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Jüdische Volksstimme · 1913-02-20 · Heft 8 (20.2.1913) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 8 (20.2.1913)
Date
1913-02-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 8. ,Hübsche Bolttsti««e." Seite S. durch seine Aktion das europäische Gewissen wachzurütteln und so der Ungerechtigkeit Rumäniens gegen die der Bestimmungen des LunrivhuwitznU tzanq MognH Berliner Vertrages, ein Ende zu bereiten. Bekanntlich werden die Juden in Rumänien entgegen der Vereinbarung der Mächte vom Jahre 1878 noch immer als Fremde behandelt und sind beinahe rechtlos. Im Jahre 1878 verpslichtcte sich Rumänien, sämtlichen Juden das Bürgerrecht zu verleihen, umgeht aber seither konsequent diese Bestimmung, indem die rumänische Regierung dekretierte, daß zu jeder Verleihung des Bürgerrechtes an einen Juden ein eigenes Gesetz notwendig sei. Bis heute sind denn auch nur gezählte jüdische Familien in Rumänien im Besitze des Bürgerrechtes, mährend die Tausende von rumänischen Juden rechtlos sind und unter den gegen sie gerichteten Ausnahmsgesehen schwer zu leiden haben. Auf die Aktion Mr. Grcens werden wir noch anläßlich seines Besuches in Wien des Näheren zurückkommen. Ei» unbekannter hebräischer stamm? Ein verschollener hebräischer Stamm, der in den inneren Wüsten Arabiens ein Nomadenleben führt, soll nach dem Berichte einer in Jerusalent erscheinenden hebräischen Zeitung aufgefunden worden sein. Tas Blatt sandte einen Korrespondenten ab, um die Angelegenheit, von der vorher nur dunkle Gerüchte gingen, zu erforschen, und dieser stellte fest, daß dieser Stamm seinen Ursprung von den Rechabiten herleitet, die im 3i>. Kapitel des Buches Ieremia erwähnt werden. Ter Häuptling des Stammes soll ihm folgende Auskunft gegeben haben: ״Ter Ort, wo wir unsere Zelte aufgeschlagen, stellt nicht in seiner Gesamtheit eine Wildnis dar. sondern es gibt hier fruchtbare Weiden für die Schafherden, dw die Grundlage für unseren Unterhalt bilden. Wir sind etwa 2500 Fanlilien, und es besteht bei uns die Tradition, der Prophet Jeremias habe uns persönlich in die Gegend geführt, in der wir wohnen. Fast jeder Mann hat fünf oder sechs Weiber." Von der Scheide seines Schwertes erklärte er, sie stamme aus der babylonischen Gefangenschaft. Ter Häuptling hatte sich von seinem Stamm getrennt und eine weite Reise ״von 58 Nächten" gurückgelegt, als der Berichterftatter ihn sprach. Er wollte fremde Länder auskundschaften, um zu sehen, ob es dort besser zum Leben sei. Auf die Frage, warum die Eristenz des Stammes bisher völlig verborgen gewesen und weshalb kein Forscher bis zu ihrer Zelten gekommen sei, antwortete er: ״Kein Mensch, der an ein anderes Klima gewöhnt i|t, kann in unsere Gegend eindringen, da er die brennende Hitze der Sonne nicht vertragen würde. Es gibt sehr wenig Wasser bei uns, und oftmals geschieht es, das; wir und unsere Herden einige Tage nichts zu trinken haben." Ti». Angaben des Berichterstatters werden näher nachgeprüft werden müssen, bevor man irgendwelche Schlüsse auf ihnen aufbauen kann. Tr. Hertz — Ehief Rabbi von England. London. In der Wahlversammlung, die hier am Sonntag den IN. Februar tagte, wurde Tr. I. H. Hertz, der frühere Rabbiner in Jo- Hannesburg (Südafrika) war und gegenwärtig in Amerika amtiert, zum Chief Rabbi der großbritannischen Juden gewählt. Nebcu der besonderen Empfehlung der Wahlkomminion, worüber schon früher berichtet wurde, trug namentlich ein Empfehlungsschreiben des bekannten jüdischeu Gelehrten Tr. Salomon Schechter, Prosessors am Jüdisch-Theologischen Seminar in Newyork. zur Wahl von Tr. Hertz bei. Antisemitismus in einer Berliner Schule. In der Sitzung der Berlin-Wilmersdorser Stadtverordnetenversammlung vom 12. Febr. brachte Stadtverordneter Troese einen Fall zur Sprache, der berechtigtes Aussehen erregte. In der Cecilienschnlc habe der Tirektor Triebet, als einige Schülerinnen etwas Lärm machten, dami: gedroht, sämtliche jüdische Schülerinnen aus der Anstalt zu entfernen. Welche Gründe Vorgelegen haben, gerade die jüdischen Schülerinnen für den den Lärm verantwortlich zu machen, entziehe sich seiner Kenntnis. Er bat den Magistrat, dafür zu sorgen, daß in den städtischen Schulen keine antisemitischen Strömungen Platz greifen. Auch Stadv. Tr. Büchtemann sprach sich entschieden dagegen aus, daß in den Schulen antisemitische Politik getrieben werde. Im übrigen habe das Provinziatschulkollegium auch ausgesührt, daß solche Aeußerungen nicht zu billigen wären. Dies sei eine sehr scharfe Zurückweisung geivcsen. — Bemerkenswert ist, daß die in Rede stehende Cecil.ienschule 250 jüdische Schülerinnen, ruffischen Ministers, ediert, in welchem auch n ein Drittel der Gesamtzahl) anfweist, Möglichkeit eines Ritualnwrdes ans das enlschi Möglichkeit bestritten wird. nur die entschiedenste Panik bei einem jüdischen Begräbnisse. Warschau. Während des Begräbnisses des Rabbiners S ü ß k i n d ln Csortkow nächst Lodz irach plötzlich eine große Panik aus, wobei zwei Personen getötet, sechs schwer und mehrere leicht verletzt wurden. Abermals ein Ritualmordmärchen. Lalaniki. Vor kurzem wurde abermals das Gerücht unter der Bevölkerung verbreitet, daß die Inden christliche Kinder hingeschlachtet hätten. Mehrere Juden wurden mißhandelt und zahlreiche Kauslüdcn geplündert. Herr Rabb. Jakob Mayer und mehrere junge Leute haben den Ausemhaltsort der Kinder aussindig gemacht, wodurch weiteren Misthandlunge» der Juden vorgebcugt wurde. Rabb. Mayer sprach auch bei den griechischen Behörden vor' und erhielt die Zusage, dast die Behörde mit aller Strenge gegen die Urheber derartiger Gerüchte Vorgehen werde. Zum Streik der Schneider in Newyork. Ungesähr 10.000 Erzeuger haben die Arbeit eingestellt und mehr als 100.000 Personen, zumeist Jude», sind beschästigungslos. Tie Not im jüdischen Viertel ist unbeschreiblich. Hunderte Läden mufften geschlossen werden. Tie Zahl der Zahlungseinstellungen ist enorm. In nächster Zeit soll auch ein Streik der Weihnäher und Tamenkonsektionsarbeiter ausbrechen. Zum polnischen Boykott. Warschau. Einer Agitation der Bauern i» der polnischen Töcscrn wurde eingeleitet, um gegen daS Wohnrecht der Juden in den Törsern zu protestieren und die Regierung zu veranlaffc», den Inden das Wohnrecht zu entziehen. Bier Monate Arrest. Petersburg. Tas Kreisgericht verurteilte die Herausgcbcrin der jüdisch-russischen Monatsschrist ״Jevcaisk Mir" Madame Brodsky zu vier Monate Kerker wegen eines Artikels gegen die Politik des verstürbencn Stolypin. ' Streik jüdischer Journalisten. Wie aus Ncwyork gemeldet wird, sand hier ein Streik der Mitarbeiter der jüdischen Tagesblätter statt. Mehrere Tage erschienen die Blätter nur mit dein Inhalte der ausländischen jüdischen Zeitungen. Englische Zeitungen rügten das Vorgehen der Herausgeber in scharfer Weise. Tie Streikenden haben inzwischen eine eigene Zeitung, betitelt ״Ter jüdische Schreiber" herausgegeben. Rahum Sokolow in Newyork. Newyork. Am l. März wird Rahum Sokolow hier einkrefsen, um Vorträge über de» Zionismus zu halten. Tie Führer der jüdischen Vereine und Politiker ivcrden ihn am 15. März im gröhten Saale Ncwyorks seierlich begrüsten. Es ist nur zu bedauern, dast der Philantrop Nathan Straust zu dieser Zeit nicht hier sein wird. Derselbe begibt sich jetzt nach Palästina, um einige Moaate dort zu veriveilcn. Ein eigenartiger Boykott. Montreal. Die hiesigen £ nhodore» Häven gegen :die Freisinnigen einen Boykott inszeniert, indem bei Kanfleutcn, die den Sabbath entweihen, nichts gekauft wird. Rabbi Adroki bei König Peter von Serbien. Uesküb. Anläßlich seiner Anwesenheit empfing König Peter in Abwesenheit des Ehacham Baschi Rabbi Adroki in liebensivürdigster Weise, erkundigte sich »ach den Verhältnisse» der Aschkcnasische» und Sefardische» Gemeinde. Alis die Mitteilung, dast in den Schulen Türkisch, Französisch und Hebräisch gelehrt werde, bemerkte der König: Hoffentlich werden die Kinder in erster Reihe Hebräisch als Muttersprache lerne», dann aber Serbisch und Französisch. Boykott. Eine Anzahl Hausbesitzer in Pieterkow «Rustlandi hat den jüdischen Mietern die GeschästSlokale gekündigt, um dieselben an Nichtjuden zu vermieten. Bertreterversammlung der Jka in Wilna. Demnächst findet eine Bertreterversammlung der Jka statt, an der sich nur׳ ein Bruchteil beteiligen dürste. Ten Delegierten der Emigrationsgesellschast sowie Zeitungskorrespoiidenten ist die Ainveseiiheit nicht geiiattet. Tie Emigrationsgesellschast plant aus diesem Grunde einen eigene» Kongreß einznberusen. vorausgesetzt der behördliche» Bewilligung. Alles beim Alten. Johannisburg. Vor kurzem ijl ei» Streit zwischeu Rabbiner und Griiieinde wegen Fritikellniig der Richtung ״Jerusalem" behufs llntcrbrin gnng der BnndcSlade ausgebrochen. Einer alten Tradition zufolge ist in Südafrika die Richtung gegeit Jerusalem die südliche Wellgegend. Wie uniiinehr wissenschaftlich nachgewiesen wurde, ist diese Weltgegend richtig und es behält demnach die alte Tradition recht. Boykott gegen kranke Juden. Wie ivir vor kurzem meldeten, weigerte sich der polnische Arzt Tr. Miklafchinskv. einen jüdischen Patienten in das Snnatorinin aufzunehmen, oder ihnen Hilfe znlcinen. Tie jüdischen Aerzte die jeden Armen ohne Unterschied der Konfession unentgeltlich behaudein, haben gegen dieses unmenschliche Vorgehen entsprechende Schritte eingeleitet. Wriye Raben in Rußland. In letzter Zeit haben die Börsenrate der Städte Jrknrsk, Kiew, Odessa, Warschau und Krementsug sowie zahlreiche kaufmännische Vereine der Provinz- und Großstädte gegen die Rechlsbeschränkung der Juden Stellung genommen. Ein wohltätiger jüdischer Offizier. Stanislau. Hier hat ein jüdischer Offizier die Aufmerksamkeit der gesamten Bevölkerung aus üch gelenkt. Derselbe besucht täglich das Bethaus und verreilt unter den Armen Brot und bare». Geld. Bortrag eines ungarischen Gelehrten in Frankfurt. Ans Frankfurt a. M. ivird berichtet: Ter bekannte Orientalist Oberrabbiner Tr. Immanuel Low ans Szeged, Verfasser des grundlegenden Werkes ״Aramaische Pflaiizenname»" hat aus Anssordcrung des Vereines für jüdische Geschichte und Literatur vor kurzem in der Frankfurter Loge einen Vortrag über ״BotanischeS im jüdischen Schristtnm" gehalten. Kulturgeschichtliche Betrachtungen waren es im besonderen, die der Vortrag aus der reichen Fülle des Stoffes die dem Spezialsorscher zur Verfügung steht, herausgriff. Wie Kulturpflanzen und ihre Schädlinge, zum Beispiel die Flachsseide, das erstemal >11 der jüdischen Literatur, die manchmal die erste Nachricht überhaupt über einzelne Nutzpslanzen bringt, austauchen, ivurde i» scharfen Strichen dargestellt. Tie Geschichte der Myrthe z. B. wurde in gedrängter Kürze von der Bibel bis zu Heines Prinzessin Sabath verfolgt, die solklorislische Bedeutung einzelner Pflanzen als apolropüischeu Zaubers dargelegt. Im weiteren Verlaus des Vorträges folgten bedeutsame Beitrüge zur Geschichte der Eierpflanzen, der Banane, des PsesserS, des ZuckerrohrS und der erst in den legten Jahrhunderten eingeführten Nutzpflanzen: Kakao, Kaffee, Tee und Dabak. Ter Vortrag schloß mit einem Hinweis daraus, wie die jüdische Literatur einen Spiegel der allmählich fortschreitenden Kultur und der sich entwickelnden Herr schast des Menschen über die Natur bildet und n>,e sie in ihren ältesten Schichten die Eriiiiierimg an die ältesten Leistungen der ieniitischen Kultur bewahr! hat. Leistungen, die in vorgeschichtlicher Zeit die wichtigsten Nutzpslanzen dem Menschen dienstbar gemacht haben. Wo ist das jüdische Geld'? Wilna. Im Jahre 1880 spendete der bekannte Philantrop Poliakow 80.000 Rubel zu dem ansschlietzlichen Zwecke, die Zinsen unter den jüdischen :»eligiouSlehrern des Bezirkes Wilna zu verteilen. In den ersten Jahren kam an Schulgeld so viel herein, dast die jüdischen Lehrer den vorschriftsmäßigen Gehalt bezogen, weshalb das Kapital aus 12.000 Rubel angcwachsen ist. Nach Einführung der Prozentnorm für die jüdischen Schüler wurde das Gehalt der Lehrer reduziert. Trotz Einschreitens bei der Behörde, die Zinsen der Poliakow- Stiftung ihrem Zlvecke zuzuführen, hat die Behörde nichts veranlaßt. Das Geld must verschwunden sein. Ritnalmord. Wie wir rnffischen Zeitungen entnehmen, hat die Akademie der Wissenschaften ein wissenschaftliches Werk von Kokowznw, einem Verwandten des gleichnamigen Sprechfaaf. Tie Bolksschriften über die jüdische Religion. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ich habe den ausgezeichneten Artikel Tr. Kurrcins mit großem Interesse gelesen und bemerke, dast ich denselben vollinhaltlich unterschreive. Zieglers Schrislen sind tatsächlich keine Volksschristen und noch weniger jüdisch. Es iii hoch an der Zeit, dast auch die Bejäher des Judentums sich zu einer positiven Arbeit für unsere angestaminte und treu überlieferte Religion aufrafseii, um ein wahrhaft jüdisches Schriftlnm auf jiidischer Basis zu schaffen, das nur den jüdischen Standpunkt vertritt und den jüdischen Bedürsiiissen entspricht. Tenn, Ivo gibt es noch ein Volk aus Erden, das in der rein interne» Frage der Religion so wie

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