Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1913)
- Date
- 1913-02-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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"E." ^f^w^zfvrrws^zrj y«*r>, ’ ,»-'^,■w׳,,׳.)^ Nr. 9. jüdische ».lk-sti««e" Seite 8. Brigade, die polizeiliche und militärische Dienste im Bedarfsfälle versehen würde. Der Kriegsminister sprach sich über diese Institution in lobender Wiese aus. Die Juden in Griechenland. In Griechenland leben 8000 Juden, die Hauptsächlich in Athen, Terkola, Korfu, Larissa und Wola sich aushalten. Die meisten sind wohlhabend, bekunden aber fürs Judentum sehr wenig Interesse. Lariffa ist die einzige Gemeinden, die eine jüdische Schule besitzt. In den anderen Gemeinden gibt es wenig jüdische Institutionen und Vereine. Nach langjährigem Schlummer fand im Vorjahre eine Versammlung der griechischen jüdischen Gemeinde» statt. Blutmärchen in Amerika. Haiz bei Pittsburg. Bei einem Herrn Jakob Müller standen zwei slawische Mädchen in Diensten. Anläßlich einer Feier im Hause gen. Herrn verließen die Mädchen aus angeblicher Angst, daß man sie zu rituellen Zwecken abschlachten könnte, das Haus und verbargen sich. Die Eltern der Mädchen versuchten hieraus Kapital zu schlagen und die Beschuldigung gegen die Juden weiterzuverbrciten. Nach kurzer Zeit gelang es, der verschwundenen Mädchen habhaft zu werden. Jüdische Opfer im Balkankrieg. In Stromica sind zwei Juden von Bulgaren getötet und alle Geschäfte ausgeraubt worden. Ter Schaden beträgt 500.000 Franken. Uesküb. 80 jüdische Familien sind ihrer Ernährer beraubt worden. Tie meisten Juden befinden sich im Kriege. Telephon in Jerusalem. Hier wurden Telephone cingeführt. Vorläufig nur in Negicrungsgcbäuden und Konsulaten. Ein jüdischer Soldat verunglückt. Ropzcise, Galizien. Am 18. d. begab sich der jiidische Reservist Karpf aus Zsezow nach der ungefähr zwei Kilometer entfernten Truppe in Witkovise, um dort als Wachposten den Dienst zu versehen. Um 2 Uhr 20 Minuten wurde er bereits als Leiche mit zertrümmertem Schädel aufgefunden. Vom Gewehr waren nur einzclnc Teile vorhanden. Ein jüdisches Museum in Petersburg. Anläßlich des Sterbetages des Barons Günzburg, wurde ein jüdisches Museum, das den Namen Günzburgmuscum führt eröffnet. 3500 Judenprozesse. Minsk. Ter hiesige Gouverneur wurde nach Petersburg berufen, um Aufklärung wegen der vielen jüdischen Prozesse des unbefugten Wohn׳- rechtes wegen zu geben. Ungefähr 3500 Juden- Prozesse entfallen durchschnittlich auf einen Monat. Die Verurteilung lautet gewöhnlich auf Konfiskation des Vermögens und Ausweisung. Die Judengcmeindc von Gallipoli. Gallipoli, wo jetzt so hochwichtige Ercigniste sich vollziehen, hat eine angesehene Judcngemeinde, die in den letzten Jahren verschiedene Katastrophen durchzumachen hatte. Tie letzte dieser Katastrophen war das furchtbare Erdbeben vor einem Jahre, durch welches das Judcnvicrtcl von Gallipoli fast vollständig zerstört wurde. Eine Sammlung, an welcher sich die Juden der Türkei stark beteiligt hatten, sowie eine Unterstützung seitens der jüdischeuropäischen Organisationen machte cs den Juden in Gallipoli möglich, ihre öffentlichen Anstalten wieder aufzubaucn, und ivenigsrcns den am härtesten Betrofsenen eine neue Eristenzmöglichkeit zu sichern. Erst vor einigen Tagen meldete ein Brief aus-Gallipoli, daß die Judenstadt daselbst fast wieder vollständig aufgebaut sei, und nun wird diese so oft heimgesuchte Gemeinde wieder den Schrecknissen der Belagerung ausgesetzt. Aus Frankreich. In den letzten acht Jahren sind acht jüdische Offiziere zu Generälen, 14 zu Hauptlcuten, 21 zu Leutnants, 107 Kapitäne, 30 Rcgimentsärzte, 20 Kommissäre, ferner 100 Richter, 50 Minijterialbeamte, 202 Professoren und 30 Ingenieure ernannt worden. Ebenso ist eine größere Anzahl von Juden in den Polizeidienst ausgenommen worden. In den letzten 00 Jahren gab cs in Frankreich sechs jüdische- Minister. Gin jüdisches Mutter- und .Kinderheim in Berlin. Ter Frauenvercin der Berliner Logen U. O. B. B. (E. V.) hat am 3. Februar D. I. im eigenen Hause, Brunnenstraße 41, ein Mutrer- und Kinderheim eröfnet. Zweck des Heims ist, jüdischen Müttern vor und nach der Entbindüng mit ihren mindern Ausnahme zu gewähren. Von einer Eröffnungsfeier ist abgesehen worden, da der genannte Frauenverein am 9. März diefcs Jahres sein 25jähriges Bestehen durch eine Feier im Marmorsaal des Zoologischen Gartens festlich begehen wird. Ein Festmahl vereinigt die Festteilnehmer am Abend im Logenhaus, Kleiststraße 10. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNGS-GESELL- SCHAFT, WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. Im eigenen Palais. — Versichertes Kf pital ctrlta 400 Millionen Reserven ci.ka 116 Millionen Kronen. — Billigste Tante, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tarif mit 5°/0 jär rlich fallender garantierte P ämie, Generalagentur für Wien, I., Asp. rnptatz 1, Leiter David Nebenznhr. Sub. Direktion für Prag, Ferdinand srr. 20. neu, Lei er Robert Gerstel Sub. Direktion für Lemberg, Szajnocbj 3, Leiter Läbl Taubes. Hauptagentur für Brünn, Wawiastrasse 10. L8iter: Samuel Reiniger. Sprcdifaaf. Sehr geehrter Herr Redakteur! Zu dem Berichte aus Berlin in der Brünner ״Jüdischen Volksstimme" über die seitens des Jüdischen Frauenbundes geplante Aktion zugunsten der jüdischen unehelichen Kinder in Galizien erlaube ich mir zu bemerken, daß meine Anregung in Ihrem geschätzten Blatte nicht bloß in Berlin, sondern auch in unserer Monarchie auf fruchtbaren Boden fiel. Gleich nach dem Erscheinen meines ersten Artikels in der ״Jüdischen Bolksstimme" erhielt ich ein Schreiben vom Obmann des Jüdischen Schulvereincs, Hrn. Friedrich Mautner zu Prag, worin er mir mitteilte, daß der Jüdische Schul-- verein in seiner Generalversammlung beschlossen habe, der Frage der Versorgung jüdischer unehelicher Kinder näherzutreten und sich in dieser Angelegenheit mit dem Vorstande der Wiener Kultusgemeinde ins Einvernehmen zu setzen. Bei der bekannten Energie des wackeren Obmannes des Jüdischen Schulvereines ist zu hoffen, daß die von ihm geleitete Aktion vom schönsten Erfolge gekrönt sein wird. Jedenfalls gebührt der ״Jüdischen Volksstimme" das Verdienst, diese wichtige Angelegenheit auch in Oesterreich angeregt zu haben. Zwittau. Tr. Felir Kanter. Sehr geehrter Herr Redakteur! In Ihrem w. Blatt Versuche zur Erklärung des Wortes שדק״", das, wie es scheint, sch.n begonnen hat dem Gebiete der Wissenschaft anzugt hören, nachdem es praktisch bald übet flüssig geworden ist.- Hiermit möchte ich mir auch erlauben, die Ab stommung des Wortes שדכן״" nachzuweisen, und ich bitte Sie, hochgeehrter Herr, gewähren Sie mir Raum in Ihrer werten Zeitung. Suchen wir zunächst die einfachste Ueberfetzung des שדק. Wir finden, daß in!5!־ Kapitel 8, Passus 1 der תרנום יונתן בן עוזיאל die Worte!וישבו ד,מיי mit ואשתדבו מיא übersetzt, bann in אבתד erklärt ebenfalls der Targum die Worte ,והמת המלך שבבד Mi ורתחא דמלבא אשתדיבת in שופטים abersetzt derselbe -Targum עוזיאל p יונתן (denn bekanntlich bete steht man bei Thora allgemein unter Targum, den T. Unkelis, während נך nur עידאל gibt) die Worte ית שקוט הא-ן mit ושדוכת ארעא. Wir sehen nun immer das Wort שדך mit ״beruhigen", ״stillen" übersetzt. Welcher Zusammenhang das mit שדמן haben kann, werden wir gleich st Herr. Im Talmudabschnitt ,מוטה ב lautet eine Stelle: א מד י־, יהוד ׳א״ר מ׳ יום קודם יצירת הולד בת כול ירא בדם לפלו׳ Also vierzig Tage vor Schaffung des Kindes ruft eine himmlische Stimme aus, wenn es dann in ewigem Bunde der Ehe verknipst sein wird. Wenn es heißt, daß eine himmlische Stimme ausrust, so ist das gemeint, daß sie nicht aufhört, bis sie die Mission erfüllt hat, wodurch sie erst außer Wirkung kommt. Denn ungestillt zu sein, harrt die himmlische Stimme ebenso des Gegenbefehles, wie es des Befehles bedurfte, daß sie in Kraft tritt. So finden wir z. B. in :בשלה ויט משה את ידו על הים ונו Dieser Zustand ändert sich aber ויבאו בני ישראל בתוך הים ביבשה nicht, auch nachdem die Juden bereit» trocken da» Meer überschritten hatten» und e» bedurfte erst de» Gegenbebefehle-, wie eS bann heißt: ויאמר יד אל משה נטה את ידך וישבו המים um die Gewässer zum ursprünglichen Zustand zurückzubringen. DaS בת קול, die himmlische Stimme, die die künftige Ehehälfte eines Kinde» noch vor der Geburt au»- ruft, von der der Talmud spricht, hält die ganze Zeit an und hört erst auf, wenn sich beide Ehehälften auf Erden getroffen haben. Der Vermittler de» Paare» wird nun שרבן genannt, nach gegebener Ueberfetzung de» Wortes ״Beruhigen", ״Stiller", weil durch seine Bermitt lung eben jene Stimme sich beruhigt, aushört und still wird. DaS ist nach meiner Ansicht die Erklärung de» Wortes, bei dem ein Herr hier, als er diese» Wort in einer deutschen Zeitung nicht in den Or ginallettern sondern: ״Schadchen" erblickte, verwundert ftagte, was das bedeute und man ihm sagte, da sei שרעי damit gemeint, da bemerkte er boshaft: das ist gar kein Schadchen sondern ein großer Schaden. — — — Nehmen Sie, hochgeehrter Herr Redakteur, den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung entgegen, sowie meinen besten Dank für Ihre Liebenswürdigkeit! Oberrabbiner Dr. Meier Thenen-Jassy. <6orretponäenzen. Olmütz. Tie Zionisten Vieser Stadt haben einen schönen Erfolg zu verzeichnen: bei den in der zweiten Februarwoche stattgehabten Kultusgemeinde-Ergänznngswahlen wurden zwei Ansschußmitglieder des Olmützer Bürgervereines ״Zion" (die Herren Tr. Artur Taussik, Bahnkoininissär, und Arnold Jellinek, Likörfabrikant» mit großer Majorität in den Ausschuß der Knl tusgemeinde zu vierjähriger Fnnktionsdauer gewählt. Beide Mandate wurden den Llmüver Zionisten seitens des offiziellen Wahlkomitees zugebilligt. eS entfiel also diesmal die Notwen digkeit des Wahlkampfes, wie er sonst bei dem gleichen Anlasse ausgefochten werden mußte. Tie bisherige Gemeinderepräsentanz ist eben zu der Erkenntnis fortgeschritten, daß der Zionismus ohne Rücksicht ans die Zahl feiner Anhänger eine Volksbewegung darstellt, welcher schon vermöge der von ihr ausgehenden regenerierenden Wir kung eine Vertretung in einem jüdischen Gemeinwefen gebührt. Tas Beispiel, das in dieser Hinsicht die größte Kultusgemeinde Lesterreichs, die Wiener, gegeben hat, beginnt vorbildlich 11,׳ wirken. Vivat sequens! Jüd. Handlnngsgehilfen-Berband. 2:111,1-;׳ tag den 15. d. veranstaltete der Jüdische Handlungsgehilfenverband in Freisiadt i. Schl, eine Propagandaversainmlung, um nun endlich auch die dortigen jüdischen Angestellten zu einer Orts gruppe znsammenschließen. Tie Versammlung, bei der die jüdischen Angestellten Freistädts vollzählig erschienen waren und der auch zahlreiche Kollegen ans der Umgebung sowie aus Tombrau-Orlau beiwohnten, eröffnete Kollege A. Löwy mit einer kurzen Ansprache, in der er die Notwendigkeit einer jüdischen Angeskelltenorganisation auSeinandersevte. Tas Referat über: ״Tie Lage der jüdischen Angestellten" hielt Koll. Gutmann auS Lrlan, dessen klare Ausführun gen allgemeine Zustimmung fanden, schließlich wurde eine Resolution im Tinne der Gründling einer LrtSgruppe des I. H. B. angenommen, und traten alle Freistädter Kollegen ausnahmslos der Lrganisation bei. Mit den Arbeiten bis zur Konstituierung wurde ein dreigliedriges Proponentenkomitee betraut, bestellend ans den Kollegen A. Löwp (Obmann der Krankenkasse». L. Wohlmuth (Obmann des Gehilfenausschusses 1 und I. Roller. Hiermit ist nun bereits die dritte Ortsgruppe des I. H. V. im Lstrauer Koblen becken zur Wirklichkeit geworden (Tombrau- Orlau. Mähr.-Oftrau, Freistadt»! bereits in den nächsten Tagen wird Oderberg Nachfolgen, wodurch dann die Zahl der Ortsgruppen I. H. V. auf neun gestiegen sein wird.