Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1913)
- Date
- 1913-03-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XIV!2. Jahrg. Nummer 11 Wiener Erscheint jeden Donnerstag. Wschr -H! Bezugspreise: j | giic Lesterreich-llngarii, halbjährig . Krone» ö.20! l ganzjährig.Slroncu 10.— I; Teutschland, ganzjährig.Mark 10.— | j Rußland, ganzjährig.Rubel 5.—; ן Balkan, Frankreich.Franks 12.— 1 Einzelne Nummer 20 h. , ־□- -W ^nserale: die kspaltige Pelilzeile 20 h. HcrauZgeber: Max Hickl. Buchbnndleriiche Vertretung: Ltto .Ulemm, Leipzig. lÄeschäfrsilelle. Wien: :!laienlnrinslraße Nr. '11.?elephan 2000,yill- 2prcchjlnnden van 10 —12 llbr Pojlsparkajsakanla Nr. 212.812. llnverlangie redaktianelle Beiträge werden nicht hono rierr. — Manuskripten ist Rückporto beiznfngen. Brünn—Budapest Wien, 13. März!»13 4. Avar scheut 5073 Prag—Lemberg. ׳Aus dem Inhalte: Ter Wortbrnch?ininäniens. — Prof. Tr. Rurrein. — Ter Sittenrichter von?lussig. — Wiener Nachrichten. —?!ndschan. — Titnun! de-:׳ zionistischen Aktionskomitees. — Eine indische Teputation beim Zaren. — Korrespondenzen. - - Tie Parabeln von einem guten Freunde. Kommerzialrat Louis Feist, Frankfurt, geslorben. — Gabriel Fürst: Agndas Iisroel. — Eine jüdische Gemeinbürgschaft. — Tic Schädigung der russischen Volkswirtschaft durch die Juden- Verfolgungen. — Prof. Tr. Tchwarz, Agram: Tkizzen ans dem volkswirtschaftlichen Leben der Inden in der Vergangenheit. - > Der Wortbruch Rumäniens. Ter Protest der Juden jener Gebiete, die nun Rumänien als Lohn für seine während des Krieges der Balkanstaaten mit der Türkei bewahrte Neutralität fordert, ist bisher ohne neu nenswerten Widerhall geblieben. Weder die Mächte, noch die übrige Iudenheit haben ׳ich ,11,׳ einer Tat ansznrafsen vermocht, ja mehr noch, selbst die sonst allzeit bereite redegewandte offiziöse Interpretationsmaschine hat bisher keinen Anlas; gefunden, dieser Frage näher zu treten. Blos; der Mailänder ״Comere de la fera" ist hereits zweimal, u. a. auch in einem Artikel des Minisrerpräsidenten Lnigi L n z a 111 unter Hin weis auf den Berliner Vertrag mit Rücksicht aus die bevorstehende Aenderung der Balkankarte in warmer Weise dafür eingetreten, das; der jüdi scheu Bevölkerung jener Gebiete, die Rumänien znsallen sollen, die volle Gleichberechtigung und Religionsfreiheit, die sie bisher genossen haben, gewahrt bleibe. Tonst haben die Inden bisher nichts als Antwort erhalten, als die platonischen Versicherungen des bulgarischen Ministerpräsidenten, die jüdischen Forderungen dem Ministerrate zu n» terbreiten. Tas; dieses Versprechen nur ein Akt der Höflichkeit ist und selbst wenn es zur Ansführnug kommt, gar keine praktischen Folgen haben wird, ist von vornherein klar und wird j wohl auch von den beteiligten Kreisen nicht anders aufgesaßt worden sein. Traurig und tief bedauerlich ist es nur, daß die Mächte sich i:1 tiefes Tchweigen hüllen und keine Veranlassung zum Einschreiten finden. Tiefe?Rächte, die den Berliner Vertrag unterzeichnet haben, müßten eigentlich noch heute eine nachdrückliche?!achtragsforderung an Rumänien stellen, das die klaren Paragraphen jenes Vertrages einfach übersieht und selbstherrlich seine eigenen Weae wandelt. Tiefe Mächte müßten sich eigentlich cingestehen, daß sie den Juden Rumäniens noch immer zu ihrem verbrieften und kodifizierte:!?!echte zu verhelfen haben und daß jetzt die bene Gelegenheit sei,?!nmäniens ossenknndigen Wortbruch au den Pranger zu stellen und die selbstverständliche .Korrektur zu fordern. Heute stehen die Mächte wieder vor der Frage, wie sie sich dazu stellen sollen, wenn?tumäuien ihm 11xid)t gehörige Gebiete seinem Lande einverleibl.; Ilnd wieder trifft es sich, daß in diesen Gebieten Juden wohnen. Und wieder muß die Frage aus j;1ד1ד1טי11'1ך werden, was geschieht mit diesen Iuden, die bisher unter relativ günstigen Verhältnissen ihrem Verdienst nachgehen konnten, wenn die rumänische BojarensanN das Regiment über sie erlangt? Ter Berliner Vertrag, durch den unter -.1:1■ deren! auch die llnahhängigteit Rumäniens v-.׳n den Mächten anerkannt wurde, sagt eindeul-g und klar in den Artikeln 12 und l l: 'Artikel 12: Tie hoben kontrahierenden Parteien erkennen die llnahhängigkeitRnmäniens an, indem sie sie an die in den beiden folgenden 'Artikeln aufgezählten Bedingungen knüpfen. 'Artikel l>: In .Rumänien darf der 1111terschied der Religionen und Bekenntnisse nie mandem als Grund der 'Ausschließung oder der Unfähigkeit entgegengestellt werden, inioweil er den Genuß der bürgerlichen?!echte, die Zulassung zu ösfentlirheu 'Aemlern. Funk tionen. Ehrensielleu oder die Ausübung der verschiedenen Gewerbe und Indnsirieen be trifft, an welchem Crte es auch sei. Tie Frei heit und öffentliche 'Ausübung aller Rulle werden allen Einheimischen des rnmänischen Ttaates, sowie den Fremden gesichert und lein Hindernis darf ihnen weder in der hierarchischeu Lrganisaliou der Gemeinden »och in deren Beziehungen zu ihren geistlichen Häuptern iu den Weg gelegt werden. Tie Untertanen aller ׳.?lächle, Handelstreihende oder andere iverden iu?iumänien ohne 11». terichied der Religion aut dem Fuße vollnän diger Gleichheil behandelt. Tomen der Berliner Vertrag, bei welchem die '.?lächle eingenanden, daß die Klausel bezüg!ich der Gleichberechtigung der?teligionen gegen «jrouiffeton. Die Parabeln von einem grausamen Freunde. 1. Es war einmal ein Tatiriker, der das, was er liebte, mit scharfen, schneidenden Worten geißelte, so lange die dunkeln Tchatlen zu weiche!! versagten von seines Lieblings Teele.... Und er wählte die schärfsten Wendungen, die wie Pfeile verwunden sollten, tief und lauganhaltend. Und er lauschte mit verhaltener Kraft und mit seiner ganzen Liebe auf die 'Antwort. Und ein Schmerzensschrei oder ein erkennendes Teufzen hätten ihn glücklich gemacht, in der Bewußtheit kommender Besserung. 'Aber seine ersten Pfeile prallten wirkungslos ab. Wie ein eherner Panzer schützte die Telbstherrlichkeit sein liebes Teuerstes und diese Telbstherrlichkeit war das Hindernde, die Wehr gegen Besserung und Erkenntnis.... Ta wandte sich-der verschmähte Tichter in die Ferne und wollte vergessen. 'Aber er konnte es nicht. Tenn seine Liebe war stärker als sein Zorn und seine Treue mächtiger als seine Erbitleruug. Und er wählte sich neue Waisen, die er mit seiner Liebe schärfte, mit seiner Treue schmerz bringender machte und er sandte sie in einem zornigen 'Auaenblick alle gegen seinen geliebten Freund und schickte den Gruß ׳einer Liebe ihnen nach. Und da trafen sie. bohrten sich fen ein in den Panzer, zerbrachen seine Bindeglieder, io daß er siel und der Körper nun da stand uuge schützt und verzweifelt . Wiederum lauschte er und bossle ein Wort der?teue, ein Ttammeln des Bekennens zu hören; sehnte sich mit der ganzen Gin! seiner Tichterseele, seiner Tichterliebe danach.... Und endlich schien es zu kommen. Tchien endlich Erlösung zu bringen seiner Pein. Ta tat es den Mund aus, das sonnige und doch schattenbehastete Lieb und srug: ״Warum quälst du mich so und weshalb ist so lieblos dein Wort und so grausam deine Wunde?" Also!!alle es ilm wiederum mißverstanden. 'Ausichiuchzend in zornigem, ungeheurem Wen sprach nun der Tichter: ״Tie!!', ich Hab' meine Liebe iu Galle ge ivaiidelt und meine Zärtlichkeit in polternden :Heim und meine Irene in Grollen. Und ick! hatte gehofft, Hn würden dich nach den Gründen fragen, an dein Herz pochen und würdest meine 'Angst um dich fühlen in meinem Z,ür!1en. meine bange Torge in meinem bitteren Won, meine Liebe in »!einer ranhen Klage. Tu aber lia't all dies nicht gefühlt, den Tchmerz, nur gejammert, den ich׳ dir ׳.׳,׳gefügt in größter Liebe. To wisse denn: Ich sag' mich los von dir. Tenn dn halt dich losgesühlt von mir. Han deinen Tchmerz siegen-lassen iu dir. daß er brüllend alles über schrie, was dich erkeuue» lassen sollte. To wine. ich sag' ,!!ich los von dir!" lind daun war! der Tichter noch einen Blick zorniger Verzweiflung ans seinen Liebling und ging iu die Wune, um seine Liebe in den Tand zu iingen. Ta, als er fehlte und sein Lud,!ein ipöt tisch, höhnend Lied seiner Liebe nicht mehr er Telephon Nr• 21.990. In vornehmster Ausführung von K 30 — aufwärts nur in dem In- und Ausland bestens eingeführten Spezialhause für Synagogen ־ Ornate Rudolf Goldstein, WIEN, 11״ Taborstrasse 54. Illustrierte Preiskataloge an Interessenten gratis und franko- Ziv׳l- und Uniform-Schneider.