Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1913)
- Date
- 1913-02-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. ״JStzische 8,ttesti««e." Nr 9. Prag. Dienstag abend hätte die konstituicrendc Generalversammlung des Antisemitischen Mcdizincrverbandcs stattfindcn sollen. Im letztcn Augenblick wurde die Versammlung abgcsagt und auf unbestimmte Zeit verschoben. — Gründe wurden War keine angegeben, aus eingeweibten Kreisen erfährt aber unser Korrcsponbent, das; den liberalen Studenten Zweifel an der Ehrlichkeit der Radikalen aufgctaucht sind, kurz vor Torschluß haben sic sich daran erinnert, bas; sie seinerzeit von den Radikalen in den Wohnungsansschuß und in den Sportausschuß pro forma ausgenommen, nach der .stonstituicruiig aber glatt wieder hcrausgelehnt wurden. Auch im Profcssorenkollcgium haben sich Stimmen gegen eine so brutale Behandlung fremder Hörer geltend gemacht und die Ocfscntlichkeit hat einstiiilmig für die Russen und gegen die Antisemilen Stellung genommen. To scheint also diesinal die große Gründung im Sande ververlausen zu wollen. Tic berufenen Prager Al reife haben sich auf sich selbst besonnen und sind den ailtiseinitischcn Gelüsten nicht auf den Leim gegangen. Der jüdischnationalen Studcnteiischast bleibt nun Zeit genug, die Oeffentlichkeit genau über die Absichten der antisemitischen Mediziner zu insormieren. Teplitz. Samstag den l. März veranstaltet der Atultusvorstaud in Teplitz einen Fcstgottesdienst zur Feier des übrigen Jubiläums des Rabbiners Professor Dr. Adolf Aturreiu in der Teplitzcr Atultuspemeiude. Lcdccz. Sonntag den lt>. d. wurde auf Peranlassung unseres Herrn Rabbiners in unscrein schwarz drapierten Gemcindctempel in Anwcseilbeit des Vorstandes, aller Gcmeindemitglicdcr, der Vertreter der hiesigen Bezirkshauptmauuschast, des Bezirksgerichtes und des Schulkörpers eine überaus erhebende Tralierandacht für den verstorbenen Erzherzog Rainer abgchalten. Unscr Herr Rabbiner schilderte in beredten Worten in einer überaus rührenden Ansprache die trefflichen Eigenschaften des Tahingcschiedcncn, seine loyale Stellung zu den österreichischen Indell, dessen lRamen und Andenken für alle koniulenden Zeiten in den Büchern der Geschichi und in den Herzen der Bürger Oesterreichs sortlcben wird. Das herzliche Bedanken des Vorslandes und der Vertreter der Behörden war der Lohn für unseren Herrn Rabbiner. Wadovicc. Der hier als Rabbiner und Seelsorger tätige Herr H. M. Rottcnbcrg wurde nach achtjähriger wirkungsvoller! Tätigkeit als Rabbiner nach Antwerpen berufen. Um den vakant gewordenen Posten bewirbt sjch eine große Anzahl Rabbiner und cs wird eine förmliche Jagd veranstaltet. Tie Protektion soll hier eine Hauptrolle spielen. Tic ohnehin bereits entzweite Gemeinde zerstückelt sich weiter und bilden sich zusehends immer neue und neue Parteien, um ibrcn Kandidatcn zum Siege zu verhelfen. Tic Herren Vorstandsmitglieder stehen auch ratlos da. ohne eigentlich zn wissen, was sie!vollen. Wadovicc liegt an der Grenze der westtichen .Kulturländer und des konservativen Galiziens. Aus diesem Grund müssen wir einen streng religiösen Talmud Ebacham erhalten, der auch über solche prosanc Bildung verfügt. Ter neue Rabbiner muh zur Hebung unserer jüdischen Gemeinde für Einigkeit und Eintracht untereinander sorgen. Tiefer Mann darf auch unter keinen Umständen in die bestehenden Tiffcrenzcn und Zwistigkeiten hiiicingczerrt lvcrdeii. Von alle» bisher bekanntgeivordenen Bewerbern scheint keiner die Fähigleiten zu besitzen, um den Zuständen in unserer Ge-!neinde ein Ende zu bereiten. Wir hossen, den Lesern dieses Blattes in .Kürze lvcitcrcs mittcilen zn können. Ucsstip. Bulgarische Bande» wüteten hier in unbeschreiblicher Weise. Zivci Greise sind getötet!vorden. Ter Tempel geschändet. Tie Thorarollcn zerrissen und verbrannt. 2-). jüdische Häuser und 0 Magazine wurden deinotierk. sin Scrcs befinden sich 14-4 finden in grühler Rot. sin Alaslaric haben die Griechen sämtliche Inden beraubt, sin .Kavolice haben die Bulgaren 7 Vorneber der jüdischen Gemeinden gefangen genommen und neun Tage gefesselt gehalten. Tvü 1׳ die Freilassung erhielten sie 215,.000 F-ranien. Petersburg. J!1 der Dumasitznuc; vom 14. d. erhielt der jüdische Deputierte Gurcwitsch das Worr. Er führte aus, daß der llulcrrichtsmiuisrcr hauptsächlich daraus hinarbeitc. den Juden die Bilduustsmösilichkeit zu erschweren. Wenn es wahr ist. daß der Minister das Bestreben bat, die Politik von den Schulen fernzuhaltcn. so geschieht durch das Fernhalten der Juden von den Schulen gerade das Gegenteil. Der Minister nährt den nationalen Haß auf Grund politischer Tendenzen. Solange diese Frage nicht ihrer notwendigen Lösung zngeführt wird, kann von eineiil glücklichen Gedeihen des Vaterlandes nicht; die Rede sein. Der Vorsitzende unterbrach den Redner mit der Bemerkung, die Judcnfrage nicht aufznrollen, sondern zur Tagesordnung zu sprechen. Gurcwitsch verließ die Rednertribüne. Auch die nachfolgenden Redner kritisierten die Tätigkeit des Uuterrichtsministers und ernteten Beifall bei der Opposition. Petersburg. In einer Scnatssitzung sprach sich dje Majorität dafür aus, Polen jüdischer Konfession nicht anzuerkcnncn, sondern nur Juden. Petersburg. Tic Intervention beim Handclsministcr wegen Wiederaufnahme der jüdischen Handelsschülcr in die Handelsakademie blieb ohne Erfolg. Wilna. Der gewesene Dumakandidat Moses Rapcs erhielt vom Ministerium des Innern einen Landesverweis aus drei Jahre. .Kiew. Die jüdischen Kauslcute überreichten der Regierung cnie Bittschrift, ihnen anläßlich der Nomanowfcier zu gestatten, auch in den bis nun verbotenen Stadtteilen sich niedcrlasscn zu dürfen. Ncwyork. Rabbiner Dr. Magnes begründete hier unter dem Namen Ncu-Jsracl jüdische Jugcndvereinc, deren Zweck es ist, die Jugend dem Judentumc zuzuführen. In allen Teilen der Stadt ivcrdcn Vorträge und Versammlungen veranstaltet. Newpork. Expräsidcnt Noosevelt besuchte die strcikcnden Schneider, intervenierte in mehreren Fällen bei den Arbeitgebern mit günstigem Erfolg. Eine große Anzahl Arbeiter haben ihre Forderungen durchgcsctzt und find zur Arbeit zurückgekchrt. * Die P. T. Empfänger werden um gefl. umgehende Zusendung des Abouncmcntsbctragcs ersucht. Weiters bitten wir 11m freuudl. Aufgabe von Adressen, an welche Probenummern mit Aussicht auf Erfolg verschickt werden können. Tic Administration der ״Jüd. Volksstimme". Jaffacr Chronik. Anfang Februar fand hier die Jahresversammlung der Jüdifch-Mcdizinischen Gesellschaft statt. Dr. Pnchowsky eröffnete die Versammlung mit einer Ansprache, in der er ans die moralischeu Erfolge hinwies, die die Gesellschaft durch ihre bisherige Tätigkeit errungen habe, und der Hoffnung Ausdruck gab, das; die Gesellschaft im kommenden Jahre eine Reihe dringender Fragen, die jetzt auf der Tagesordnung stehen, lösen werde. Aus dem von Frau Dr. med. Jonas- Gutmann verlesenen Rechenschaftsbericht ging hervor, daß die Gesellschaft jetzt 1!» aktive Mitglieder in Palästina und (> korrespondierende Mitglieder.im Auslande hat. Im zweiten Halbjahr wurden Referate gehalten von den Aerzlen Belkind, Airinkin, Pnchowsky, Schermann, Schamai, Brünn-Jerusalem, Moscowitz-Rcchoboth, Jakobsohn-Paris, Apotheker Anerbach und Architekt Fabrikant. Letzterer referierte über Bangesetze" in Tel-Awiw. Auf Vorschlag des Dr. Schermann wird die Gesellschaft von nun an ״Jüdisch-Medizinische Gesellschaft in Palästina" (anstatt ״in Jaffa") heißen. Ferner wurde bcschlossen, daß von nun an regelmäßig Jahres- Versammlungen im Frühjahr abgehalten werden sollen. Dieselben sollen den Charakter eines Acrztetages haben. In den Vorstand wurden gewählt: Puchowsky, Airinkin, Schermann und Jonas-Gutmann. Dieser Tage fand hier eine Versammlung zwecks Gründung eines neuen jüdischen Stadt- Viertels statt. Der zu diesem Zwecke gebildeten Gesellschaft schlossen sich 27־ Mitglieder an, darunter auch Sephardim und Jemeniten. Tie Gesellschaft beabsichtigt, weit außerhalb der Stadt, wo geeignete Terrains noch billig zu haben sind, ein einfaches, allen Anforderungen der Hygiene entsprechendes Wohnviertel für ihre Mitglieder zu gründen, wobei jeder Art von Mietsspekulation usw. durch entsprechende Maßnahnlen von vornherein vorgebcugt werden sott. In den Vorstand wurden fünf Aschkcnasim, ein Scphardi und ein Jemenitc gewählt. — Herr S. Jibnaeli, der Initiator dieser Gesellschaft, hofft, daß es gelingen wird, in diesem Viertel eine größere Anzahl Wohnhäuser auch für jene neu eiligewandertcn Jemeniten zn bauen, die in Jaffa als Tagelöhner im Baugewerbe, in den Zement- und Fliesenfabriken usw. tätig sind. In der Tat wird allgemein festgestcllt, daß die Jaffaer Jemcnitengcmcinde durch die letzte Einwanderung einen sehr nützlichen und fördernswerten Zuwachs erhalten hat. Cüeater-Kun^cA au. Wochcnspielplan. Donnerstag den 27. Februar, 136, A.-V., 4. S. braun: ״Eva". Herr Boogaarts a. D. Freitag den 28. Februar, 137. A.-V., 1. S. grün: ״Der Zigcunerbaron". Herr Boogaarts a. D. Samstag den 1. März, 138. A.-V., 2. S. rot: ״Rigoletto". Sonntag den 2. März nachm.: ״Die schöne Helena"; abends: 44. S.-V., 4. S. braun: ״Die Hochzeit des Mozart" (Erstaufführung). Theaternachricht. Donnerstag und Freitag findet ein Gastspiel des Opcrcttentenors Herr Boogaarts vom Linzer Stadttheater auf Engagement statt. ״Gabriel Schillings Flucht" von Gcrhart Hauptmann, aufgcführt vom Ensemble der Freien Volksbühne in Wien. Dieses neue Thatcr hat in der kurzen Zeit seines Bestandes schon schöne Erfolge errungen. Dieses Hauptmann-Drama behandelt die Tragödie eines Dichters, der sich von zwei Frauen, dadurch befreit, daß er sich ins Meer stürzt. Die Darstellung war eine sehr gute. Ausgezeichnet die Regie Dir. R u n d t der inmitten dieser Natur aus einer einsamen Insel ringenden Mcnschcnscclen, ganz zum Ausdruck brachte. Herr Förster konnte mich nicht ganz befriedigen, trotzdem war er sehr gut. Einige Szenen gelangen ihm tadellos; Herr Lindner schuf als Gabriel Schilling eine fein durchgcarbcitetc Gestalt. Die bedeutendste Leistung bot Maria Mayer in der Rolle der hystcrischen Jüdin Hanna Elias; cs war die beste Leistung des Abends. Frl. K a r st c n als Lucic sei auch hervorgehoben. Aber auch Frl. L e s ch k a und Herr Klit s ch haben zum Gelingen des Abends beigctragen. H. G. Bon auswärtigen Bühnen. In der Wiener Volksopcr gelangt Mittwoch den 26. d. Mascagnis ״Jsabean" zur Uraufführung in deutscher Sprache. Die neuen Alostüme sind nach Entwürfen von Profcsior Heinrich Lefler angcfcrtigt. — Die Direktion der Neuen Wiener Bühne hat Herrn Fritz Schrcckcr, Mitglied des Stadtthcatcrs in Troppau auf drei Jahre engagiert. — Aus Dresden wird gemeldet: Das neue königliche Schauspiclhaus : erwarb Karl Hauptmanns Märchcndrama ״Die armseligen Bcsenbindcr" und Schmidtbonns Drama ״Ter verlorene Sohn" zur Uraufführung. — Aus Berlin, wird berichtet: Nach jahrelangen Bemühnngcn ist cs gelungen, einen Zusammenschluß der beiden Vereine ״Freie Volksbühne" und ״Neue Freie Volksbühne" zu erzielen. Die Hauptbcstimmung des Vertrages sichert hierbei beiden Vereinen voll Sclbständigkcit bei Abschluß von Verträgen mit Thcaterdirektorcn usw. — Aus Budapest wird berichtet: Das Schauspiel ״Die drei Musketiere", das gegenwärtig das Repertoire des Nationaltheaters beherrscht und dessen Autor der bekannte Schriftsteller Franz Hcrczcg ist, wird in einer von dem ungarischen Autor selbst besorgten deutschen Ucbersetzung an der Neuen Wiener Bühne zu Beginn der nächsten Spielzeit aufgcführt werden. 1913 Wochenkalender 5673. גשי אדר Febr. Festtage הפטרה M ים 26 D ב 27 F כא 28 S 1 ויקה:1 וישר־ הפלך S כ: 2 שלפה M עך " 3 D כה?4 M בי «5 D F כו g 6 s 7 יום בב•:־ קטן(םיקדם> S בם 8 כובד״ה׳ שב־ שקדים' פקודי בן שבע שדם vr. Rudolf Katbolicky ge«. Crtter der ° l.cbirfl.HDUllinfl der Eande»KranK<nanstalt wobat: €tke Terdinand$ga$$e und!Jobaitnesgasse <>«»,« ordiniert tigllcb von 2 dir 4 Uhr nachm. Jerntprecber Nr 803. ״Glücksrad" in Brünn. Noch viele Millionen .Kroncn werden in Haupttreffern verlost. 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