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Jüdische Volksstimme · 1913-02-27 · Heft 9 (27.2.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 9 (27.2.1913)
Date
1913-02-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 9 Seite S. hin, daß die Kollegen in Prag und Vororten dem Verbandstage bis auf ein Vorstandsmitglied, fernbleiben, wahrscheinlich weil sic die traurige Lage des Standes nicht spüren. במה לא הלי ולא מרגיש נברא רמריה סייעיה In der Tat sind alle bei der Regierung untcrnommenen Schritte anläßlich der Beratung über die Dienst- Pragmatik etwas auch für die Rabbiner herauszuschlagen, erfolglos geblieben und man muß auch jede Hoffnung aufgeben, in absehbarer Zeit etwas zu erreichen. Mit Bedauern wurde konstatiert, daß selbst der Präsident der böhmischen Hauptgemeinde, der dem Verband und dessen Mitgliedern gar wenig Wohlwollen entgegenbringt, diesen Standpunkt auch anläßlich des Ablebens des gewesenen Präsidenten des Vereines in der Weise zum Ausdruck brachte, daß weder der Verband noch die Rabbiner die geziemende Verständigung erhielten. Daß einem vom Präsidenten zur Teilnahme und Abhaltung eines Nachrufes designierten Mitgliede die Erlaubnis des Vorstandes versagt wurde, sei hier nur nebenbei erwähnt. Doch heißt cs מיתה מיבפ״ת Der Tod wirkt versöhnend! In der Debatte wurde das geringe Ansehen beklagt, das der Rabbiner in der Jetztzeit infolge des Niederganges des Judentums und der Erschwerung der Lebensverhältnisse genießt, und es wurden auch manche Wege gezeigt, die Abhilfe zu schaffen geeignet wären. Hierzu wäre jedoch zu bemerken, daß eine Besserskellung des Rabbincrstandcs nur die Rabbiner selbst anzubahnen die Kraft hätten. Schon der Talmud spricht den Gedanken aus: אם ראית דור שצרות באות עליו י<יא ובדוק בדייני ישראל Wenn du siehsr eine Generation, die über böse Zeiten tiagt, so gehe hin und betrachte das Zusammenleben der jüdischen Dajanim (Rabbinerj. Wie schmerzlich muß es jedem Ernstdcnkenden berühren, daß unter den Rablauern selbst jedes Solidaritätsgefühl und jede Rücksichtnahmc des einen Kollegen für den anderen gar seli.׳n zu finden sind. Gewiß würde eine staatliche Einh.bung der Kultusstcucr in der Form eines Zuschlages zur Personaleinkommenstcuer, eine Systcmisierung der Rabbincrslellen und der Anstellungsbedingungen und 'Auszahlung der Gehalte durch den Staat nicht nur das ׳Ansehen des Rabbiners selbst, sondern auch das des >׳?.::zen Judentums zu heben vermögen. Wenn auch die gußen Hauptgemcindcn dagegen wären, so würden die kleinen Gemeinden dies daher freudig begrüße», weil sic darin eine Erleichterung Hütten und eine Eriröj'üchung, ihren religiösen Verpflichtungen nachzukommen. Die Rabbiner wieder müßten nicht, um eine Slelle zu erlangen, alle möglichen, ja, oftmals crniedrigendcn Wege cinschlagcn, jeder würde die seinen Fädigkeiten und Leistungen entsprechende Anstellung sind:». Es würden aber auch dann die Klagen verstummen, הרשע מבודר הצדיק על בן יצא משפט מעקל daß, 1: rchdcm Männer, die meistens in hebraicis inkompetent und jedes Wissens bar sind, das Ernennungsrecht ׳ . Rabbinern ausüben, dehalb solche traurige Zustä herrschen, und man deshalb tüchtige Rabbincn s! n muß. — Der hierauf abgehaltene Vortrag des D - Schwarz, Prag, über ״Die Leviratsehe im Juden! ", dessen Grundgedanke dahinging, die ״Chaliz E als nichtobligat zu erklären, sowie sein Antrag, de tzrovinzrabbinern als Ersatz für die Spesen anläßlia, er Teilnahme an den Gencralversammluiigen eine R'trag bis zu 10 K aus Vercinsmitteln zu gewähre!׳ anbei! keine Zustimmung der anwesenden Landrabt ,c. — Alles in allem ein recht mageres :Aesultat und Enttäuschung aus Schritt und Tritt. Ein Landrabbincr. Der neue Oberrabiner für Großbritaunien und die Kolonnien. Aus London wird berichtet: Nach einem langen Interregnum von mehr als eineinhalb Jahren, die seit dem Tode des Lberrabbiners von Großbritannien Dr. Adler verflossen sind, wurde dieser Tage die Vakanz mit Dr. Jos.s Hertz, Rabbiner in Ncwyork, ausgefüllt. Die Wahl des Nachfolgers des Tr. Hermann Adler, der sich in der Judcnschaft der englisch sprechenden Welt der größten Popularität erfreute, ging unter erheblichen Schwierigkeiten vor sich; es enrivickeltc sich dicscrhalb im Sihoßc der jüdischen Gemeinden in Englaich und in den Kolonien seit Jahr und Tag eine überaus intensive Agitation, lim das Lberrabbinat, das seinem Träger nicht bloß eine führende Stellung, sondern auch das an>ehnlichc Jahreseinkommen von etwa 50.000 K sichert, bemühten sich naturgemäß unzählige Kandidaten in allen Teilen der Welt, und die Wahl, die immer wieder aufgeschoben werden mußte, rief sogar verschiedene Spaltungen und Parteiungen in den englischen Kongregationen und religiösen Vereinigungen hervor. Schließlich kamen nur zwei Kandidaten ernstlich in Betracht: Dr. Hyamson, der langjährige Sekretär des bisherigen Lbcrrabbiners Dr. Adler, und Dr. Josef Hertz, der mit 208 gegen 30 Stimmen gewählt wurde. Für Ungarn ist die Berufung dieses Seclsorgcrs an die Spitze der Judenschaft der englisch sprechenden Welt deshalb von besonderem Interesse, weil der neue Lbcrrabbiner ein geborener Ungar ist, und zwar soll Debreczen dessen Geburtsort sein. Tr. Joses Hertz, der erst im 40. Lebensjahre steht, ist der Sohn eines als Talmudist geschätzten ungarischen Rabbiners, der vor etwa 28 Jahren nach Amerika auswandertc. Ter gegenwärtige Oberrabbincr des britischen Reiches absolvierte das jüdisch-theologische Seminar in Rewyork, bekleidete sodann die Stellung eines Rabbiners zu Syrakus und wurde später nach Johannesburg berufen, wo er 13 Jahre lang wirkte; er wird nunmehr seinen neuen Posten in London antreten. Während des Burenkrieges zog sich der Rabbiner, der energisch für die Rechte der Juden im Transvaal eintrat, die Mißgunst Krügers zu, der ihn schließlich ansmies. Ter neue Lberrabbiner neigt zur streng orthodoren Richtung; er ist der Verfasser einer Reihe theologischer Schriften, denen jedoch, wie ein hiesiges Blatt darlegt, kein sonderlicher Gclehrsamkeitswcrt inncwohnen soll. Tr. Hertz gilt als guter, eindrucksvoller, wenn auch ein wenig theatralischer Prediger. Tie Wahl hielt, wie erwähnt, die jüdischen Gemeinden in England und in den Kolonie» intensiv in Atem, und die Interessengegensätze zwischen den verschiedenen Parteien und ihren Kandibaten spitzten sich so sehr zu, daß die Besetzung des so heiß umstrittenen Postens wohl niemals erfolgt wäre, wenn nicht Lord Rothschild sein Machtwort gesprochen, beziehentlich feine Resignation auf alle seine Ehrenämter in Aussicht gestellt hätte, wenn nicht die Wahl endgültig durchgefühct würde. Die Schönerianer und ihr Leibblalt in Eger. Bor der letzten Reichsratswahl, als die Schöneriancr in Eger die Gesahr für das Mandat ihres Abgeordneten Tr. Jäger erkannten, sandten sie au die jübischen Wähler Aufforderungen, für ihren Kandidaten zu stimmen. Ausgehend von Schönerers Theorie: ״Von der Reinheit zur Einheit", könnte man wohl fragen: ״Wo bleibt das nackensteife Prinzips" — 'Allein, das geht noch! Was tut man nicht alles im Wahlsieber? Noch eines: Ihr Partciblatt (Sie ״Egerer neuesten Nack,- richten"!, das doch die Egerer Judcnschaft in der Folge ansiel, das die bekannten ״Beobachtnngskomitees" organisierte et tnlti quanti, erklärte plützlick!, man büre und staune —: ״Wir haben nichts gegen die Inden, tuentt sie Inden sein wollen und keine Deutsche!...." iNa, so was!!! Nur Wort halten! Aiimerkung des Setzer.) Tie Juden befolgten den guten Rat und blieben was sie waren — Inden. Tie tnnnnerten sich nach >vie vor nicht um die lokale Politik, der Schönerianer (Schnjiersprung, Wallenjtcin usf.I, kurz sie ließen alles geben, wie cs geht. Wie das Jahre lang ist, hört man bei uns in Eger nicht, daß ein Jude ein öffentliches Aergernis erregte — will damit freilich nicht gesagt haben, daß die Juden Ausbünde von Tngendhelden sind, allein sie sind vernünftig genug, einzusehen, daß je weniger sie sich bemerkbar machen, desto besser es für sie ist. Wie sieht es aber mit den Tircnenlicdern der Macher der ״Egerer neuesten Nachrichten"? — Natürlich, wie nicht anders zu erioarten war: Tie schimpften über die Inden ohne Unterlaß. Bald im Teile: Gerichtssaal: Eine jübische Schwindlerin!!! Als wäre es eine Entweihung für den Egerer hohen Gerichtshof, zuweilen auch das Recht über eine jüdische Schwindlerin zu sprechen. ׳ C b die Beklagte de facto Jüdin war. was natürlich ganz gleichgültig ist, ist noch längst nicht festgeslelll., Bald lvicder kommt der famose Briefraslenmann und packt ein Schock hinkender ״Lozeiachs" aus: Jrgendivo in eine arischen Restaurant saßen zwei Inden, welche sich um 24 h einen Kaffee geben ließen und beschmnpien alle Zeitungen.und als sie endlich fortgingen, leisteten sie sich zusammen 4 /< Trinkgeld. ,Tie Schreibweise natürlich im niederträchtigsten Jargon., Jü es nicht auch schon vorgekommen, daß Leute — keine Juden — große Zechen machten und überhaupt nichts bezahlten? Wir lassen nur die Geistesblitze des Briefkasienmanncs beiseite und wenden uns den epochemachenden Leidartikeln zu. Hier werden alle geräuschoolleil Register hervorgezogen: Tie Juden sind daran schuld, wenn die Geschäftsläden umgebaut werden, wenn modeine Portale geschaffen tverdcn — jüdische Sucht nach Reklame — durch die Juden wird der historische Charakter der Stadt Eger verwischt, die Egeraner selbst hätten nie derartige Gelüste gehabt, wenn sie auch Steuern zahlen müssen, daß ihnen der Buckel kracht, sie hätten nie Verlangen gehabt, den Wunsch nie gehegt, die Fremden durch schöne, moderne Auslagen kauflustig zu machen, wenn nicht die Juden den Modernismus inspirieren würden. Endlich und schließlich sind auch die Inden daran schuld, wenn der deutschradikale Herausgeber des ״Egerer Jahrbuches" nicht über die Bürgermeistenvahl in Eger nach dem Geschmucke der Schönerianer schrieb.... Gott weiß,!voran noch alles die Inden schuld haben. Der Egeraner isr deutsch und treu, rassig und von 'Natur aus autiseinilisch gesinnt (der Kehrreim der Schönerianer!, aber vor dieser nnnnierbrochenen geisiigen Kost muß ibm doch schoit längs! ekel und übel geworden sein. Der 28. Band der hebräischen Monatsschrift ״HaschiLoah". Der ״Haschiloach", nufere inner der Redaktion um! Dr. Josef K laus n e r siebende Monatsschrift für Literamr, Wissenschaft und Leben, bat jetzt ihren 2,1. Band mir einem vorzüglichen und inhaltsreichen Jännerbeft eröffnet. Es ivird eingeleiiei durch zivei groß- Gedickne S. 2 ch n e o r s. Das eine, ״Kriege Gentes" betitelt, ichildert den Brand des Tempels, den Kampf der He! den mit den Rönieen, den Untergang der jüdischen Seibttändigkeit und - den Untergang der (»!oben, lind ihre Rache. Die Inden rächen sich, indem sie dieses Indentum, das in die Well zieh!, - zu einem neuen Heidentnm gestalten. 'N'ichl das eckne. sondern ein heidnisch versetztes Judentnm eroberte die Welt. So rächten sich die vernichteten Götzen.... Das ziveite Gedickt!, ״G»1lnlh" betitelt, wirkt ergreifend. Der Jude pocht an allen Türen, weist überall seinen Adclsbrief vor. aber niemand will ihn anerkennen. So wandert er durch die Welt und die Verachtung, die er tragen muß, ist sein stolzester Besitz, seine stolzeste Hoffnung die Bergettung, die er üben ivird, iven» mit ihm der lebte Ren allen Adels, das lebte Stück Heroisuius der Welt sterben wird. Diese Siimmnng ij! bisher in un irrem Schrifttum!,!!bekannt geivese», und Schneor kleidet sie in das seltsam kontrastierende Gewand einer Unterredung mit einer Römerin. die mit ihren Mandolinenliedern zu dein jungen Dichter kommt. Die Verie dieser (bedichte fließen dabin wie ein reißender Strom. An literarischen Werken enthält das Heft no-.h: den Beginn eines Poems ״Balh Jisroel". das die Juden der Ukraine zu»! Gegenslande bat. :>!. Pochubewski neuen eine nette Skizze ans dem Leben eines paläüinensischen Kolonisten bei. Dr. A. .» ,1 in i 11 k a, der kürzlich in Palästina nun׳, ick!reib! gvei Gedichte ״Be'erez", in denen Eindrücke dieier Rene verarbeitet iino. An Ivissensebaslliche» Beiträgen enthält das Heil: den reiten Teil einer Monographie über Robben!! G e r f ch o »1 Meor bagola von Naftali bei! Selnunet; einen Artikel über die hebräische Aussprache von Abra Ham Zwi Jüeliohn; G. Stern schreibt über die Fron der Bibel and der Agadah; Dr. A. Scki. K am i!1 z k! über den Propheten Maleachi. Das Heft schließt mit einigen aktuellen Artikel» üver den Ballon krieg, die .Kunilwarldeballe ». a. Das Abonnenten! der Zeitschrift ״Hasebiloach" sei zu Beginn des Jahres allen Freunden der bebiänckien Literatur dringend empfohlen.!Jährlich ln K. 1 Wiener Jlucfmcfüeii Pcrez in Wien. Freilag den 21. d. M. r״no!in Hotel Eontinental ein Perez-Abend s!,u!. Tr. Nalba» Birnbanm hielt die einleitende Eonference, Perez sprach hierauf aber ״Jüdische Renaissance". Beide Redner hohen besonders den Gollesgedanken des JudenUlms hervor und belonieii, daß das Jndenuun noch!eine Mission zu ersiille» habe, Glänzend interpretierte der ebeinalige Hosburgschauipieler Pros. Fe>׳di». Geegoei einige Erzäblunge» Perez? Dieser selbst!vor während des ganzen Abenos und auch beim nachfolgenden Kom mers Gegenstand zahlreicher Ehrungen. Alles in allen! war der Abend, der!>!! Weilen iiir die jüdische Lueealne Propaganda »lachen ivollle, Eil glänzender Erfolg. (Kegen die Bucheinsicht. Die Abg. Breiter und Reitzes werden mit der technischen Ebüruinon einseben, falls die Regierung tatsächlich den Enlivurs i!ber die Bucheiniichl!einer gegenwärtigen Fassung sein Barlamente zur Beraning vorlegen ivird. Wer Die Verhältnisie in Galizien einigermaßen kennt, ivird wissen, daß dieses famose Buckieinüchigeieb der polniickien Mandarsversickeruilgsgeiellschafl ans (begeuseiiigieil in Galizien nur ein neues Mine! in die Hand gibt, mit dem sie die jüdischen oder sonstig wideripenitigen Woblcrmassen zu einer ihr genehnien Sinnmenabgabe zivingen kann. Und um der gulizischen Schlachia einerieils kein solches Depressiousinittel znznschanzen und andererseits, iveil der Geietzentivurf an sich illniocisch!!!,

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