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Jüdische Volksstimme · 1913-02-20 · Heft 8 (20.2.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 8 (20.2.1913)
Date
1913-02-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 ,Jüdische Bolksstimme". Nr. 8. mäldc, Halcvys und Marschners Opern). Von deutschen Dichtern behandelt dann Grillparzer das jüdische Problern in dem Fragment ״Esther" und der ״Jüdin von Toledo", freilich im Sinne einer Rückkehr zu den mittelaltcrlichen, feindseligen Anschauungen. Weitaus eindringender und mit großer dichterischer Kraft faßt Hebbcl das Problem. Sein Schauspiel .,Die Juden" atmet den echt jüdischen Geist der Psalmen und Propheten. Ucberhaupt hat ihn die Geschichte des Judenvolkes sein Leben lang beschäftigt. Auch Otto Ludwig hat in seinen ״Makkabäern" gezeigt, daß er den Geist des Judentums begriffen hat. Dagegen kann Gutzkows ״Uriel Acosta" nicht als ein den spezifisch jüdischen Geist repräsentierendes Stück angesehen werden; nur in Einzclheiten ist hier ein Blick in die Seele des Juden getan, insbesondere den ״Juden aus Ehrgefühl" hat Gutzkow gut gekennzeichnet. Alle diese Dramen nun find von Nichtjudcn geschrieben. Erst im Jahre 1850 erscheint ein Jude als Verfasser eines Stückes, das das Judcnproblcm bchandclt: Moscnthal, dessen Schauspiel ״Dcborah" die dastand hat. Nach einigen Jahrzehnten erst, in denen das Problem ein noli mc tangere geworden war, tritt der Juhc wieder im Theaterstück auf. Es sind besonders die Z i o n i st e n, die gegen die neu erwachte antisemitische Bewegung ankämpfcnd, mutig die Idee des Judentums in ihren Dramen zum Ausdruck bringen. (Herzl: ״Das neue Ghetto", Nordau: ״Doktor Kohn" u. a.). Von nun an behandeln fast ausschließlich Juden das jüdische Problem im Drama; nur die Art ist eine andere geworden. Der Jude als psychologisches Problem wird gezeigt, seine Stellung zur Umwelt, das Aufeinanderwirken von jüdischer und nichtjüdischcr Weltanschauung wird psychologisch bclcuchct und vertieft. (Dramen von Hcijcrmans, Asch, Nathanson usw., auch die ״Fünf Frankfurter", diese Verkörperung der ״Poesie der Klugheit", gehören hierzu). Noch aber fehlt der Dichter, der ähnlich wie Lcssing das Kulturelle heut das Psychologische des Judentums begriffen und in dichterische Form gegossen hat. üriJiiiia }1iudtnd tat. Ehewra Suda. Mitte März findet eine in größerem Stile geplante Chewra Suda statt und werden alle Personen, die an derselben tcilzunehmen wünschen, eingcladcn, ihre Adressen dem Vorstände des Vereines Machsike Hadas mitzuteilen. Jüdische Toynbcehalle. G c n c r a l - B c rs a m m l u n g. Am 9. Februar fand die General-Versammlung des Vereines ״Toynbcehalle" statt, in welcher der Bericht über die Tätigkeit des Vereines im abgelaufenen Jahre erstattet wurde. Es konnte mit Befriedigung seslgestellt werden, daß die Vorträge fast ausnahmslos gut besucht waren, daß die große Chanukafeicr in würdiger Weise verlaufen ist und daß auch der hebräische Sprachkurs unter der bewährten Leitung des Herrn I. L. R a b b i n o w i c z aus Boskowitz sich einer ständigen Frequenz erfreut. Mit Befriedigung wurde zur Kenntnis gcnommen, daß in den letzten Wochen ein hebräischer Sprachkurs für Mädchen eröffnet wurde. Minder erfreulich gestaltete sich der Kassabericht, dem leider zu entnehmen war, daß die Beiträge und Subventionen, welche die Toynbcehalle erhielt, nicht hinrcichtcn, die lausenden Ausgaben zu decken. Es entspann sich auch eine lebhafte Debatte, in deren Verlaus u. A. die Herren Dr. Brunner und Dr. Eckstein mit Recht bemerkten, daß es eine Ehrensache aller jüdischen Faktoren sei, so überaus wichtigen Institutionen, wie Chanukafeicr und hebräischen Sprachkurs nach Möglichkeit zu fördern. — Vortrag. Am Sonntag, den 23. d., um 5 Uhr nachmittags hält im Saale des Mährischen Gewerbcvcrcines, wie bereits mitgcteilt wurde, Herr Tr. I. G ü u z i g, Rabbiner in Loschitz, einen Vortrag über das Thema: ״Tabbatai Zewi und die durch ihn hervorgcrusene messianischc Bewegung". — Vortrag Dr. I. E ck st e i n: Dr. Adolf Brecher, ein mähr. Jude, der seinem anstrengenden Berufe als Arzt nicht nur tagsüber, sondern oft auch des Nachts nachgehen mußte, um der leidenden Menschheit hilfreich zur Seite zustehen, fand doch noch Zeit, sich der heiter lächelnden Muse zu widmen. Es ist nun ganz eigentümlich, daß ein m ä h r ischer Dichter gerade in Brünn, gänzlich unbckönnt ist. Das Verdienst, seinen Rainen dem Vergessen entrissen und einem, wenn auch kleinen Kreise Brechers herzerfrischende, so echt jüdisch anheimelnde humorvolle Gedichte zu Gehör gebracht zu haben, gebührt Herrn Dr. Jakob E ckst e i n, der am letzten Sonntage in der Toynbcchalle über Adolf Brecher sprach. Herr Dr. Eck-, stein machte uns in einer kurzen Einleitung mit י dem Leben und Wirken des Dichters bekannt und! rezitierte sodann in seiner bekannt gediegenen j Weise eine Anzahl von Brechers Gedichten. Er hat es verstanden, dem zahlreich anwesenden Publikum Kunstgenuß zu verfassen. 20semcstriges Stiftungsfest der jüd.-akad. Rede- und Lesehalle. Anläßlich des 20scm. Bestandes der jüdisch-akademischen Lese- und Redehalle in Brünn, fand am Samstag den 15. Februar in den Festsälcn des Grand-Hotels der Skistungskommers statt. Wie groß die Sympathien sind, die allgemein diesem Vereine entgegengebracht werden, wurde dadurch dokumentiert, daß eine große Anzahl von Verbindungen, Ferial- Verbindungen und verschiedenen Vereinen durch Delegierte am Feste vertreten waren. Eingeleitet wurden die Festlichkeiten durch einen Festkonvcnt aus der Bude. Mit warmen Worten begrüßte der Präses die erschienen Gäste und Delegierten. Hieraus ergriff unser A. H. Schwarzbart, einer der Gründer des Vereines zur Schilderung der Entstehung und Entwicklung des Vereines das Wort. Lchönc aber auch böse Zeiten hatte die Halle in ihrer ersten Dekade durchzumachen, bis sic sich zur heutigen Höhe emporgeschwungen hat. Den jüngsten Lebensäußerungen des Pereines widmete Bb. Deutelbaum einige Worte. Er betonte mit Nachdruck, daß der Präses Bb. Büchner stets die Interessen des Vereines seinen eigenen vorzog, und dadurch seinen Namen mit dem Aufschwung der Halle aufs innigste verknüpft hat. Den Höhepunkt der Veranstaltung bedeutete der Kommers. Mit Herzlichkeit begrüßte der Präses das zahlreich erschienene Publikum. A. H. Wolfenstein hatte in seiner Festrede mit treffenden Worten zu schildern gewußt, wie sich der Verein aus den bescheidensten Ansängen zu der Höhe, aus der er heute angelangt ist, entwickelt hat. Den Glanzpunkt des Abends bildete die Tendcnzrcde des Herrn Tr. Leopold Plaschkcs. Aus schwerer Berufsarbeit herausgerissen, ist er nach Brünn geeilt, um zum Gelingen unserer Veranstaltung sein Bestes beizutragen. Diese aufopferungsvolle ,Hingabe, die Interessen des Judentums zu fördern, wurde dadurch entlohnt, daß seine glänzenden tendenziösen Ausführungen mit allcgemeiner Bcgeisterung ausgenommen wurden. Ten Abschluß des offiziellen Teiles bildete das herrliche Buntcslicd. Hieraus huldigte die Jugend in Vorzuglichster Laune bis in die frühen Morgenstunden hinein dem Tanze. Die Gefühle, die die Herzen unserer älteren Mitglieder, die an der Wiege unseres Vereines gestanden sind, erfüllten, lassen sich mit Worten nicht wicdergeben. Aus weiter Ferne sind sie herbeigccilt, um nur ein paar Stunden im geselligsten Bcisammenscin mit uns zu verbringen. Sie konnten auch mit der vollsten Genugtuung Brünn verlassen, daß die Saat, die sic mit schwerer Mühe und Arbeit in Boden gepflanzt haben, stolze und י herrliche Früchte gezeitigt hat. Ter heutige: Ehrentag bedeutet zwar eine stolze Erinnerung einer verflossenen Arbeitsperiode, aber er bcdeutet vielmehr zum Schutz und Trutz unserer Feinde einen neuen Ansporn zur rastlosen Mühe, neuer Arbeit und neuen Erfolgen. T. Lesezimmer alkoholgcgncrischcr Zeitschriften, Adlergasse 8, im Hofe, (Fürsorgestclle für Alkoholkranke). Öffentlich! Frei,zugänglich Dienstag, Freitag ll—8, Sonntag 10—12. 23 alkoholgegncrische Zeitschriften. /{umlldniu. Ter neue Hansiergcsetzentwurf im österreichischen Parlament. Ter neue Hausicrgesctzcntwurs, zu dem wir bereit» in der ״Volkssiimme" vom 14. November v. I. Stellung gcnomc» haben, wurde am 11. Februar dem Abgcordnctcnhausc in erster Lesung vorgelcgt. Wir habcn bereits in dem erwähnten Artikel darauf auftncrksam gemacht, daß das vorliegende Elaborat den Wünschcn der Chrisllichsozialc» entsprechend zugcschnitten wurde und demgemäß eine Reihe von Bestimmungen enthält, die den Juden das Betreiben des Hausicrbcruscs crschivercn öder ganz unmöglich machen soll. Der Antisemitismus und die Deutschtümelei in Oesterreich!vill ein Opfer haben, ergo werden ihnen die jüdischen und slawischen Hausierer in den :!lachen geworfen. Der Entwurf ist nämlich leicht nach dem Grundsätze voller Gültigkeit in allen Teilen Oesterreichs verfaßt worden, sondern enthält für bestimmte im Entwurf aufgezählte Gebiete günstigere Ausnahmsbestimmungen und Privclcgicn, während andererseits für eine Reihe von Gebieten, in denen der Hausier- und Wandcrhandel zumeist von Juden und Slawen besorgt wird, eine Unzahl von Verschärfungen und geradezu drakonische Bostimmungen vorgesehen sind. Das alles, um den ״Hausierhandcl ״cinzuschränkcn" und den profcssioncnllen christlichsozialen ״Gewerbercttern" einen recht probtematischen Erfolg zuzuschanzcn. Bei der Verhandlung vom 11. Februar kamen die sozialdemokratischen Abgeordneten Palme und Diamand zum Wort, die denn auch die Vorlage aufs heftigste bekämpften. Interessant ist, daß laut den statistischen Angaben, die dem Entwürfe beigeschlossen sind, die Zahl der Hausierer in stetem Rückgang begriffen ist. Sic betrug im Jahre 1899 in Oesterreich noch ungefähr 15.000, im Jahre 1909 nur noch 10.000. In Wien selbst sind noch ini Jahre 1907 nicht weniger als 1009 Hausierer gewesen, wogegen im Jahre 1909 bloß noch 001 Hausierer angemeldet erscheinen. Man ersieht daraus, daß dieser Berus nicht gerade zu den annehmlichen oder ertragreichen gehört. Wenn also die Negierung diesmal doch Gesetze, und zwar solche Hausicrgcsctze als dringend bezeichnet, so beweist das nicht deren ׳ Notwendigkeit, sondern nur die Tatsache, daß die Negierung den antisemitischen und antislawischcn Abgeordneten das Maul mit einem Gesetze stopfen wollte, mit dem sich diese vor ihren Wählern, als einem errungenen Erfolg brüsten können. Und daß die österreichische Regierung so Handclt, ist traurig. Sehr traurig! E. N. Hermann Struck und Jerzy Merkel in einer Bildergalrrir in Lemberg. In der städtischen Gemäldegalerie in Lemberg wurde jetzt eine Ausstellung von Bildern der berühmteilen Kunstmaler eröffnet, welche sehr zahlreich von der polnischen Bevölkerung besucht wird. Unter den Ausstellern befinden sich auch die zwei bedeutenden jüdischen Maler Hermann Struck und Jerzy Merkel. Die besten Kenner der Kunst, die die Ausstellung besuchen, bewundern besonders die Bilder von Struck, welche fast aus lauter jüdischen und palästinensischen Motiven bestehen. Einen überaus guten Eindruck macht das Bild, unseres unvergeßlichen Führers Dr. Theodor Herzl, welches zu den gelungensten'Arbeiten von Struck gehört. Charakteristisch ist cs, daß in dieser Ausstellung der größte Teil von Strucks Bildern mit hebräischen Aufschriften bezeichnet ist. Ter gewesene Statthalter Pininski und der Vizepräsidcnl der Stadt Lemberg Dr. Rutowski nennen Struck einen tüchtigen, talentierten und vollkommenen Artisten. Auch,die Bilder von Merkel kennzeichnet eine subtile Harmonie der Linien, Farden und Strichen. — Tic Kunst eines Volkes ist der edelste und Veste Ausdruck seiner Kultur. Die Entwickluug der jüdischen Kunst ist die Entwicklung unserer nationalen Kultur, ihre Schönheit und ihr Inhalt, ist das Leben und der Inhalt des jüdischen Boltslebens. I- H- Die Konferenz der galizischcn Toynbeehallcn in Lemberg Sonntag den 9. März wird in Lemberg eine Konsercnz der in Galizien bereits 'existierenden Toynbee- Hallenverwaltungen slattsindcn. Diese Institutionen welche den Zweck haben, erzieherisch und austlärcnd aus die jüdisch.» Massen zu wi-1-n, sollen auch systemalische Vorträge über die brennenden, aktuellen jüdischen und allgemeinen Fragen veranstalten, um eine gewisse, gleichmäßige Stufe der kulturellen Entwicklung des südlichen Volkes zu erhalten. Es sei auch eine Pflicht dieser Institution, eine jüdische Wanderbühne ins Leven zu rufen, weiche jüdische Stücke von der jüdisch-hcvräischcn Lireratur aussühren sollen, um aus diese Weise die jüdische Bevölkerung mit den neuesten Erzeugnissen unserer Literatur vckanntzumachcn. Lolche und ähnliche Aufgaben haben die Toynbeehallcn zu ersülleu. Bei dieser Konferenz sollen alle derartigen Fragen genau besprochen iverdcn. Bis nun haben bcreils mehr als 20 Städte Galiziens ihre Teilnahme an dieser Konferenz zugesagt. I. H. Eine Aktion zugunsten der rumänischen Jude». Wie dem Pariser ״Echo Sionistc" aus Neivyork gemeldet ivird, hat der Initiator der erfolgreichen Kampagnc gegen die Erneuerung des Handelsvertrages zwischeu den Vereinigten Staaten und Rußland, Mr. Green, eine Aktion gegen den legalen Antisemitismus in Rumänien ins Werk gesetzt. Er hat sich diesbezüglich mit den hervorragendsten Persönlichkeiten Europas und Amerikas in Verbindung gesetzt und sich sogar die Ilnterstützung mehrerer maßgebender Kirchcnsürsten gesichert. Derzeit weilt Air. Grccil mit dem berühmten Philantropen Nathan Strauß in Palästina. Aus der sliückrcisc wird Air. Green Rom, Budapest, W i e 11, Berlin, Paris und London besuchen. Mr. Green hofft

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