Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1913)
- Date
- 1913-02-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 ״Jüdische VolkSstimme". Nr. 9. jedoch den Kaufmann nur benachteiligt, weil er so sein Geschäftsgeheimnis Unberufenen preisgeben mutz, werden die Abg. Reitzes und Breiter die Gesetzwcrdung dieses Elaborats auf jeden Fall zu verhindern suchen. Der Religionsunterricht und dir Lage der ReligionS- Generalversammlung des Vereines TifereS Bachurim. Sonntag den 9. Februar fand die diesjährige Generalversammlung des Vereines Tiferes Bachurim unter ganz außerordentlicher Beteiligung im Turnsaale der Talmud Thora statt. Der Saal war bis auf das letzte Plätzchen befetzt. Die Abwesenheit Sr. Ehrwürdcn des Herrn Rabbiners Fürst, der erkrankt ist, wurde allgemein tief bedauert. Unter den Erschienenen bemerkte man Herrn Rabbinatsassessor Baumgarten und die Vereinsrabbiner der verschiedenen orthodoxen Bethausvereinc:' Rabbiner N. Friedmann, Rabbiner M. Flcischmann, Rabbiner H. Schenk, Rabbiner Goldstein, Rabbiner Benedikt, Rabbiner Flesch. Der Vorstand des Adas Jisroel war nahezu vollzählig erschienen, ebenso Vertreter der Bethausvereine Talmud Thora, Marpe Lanefesch, Thora-Ez-Chaim, Machsike Hadas, Einheit u. v. a. Nach Begrüßung durch den Obmann I. H. Pinkas, hielt der Oberrabbiner Benjamin Seidl aus Galantha die Festrede. Er setzte mit wahrer Bcgcisterung auseinander, welche Bedeutung die Thora und deren Erhaltung für das Judentum besitzt. Die geradezu einzigen Ausführungen machten auf die mehrhundertköpfigc Zuhörerschaft einen Eindruck, der sich mit Worten nicht schildern läßt. Nachdem die Wellen der Begeisterung sich gelegt hatten, wurde der Rechenschaftsbericht erstattet. Aus demselben ist ersichtlich, daß der Verein in den letzten Jahren, seit er sich unter die Patronanz der Adas Jisroel stellte, einen raschen Aufschwung nahm. Er zählt jetzt 251 Mitglieder. Seine Einnahmen betragen ungeführ 2300 K. An 20 Wiener Kinder, die auswärts an einer Jeschivah Talmudstudien betreiben, werden Stipendien von monatlich 10 K biß 20 K ausbczahlt. In Vertretung der Adas Jisroel brachte Dr. Reiniger dem Verein Grüße und den Tank für die Tätigkeit, die eine Ergänzung des Wirkungskreises der Adas Jisroel sei. Der Bericht wurde einstimmig genehmigt. Nach der Generalversammlung fanden sich die Freunde des Vereines im Hotel Newyork zu einem fröhlichen Mahle zusammen/ Bei demselben wurden von den anwesenden Rabbinern, Oberrabbiner Seidl, Rabbiner Flesch, Schenk, Benedikt, Goldstcin, Herren Salomon Schreiber, Wolf Pappenhcim. Prof. Antscherl, Moritz Felfenberg, die Gäste — mehr als 200 — durch Thora erfreut. — Eine würdige Ergänzung und Vervollkommnung des Glanzes dieses Festes war der entzückende Vortrag einiger Gesangsstücke durch Oberkantor Müller. Herzlicher Dank gebührt dem Junghcrrenkomitee, das dieses Bankett arrangierte und an dessen Spitze Herr I. Brody stand. Es war ein herrlicher Abend, der allen in Erinnerung bleiben wird. Wien. Im Rahmen eines von der Direktion der ״Jüdischen Bühne" im eigenen Saale Hotel Stcphanic, Taborstratzc 12, zu Ehren des bekannten jüdischcn Dichters S. I. I m b c r veranstalteten litcrarischen Abends liest der Dichter Montag den 3. März I. I., um 8 Uhr abends, aus eigenen veröffentlichten und unvcrüfcntlichtcn Werken. Autzcrdcm wird Herr Deutsch, der berühmte Tenor der ״Jüdischen Bühne" in licbenswürdiger Weise einige vertonte Lieder des Dichters zum Vorträge bringen. Das Wiener jüdische Publikum, dem der Name I m b c r nicht unbekannt sein dürfte, wird auf das reichhaltige Programm dieses Abends besonders aufmerksam gemacht und höflichst ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Nach der Vorlesung folgt die Aufführung des bekannten Gordinschcn Dramas: ״Die Schchitc". DiskontoGesellschaft bei der - Nordösterreichischen Bank für Industrie, Handel and Landwirtschaft, regtetnertc Genossenschaft mit beschränkter Haftung in Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgescb&fte. hauptsächlich auch für den Eskompt offener Buchforderungen unter den allergünstigsten Bedingungen. Srünner Macfmcfitcn. Vortrag Dr. Gi'mzig. Borfrag Dr. I. Günzig. Am 23. d. hielt Rabbiner Dr. I. Günzig aus Loschitz in der hiesigen Toynbeehalle vor einem zahlreich erschienenen Publikum einen überaus intcreffanten Vortrag über Sabbatai Zcwi und die durch ihn hervorgerufene mcssianische Bewcgung. Herr Dr. Günzig, bei seinem Erscheinen von allen Seiten lebhaft begrützt, ist, wie der Vorsitzende Herr Sonderling mit Recht hervorhob, von jeher ein lieber Gast der Toynbeehalle, der sich durch seine gedicgenen und intcreffanten Vorträge, die Sympathien des hiesigen Publikums längst zu erwerben wutzte. Der Redner schilderte zunächst in lebhafter Darstellung das erste Auftreten Sabbatai Zcwis in der Mitte des 17. Jahrhunderts und die Begeisterung, die ihm von der gesamten Judenhcit entgegengcbracht wurde. Er führte dann aus, welchen bedeutenden Einfluß seine ihm aus Anraten seiner Anhänger angetrante Frau Sarah durch ihr nicht allzu züchtiges Benehmen auf seine Getreuen und auf die Ausbreitung der Bewegung ausübte. Den dramatischen Abschluß dieser höchst wunderbaren Erscheinung bildete bekanntlich die Gefangennähme Sabbatai Zcwis bei seinem Eintreffen in Konstantinopcl im Jahre 1666. Auf Betreibung der Regierung trat er selbst zum Islam über. Nach seinem Tode hat die mcffianische Bewegung noch immer kein Ende genommen. Denn er hintcrlicß viel Anhänger, die hartnäckig in ihrem Glauben an Sabbatai bcharrten und sein System weiter ausbautcn. Ta sie aber nach dem Tode Sabbatais an Macht und Ansehen viel verloren haben und nicht mehr so schädlich werden konnten, als cs früher der Fall war, so verhielten sich die Rabbincn dieser apostolischen Bewegung gegenüber paffiv und traten ihr nicht feindlich entgegen. Es mutzte der Geschichte überlasten werden, die Widerlegung und Auflösung derselben durch Tatsachen zu führen. Dieser Vortrag wurde mit großem Beifall ausgenommen und allgemein der Wunsch ausgesprochen, diesen Gelehrten bald wieder in unserer Mitte begrüßen zu können. Jüdische Toynbeehalle. Sonntag. 2. März, hält Frl. Lya Steif einen Vorfrag. Vermählung. Am 23. Februar fand die Trauung des Herrn Hubert W i e s n e r mit Frl. Jenny U l l m a n n statt. Trauung. Sonntag den 2. Mär^ findet die Trauung des Herr Joh. W o d a k mit Fräulein Adele P i s k o statt. Jüdisch-akad. Redeuud Lesehalle, Brünn. Die Neuwahlen für das S. S. 1913 haben folgendcs Resultat ergeben: chem. I. Büchner, Präses, mcch. S. Spitz, Vizepräses, chem. R. Teutelbaum, erster Schriftführer. /tuncllcliaii. Morris Rosrnfrldfcicr in Prag. Vorigen Mittwoch veranstaltete die Prager Gruppe der ״Poalc Zion" zu Ehren des SO. Geburtstages Morris Roscnfclds eine gelungene Feier im Festsaale des jüdischen Rathauses. Die Festrede hielt Herr Juda Rubin aus Berlin, der eine Charakteristik Roscnfclds gab und ihn dann in die Kategorie der Volksdichtcr einreihte. Dem Vorträge folgte dann die Rezitation einer Ucbersctzungcn Rosenfeldschcr Gedichte, die ebenso wie der Vortrag stürmischen Beifall fanden. Den Höhepunkt der Feier bildeten die Gcsangsvorträgc des Herrn Oberkantors K o r n i tz c r, der Roscnfclds Elulmelodien und andere Gedichte des Meisters in eigenen Kompositionen stimmungsvoll und meisterhaft zum Vorträge brachte. Eingclcitct und bcschloffcn wurde die Feier durch Darbictungcn des I ü d i s ch e n G e s a n g s- und M u s i k- Vereines, der unter Leitung des Herrn Obertantors Kornitzcr steht und wohl eine seiner uncigcnnüpigstcn und dankenswertesten Schöpfungen ist. Der Religionsunterricht und die Lage der ReligionSlehrcr in der Bukowina. Die Lage der Ncligionslchrcr in der Bukotvina ist in den meisten kleinen Orten eine sehr traurige und aus diesem Grunde ist der Ncligionsunicrricht auch sehr mangelhaft. Laut Kultusgcsctz hat die Kultusgcmeindc für den Religionsunterricht für erste, zweite und dritte Klaffe zu sorgen, für vierte, fünfte und sechste gibt der Landesschulrat eine Subvention von 1 Ii pro Stunde, und zwar für tatsächlich gehaltene Stunden. Fällt die Stunde auf einen Feiertag, so fällt auch die 1 Subvention weg. Die ganze Subvention für ein Jahr kann für vierte, fünfte und sechste Klaffe einer Volksschule höchstens 12 bis 180 Ii ausmachen. Die Kultusgemeinden, mit Ausnahme der Czcrnowitzcr Kultusgemeinde und vielleicht noch zwei oder drei Gemeinden, sind so arm, daß selbe aus Kultusmittcln den Religionslchrer höchstens 200—300 Ii jährlich zahlen können, oder nicht einmal so viel, folglich sind die Religionslehrer gezwungen, für so eine kleine Besoldung zehn Religionsstunden zu erteilen. Aus diesem Grunde ist auch der Religionsunterricht sehr mangelhaft, denn der Religionslehrer mutz doch andere Beschäftigung suchen, um sich erhalten zu können.' Der Religionsunterricht beschränkt sich meistens nur auf die biblische Geschichte und noch so manches, aber alles in deutscher Sprache. Was Hebräisch anbelangt, wird sehr wenig oder 'gar nichts genommen. Unsere heilige Sprache ist doch das wichtigste und soll ein-Unterricht in der Bibel usw. erteilt werden. Aber die armen Religionslehrer sind gar nicht schuld daran, denn dieselben werden׳ so bezahlt, daß auch dies überanstrengend ist. Es wäre schon die höchste Zeit, sich auch fite diese Angelegenheit zu intereffieren, und zwar daß die Lage der Neligionslehrer sich bessern sollte und dieselben dann in die Lage versetzt sein werden, den Religionsunterricht mehr Aufmerksamkeit zu schenken. In der Regel wird in jedem Kultussprengel, und zwar wo der Sitz des Kultusgemeindeamtes ist, ein ReligionSlehrcr bestellt. Die anderen politischen, dem Kultussprengel zugewiescncn Gemeinden bekommen, trotzdem eine große mosaische Jugend vorhanden ist, keinen Neligionslehrer und nur aus dem Grunde, weil die armen Kultusgemeinden nicht einmal einen besolden kann, geschweige denn mehrere. Chaim Leiser. Der Boykott der Juden in Ruffisch-Polen. Wir haben bereits Gelegenheit gehabt, uns mit dieser traurigen Erscheinung des modernen Wirtschaftslebens des näheren zu beschäftigen und mußten feststellen, daß in Rußland, übrigens zuweilen auch bei uns, diese raffinierteste Erfindung antisemitischer Villwut, unter den Augen der Behörden, mitunter sogar mit deren direkter Beihilfe praktiziert wird. Die Zustände in Ruffisch-Polen haben sich aber seither entsctzlich verschlechtert. Die Juden, die jahrhundertelang den polnischen Schlachzizcn Handlangerdienste geleistet haben, werden in der schärfsten Weise verfolgt und drangsaliert. Mit den Juden werden keine Geschäfte mehr gemacht, kein polnischer Arzt besucht einen Paticnten, den ein jüdischer Arzt behandelt, kurz, schärfer ist der Antisemitismus wohl selten zutage getreten. Insbesondere die Blätter ״Gazetta Warszawska", die ״Gazctta grosze", der ״Dzien" und der ״Kurier Warszawski" haben die Hetze gegen die Juden zu ihrer proscffion de soi gemacht. Arabische Preßstimmen gegen den Zionismus. In Syrien erscheinende arabische Zeitungen veröffentlichen Artikel, worin die Araber auf die zunehinende jüdische Kolonisation aufmerksam machen. Insbesondere wird der Ankauf von Grund und Boden registriert. 2üjährigcs Schriftstellerjubiläum Ehaim R. BialikS. Am 10. Adar veranstaltete der Künstler und Schriftstellerklub in Odessa eine Feier, anläßlich des 20jährigen Schriftstellerjubiläums Bialiks. Dr. I. Klausner hielt die Festrede. An den abwesenden Dichter wurde ein Begrüßungstelegramm geschickt. Die bucharischen Juden. Die Juden in Buchara sind großen Chikancn seitens der russischen Behörde ausgcsetzt. Ucber 200 Familie,: stehen vor der Ausweisung. Die Nowojc Wremja fordcrt die Regierung zur Ausweisung auch der cingeborenen Juden auf. Ein Rothschildkomet. Am 3. Oktober des Jahres 1911 entdeckte der Astronom Palisa einen neuen Komet, den er mit M. T. 4- 9 — H. bezeichnet!:. Nun wurde der Beschluß gefaßt, den Planet ״Albert" zu benennen. Dies zum Andenken an Baron Albert Rothschild aus Wien, der für die astronomische Wissenschaft große Beträge widmete. ' Statistisches aus Ruffisch-Polen. Dem Statistischen Jahrbuchc zufolge lebten in Warschau im Jahre 1912 287.977, in Lodz 92.558 Inden. In ganz Ruffisch-Polcn 1,131.161 Juden. Ein Täufling, Leiter einer jüdischen Elementarschule. Riga. Der Täufling Mostovics wurde zum Leiter der hiesigen jüdischen Elementarschule ernannt. Mostovics verstand cs, mehrere jüdische Lehrcrstiftungcn zu erhalten. Versammlung der jüdischen Gemeinden Nordamerikas. Vorigen Monat fand hier die 23. Jahresversammlung der jüdischen Gemeinden statt. Zu gleicher Zeit wurde au chdas Rabbiner und Lehrerseminar cingeweiht. iDe anwesenden Delegierten spendeten zur Er- Haltung dieses Instituts 200.000 Dollar. Herr Jakob A. Schiff spendete 30.000 und Herr Julius Roscnwald aus Chicago 25.000 Dollar. Eine jüdische Jugendbrigade in Konstantinopel. Einige Mitglieder des Bene Bcrith Ordens und der Makkabäervereinigung organisieren eine jüdische