Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1913)
- Date
- 1913-03-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 11 ״MUYche «.lr,fti»-e» «rite 3. Verbandes präsidierte und ich eine Trauung zu. vollziehen hatte. Allein Dr. Kurrein gehört zu jenen Persönlichkeiten, die inan kennt, ohne sie je gesehen zu haben, denn er gehört unzweifelhaft zu den populärsten Rabbinern nicht nur in Böhmen, sondern in ganz Oesterreich. Man kennt ihn in Prag so gut wie in Teplitz, in Frankfurt ebenso gut wie in London und vielleicht im Auslande besser als im Jnlande. Ueberall aber, ob in zionistischen oder orthodoxen, ob in Kollegen- oder Gemeindekreisen, wird sein Name mit der größtcn Achtung genannt. Tenn die glänzendste Eigenschaft Dr. Kurreins besteht darin, daß er weiß, was er will und was dem Judentume der Gegenwart nottut. Eine weitere Eigenschaft Kurreins ist, daß er für das, was er als wahr und gut oder nützlich befindet, sei es für das Judentum im allgemeinen, sei es für das böhmische Judentum im besonderen, sei es für den Stand seiner Kollegen oder für die Gemeinden, mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit eintritt, ohne Rücksicht auf etwaige Folgen, ohne nach rechts und links zu schauen, ohne sein eigenes Interesse zu wahren und vor allem ohne Rücksicht auf diejenigen, denen gegenüber er seinen Standpunkt zu vertreten hat. Kurrein war es, der den Mut hatte, das von der Negierung herausgegebene Musterstatut für die israelitischen Kultusgemeinden gleich nach dessen Erscheinen zu bekämpfen und es als Unglück für das Judentum zu bezeichnen. Tie unseligen Folgen und auch die Erfolglosigkeit des Musterstatuts, dessen Erscheinen die Gemeinden und ihre Borsteher als eine Art Erlösung mit Jubel begrüßt haben — Kurrein hat sie vor fast zwei Tezennien vorausgesagt. Es ist interessant, die Ausführungen und die geradezu vernichtende Kritit Tr. Kurreins über die Musterstatuten in der ״Jüdischen Chronik" heute nachzulesen. Was er damals prophezeite, ist vollständig eingetrosfen. .\l111Td11 hat sich mit der Kritik allein nicht begnügt. Was er in Angelegenheiten der unseligen Musterstatuten allein und in Gemeinschaft mit gleichgesinnten Kollegen unternahm, ist nicht in die breite Oessentlichkeit gedrungen. Wer einmal die Geschichte der Juden in Böhmen schreiben wird, wird an der Arbeit Tr. Kurreins nicht achtlos vorübergehen. Biel zu seiner Popularität trug auch sein geradezu glänzendes oratorisches Talent, seine hinreißende Beredtsamkeit als Kanzelredner, sowie nicht minder der Umstand bei, daß er in einem der bekanntesten Kurorte des schönen Böhinerlandes amtiert. Wer ihn je auf der Kan zel gesehen und ihn sprechen gehört hat, kani ihn nie vergessen. Tiefes Urteil hörte ich oft voi Kollegen und Laien, von Liberalen wie auch vor Orthodoxen. Bor ungefähr zwei Jahren traf ick in einem Kurorte mit dem inzwischen leide׳ allzufrüh verstorbenen Tr. T. Bück s. A. aus Lissa zusaminen. Im Lause des Gespräches ka men wir auf Tr. Kurreiu zu sprechen. Ter sei. Tr. Bäck geriet dabei in jugendliche Begeiste rung. Er habe, sagte er mir fast wörtlich, einen solchen Redner nie wieder gehört, weder im Inlande noch im Auslande. Wer die gedruckten Reden Tr. Kurreins kennt, wird auch leicht zugeben, daß der gelehrte Lissaer Rabbiner keineswegs übertrieben habe. In Kurreins Predigten ist alles enthalten: gründliches jüdisches und talniudisches Wissen, eine herrliche Sprache, klare Disposition und vor allem Geist und Leden: jüdischer Geist und jüdisches Leben. Jüdischen Geist und jüdisches Leben atmet alles, was Tr. Kurrein schreibt, seien es die Artikel, die er von Zeit zu Zeit iu der ״Jüdischen Bolksstimme" veröffentlicht, seien es die Abhandlungen, die er in dem ״Jüdischen Volkskalender" seit einigen Jahren veröffentlicht, seiei es die herrlichen Aufsätze, die er als Redakteu und Mitarbeiter der ״Jüdischen Chronik" ver faßt hat. Kurrein hat den Mut und den Brustto: der Üeberzeuguirg und verfügt überdies übe eine herrliche Feder und eine seltene Darste! lungsweise. Bon dem Mut seiner lleberzeugunr aber zugleich von seinem warm fühlenden jüd' schen Herzen hat er erst vor einigen Wochen i diesem Blatte Zeugnis abgelegt, als er die vo Tr. Ziegler herausgegebenen, populär-jüdische Schriften einer gerechten Kritik unterzog. Tie verdient um so mehr hervorgehoben zu werde! als keine jüdische Zeitung es bisher gewagt ha an Zieglers Unternehmen die kritische Sone anzulegen. Kurrein hat übrigens schonöfter be wiesen, daß er das Wesen des Nationaljudentums, zu dem er sich öffentlich bekennt, ganz anders auffaßt als viele andere. 'Nationaljuden- :1111! gilt für ihn nicht als Freibrief, sich über die Religion des Judentums hinwegzusetzen, sonder» Jude zu sein mir Leib und Seele, in Wort und Tat, den Glauben zu heiligen, ihn in Ehren zu halten und alles, was mit der Religion und der Wissenschaft des Judentums zusammenhängt, zu schätzen und zu achten. Bei der Popularität und der Beliebtheit Tr. Kurreins bei seinen Kollegen, namentlich aber unter den Rabbinern Böhmens, die zu dem Rabbinerverband gehören, dürfte die Anregung des Schreibers dieses Artikels nicht auf unruchtbaren Boden fallen: Es sei anläßlich des 2öjährigen Amtsjubiläums des ehrwürdigen und verdienstvollen Präsidenten des Rabbinerverbandes in Böhmen von seinen Kollegen und Freunden eine Festschrift zu veranstalten als Anerkennung für sein musterhaftes, segensreiches Wirken als Präsident des Rabbinerverbandes und als Freund der Rabbiner. Jedenfalls wäre es zu wünschen, daß die Artikel und Ab- Handlungen Dr. Kurreins gesammelt und in Buchform herausgegeben werden. Kurreiu ist nicht nur ein bedeutender Gelehrter, sondern auch ein fleißiger, unermüdlicher Arbeiter, llud ״eine Arbeiten sollen durch eine Arbeit gekrönt werden. Wir haben leider nicht viele Kollegen, die sich um den Rabbinerstand so sehr bemüht und verdient gemacht haben, wie der Jubilar, nicht viele Kollegen, die allzeit nur das Wohl des Standes und nicht ihre Sonderinteressen vertreten, nicht viele Kollegen, die so viel gearbeitet haben für das Judentum und seine Wissenschaft, wie Tr. Kurrein, der wegen seiner glänzenden Charaktereigenschaften als Mensch, als Geistlicher, als wissenschaftlicher Arbeiter und vor allem wegen seiner Liebenswürdigkeit, seiner Friedensliebe und der Lauterkeit seines Charakters als die Zierde des Rabbinerslandes bezeichnet zu werden verdient, als derjenige, der vielen als Muster und Beispiel dienen kann und soll. Und so schließen wir denn mit dem innigsten Segenswünsche: Möge es dem Jubilar vergönnt sein, auch sein öOjähriges Amtsjubiläum zu begehen — zur Freude seiner Angehörigen und seiner Gemeinde und zum Woble des In dentums und des Rabbinerstandes. ״Der Sittenrichter von Aussig". Tie ״Aussig-Karbitzer Polkszeitung", die in Aussig -rscheint und von einer dortigen große» Handelsgesell- :chaft soutcnicrt wird, bat ihre Hauptaufgabe dari! :rblickt, den rüdesten Antisemitismus zu kolportiere,!nd keine Gelegenheit außer Acht zu lassen, nin dei vermaledeiten Etüden eins aufs ,Heng zu flicke». So hat diese Methode der moralischen Schädigung un: Herabsetzung zu ihrem leitenden Prinzip gemacht unl len :lins errungen, dem berüchtigten Verganiblati »ich bloß nahe gekommen zu sein, n,״l>1:1:״ dieses Preßer;eugnis womöglich noch übertrosfen zu haben. Gege! lie antisemitische Richtung des Blattes an sich wäre ja nichts einznwendcn gewesen. Das gleiche :!!echt, das die Jüdischnationalen aus ihre Presse haben, muß man auch den anderen politischen Faktoren zugesleben und eine sachliche Polemik hat sicher nirgends soviel eingegenkommende Beachtung gesunden, als gerade in der jüdischnationalen Presse. Tie ״Aussig-Karbiver" hat aber eine andere Methode gewählt. Zu theoretischen Auseinandersetzungen fehlte der P. T. Schristleitnng die Grütze und dieses Manko an anständigen Waffen suchte sie durch ein geistloses, wildes Geschimpfe, durch die weitgehendsten Generalisierungen und die ordinär- .en Verallgemeinerungen wett zu machen. Ging irgendso in der Welt ein jüdisches Unternehmen i» Konkurs, נ konnte man sicher im Titel von dem Zugrunde gehen ädischer Wucherer lesen, als Kovars seine -Wassc aus ein politischen Motiven gegen Tisza richtete, wucd, er ungarische Gewalthaber von der ״Äussig-Karbitzer'!1 Schutz genommen, und die jüdische Gewalttätigkei nd Roheit an den Pranger gestellt, die Bitte der bul arischen Juden um Rechtsschutz wurde als jüdisch :rechheit charakterisiert und den Juden in die Schuh schoben, daß sie den Weltfrieden verhindern wollen m im Trüben fischen zu können. Und so ließe sich di ahl der Beispiele aus jeder einzelnen Nummer diese citung bis ins Unendliche fortsetzcn. Jede Woche Vernglimpfungen, Verdächtigungen und selbstredend aue ufforderung zum Boykott. Weshalb wir uns aus einmal so ausführlich m! iescm Blatte beschäftigen? Nun, die Gründe solle zleich angeführt werden, Verantwortlicher, leitendc and einzig schreibender Redakteur in diesem Blatte wa. ein gewisser T. E. 2 i m o n. 15r war es. denn er har die Verantwortung und seine Arbeit schleunigst einstellen müssen, da das Nussiger sozialdemokratische £1׳ gan plötzlich ״etwas aus ihn wußte" und mit dem Taibestände nicht lange hinterm Berg hielt. Das ״Volksrecht" führte nämlich den Beweis, das! der ״Sittenrichter vo» Aussig", -Herr T. (5. Simon in Italien wegen Kirchendiebstahls verhaftet »nd ׳,!! drei Jahren Zuchthaus verurteilt worden war und daß er diese Strafe auch zur Gänze vcrbüsit hat. Nach diese!» sicher nicht ganz einwandsceien Vorleben kam dann Herr Simon nach Aussig, un! von da ans der Well Moral, ׳Anstand und Rechtlichkeit zu predigen. Herr Simon mußte natürlich ans diese ungeheuerliche Anschnldignng auiworten und er tu! dies in solgender Erklärung. die in der ..Auisig-.Karbiver VolkSzeitnng" erschienen ist: ׳״Aus die iin liieiigen ״Volksrecht" am lebten Sanis tag gegen mich erhobenen ׳Angriffe gedachte icii beule mit einem bereits ferliggeilelllen längeren Anssave zu erwidern, um so,veil dies derzeit möglich ist. zu beweisen, daß ich mit den mir vorgeworsenen Telikteu nichts zii tun habe, daß mir seinerzeit in Trieil meine AuStveispapiere abhanden gekommen und offenbar irgendeiu Slibjekl dann im Beiive derselben sich des Verbrrchens schttldig gemacht bat, dessen nun ich beschuldigl werde. Tie ״Tentsche Verlangsanitalt", als d!e Gründerin der ״A.-.K. V.". bat jedoch anders enischie den und mich beauftrag, mich für beute ans eine kn,.-״- Erklärung zu beschränken. Ich erkläre demnach, daß ich mit den mir zur Last gelegten Schandtaten nicht das Mindeste zu tun habe, daß ich, soiveil dies nach einem VierteljalirliNiiderk möglich ii!, alle Hel>el!!! Beivegniig sevcn werde, nm den Beweis zu erbringen, daß ich nicht der ״Simon" bin, der 1 ss<» in Italien verurteilt wurde. Ich habe mich iiicht sozialdeinokratische» blichlern, sondern denen meiner Varte! zu!!nteriverfen. diese mögen nach eilarnellnng des Sachverhaltes enl scheiden. Um nun nicht der Partei zu schaden, »׳erde ich iväbrend dieser Zeit, nacl! Turchsübrnng. der preßgesetzlichen J-ormalitäten. meine Stelle als Herausgeber und Schriftleiter der ׳״Auisig-.Karbitzer Volkszeiiung" niederlegen, denn die Partei darr unter keinen Umständen mit einer Privatsache vergniäi iverden. e. 15. S 1 in o 11." In dieser Erklärung werden dem nnparleiische» Leser sicher einige Uiifiiminigkeiien aufsalle». Vor allem muß sestgestellr iverden. daß ein Mann, der in erponierier Stelle im ösrentlichen Leben ivirtk. sich ,1:111! nur den Richtern seiner Partei zu unieriverseu bat, sondern vor der gesamten politiichen reifentl>chke-t ohne Unterschied des Bekenntnisses und der Partei- Zugehörigkeit eimvandfrci dasleheu muß, besonders dann, wenn er ulim und noch dazu >11 so ivideriväriiger Jorm als Sittenrichter anflral. Man ivird ja den von Herrn Simon in Ansfichl gesiellten Beweis abivariei! inüssen. ebe!nan z» einem abschließende» Urteil ge langt, es bewahrheitet sich aber das alte Spuchivort: ,()!ehe nicht in die Sonne, wenn du Butter auf dem >!ov:׳ hast." Und der Beiveis selbst? Nun, semver aliguid harret.... Diskonto-Jesellschaft bei der Nordösterreichischen Bank ׳ für Industrie, Handel und Landwirtschaft, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung in Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgesehäfte, hauptsächlich auch für den ע Eskompt offener Buchforderungen unter den allergünstigsten Bedingungen. Ausruf. Seil einigen Woche>1 nt in Prag c!n Bet in wieder ins Leben getreten, deck׳ schon mdi ere Jcchre bestanden batte, der auch weiter Iiätte ieitetzen können, wenn nicht die fortschreitende :Issimilierumz der Josefstadt auch seine Lokaliiitat vernichtet Iiiute. Noch vor drei Jatzren un erhielt der Verein eine Bolksküche. in weicher mrchschniulich Mi Personen tat!!id) verköstigt ׳urden. Tos Bedürfnis noch einer Volksküche st in den letzten drei Jabreu nicht kleiner ge lorden. es bat eber noch zngenonnnen, da die ׳,eisten ärmeren jüdischen Familien, bei denen Anbeimische lind Fremde ihre Verköstigung ge linden batten, an die Peripberie Oer 21aהt ver jflen sind. Es soll nunmelir neuerdings eine Volksküche errichtet werden, und der Verein wendet sich an alle, die ein mitfüblendes verz