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Jüdische Volksstimme · 1913-03-06 · Heft 10 (6.3.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 10 (6.3.1913)
Date
1913-03-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Teste 4 ״Jüdische BolkSsttmme". Nr. 10. Regierung haben sich die jüdischen Bankhäuser mit Bekämpfung der Epidemien im Kanton Neuvillc-sureinigen Millionen Mark beteiligt. In Galizien weilt jetzt der bewußte talentierte jüdische Literat und Schriftsteller Jona Rosenfeld aus Warschau. In allen größeren Städten Galiziens werden zu seinen Ehren literarische Abende arrangiert au ׳ welchen der Autor seine eigenen Sachen vorträgt. Archäologische Ausgrabungen in der Krim. Petersburg. DaS Mitglied der kaiserlichen Archivkommission CH. Lcfter erstattete seinen Bericht über die Ergebnisse seiner Forschungen auf der Krimcr Halbinsel. Unter anderem ist demselben folgendes zu entnehmen. Auf den Bergen Mangiskole befinden sich Ruinen einer alten jüdischen Synagoge, sowie einer Mikwah. Ferner legen viele Grabsteine mit hebräischen Inschriften Zeugnis ab, von der hohen Stellung, die die Juden in der Krim einnahmcn. Der Forscher nimmt an, daß die Juden bereits vor 2200 Jahren hier eingewandert sind. Eine merkwürdige Schlachtung. Elberfeld. Der bekannte Agitator gegen die jüdischc Schächtmethode, Dr. Klein, hat, um den Beweis zu erbringen, daß das rituelle Schlachten eine Tierquälerei ist, einen Ochsen von einem Fleischcrburschen abschlachten und sofort entfesseln lassen, so daß das Vieh infolge mangelhaften Schnittes noch einige Schritte springen konnte. Diese Szene wurde für ein Kino ausgenommen. Der Tierfreund Dr. Klein hat, um den Juden mit ihrer Schlachtmcthodc eins aufs Zeuge zu flicken, das Tier in der niederträchtigsten Weise gequält. Kommentar überflüssig. Jubiläum eines jüdischen Professors. Heidelberg. Das 2Sjährigc Jubiläum des bekanntcn Professors Dr. Goldschmidt, wurde in feierlicher Weise begangen. Dr. G. wurde von der Regierung ausgezeichnet. Ein alter Veteran. Minsk. Der bekannte hebräische Schriftsteller Israel Mäher Wollmann verschied im 96. Lebensjahre. W. war einer der ersten Redakteure, der vor 50 Jahren unter dem Namen ״Hakochowim" erschienenen hebräischcn Zeitung. Arons Grab gefunden. London. Der englische Forscher Julian Grande hat im Cameraklub zu London über seine Reisen in Aegypten und Arabien jüngst einen Vortrag gehalten, er hat auch Bericht erstattet über das heilige Grabmal auf dem Berge Hör, das nach der Ucbcrliefcrung als Arons Grab gilt. Es ivird von den Mohammedanern eifersüchtig gehütet, und Julian Grande hält sich für den ersten Europäer, dem cs vergönnt war, das Innere des Grabmals zu betreten. Auch kein Jude soll seit Jahrhunderten in dem heiligen Grabmal gewesen sein, da die Mohammedaner cs als eines ihrer Nationalcigcntümcr anschcn. Herrn Grande ist cs trotz der cifersüchtigen Bewachung gelungen, eine Phowgraphic des Innern aufzunehmcn, die er zur weiteren Forschung und Klarlegung wissenschaftlichen Stellen untcrbrcitcn will. Der Forscher fand nämlich an der Wand einige yrabische Inschriften, aber auch gewisse hebräische Zcichcn, die auf ihn den Anschein großen Alters machten, und von denen er annimmt, daß sic, wenn entziffert, von großem wissenschaftlichen Werte sein lvcrdcn. Es war Herrn Grande wegen der überaus strengen Aufsickü unmöglich, die Inschriften in der kurzen Zeit zu kopieren. Medizinisches. Newyort. Die ,,Sun" teilt mit, daß der Rabbiner Dr. Friedman», der sich um die Organisation von Tubcrkuloschcilstättcn auf interkonfessioneller Grundläge verdient gemacht hat, einen Aufruf zur Sammlung von fünf Millionen Dollars der Ocffentlichkcit unterbreitet um eine rationelle Bekämpfung der Schwindsucht in die Wege zu leiten. Seltsame Verordnung. Kalisch, Rußland. Ter hiesige Polizcimcister erließ eine Verordnung auf Grund welcher den jüdischen Bäckern der Auftrag erteilt wurde, ihre Bärte abzuschneiden und das Gesicht sich rasieren zu lassen, da sonst ihr Gebäck in hygienischer Hinsicht nicht cintvandfrei ist. Die jüdischen Bäcker rckuricrtcn gegen diese merkivürdigc Verordnung und motivierten Ihren Einspruch damit, daß das ״Rasieren" vom religionsgesetzlichcn Standpunkte aus verboten sei. Selbstmorde infolge von Ausweisungen. Kursk. Der hiesige antisemitische Gouverneur Muratow macht cs sich zum Prinzip, das Gonverncment zu cntjuden. Es wurden zahlreiche Judenauslvcisungcn erlassen und haben mehrere Juden ans Vcrzwciflung Selbstmord begangen. Dir neue türkische Anleihe. Bei der jüngst gemachten Anleihe der türkischen Eine abgewiesene Deputation der jüdischen Juristen. , Petersburg. Die Delegierten der in der Kictocr Univcrtsität absolvierten jüdischen Juristen wurden bei der Regierung vorstellig, um denselben zu bewilligen, sich als Hilfsadvokaten zu betätigen. Der Jusrtzminister machte der Deputation die Mitteilung, daß die Regierung die Zahl der jüdischen Advokaten unbedingt dezidirren werde, bis die Zahl derselben sich aus 3 Prozcnt reduziert habe. Fürwahr schöne Aussichten. Eine jüdische Autonomie in Marokko. Fez. Das jüdische Ghetto, das während des. Pozroms vernichtet wurde, wird mit Hilfe der Stadtvrr- :valtung wieder erbaut werden. Die Stadtverwaltung beschloß, den Juden, um sie zu ehren, eine eigene Vec- .valtung im jüdischen Viertel unter dem Präsidium )cs Pascha cinzuräumen. Das Sekretariat wird der Lehrer der Allianzschule innehaben. Lachende Erben. In Petersburg starb ein reicher Jude, namens Tschazkin, der sein ganzes Geschäft un&j Vermögen seinen nichtjüdischcn Angestellten vermachte. Emigratio.. nach Spanien. Unter der Salonikier jüdischen Bevölkerung macht sich eine Bewegung bemerkbar, die Juden in Spanien zu kolonisieren. Wie bekannt ist, beabsichtigt die spanische Regierung den Kolonisten in jeder Beziehung an die Hand zu gehen. Die Juden in Jemen. In Jemen leben 30.000 Juden, hiervon beschäftigen sich mehr als die Hälfte mit dem Handwerk. Der Talmud genießt bei denselben nicht kanonischen Wert. In religiösen Fragen richten sic sich nach dem Gcschbuchc der Jad Hachasoka. ״Kultura Polzka". In Warschau wurde der Boykottvercin ״Kultura Polzka" von der Regierung ausgc- .öst. Durch die Tätigkeit dieser Organisation sind Hundcrtc jüdischer Existenzen zugrunde gerichtet worden. Das Elend in Galizien. Infolge der fürchterlichen wirtschaftlichen Verhältnisse in Galizien müssen die maßgebenden Faktoren besondere Hilfsakttioncn einleiten. So hat der Kolomeacr Magistrat seit drei Wochen Arme ohne Unterschied der Konfession mit 2—3 Kronen wöchentlich unterstützt. Tie Juden in Südafrika. Laut den Ergebnissen der letzten Volkszählung bcfinden sich in Südafrika insgesamt 47.000 Juden. Es entfallen demnach auf je 1000 Seelen der Gesamtbevölkcrung 36 Juden. In Capctown gibt es bereits 6800 Juden, von denen die ״Cape Times" schreiben, daß sie nicht so sehr durch ihre Zahl, als durch ihre Arbeitsamfeit und Intelligenz auf dem Gebiete des Handels und der Industrie auch im öffentlichen Leben einen großen Einfluß haben, da cs unleugbar ist, daß der Aufschwung der südafrikanischen Städte in erster Reihe der uncrschrockcncn Pionierarbeit der Juden zu danken ist. Es ist überhaupt fcstzustellen, daß auch in Südafrika die Juden, die ein großes Element von Einwanderern darstellen, zum größten Teile 142.4871 in den Städten und nur 4280 in Landgemeinden leben. Eine Demoiistration. Strastburg. Die Straßburger Studentenschaft veransialtetc am 13. Februar d. I. zu Ehren des aus dem Lehrkörper der Universität scheidenden Historikers Prof. Breßlau einen Fackelzug. Prof. Brcßlau ist Jude. Wie verlautet, hat der Verein jüdischer Studenten an dieser Ehrung nicht tcilgcnommen, weil Brcßlau seine Kinder hat taufen lassen. Für die Armen in Jerusalem. Mil Rücksicht auf die schwierige ökonomische Lage in Jerusalem hat die Alliance den Betrag von 10.000 Franken dorthin geschickt, die zur Zahlung der Miete ״iit die arme Bevölkerung verivendet werden sollen. Das ehemalige Rothschildschc Bankhaus in Frankfurt a. M., das vor etwa 100 Jahren von den Brüdern Rothschild errichtet und bis zur Schließung des Franksurter Hauses Rothschild vor rund 10 Jahren als Bankgcbäudc diente, ist von der Baronin Edmond de Rothschild in Paris der Frankfurter israelitischen Gemeinde mit der Bedingung geschenkt ivordc», daß es neben den Zwecken der Gemeindeverwaltung auch weiter jüdischsozialen Ztvccken (zurzeit befindet sich eine Haushaltungsschule für jüdische Mädchen darin) dienen soll. Die Zahl der Juden in den okkupierte» Gebieten. Rach einer amtlichen Statistik haben die Balkanverbündele» seit Beginn des Krieges bis jetzt ein Gebiet von 170.400 Ouadratkilometcrn mit einer Bevölkerung von 5,195.878 Seelen okkupiert. Davon halten die Griechcn ein Gebiet mir 1,846.000 Bewohnern besetzt, von denen 73.930 Juden sind. Das von den Bulgaren bcsetzte türkische Gebiet besitzt eine Bevölkerung von 1,506.154, von denen 12.100 Juden sind. Das Waschen der Hände. In einer der letzten Sitzungen der Akademie des Sciences hat der mit der Saonc betraute Arzt Dr. Henri Rondet ein Referat gehalten über die besten Mittel zur Abwehr des Typhus. Als hauptsächlichstes Schutzmittel empfiehlt er häufiges Waschen. Er sagt: ״Eines der einfachsten und leichtesten Mittel gegen die Verbreitung der Krankheitskeime ist, sich beim Verlassen der Aborte die Hände zu waschen, um die Verbreitung der Mikrobe auf die Nahrungsmittel, das Geschirr, die Milch usw. zu vermeide.». Wenn alle Franzosen sich beim Verlassen der Aborte die Hände waschen würden, würde diese Krankheit und viele anderen, die Dissentcrie und die Cholera z. B., die im Darm ihren Nährboden finden, aus Frankreich verschwinden." Er empfiehlt dann, daß eine derartige 'Verordnung den Kindern der Volksschulen, den Leuten in den Kasernen und. auf den Kriegsschiffen cingeprägk werde. — Uns ist damit nichts Neues gesagt. Darüber enthält schon unser Schulchan Aruch ein besonderes Kapitel mit der Uebcrschrift: ״Das Waschen der Hände." Diskontodeseilschaft bei der Nordösterreichischen Bankr Kr Industrie, Handel und Landwirtschaft, regiatrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung in Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgeschälte, hauptsächlich auch für den ע Eskompt offener Buchforderungen | unter den allergünstigsten Bedingungen. | ff Wiener Hadmditcn Baron Gustav Springer und die Jemenitenaktion. Wie aus dem Nationalfondsausweis der vergangenen Woche zu ersehen ist, hat Baron Gustav Springer a»f Veranlassung des Ingenieurs Robert Stricker den Betrag von 1000 Kronen für ein Jcmenitenhaus gespendet. Derselbe Baron Gustav Springer hat anläßlich des Eucharistcnkongresses in Wien diesem nicht weniger als 500.000 Kronen zugcwendet. Das erinnert cm die Bnßpilgcr im Mittelalter, die auf dem Wege ins heilige Land auf je drei Schritte Vorwärtsschxcitens stets zwei Schritte zurückgingcn. Wenn man den Vcrgleich ziehen darf, so hat es Baron Springer noch radikaler gemacht. Bevor er einen Schritt nach vorwärts machte, ging er gleich 500 Schritte zurück. Das heißt, um in der Proportion zu bleiben: Auf 500.000 K für antisemitische und klerikale Zwecke kommen nach der neuartigen Methode des Juden Gustav Springer 1000 K — Beschwichtigungsgelder. Tenn als solcbe stellen sich die 1000 I\ heraus. Seiner Gnaden waren die ständigen Angriffe, die er wegen der halben Million Kroncnspende für den Eucharistenkongreß von seiten der jüdischnationalen Presse auszustchcn hatte, miau־ genehm, er ging deshalb hin und besänftigte die ecregten Gemüter mit einer Spende von — taufe n d Kronen für ein Jemcnitenhans. Schade, daß der Nationalfonds weder Titel noch Orden auszuteüeu bat. Ich glaube, 8a- Kompensationsspcndc wäre ) um ungleich höher ausgefallen. Jüdischer Turnverein, Leopoldstadt. Die kousiituiercnde Versammlung dieses Vereines findet am Sonntag den 9. d. um halb 11 Uhr vormittags im Turn saalc der Talmud-Thora-Schnle, 2. Bcz., Malzgasse »'■, iiatt. Vor Beginn der Versammlung Turnen. Gäste willkommen. Beitritte werden im Turnsaale entgegengenommen. Scholanm-Alcichem in Wien. Der bekannte jüdischc Humorist Scholaum-Alcichem (Nabinowitzl weili seit einigen Tagen in Wien. Der Dichter laborier: an einem Nierenleiden, das ihn zwang nach Wien zu tommcn.. Scbolamn-Aleichem begab sich ins Rothschildspital, cs stellte sich jedoch nach eingehender Untersuchung heraus, daß er in häuslicher Pflege belassen werden könne, da das Leiden kein schwerwiegendes sei. Purim. Tie gesamte Judcnheit feiert.in fröhlicher Stimmung den Tag. da ein Teil unseres Volkes 'in uralter Zeit vor dein Untergang errettet wurde. In allen Bewänfern wird die wunderfame Mcgilath Esther verlesen und von den Anmächtigen der spannenden Schilderung der Begebenheiten gelauscht, als ob sie sich nur einma! und niemals wieder ereignet hätten. Und doch wissen wir, das; auch heute die Mehrheit unseres Volkes inmitten eines Vcrnichtungskampfes steht. Dieser Kampf erreicht seinen Höhepunkt in einer Gegend, die vielleicht im Machtbereich des

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