Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1913-03-13 · Heft 11 (13.3.1913) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 11 (13.3.1913)
Date
1913-03-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2621806-2621846-2621857--2044-2623116
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

\ ׳ . Seite 4. ״Jüdische Bolksstimme". Nr. 10. und eine offene Hand haben, sie mögen den Verein durch Spenden oder durch Mitgliedsbeitrüge (1 K) unterstützen. In der Uebcrzeugung, daß dieser Aufruf nicht ungehört bleiben wird, zeichnen für den Verein zur Errichtung von Volksküchen nach israel. Ritus in Prag Oberrabbiner Dr. B r o d y, als Protektor M.-U.-Tr. Salomon Lieben, 5. B., Bilekgasse :}, als Obmann, Eduard L a s ch, als .staffier, Gottlicb Heller, als Schriftführer. Sitzung des zionistische« Aktionßkomitecs Am 6. und 7. d. M. fand in Berlin eine Sitzung des Groszen Aktionskomitees der zionistischen Organi sation statt. Auster den Mitgliedern dieser Körperschaft nahmen auch Vertreter der zionistischen Bankinstitute und Landgescllschaslen an den Beratungen teil, inSgcsamt etwa 30 Herren aus Deutschland, Oesterreich, Rustland, Belgien, England und Palästina. Die Verstandluiigcu betrafen hauptsächlich politische Fragen sowie Einzelheiten der kolonisatorischen Arbeit in Palästina. Ferner wurde die Tagesordnung des nächste» ZionistenkongrcsscS, der am 2. September d. I. in Wien stattfindet, besprochen. Wiener JlacfrndUen. Emigranten-Fürsiirge der israelitischen Allianz ׳,u Wien. Während der Monate Jänner und Februar 1913 wurden von der Zentrale der Israelitischen Allianz in Wien insgesamt 243 Emigranten, davon 214 russische und 20 rumänische wciterbcfördcrt, und zwar 122 nach den Vereinigten Staaten, 50 nach Argentinien, 12 nach Kanada, 7 nach England, 29 nach Frankreich und 17 nach verschiedenen anderen Länder». In die Heimat zurückbcsürdcrt wurden 23 Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden in den Monaten Jänner und Februar für 31 Personen zusammen 134 Tage Logis und volle Verpflegung gezahlt und an 254 Ernigrantcn insgesamt 1017 Speiscmarkcn für die Israelitische Volksküche ausgcgeben. Das neue Hausirrgcsrh. In seiner letzten Freitag sitzung 17. März, hat das Abgeordnetenhaus den samosei! Hausicrgesctzcntwurf in erster Lesung angenommen und entgegen dem Vorschläge der Sozialdemokratei׳., das Elaborat dem Gcwerbcausschussc zur geschäftSordnungSmästigcn Behandlung zngeivicsen. Tamil 11t, wenn nicht wieder einige Zwischenfälle die Weiterberaiung dieses Entwurfes unmöglich mache», dessen Gesebtverdung allster Frage gestellt und zugleich auch das Schicksal tausender jüdischer und slawischer Haunercr besiegelt. Denn gegen diese richtet sich der Entwurf mit besonderer Härte, kein Wunder daher, dast Christlichsoziale und Deutschnationalc höchst einträchtig für diescs Gesctzcsmoilslruin cintralen, das die nationalen Minderheiten in Oesterreich ganz der Willkür und Laune der jeweiligen Gemcindcgewaltigeil preisgibt. Die Inden und Slavcii, welche bisher, wenn ihnen alles in: Leben schlschlug, aus Not zu diesem mühseligen t:nd säuimerlichen ״Berufe" griffen, iverden nun um eine Hoffnung, um eine Zufluchtsstätte ärmer werden. Vorbereitungen zum elften Zionistcnkongrcs! in Wien. Die Erössnungsjitzung wird, >vie nun endgültig beilimmt wurde, in den Katharinensäillen siattsinden, während die folgenden Titzllngeii in den Musitverciuösälcn abgehaltcn iverden. Während des Kongresses wird eine Paläslitiaaussiellllllg eröffnet iverden. Das Arraugeiiienl dieser Ausstellung hat das zionistische Zentralbureau in Berlin iibernomineii. Austerdem ist auch die Veranstaltung einer Reibe von Festlichkeiten und einer Monslreversammlung in Aussicht geiiominen. Das koiigrestbureau lvird am 1. Juni l. I. eröffnet iverden Adolf Bartels über -Heinrich Heine. Dieser deutsche Iaiiilneriiiann bat vergangene Woche ans Einladung des Wiener Lese- und RedcvereineS deutscher .Hochicktüler ״Germania" in einem von diesen veranstaltetet: Vortragsabend lvicder einmal Heinrich Heilte gründ-!ich vernichtet. Auch diesmal fand er, das; ...Heine nichts ans eigenem babe geben können, als den zynischen Witz seiner niedrigen Dentnugsart." ״Was in Heines ״Lieder und Balladen" den Schein Itirischen Einpfindeiis erwecke, sei nur die Frnckt der virtuosen kunstfertigkeil des Dichters im Rachabmen." lind schlicstlich schlost er ms! Emphase: ״Die Deutschen dürfen den guten Nur Heines nicht länger bestellen lassen und müsse» über ihn hinaus wieder znm deutschen Geist kommen." Bartels Härte eigentlich allen Grund, Heine dankbar zu sein: denn seine gesamte, traurige Berühmtheit bai er nur seinem .Kampfe gegen Heine zu danken. Aber was kann auch der arme Bartels dafür. Er sübtl sich zur Mission der Rettung des den!scheu Voltes!׳erusen Und in seinem blinden Hasse hält er die Zerstörung des guten Rufes, den Heine geniestl, für die >vicktigi:e Vo,- aussetzung zur Renaissance des deutschen Geistes. Wenn den Deutschen zur Ereichung tcutomanischcr Vollkommenheit sonst nichts fehlt, dann: habeat. iWidlcftau. Mansche! protestiert. Ter Vorstand der Lcmbcrgcr Kultusgcmeinde hat unlängsl eine Subvention von 1000 K für das hcbräische Gymnasium in Jerusalem beschlossen. Dies patzte nicht dein jüdisch-polnischen Studentenvereine ״Zjednoczenie"!״Einigkeit") in Lemberg, welcher auf einer Versamiitlung gegen diesen Beschluß protestierte. Die Moschkos erklärten nämlich, daß sie in diesem Beschlutz die Förderung eines fremden und für Galizien schädlichen Zweckes sehen. Charakteristisch ist cs, daß die ofriziellen polnischen Kreise sich genug sympathisch diesen Sammlungen gegenüber verhalten. Nichtsdcstowci'.iger fand sich eine Gruppe assimilierter Retter des Polcntums, welche päpstlicher als der Papst sein!vollle» und dagegen protestierten. Unglückliche Naturen sind die Moschkos, denen der Kncchtsinn angeboren ist. ״Mauschel, Du bist die Verzerrung des menschlichen Charakters, etwas unsagbar Niedriges und Wider,värtigcs." Dir Toynbcehalle i» Lemberg subventioniert. Tie Kultusgemcindc in Lemberg hat für die jüdische Tvynbcchalle für das Jahr 1913 den Betrag von 500 K zu assignicren beschlossen. Diese schöne Subvention zeigt, wie sehr die Tätigkeit dieses Volksinstitutes geschäht wird. Lorenz-Scherlag-Abcnd. Wie uns berichtet wird, bat die Tohnbechalle in Lemberg am l. d. einen literarischcn Abend veranstaltet, an dem Herr Sriststcller Lorenz Schcrlag zwei seiner Novellen aus dem Manuskriptc vorgclcsen hat. Der Autor des unlängst crschiencilcn sympathischen Novellcnbandes: ״Empfindsame Menschen" hat sich bereits lviederholt als Vorleser cige- »er Dichtungen hervorgetan. DaS Publikum, das den Saal der Toynbcehalle dickt gedrängt ousfülltc, ickündete für diese Vorlesung, ei» reges Interesse und belohnte den Dichter mit reichem Applaus. Erster Krcistuvntag des Deutschen Kreises der jüdischen Turnrrschaft. Während der Oslcrtage findet in Berlin der erste Krcisturntag des Deutschen Kreises der jüdischen Turuerschasr statt. Der Deutsche Kreis umfaßt heute schon mehr als 25 Vereine in Deutschland mit mehreren tausend Mitgliedern und der Anschluß einer Reihe von bereits bestehenden Vereinen und die Gründung neuer Vereine sind in nächster Zeit zu erwarten. Unter diesen Umständen gewinnt der Deutsche Krcisiuriilag für die jüdische Oessentlichkeit erhöhtes Interesse. Die Tagesordnung ist ivic folgt fcstgclcgt: Sonnabend abends: Eröfsnungssitznng: :llcfcrat des Herrn Dr. Aron Sandler: Die körperliche Rcgeueration der Juden. Dann anschließend: Bcgrüßungsabcnd, gegeben vom Jüdischen Franenvnnd für Turnen und Sport. Sonntag vormittags: Vorturner- und ^portwartlchrsrunde: nachmittags: Erste geschlossene Sitzung׳, abends: Purimball des Jüdischen Turnvereines Bar- Kochba. Monntag vormittags: Zweite geschlossene Sitzung: nachmittags: Schauturnen der vereinigten jüdischen Sport- und Turnvereine; abends Diskussion turn- und sporttcchnischcr Fragen. Alle Veranstaltunge», init Ausnahme der geschloffenen Sitzungen, sind jedermann zugänglich. Hauplgcgenstand der Bcratungen in de» geschlossenen Sitzungen dürsten neben orga nisatorischen Frage» die Stellung der jüdischen Tursserschafi inneryalb der jüdischen Jugendbewegung bilden. Ei» allgemeiner Bund jüdischer Hilfsorganisatioilc». London. In der Sitzung des Board os Deputies vom 2. d. M. teilte der Vorsitzende, Mr. Alcrander, mit. daß seit einiger Zeit Verhandlungen zwischen den Vertretcrn jüdischer Hilssorgauisationen in verschiedenen Ländern im Gange seien, die die Schaffung eines allgemeinen Bundes jüdischer Hilfsorganisationen znm Gegenstand haben. In dem neuen Bunde sollen folgend:׳ Organisationen vertreten sein: Die Ieivish Eolonizalion Association, die Alliance Israelite, der Hiissverein der deutschen Juden, das vereinigte Komitee der Angio-Iewisb Association und des Board of Deputier, die Israelitische Allianz in Wien, das American Jewish Committee lind das Hilfskomitee in Franksuri. ״Icwish Ehronicle", das führende Organ der englischen Juden, kritisiert den Plan dieses neuen Bundes in entschiedener Weise. Er wies daraus bin, daß einige der bedeutendsten und einslnßreichsten Organisationen, wie die B'nai Brüh und die zionistische Organisation, anscheinend von der projektierten Vereinigung ausgeschlossen bleiben sollen. Die sieben Gesellschaften, die den Bund bilden sollen, iöniitcii in keiner Weise Anspruch ans eine Vertretung der jüdischen Gesamtheit erheben. Außerdem tadelt das Blatt die GebeimuiSkrämctei. mit der die vorbereitenden Schritte betrieben würden. Jerusalemer Chronik. Dieser Tage traf hier Frau Eva Lion aus New- York mit zwei amerikanisch-jüdischen Krankenschwestern ein. Frau Lion ist von einem amerikanischen Verein jüdischer Frauen beauftragt, in Jerusalem eine Anstalt zur Ausbildung jüdischer Krankenschwestern ins Leben zu rufen. Dem Vernehmen nach lvird auch diese Schule von Herrn Nathan Straus, der zurzeit in Kairo weilt, tatkräftig gefödcrt locrden. Gleichzeitig ist auch Herr Grün, der die Familie Straus aus ihrer diesmaligen Oricntreise begleitet, hier eingetrossen. Einige hiesige Gelehrte beschlossen die Gründung eines jüdischen Vereines für Palästina-Kunde. Die Idee fand auch in Jaffa großen Anklang und es soll dort eine Abteilung dieses Vereines gegründet werden. Auch die Jerusalemer jüdischen Acrzte haben sich nunmehr — gleich ihren Kollegen in Jaffa — zu einer medizinischen Gesellschaft vereinigt. Bei der ersten Zusammcnkunst wurden die Verhandlungen in hebräischer Sprache geführt. Trotz der ungünstigen!virtschaftlichen Verhältnisse ist bei den Jerusalemer Juden doch der Sinn für lilerarischc und künstlerische Genüsse rege. Dieser Tage wurde hier das von David Iellin nach Schillers ״Tcll" hebräisch bearbeitete Drama ״Bar Giora" bei übersülltcm Saal aufgeführt. Ter Autor und die Darsteller lvurdcn lebhaft akklamiert. Skandale in der Duma. Tie vierte Duma hat bisher wenigstens de» Rllf eines ״anständigen" Parlaments für sich erhalte!: Ivollcn. Dadurch zeichnete sic sich von ihrer berüchtigten Vorgängerin ans. Selbst die Purischkctvitsch, Markölv, Tamyslowski und Konsorten hatten feierlich erklärt, daß sic ihre skandalösen Schimpfereien im neuen Hause nicht mehr wiederholen würden. Tenn dazu tvaren sie von oben gemahnt ivorden, während sic sich in der gebildete» Gesellschaft durch ihr Benehmen cinsach unmöglich gemacht hatten. Lange hat jedoch auch in der vierteil Duma die Herrlichkeit nicht gedauert. Am vorigen Mittwoch haben bereits Purischkcwitsch und Markow bei zlvci Anlässen dieselben Skandale arrangiert, durch die ihr Ruf bcgründet worden ist. Es handelte sich für sie darum, wiederum ihren fanatischen Antisemitismus zu dokumenticreil. Aus der Tagesordnung stand ein Projekt der Regierung, laut welchem die Verpachtung von Majoratsläudercien in Russisch-Polen gestattet werden soll. Die Negierung hatte einen Passus eingefügt, der den Juden und Aomadenstämmen die Pachtung von Majoratsbodcn verbietet, die Opposition hingegen hatte den Antrag gestellt, den beschränkenden Passus zu streichen. Diese Gelegenheit benützte mm Markow, um eine Hetzrede schlimmster Sorte loszulasscn. Er warf sodann den oppositionellen Abgeordneten solche Beschuldigungen an den Kopf und beschimpfte sic dermaßen, daß ein nichtendcnwollcndcr Sturm sich erhob. Daß auch die Affäre Iusrschinski herhalten mußte, braucht nicht erst gesagt werden. Es war eben ein regelrechter Pogromappell, der nur durch die Eutrüstuiigsrufe der Linken gedämpft wurde, während Markolvs kongenialer Kollege Purischkcwitsch sei» altes Metier iviederaufnahm und Ausdrücke in den Sitzungssaal hiucinschmettcrte, die der Dlunapräsident aus Schaiitgcsühl einfach aus dem Stenogramm streichen ließ. Aehulichc Tobsuchtsszene» seitens der Rechten ivicderholten sich später bei der Beratung der Kadetten znr koalittionssreiheit. Das Vermögen der Warschauer Gemeinde. Dem letzten Berichte der jüdischen Gemeindeverwaltung in Warschau entnehmen >oir folgende Taten: An Wertpapieren besitzt die Gemeinde 1,022.005 Rubel, an unbeweglichen Gütern 1,440.553. Die Einnahmen im Jahre 1912 erreichten die Höhe von 504.107 Rubel. Hiervon wurden 150.000 Rubel an Gehalte, der Ren für Tempel- und Wohltätigkeitszwccke verivendet. Erlcichterungcn der Naturalisatio» in England. Infolge vielfacher Vorstellungen von jüdischer und liberaler Seite hat das Home Office verfügt, daß die bisherige Gebühr für die Naturalisation fremder Staatsangehöriger von 5 Pfund aus 3 Pfund crmäßigl werden soll. Alick sind bezüglich des Bildungsnachweise-: erhebliche Erleichterungen geschaffen ivorden. Tie Vetordnung hat in jüdischen Kreisen lebhafte Befriedigung hervorgernsc». Ein ncucs Siiisonic-Orchestcr in Newyork.. '0׳: erhalten die Mitteilung, daß sich in Nelvyork ein neues Sinfonie-Orchester unter der künstlerischen Leitung oo» Herrn Mar MargoliS gebildet hat, das sich den Namen ״The Ieivish Philbarmoiiic Society of Nelvyork" beigelegt hat lind in der lausenden Saison drei Konzerne ycraiistalten wird. Als Zweck der Gesellschaft lvird uns die Pflege guter Musik sowie die ״Stärkung des indischen Nationalgesühls durch die Heranziehung von Kompositionen und Küttsilcrii jüdischer Religion" >>enannt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.