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Jüdische Volksstimme · 1913-03-13 · Heft 11 (13.3.1913) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 11 (13.3.1913)
Date
1913-03-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. ״Jüdische BolkSstienne." Nr. 11 Gewiß märe es ein neues Unglück für die alte israelitische Gemeinden und erhebliche Grup-?1(וזי>^ד)י/1<^׳ ו1ין»י tmh titv Sin 4!ו111»\ ג Winnä- - , betroffenen Staaten und für die so wünschenswerte Ruhe Europas, wenn der Krieg auf dem Balkan durch einen Zusammenstoß zwischen Bnlgarien und Rumänien vervollständigt werden sollte. Unserem modernen Empfinden widcrstreitet es freilich aufs äußerste, daß Länder und Menschen wie Waren vertauscht werden, und vcr heute Bulgarien als sein Vaterland bezeichnet hat, soll morgen, weil die Diplomatie es so will, Rumänien mit Begeisterung sein Vaterland nennen. Daß in Bulgarien sich daher gegen die in Aussicht stehenden Abtretungen cigcpen ackerbautreibender Juden gibt) von der bulgarischen zur rumänischen Herrschaft gleichbedeutend mit dem Eintauschen bürgerlicher Freiheit und Gleichheit gegen völligen Ausschluß von der staatbürgerlichen Rechtsgleichheit, verknüpft mit moralischer Erniedrigung." Daß die Inden Bulgariens gegen eine solche Möglichkeit protestieren, wie die nichtjüdischen Rumänien gerichtet sei. das seinen Juden diese (Gleichberechtigung verweigert hat. Was bat nun Rumänien getan, um dem Wunsche der Mächte und seinem gegebenen Worte nachzukommen't' Hat es den Juden die )liechte zugestanden, die es ihm verbrieft hat? Die Geschichte der jüngsten Vergangenheit und der Gegemvarl gibt den nötigen Ausschluß. Rumänier bat ganz einsach die seit Jahrhunderten in Rumäuien angenedelten Inden als F r e m d l i n g t als R ichtr u in ä n c n erklärt und ihnen in .Konsequenz dieser Erklärung alle bürgerlichen )liechte abgesprochen, ihnen die Möglichkeit, Grundbesitz -zu erwerbe», genommen und sie zu Bürgern letzter .Kategorie herabgedrückt. Die Mächte sind diesem Estamotageknnststück nicht cnlgegengetreten und haben sich und ihre Unterschristen ans dem Berliner Vertrag durch Rumänien ruhig desavouieren lassen. Heute schickt sich Rumänien an. wieder ein neues mit Juden besiedeltes Gebiet zu annektiercn. Da ist es nicht unangebracht, daran zu erinnern, in welch schmählicher Weise sich Numäuien um die Bestimmungen des Berliner Vertrages gedrückt hat. Jetzt muß die europäische Judcitheit aufgerüttelt werden, sonst ergeht es den Juden im neuen Gebiete so, wie den Inden Rumäniens, denen bis zum heutigen Tage die Berufung auf den Berliner Vertrag nichts ge- Holsen hat. Hier ist ein dankenswertes, arbeitsreiches Feld für die großen Judenvcrbände, die sich nicht bloß aus Geldsammlungen für die Witwen und Waisen der gefallenen Krieger beschränken sollen. Tie Lebenden, die Arbeits- und Prodnktionssähigen haben ein stärkeres Anrecht ans wirksamen Beistand. Am 7. d. M. hat der Großrabbiner von Bulgarien Dr. Ehrenpreis seine Intervention bei Sir Greh und den Botschaftern der Mächte wiederholt. Ter Erfolg bleibt abzuwarten. Neben Luzatti hat nun Tr. Paul Nathan, der bekanntlich vor kurzem in Sofia vom .Manu! Ferdinand empfangen wurde, sich im ״Berliner Tageblatt" über die rumänische Jndensragc und die Großmächte wie folgt geäußert: Dieser letzte orientalische Mrieg hat der Scheußlichkeiten eine Unzahl gebracht, auf allen Seiten und jeder Art, wie ich selbst durch Berichte von Ängenzengen an Ort und Stelle einwandfrei eruiert habe; und die Zahl der zuverlässigen Zeugen, die im Orient gleiche Ersahrungcn gesammelt haben, ist groß genug. Die europäische Diplomatie hat nichts getan, um diese Barbareien zu verhindern; sie konnte leider auch nichts Wirkungsvolles tun, um diesen Krieg des Rational- und Religionshasses aller gegen alle aus der Balkanhalbinsel in seinen furchtbaren Wirkungen menschlicher zu gestalten. Jetzt aber bietet sich für -ie europäische Diplomatie eine Aufgabe, die sich lösen lässt, die sogar mit Leichtigkeit gelöst werden kann. neu Gebietes an Rumänien eine starke Bewegung geltend macht, ist außerordentlich begreiflich. Die Bulgaren sind ein durch und' durch demokratisch empfindendes Bauernvolk und Rumäuien ist beherrscht von einen! engen Kreis von Pylitikcrn, deren Parteinamen verschieden sind, die aber in einer Beziehung sich fast völlig gleichen; sic unterdrücken den Bauernstand aufs schwerste — Beweis: die Blutigen Baucrnrcvoltcn — und sie bedrücken — im Gegensatz zu dem Berliner Bcrtrag — die Juden nicht weniger schwer, die sic zu rechtlosen Fremdlingen gemacht haben, obgleich diese Fremdlinge, wenn es gälte gegen Bulgarien zu kämpfen, ihr ״Baterland", das ihnen kein Batcrlaud ist, mit der Waffe, mit ihrem Blute verteidigen müßten. Würde man in den in Frage kommenden Gebieten an der Donau eine Volksabstimmung darüber vornehmen, ob die Einwohner Rumäneu werden wollten, es ist mir unzweifelhaft, daß nicht ein bulgarischer Bürger für die Abtrctung. stimmen würde. Und gleichwohl wäre es irrationell, den Grundsatz zu proklamieren: Fiat justitia percat mundus. Ein rnmänisch-bulgarischer bewaffneter Konflikt ist ein noch größeres Uebcl, als die Preisgabe eines Landstriches, gegen den die Betroffenen sich sträuben. Folgt man bis hierher der europäischen Diplomatic, so bleibt cs aber alsdann ihre Pflicht, die Härten des Opfers, das die preisgcgcbencn Bulgaren zu bringen haben, nach Möglichkeit zu mildern. Und cs scheint mir, daß die öffentliche Mcinung der zivilisierten Welt die Anregungen Luigi Luzattis so laut ihrerseits verkünden sollte, um auch den schwerhörigsten Diplomaten ein Ueberhörcn solch eines berechtigten Verlangens unmöglich zu machen. Tie bulgarischen Juden haben sich bereits an ihren Kultusminister und an ihren Minister der auswärtigen Angelegenheiten mit einer Eingäbe gewandt, in der auf die Behandlung der rumänischen Juden hingewiesen wird, und in der es dann heißt: ״Unter diesen Umständen wäre der Uebergang unserer Glaubensgenossen in dem in Frage kommenden Gebiete (wo es Bulgaren von ihrem Standpunkt aus cs gleichfalls tun, ist begreiflich genug. Träte jene Entwicklung ein, die Luzzatti herbeiwünscht — nämlich die Durchführung der Rechtsgleichheit in Rumänien gemäß dem Berlincr Vertrage —, so wäre das ein Glück für die Emanzipierten und für Rumänien selbst, das in seinem eigensten Interesse danach trachten olltc, diese offene Wunde auszuheilen. In jedem Falle aber liegt ber europäischen Diplomatie die Pflicht ob, die Rechte jener Bulgaren, und natürlich auch jener bulgarischen Juden sicherzustellen, die im Interesse der Bedürfnisse curopäischer Politik aus den gesicherten Verhältnissen bulgarischen Staatslcbens in die recht unerfreulichen und für Juden unerträglichen Zustände Rumäniens hinübergesührt werden sollen. Dieses neue Opfer, das der orientalische Krieg im Gefolge haben soll, kann die Presse, die Parlamente, die europäische Diplomatie wenigstens verhindern und sie soll cs verhindern. Prof. Dr. Adolf Kurrein. Zu seinem sünsundzwanzigjährigen Amtsjubiläum in Teplitz. Dem freundlichen Ersuchen der Redaktion der ״Jüdischen Volksstimme", anläßlich des 25־ jährigen Amtsjubiläums des ehrwürdigen Rabbincrs Dr. Kurrein in Teplitz einen Festartikel zu schreiben, kann ich nur mit gemischten Gefühlen Nachkommen. Ist cs schwierig, dort viel Worte zu gebrauchen, wo nichts zu sagen ist, um so schwieriger ift es aber, sich kurz fassen zu müssen dort, wo viel und, wie in diesem Falle, sehr viel zu sagen wäre. Die Persönlichkeit, die gründliche Gelehrsamkeit und das vielseitige segensreiche Wirken Dr. Kurreins nach Gebühr zu würdigen, und wenn auch zum Teil ausführlich zu schildern, dürfte sicherlich den Rahmen eines Zeitungsartikels weit überschreiten. Es kann sich hier somit nur um den Versuch einer Würdigung handeln, und dieser Versuch muß notgedrungen als vornherein mißlungen bezeichnet werden. Außerdem stehen mir die nötigen Daten nicht zur Verfügung, und ich kenne den verehrten Jubliar mir flüchtig, von einer zufälligen Begegnung in Prag, wo er einer Gencralvcrsammlung des böhmischen Rabbinerklang, da almte sein Lieb, was es verloren. Und mit angstvoll geweisctem Auge, aufgelöst in Liebe und Sehnsucht, sandte es ihm seine Liebe iiach^Jn der Wüste traf ihre Liebe seine Lieder im Sande... Schmachtend, trauernd, elend... Da ging sie selbst ihn zn suchen. 2. Und als sie eines Tages den Wüstensand erreich! hatte, fand sie seiner Lieder eines, ein kleines, wehes, trotziges, das also lautete: Du liebst mich gewiß in deiner Art Und liebst mich gewiß ganz treu! Doch deine Art ist nicht meine Art Und deine Treu' - - keine Treu' —- Da schrie sie auf in großer Herzcnsnot und da sie ansschrie, erkannte sie. Und da sic jammerte, begriff sie. Eine stille, frohe Stärke und eine tiefe, frohe Kraft schuf sich in ihrer Seele und sie sah ein Gesicht: Eine hohe Leiter, mit unzähligen Sprossen.... Und hoch oben, sich immer höher ringend, ihren Freund mit winkender Hand und rnsendein Blick. Aber die Lei- 1er war steil und die dürre Selbstsucht und die feiste Faulheit standen an ihren Enden und warnten: ״Gehet nicht hinauf, Lumme Menscheu. Unten ist sicherer Boden. Kannst tiefer nicht fallen. Steil ist der Aufgang, weit klafft die Leere zwischen den Sprossen. Und wenn du oben bist, wirst du weiter sehen und nur mehr Elend und Arbeit. Und an dein Herz werden Forderungen treten, daß es sich aufgebe und dem Elend anfhclfe und die Arbeit froh mache.' Geh' nicht hin, folge uns! Vergrabe dich in die warmen weichen Kissen deines eigenen Lagers, schließe die Augen, dann siehst du die Leiter nicht und das Elend merkst du nicht!" Hoch oben aber, in schwindelnder Höhe, stand er, dem sie zustrebte; höher, weil reifer, weil ein Ruf von ernstem Vatcrherzen ihn höher getrieben.... Und er rief und winkte. Sieh', die Zeichen bekamen Laute und schlossen sich zu Worten und zu Reden zusammen. ״Komm' höher!" sprachen sie. ״Komm' höher! Wenn auch deine Kraft schwach. Wenn auch eine Schranke dir gezogen wird. Du warst mir einst Alles und bis noch heute mir teuer. Und ich will dich höher und ich will dich edler und der Sonne, dem warmen Lichte näher! Komm höher!" Da er sprach, stieg er immer weiter. Dann stand er still, streckte seine Hand aus und schickte seines Herzens Bitte in seinem Blicke ihr zu ... Da schritt sie der Leiter näher ... Und mit erwachter Kraft überwand sie die Ungetüme und stieg die Sprossen hinan. 3. Sic steigt noch. Er steht glanzumstrahlt oben und winkt noch. —-- Ob sie ihn erreicht? Ob sie sich dort oben zu Eins verbinden? Ob sein Glück ihm wiedcrkommt? Sie steigt noch. Möge sie nicht erlahmen! Mögen ihre Freunde ihr gnädig sein! Die Feinde sind es. Die Sonne versengt nur unten die Haut. Wärmer wird sic und milder, je höher sie steigt. Und die Leiter — fester wird ihr Grund, so die besiegten Sprossen sich mehren. Es ist ja nicht ganz so in Wahrheit. Doch ihr, denen der Schmerz des Dichters gilt, ihr mögct es aufnehmen, wie es gedacht, wie es empfunden! Zertretet die Ungetüme an eures Ausstieges Enden und bezwinget euch selbst, da ihr euch zwinget, mein Wort zu verstehen. Elia C h a r u z i. Mährisch •schlesische Bank Brünn. Telephon Nr. 350, Direktion, Ferdinandsgasse Nr. 29 Telephon Nr. 1016, Wechselstube. v erzinst EINLAGEN gegen K pril 01 gebundene Einlagen laut Übereinkommen. Bank- Büchel und in ( laufender - Rechnung mit *0| 2| ״ *־ geschäfte aller Art, Börsen-u.Wechslergeschäfte,

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