Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1913)
- Date
- 1913-03-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr 10 Attische Sette 3. chend dem Lande, dem Orte und ihres Verhältnisses werden sie zu den mannigfachsten Berufsarten hingezogen. Am Lande sind sie Agrarier, in den Städten Handwerker und Kaufleute, dabei üben sie auch das Kriegsgewerbe oder wählen die Beamtenlaufbahn. Sie sind also nicht das ausgesprochene Handelsvolk. Diese Erscheinung tritt überall zutage, wobin wir das Auge wenden. In der eigentlichen Heimat sind sie vorwiegend Ackerbauer. Das; sich da schon zur Zeit Nehemias eine Differenzierung zwischen dem Kleinbauer und den! Großgrundbesitzer entwickelt ist eine norinale Erscheinung, die bis heute überall anzutreffen ist. Ebensowenig befremdet es, daß im neuen Jerusalem die Gruppe der Krämer und Schmiede (oder Goldarbeiter) besondcrs genannt wird. Gewiß gab es in Jerusalcm später auch andere Handwerker, sowie in Alexandrien, in dessen gewaltiger Synagoge jede Berussart ihre besondere Abteilung hatte, sie also gewissermaßen Vereinigungen oder Zünfte bildeten. Die talmudische Literatur bietet sowohl in der Halacha, also im gesetzlichen Teil, als in der Hagada das Bild eines ökonomisch entwickelten Lebens, sie zeigt uns den Juden in allen Beruscn. Zeigt z. B. die Einführung des Thoravorlescns am Montag und Donnerstag für das in die Stadt strömende, seine Bodenprodukte feilbietende Landvolk den agrarischen Hintergrund, so verweisen hagadische Erzählungen über warcnbeladcne Lchifsc auf die Intensität des Handels. Wird an einer Stelle der Reichtum durch den Besitz vieler Weingärten und Felder gekennzeichnet, so wird anderswo der Viehreichtum hervorgchoben, wieder anderswo das Bargeld als Zeichen des Vermögens anerkannt. Wenn man vereinzelten Aussprüchen in der talmudischen Literatur keine allzugroße Bedeutung beimißt, und das Volk der Juden aus dem Milieu damaliger Zeit nicht isolierend heraushebt, wozu auch keine Veranlassung besteht, kann man bei ihnen keine besondere Vorliebe für den Handel, oder gar für das Geldgeschäft, konstatiercn. Sie haben sich in die herrschenden Volkswirtschaftlichen Verhältnissen eingegliedert. ״Ter jüdische Kaufmann war wohl zu keiner Zeit in den Stammsitzen wie in der Zerstreuung, eine unbekannte Erscheinung: aber die Masse des Volkes fand in anderen Erwerbszweigen ihre Nahrung" (Karo). Also zuvorderst im Ackerbau, in welchem die Differenzierung zwischen Grundbesitzer und Pächter, Kleinbauer und Großgrundbesitzer aus unzähligen Stellen des Talmud erwiesen wird, dann im sehr verbreiteicn Handwerk, von dem Hunderte der Talmudlehrer sich ernährten, und das durch das Bei ׳ spiel der früher erwähnten großen Synagoge in Alexandrien in der Diaspora erhärtet wird Die Verhältnisse in der griechisch-römischen Diaspora waren dieselben wie im Mutterlande Darüber haben wir wohl keine so zahlreichen Daten wie im Talmud für Palästina und Baby lonien. Aber es ist nicht zu ersehen, weshalb im Okzident andere ökonomische Verhältnisse geherrscht hätten als im Orient. Wenn es noch im t!. Jahrhundert massenhaft jüdische Grundbesitze!.׳ in Italien gegeben hat. so waren deren Vorfahren gewiß keine Kaufleute, sondern ebenso Ackerbauer. Der springende Punkt liegt eben da, im llebergange der Juden vom Ackerbau zum Handel, der etwa vom 5. Jahrhundert an beginnt. Welche Gründe haben diesen Ucbergang hervorgerufen? Aeußcre oder innere? Sind die Juden gezwungen worden den Ackerbau auszulassen und sich dem Handel zuzuwenden, oder haben sie aus eigener Lust diesen Wechsel vorgenommcn? Einen angeborenen Hang zum Handel besaßen sie nicht — wie die bisherige Darlegung erwiesen —, also konnte nur äußerer Zwang sie von der Scholle zur Ware verdrängeit, vom L a n d e in die Stadt treiben. Dieser äußere Zwang trat mit der Ehristianisierung des röinischen Reiches ein. Es klingt vielleicht drollig, aber die Geschichte beweist es, das Christentum hat den Juden von deiit Boden, von der Erdschölle losgelöst, ihin die Bodenständigkeit genontntcn, was moderne Nationalökonomcn nicht hindert, den Juden den Mangel an Bodenständigkeit vorzuwerfen, sie zu N o m et b e n zu machen. Das Vordringen des Christentums irn römischen Reich und dann weiter in den Ländern Europas änderte die volkswirtschaftliche Lage der Juden, aber nur in Europa. Die gesetzlichen Einschränkungen hatten vorerst den Zweck, die Juden zu bekehren, den Gläubigen mit der Fülle des Rechtes auszustatten, den Ungläubigen rechtlos zu machen. Diese Einschränkungen er- Jtunclfcftaii. Jüdische Volksversammlung in Krakau. Mittwoch den 2f>. Februar veranstaltete die jüsekretür des A. IS., über;udenluin" referierte. Der r-icht-n wohl nicht das ersehnte Ziel. die Süden.! *״, ״״«״״■״־ befet>umg, sie schassten jedach Unterschiede in »f«״^'' ״TSי״"י *״ ' der Bevölkerung, deren Folgen sich dann auch,^: ~ ' וי ־?יי . ‘ im ökonomischen Leben bemerkbar machten "F׳" gegenwarkige Lage ,in mußten. Die ersten christlichen Kaiser vertrieben'^"" ,ch.lder.e vor 1 ׳״״״c6t land die Juden aus dem Staatsdienste. Sie behalten *!״״ ״״b 7״ ■״"״ jedoch weiter Amt und Würde in der Gemeinde-: ״*b״ bec ״!k2 "־a״bcr״: a״b, u .. ־ Verwaltung. Dazu konnten sie indessen nur als,'°'^. י״״״י״ז^‘־« den!eei« ״ *ert«״- Grundbesitzer gelangen. Spätere Verordnungen""b b1c :"7״' ׳""1"ך erschweren ihnen oder machen ganz unmöglich! ...״öcc ״ ״יftucik•״!; ״ i״ ״.. das Halten von Sklaven. Ohne Sklaven toor1"״״" ..Ta. «*wr״״ •״er ,״burfn•״ '.lUnd״ aber die Bewirtschaftung größerer Grundbesitze unmöglich. So war cs in Italien und in Spanien. Eine große Masse der hier seit Jahrhunderten wohnenden Juden waren Ackerbauer und Grundbesitzer. Als anfangs des 8. Jahrhunderts die Araber Spanien eroberten, erhielten auch die' Konferenz der galizische» Tonnhcehallen ümifinden mit Juden Landbesitz. Das hätte man doch gewiß! sollender Tagesordnung: >. Tie Tätigkeit der Zentrale nicht getan, wären sie diesem Berufe nicht auch ״, Lemberg. ttkieserenr Tr. Josef Löwenherz.) 2. C;. lisiereit hat. ״Ta. 2chasfen einer ludnehen Macht >» Palästina soll jetzt die Devise der zionistischen Politik sei»." Tlürmischer. Innganhaltender Beifall folgte seinen gelungenen Anssührnngen. Tie Konferenz der galizische» Tonnbeehallen in Lemberg. Lonnlag den l». März 1!».! ivird in Lemberg die früher obgelegen. Aber selbst in den Ländern wie Frankreich und Deutschland, in die die Judeneinwanderung erst mit dem 4. bis 5. Jahrhundert beginnt, also in einer Zeit, da sie vom Grundbesitz ausgeschlossen werden, wenden sich Juden dem Ackerbau zu, besitzen sie Grund und Boden, denn eine Verordnung des lateranischen Konzils (1215) fordert den kirchlichen Zehent auch von jüdischem Grundbesitz. Häuser und Felder erscheinen manchmal als Objekte der Mitgift. Um das Ende des ersten Jahrhunderts warcn die Juden im großen und ganzen aus dem Ackerbau verdrängt. Die gesetzlichen Einschränkungen, die soziale Zurücksetzung, Plünderungen während der Völkerwanderung hatten dein Großgrundbesitzer geraten, sein Vermögen in mobiles Kapital umzusetzen, das er leichter schützen konnte, und der Kleinbauer, der von der religiösen Intoleranz seiner Nachbarn zu leiden hatte, seinen Acker aufzulassen und einen anderen Beruf zu wählen. Es muß hier jedoch noch ein Moment betont werden. Es wurde früher erwähnt, daß die Zahl der Juden im 1. bis 2. Jahrhundert 5—fi Millionen betrug. Wenngleich diese Zahl nicht authentisch ist, steht doch so viel fest, daß in manchen Ländern große Massen Juden wohnten. Im achten Jahrhundert finden wir in keinem Lande mehr Judenmassen. Es gibt überall kleine Gemeinden, zumeist in den Städten, aber nirgends ist ihre Zahl groß. Wohin sind die Judeninassen geraten? Wir wissen von Zwangstaufen im vormohammedanischen Spanien und anderen Gegenden seit Justinian, der mit seinem römischen Gesetz die Juden rechtlos machte. Aber mehr als die Zwangstausen haben die Uebertritte zuin Christentum die Zahl der Juden im 5. und <>. Jahrhundert verringert. Aus dem obigen wird es wahrscheinlich, daß gerade der ackerbauernde Teil der jüdischen Bevölkerung zu den liebertritten das größte Kontingent geliefert hat. Ilm die Wende des ersten Jahrtausends haden die Juden in Europa aufgehört Landbesitzer und Landbewohner zu sein. Sie wohnen in Städten und wenden sich städtischen Bernsen zu, also dein Handel und Gewerbe. iOOOOOOGOOO®OCCCf Achtung! Der heutigen Nummer liegen Posterlagscheine bei und werden die P. T.! mpfänger dringend ersucht, die Abonnementsgebühr nach Erhalt der heutigen Nummer zu bezahlen. Die Administration. «w*«’ ®!«*:'*!®;♦!'*־Ti* 2 Sternhof I bestes aller Bitterwässer. flaunatio» der Alifklärungsarbeil. ׳ :)(efcu'iit Tr. Isidor Schneider.);5. Tie Tonnbeehalle und ihr Verhältnis zur jüdische» .Kultnssrage. ׳:liefere»! Tr. M. tzieier.t t. Tie Tohnbeehalle ai. ErziehniigSaiiilali. )Beferem Tr Ja- ::uz Schipper.) Zum Bcilisprozrß. Ter Prokuraior Loschkarcw Hut bereit, die ttiikersiichung und den Beschuldigung.- ukt gegen Beili. beendet und ihn und denselben, un du. Jusiizmiitislericun ubgeschickl. Ter Prokura!»!: beschuldigt gleichfalls Beili. des!liitiialiiiordes, Sa »um seiner Anschanung die Juden unbedingt Blut zu ri. tuellen Zwecken benähen. (*in polnischer Jude als Kriegsminister von Abessinien. Moritz Hall ivur KriegSmiilisler unter dem König Theodore, von Abessinien, eine. Vorgänger, de. Aegu. Menelik. Al. junger Bursche ging ec nach Boniban, ivo der Bruder seines Vater, ivohnte. Er wollte hier ein Geiverbe erlernen, um sich hier eine tSrislenz gründen zu können. Ter Bruder seines Vaters war hier auch ein recht wohlhabender Mann gelvorden. In Bombah erlernte nun Moritz Hall das Metallgießergcwerbe und brachte es auf diesem webieie ,;u einer große» Je engkeit. Theodore, von Abessinien beabsichtigte nun, eine eigene Kanonenfabrik in Abessinien zu gründen, um hier die notwendigen ltzeschütze selbst Herstellen zu können. tS׳r ließ durch seine Beamten nach einem tüchtigen Metallgießer suchen. Ta Moritz Hall dem Könige gm empfohlen worden >var, so ivucde er von ihm angeskell! und erhielt den Auftrag, die abssinischen Kanonen her zustellen. Hall verstand es. sich da. Vertraiten seine, königlichen Herrn in hohem Maße zu erwerben. Er erhielt hohe tShreiislellungen >i»d mußte deti König de. öfteren auf seinen Kriegszügcn begleiten, schließlich ivurde Hall abessiniscker Bürger, er heiratete eine Allessinierin und stieg auf der Ehrensinfenleiler bi. zu dein :klänge eines Kriegsminislers. den er lange Zeit inne hatte. Auf diese Weise gelangte der ehemalige poluiiäie Jlide zu dieser hohen!!!!litärischen Ttellnng. Friedman». In Aewhort fand kürzlich eit! J-amilieMag der Jriedmann. statt, zu dem über 2'!1> Jriedniani». er schienen waren. Auch die Ahnfrau ian aller llkeivuorker ,Jtiedinailn. tvar in der Person der fast neunzigjällrtgen Iran Miriam J-rieduiann erschienen. Tie alle Dame ist vor mehr als Jallreii vo»> Warschau itach Aeiv vork gekommen und sal: atu JannlieMage nicht ive- Niger als läl direkte Aackikommen um sich versriiiimeli, tt .Kinder, tili tSnkel und 7 t llrenkel. Konferenz der Ungarlnudischcii Machiike Havtis Miskolcz. Hier fand die Vollversammlung ix׳ Ilngarländischen Machjike Hadas-r rganisationen slal>. An deriellleii nahtiieti Präsident Frankl, soivie zab: reiche orthodore :liallllnier teil. siegen de» polnische» Vopkott. Zürich. Tie polnischen ׳Akademiker und Tludenict׳ au. ganz Westeuropa nahmen anläßlich eines hier statigefundeuen Kongresses i» eiitschiedener Weise gegen den polnischen Bnkoll in Warschau Tiellung. Tee .Kongreß ioemHizierte sich nur in einer Beziehung lmt den Polen und zwar betreffend der eingeivanderiet! Liltauer Juden, die al. :kiussen atizusehen sind, naa, dem sie russischen ltzem nach Poleii bringen. lSiii jüdisches Museum in Palästina. Pari.. Baron Edmiliid v. ülothschild tim einen großen Kompler in Palästina angeballt, lim dortseibt: ein jüdische. Museum zli errichten. Baron :>loths)U!!d wandte sich bereit, an den lShacham Basch!, um bi׳ Bewilligung, bei der Piorte hierzu z>1 erlangen.