Prag—Lemberg. Aus dem Inhalte: Er occidente lur. — Jenny Grümvald: Purim in der Gaste. — Tie -Konferenz der galizischen Toynbeehallen. -— Tie staatlichen Funktionen der Seelsorger und Religionslehrer. — Ehewra Snda in Brünn. — Zum 25jährigen Amtsjubiläum des Prof. Dr. Kurrein. — Perband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina. — Generalversammlungdes mähr, jüdischen Landesmassafondes. — Zu unserer geistigen Wiedergeburt. — Tr. G. Freudmann, Wien: Ter alte Judenfriedhof in Wien. — A. Wilkowitsch, Eger: Purimstimmung. — Literatur. ״Ex occidente lux.“ Was wir in all den Jahren ans dem Osten vernommen haben, hat ganz anders ausgesehen, wie hoffnungsfreudiges Licht, wie das Äufdämmern des endlichen S׳eges, der Helle über Jahr- Hunderte alte, durchdringende Finsternis. Und das uralte lateinische Sprichwort ״er oriente lur" scheint bereits überreif zu sein für einen Ehrenplatz in Museen, die historische Wahrheiten konservieren und Bestandenes vergangener Tage mumifiziert aufbewahren wollen. Kriegs- Nachrichten kommen aus dem Osten, Meldungen von Mord, Raub und Strömen menschlichen Blutes, Berichte von Unterdrückung. Uebervor- ׳eilnng und Verfolgung, kurz tiefstes Schwarz, auf rotem Grunde gemalt. Ans dem Westen kommt das Licht, zwei Posten, die den fast verlorenen Glauben an Rechtlichkeit und Menschlichkeit neu aufleben lassen und das u״gedorrre Hoffuungsreis zu neuer Grüne treiben. Zwei hervorragende Staatsmänner im Westen haben gesprochen und sie haben eine Sprache geführt, die besonders den Juden neu ist. Sie haben sich, wiewohl selbst nicht Juden, für die Rechte der Juden eingesetzt und das nicht bloß in Wohltätigkeitsveranstaltungen und bei Privatsoireen, sondern offen in der Besprechung der allgemeinen politischen Lage vor den Vertretern der Tiplomatie, vor aller Welt. Präsident W i U s 0 n der Vereinigten Staaten, der Mann mit dem demokratischen Herzen und dem aristokratischeu Geist hat den Rewyorker Oberrabbiner empfangen. Er ließ sich eingehend über die Verhältnisse der Juden in Amerika informieren, versprach, die Harten des Einwanderungsgesctzes zu lindern und gab am Schlüsse der Audienz!dem Oberrabbiner die Versicherung, er werde, solange er die Geschicke der Bereinigten Staaten zu leiten habe, nie zulassen, daß Amerika mit einem Lande Handelsverträge oder andere Urkunden abstlstirße,has seinen Inden nicht den vollen Genuß aller bürgerlichen und politische׳ Rechte gewähre. Fürwahr ein großes Wort und just zur rechten Zeit gesprochen. Ter Hinweis auf Rußland ist unverkennbar. Bekanntlich hat der Erpräsident Taft es bereits abgelehnt, den Handelsvertrag mit Rußland zu erneuern und die russische Hetzpresse hat damals,Schmähfluten auf Amerika herabregnen lassen. Begreiflich, denn der russische Handel und Export hat durch dieses Verfahren ein bedeutendes Manko in seinein Habenkonto zu verzeichnen. Auch Anierika mag manchen Schaden erleiden, aber gerade in dem Lande, in dem die Jagd nach dem Dollar Haupt- und Lebensausgabe ist, von dem man sagt, daß es neben dem Gelderwerbe keine edleren Gefühle aufkommen lasse, gerade in diesem Lande hat man der materiellen Rachteile nicht geachtet und das allgemeine Menschenrecht auf einen Piedestal erhoben. Präsident Wilson hat das Versprechen abgegeben, in die Fußstapfen Tafts zu treten und eder Zusicherung dieses Mannes ist unbedingt Mauken zu schenken. Tie Hoffnungen Rußlands auf eine Erneuerung des Handelsvertrages unter dem neuen Präsidenten sind wieder auf vier Jahre hinausgeschoben. Und ein zweiter Staatsniann hat sich hören lassen, dessen Stimme im Rate der Völker nicht minder angesehen und bedeutungsvoll ist. der Präsident der Botschafterkonferenz in London und Minister des Aeußern in England, Sir Edward G r e y. Und doppelt hoch ist es anzuzeichnen, daß er als erster im rumänisch-bulgarischen Streitfälle an den Wortbruch Rumäniens erinnert und sein offenes Mißtrauen dem Staate gegenüber ausspricht, der Verträge nicht einzuhalten versteht. Sir Grey hat erklärt, er werde gegen die Abtretung bulgarischen Gebietes an Rumänien Stellung nehmen, da er auf dem Standpunkt stehe, daß Rumänien, weil es den im Artikel 44 des Berliner Vertrages festgesetzten Grundsatz der Gleichberechtigung aller Konsessioueu nicht berücksichtigt habe, nicht das Recht habe, auf Grund dieses Vertrages eine Berücksichtigung bei seinem Verlangen nach Aus- Dehnung seines Territoriums zu beanspruchen. Diese Stellungnahme ist i»1 gegenwärtigen Augenblick von der größten Wichtigkeit. Rumä- ״Aber Hermann, leg' dich doch nicht an den alten Tovidl an!" ״Großmutti, ich Hab' denkt, es iS a Mehlsack!" — Madame Malbouche, die Großmutter des Kindes, hat immer Zeit, ist immer guter Laune, weiß alle Reuigkeiten. ihr Enkelkind bekommt .Kosttage, dafür geht sie zu den ,Kranken Nachtwache, aus dem Friedhof beten and deutsch lesen kann sie auch, sie ist auch meine Kundschaft sür heute. ״Abgefertigl?" fragt sie freundlich lächelnd. Wir gehen denselben Weg. ״Soll ich Ihnen gratulierend" ״Wieso?" ״Ter ilte Jossele übt sich schon das Lied ein: ״Wach ms!" Jeden Abend singt er es. Ihre Schwester Resi wird heut verlobt." ״Aber alles weiß die Welt besser, als wir selbst." ״Freilinko, sie soll glücklich sein, und stolz soll sie nicht sein, war iv auch gebildet, ist und in Paris war. Vo׳׳ der Hochzeit geh ich mir ihr am Fried Hof beten, auch auf das Grab von ihrer Schwiegermutter Madame Pauline-- dort braucht sie nur mit mir zu sagen: ״E schone Ruh auf dir!" Ich wünsch Ihnen so einen Mann, wie er. Nichts wie gut — und schön noch dazu! Zwar Nebenfach'. — Mit'n Heiraten soll man nix auf die lange Bank gehen. Wenn e Mädel zwanzig zählt, is sie mehr wert um tausend Gulden — ich biu's überzeugt - ich Hab ka Geld gehabt, obwohl nicht sehr schon — aber er war eine Feuilleton. Purim in der Gasse. Von Jenny G r ü n w a l d. Unsere gute Mutter hatte die Devise: ״Das Gute tue sogleich", oder so schnell als möglich, dachte ich mir. Meine erste Sorge in der Früh war — das Schlachmonaus einen Tag früher für die Aelteren oder Hilfsbedürftigen ausznkragen. Neben den nützlichen Sachen war auch etwas angenehmes für den Gaumen beigelegt, damit es vornehm aussehc. Als Gegengeschenk erhielt ich Tankes- und Segensworte und je nach dem Grad der Bekanntschaft schöne Empfehlangen oder ״Ertragrüße an die liebe Mutterleben". Auch waren mit dem Besuche oft kleine Liebesdienste verbunden. Immer kam ich zur ״rechten Zeit", hieß cs. Eben wollte die alte Channe frischen Kaffee kochen und hatte nicht einmal ״fürs Geld" jemanden bekommen, der ihr Wasser holen, oder wenigstens bei der Pumpe Helsen könnte. Eine Pein ist's, so auf jeden Schritt sich zu beschränken und ohne Wasser ist inan ״wie in der Wüst'", sagte ich. Haben Sie noch einen Moment für mich? — Ja. — ״Bitte, einen Nagel in den Sessel fester hinein zu schlagen. er steht wie das Bestemm (zu Trotz) heraus und so oft ich vorbei geh', mach' ich mir e Gewaltritz ׳, und noch e paar Nähnadeln einzufädie halbblinde Sarah trifft schwer nach Hanse. Ihre Schwägerin hat beim Herrn Tottor zu tun — sie ist Zuckerbäckerin — es wird Theater gemacht. ״Fräulein Hilda wird die Kröte in der Faust spielen׳, aber auch stumme Pantemiene — sagt sie —, Fräule! ׳ Scharli vom Apotheker wird sein eppes e Laucelei ans e Wels (Lorelei am Felsen) sitzend: mieß ist sie aber schönes, langes, goldrotes Haar hat sie doch! Tann wird sein c Bettschönheit, e Jägerschöu heit und e Mohren-enget! Im Leben Hab' ich noch nicht gehört so e Wort-- Engel sind bei mir immer weiß. Aber heutzutag verdreht man ■ uns die Gedanken auch schon! Vorigs Jahr Ham sie Romane gespielt: Aschenbrödel, Rotkäppchen Eine, mit die Schneewittchenfüß', Hab' ich in Krüppel —. Ich geh' auf sie zu -— sie aber gibt mir e Tritt — auf meine Hühneraugen -- mit ihr Trampelfuß, ich Hab gemeint, ich verlier' die Neschohme!" In dem Eifer drückt sie mir so fest die Hand — es war ein verlängerter Abschiedsdruck.- Um die Ecke gehe ich ins Geschäft, weil mein Vorrat ausgeht — ich niuß warten — etwas müde an eineni Mehlsack angelehnt — höre ich: ■n a PV** »n vornehmster Ausführung von K I 1 | Ausland bestens eingeführten Spezia 1 alttlc! Rudolf Goldstein, In vornehmster Ausführung von K 30־— aufwärts nur in dem In- und Spezialhause für Synagogen ־ Ornate "*WW WIEN. Telephon Nr- 21.990. Illustrierte Preiskataloge an Interessenten gratis und franko- Zivil- und Taborstrasse 54. Uniform-Schneider.

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