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Jüdische Volksstimme · 1913-02-20 · Heft 8 (20.2.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 8 (20.2.1913)
Date
1913-02-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 8 ^Jäktschc V,N»sti«»e? Seite S. daß die Juden nur den fünften Teil der gesamten Bevölkerung ausmachen, die jüdischen Stadt- Repräsentanten in absoluter Majorität sind, war ja kein anderer Erfolg zu erwarten. Und eben weil die jüdischen Repräsentanten hier in der Mehrheit sind, würde eine gewöhnliche Wahl nichts anderes bedeuten, als nur, daß die jüd. Repräsentanten sich einen Juden zum Ober- Bürgermeister wählten. Sie sind in der Mehrheit, hieß es, und Sie konnten es tun. Durch die Kandidatur Sr. Majestät bekommt aber die Sache selbstverständlich einen ganz anderen Schein. Ta hieß es, der Wunsch der Regierung war den an erster Stelle kandidierten Juden zu wählen. Im übrigen ist der neugewählte Ober-Bürgermeister, einer der besten Köpfe Ungarns, der schon von seiner frühesten Jugend im öffentlichen Leben eine bedeutende Wirksamkeit ausübt. Seit zehn Jahren ist er Mitglied des ungarischen Reichstages, wo er durch sein vielseitiges Wissen allgemein hochgeschätzt und geachtet ist. Tr. Fr. H o l t a i entstammt einer wohlhabenden jüd. Familie und ist im Jahre 1861, in Szentes (Com. Csongrad) geboren. In jüd. Angelegenhciten hat sich Tr. Haltai bisher wenig hören lassen. Hoffen wir aber, daß der neue Bürger- Meister in seiner jetzigen Stellung dem Judentume Interesse entgegenbringen wird. I. R. Wiener NuclZnc^ten Wien. Ter Vorsteher der Wiener israel. Kultusgcmcinde Tr. Mar Steiner ist gestern vormittag schwer verunglückt. Ter 80jährige Mann ist von einem Straßenbahnwagen abgcstürzt, wobei er mehrere Nippenbräche erlitt. Jahresversammlung des Lynagogenvereines Beth Israel in Wien. In Anwesenheit von 07 Mitgliedern des Vereines .,Beth Israel" sand am 76. d. die Iahrcsvcrsammiung für 1812 statt, die das Ehrenmitglied und gleichzeitig Qbmannstcllvcrtrcter Herr Ignaz Jot- Ics in mustergültiger Weise leitete. Als Delegierter der Kultusgemeinde war Herr A. Schrämet anwesend. Die Vorstandswahlcn waren sehr stürmisch, da die konservativen Mitglieder mit den fortschrittlichen zusammcnsticßen. Gewählt wurden mit dreijähriger Funtionsdaucr die Herren Hermann Bartfcld, Emil Pomcranz, Ferdinand Sperber, mit zweijähriger Dauer die Herren I. 3. Schindel, M. Heublum, als Kassarevisorcn H. Hirschfcld, Moritz Karp, I. H. Waltuch, und als Schiedsrichter die Herren Max Flieg, Nord. Nappaport, M. Schneid. Der bisherige Obmann Herr Mar Roscnscld, der wegen Arvcitsüberbürdung jede Wiederwahl ablchnte, wurde auf Antrag des Ausschuffcs von der Versammlung einstimmig zum Ehrenmitglicdc gewählt. Aus einer Bczirksvertretung. Bisher hat die Gleichberechtigung aller Nationen in Oesterreich wenigstens auf dem Papier gestanden und war gesetzlich gewährlcistct, was allerdings die Praxis nicht verhindert Nun glaubst Tu schon? Jetzt können wir wieder ausstcigen. Schau Dich bißchen hier um, es ist der Mühe wert. Halloh, Mädel, hast Tu veraeüen, daß ich auch da bin? Jetzt muß ich wieder zu Dir sprechen. Wir sind in Cheap-sidc. Hier ist der größt Verkehr. Weißt Du, wic'S in manchen Straße: ist? Heber Deinem Kopse eine Bahn, unter de Straße wieder eine, darunter die Untergrunl bahn und unter der Untergrundbahn noch ei Zug (Tube) und überall voll und überall ei Leben und Hasten. Dieser Teil heißt Holbron. Hier sind C' ältesten Häuser Londons. Schau in diesem .Siau mit den vielen, vielen kleinen Fenstern h Ticcens noch geschrieben. Hier ist der hohe G richtshos. Nicht wahr, schön? Ter Stil des G bäudes ist doch prachtvoll. O. möchtest Du 11 u jauchzen, wenn Tu so viel Schönes 117 ׳1ןו1’11ן Du kannst Dir einrcden, daß es nur da ist, u Dir Freude zu machen. Dich froh zu stimme — Wir steh'n schon wieder. Nächstens fahre wir Sonntag, dann sind die Straßen fast k. und der Verkehr kann schneller vonstatten geh' Aber für's erstemal ist's besser so, dan Du einen Begriff vom Treiben, vom Geschäs wesen in London hast. In 15 Minuten sind 11׳ im Hyde-Park. hat, sich daran nicht im geringsten zu halten. Nun aber ist in letzter Zeit in Wien das krampfhafte Bestreben zu konstatieren, auch auf dem Papier die Gleichberechtigung nicht aufkommen zu lassen und so Gesetz und Ausführung in Einklang zu bringen. So hat denn die Mariahilfer Bezirksvertretung in ihrer letzten Sitzung den Beschluß gefaßt bei der Verleihung von Konzessionen für den Betrieb von Kaslanienbratösen ausschlietzlich Bewerber deutscher Nationalität zu berücksichtigen. Dieser Beschluß ist nur einer von vielen, die in letzter Zeit in den diversen Wiener Vertretungskörpcrn mit Außerachtlaffung des Staatsgrundgesetzes und sonstiger primitivster Rcchtsbcgriffe, gefaßt worden. Und die österreichische Regierung schweigt und nickt dazu. Ihren Gcsamtbesitz an Entrüstung gegen die Unterdrückung wehrloser Nationen verausgabt sie für die A l b a 11 e r. Da bleibt denn freilich für die nationalen Minoritäten in Oesterreich nichts übrig.... I. L. Perez und Mathias Acher 1Tr. Nathan Birnbaum) in Wien. Am 21. Februar 1018, um 8 Uhr abends, wird im Hotel Continental, 2. Bez, Taborstraße 4, ein Perez-Abend stattfindcn. I. L. Percz wird aus seinen Werken lesen. Tr. Birnbaum wird die einleitende Conference halten. Auch Prof. Ferdinand Gregors wird am Abend Mitwirken. Perez und Birnbäum stammen beide aus verschiedenem Milieu, wirkcn in verschiedenen Judenzentrcn und ergänzen sich doch in ihrer Arbeit. Perez kämpft in Rußland in Wort und Schrift für die Verbreitung allgemeiner Bildung unter dem jüdischen Volke in Rußland und hat zu diesem Ztv.cke verschiedene Zeitschriften hcrausgcgcben. die alle unerwartete Verbreitung gefunden haben. Bekannter ist Perez noch als Verfasser einer großen Anzahl von Erzählungen, :lieslexioncn und Studien, deren Stoffe größtenteil dem jüdisch chassidischen Milieu entnommcn sind. Birnbaum dagegen gebührt das Verdienst, den israelitischen Westen durch Vorträge, Artikel und Ucbersetzungen aus dem Indischen, die jüdische Literatur auch im Westen verbreitet zu habe». Beide haben in letzter Zeit zur religiösen Richtung des jüdischen Nationalismus abgcschwenkt. Perez hatte bekanntlich während der letzten Wahlen für die Duma, in Warschau gegen den antisemitisch-polnischen Kandidaten heftig gekämpft und auch dessen Niederlage herbcigcführt. Daß infolge dieser Niederlage die Polen den Bohkott gegen die Juden in Warschau proklamier! haben, ist bekannt. Dem Führer des nationaljüdischcn Warschau, Perez, und dem Vorkämpfer der jüdischer Moderne, Mathias Acher, ein herzliches Willkommen in Wien! Hilfsvereines Verhandlungen pflegte, um. infolge des neuausgebrochenen Krieges, eine Verlängerung der auswärtigen Unterstützungen den jüdischen Notleidenden Bulgariens und Adrianopels zu bewirken, welchem Verlangen die jüdifchen Organisationen mit Bereitwilligkeit nachgekommen sind. Den Juden in Adrianopel werden die Unterstützlnigen im Wege der drahtlosen Telegraphie über Konstantinopel durch das türkische Kriegsniinisteriuni und die Filiale der otromanischen Bank in Adrianopel angewiesen. In Adrianopel kostet ein Kilo Brot eineinhalb Frank. Tr. Urbach. Diskonta-«3esellschaft bei der ׳-־׳ Nordösterreichischen Bank für Industrie, Handel and Landwirtschaft, regiatrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung In Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340, Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgeschifte, hauptsächlich auch für den j Eskompt offener Buchforderungen unter den aller günstigsten Bedingungen. Notstand der Juden in den Balkanländern. Die notleidenden Familien der eingcrückkei k'scrvisten werden von den politischen Gemein :n ausgiebig unterstützt und zwar ohne Unter hied der Konfession. So gibt die Belgrade tadtgemeinde mehr als llOOO Franken monat ch bloß an die Fam'U-m der jüdischen Neser :וten, was die Belgrader spaniolische Kultus :meinde durch weitere 2000 Franken ergänz! o nahmen die serbischen Juden die Unter .itzung der jüdischen Organisationen gar nich 1 Anspruch. Natürlich reichte ihre Kraft fü e arg mitgenommene, zahlreiche Judenheit de kupierten Gebiete, in Uesküb, Monaftir uni: aloniki, nicht aus. Die bulgarischen Jude! .er, die bei weitem zahlreicher sind und deie amilien, die durch den Krieg des Ernährer raubt sind, von keiner Seite irgendeine Uutei .itzung finden, ganz auf die private Wohltätig t angewiesen. Dr. Markus Ehrenpreis, de!garifche Landcsrabbiner weilte vergangene k'nstag und Mittwoch in Belgrad, wo er 1n; ״m dahin entsandten Sekretär des deutsche! Der Jude auf dem Theater. Im Frankfurter Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach dieser Tage Dr. 2. Simchow i tz, Dramaturg der Vereinigten Stadllheaier in Küh», über das Thema: ..Ter Jude aus dem T h e a 1 e r." — So wie nach Shakespeare das Schau spiet bezweckt, einen Abdruck der Gestatl des JahrhundertS zu geben, so wie nach Schiller die Breuerdie Welt bedeuten, führte der Vortragende aus, so ikellk das Theater nicht nur eine künstlerische, sondern eine kulturelle Angelegenheit in des Wortes höchstem Sinne dar. Es spiegelt das Geistesleben der Menschbeit, und so bedeutet es die Welt. Tie Siellung des Juden innerhalb dieses Geisteslebens ist eng verknüpft mit der Geschichte des Thcalers, den», wie Dingelstedt einmal richtig sagte: ״Solange es ein Theater gibt, hat es Juden aus dem Theater gegeben." Bereits im griechischen Drama sinden siet, Spureu des Auftretens von Juden, so in einem hellenisiischeu Fragmenl, das das Schicksal des Moses behandelt. J»1 Theater des Mittelalters hat sich infolge der veränderte» Zeitanschauting auch die Siellung des Juden aus der Bühne veränoert. Er ist in den Passionsspielen .in Gegenstand des AbscheuS, in den Schwänken die Zielscheibe des Hohns und Spottes geivorde». So bleibt es jahrhundertelaug. Die neuere Zeit steht aiifaiigü dem Sohne Israels nicht minder feindselig gegenüber. Bei Skaespcares Porläuser Ehristopher Marlowe herrscht zwar noch das Bestrebe» vor. den Juden als Monstrum zu zeichnen < in dem ״Juden von Malta", dessen Vorviid Don Joses, Herzog von Naxos war!, doch sind bereits Ansätze zu dichterischer und objektiver Gejtaltnng vor- Händen. Shakespeare zeigt im» wohl gleichfalls, daß er .in Kind seiner Zeit und deren Anscliauungen ist, insofern als er im Drama SbhlockS den der Haitdlttng zugrunde liegenden Vorgang einfach umkehrt, um deu ,glden als Abscheu erregende Person hinznitellen. Aber unter der Hand verändert sich de!» Dichter das Problein, lind Shhlock wird zum Gegeuilaud des Mitleids, wird ein Tppus, ein Svinbol des Unterdrückten. Im 17. Jahrhundert erscheint dann der Jtide seltener ans der Bühne. Racine hat wohl in ״Either" und ״Athalia" biblische Eharaklere behandelt, aber ihnen nicht das spezisisch Indische zu gebe» vermocht. Erst im 1h. Jabr hundert beginnt der Jude wieder eine Nolle in der Bühncnlileratur zu spielen. Der HumaiiitälSgedanke seht ein. Bereits als Zwanzigjähriger hat Lessing mit größtem Scharfblick die prekäre Lage des Jude» erkannt und sie in dem Stück ״Die Inden" 1.17 101 zu in Ausdruck gebracht; ein Wagnis für die damalige Zeit. Freilich bildet dieses Stück nur eine An Vorspiel zain ״Nathan". In dieser Dichtung hat Lessing mit stärkster ichterucher Keatl und tiesslec philosophisch.r Einncht in Bild des Judentums selber gegeben. - des Juden, er ganz allein sieht, im Lnd groß »nd stark geworte», sich seiner geistigen Kraft bewußt ist und nun, ach dem Verlust der alten Familie, sich eine neue aber .us rein geistiger Grundlage schasit. Lessing ist mit .inen Anschauungen allerdings seiner und vielleicht ' .lief) noch unserer Zeit iveit voransgeBlt. Ten HumaniälSgedankcn gegenüber dem Juden vertreten dann im 8. Jahrhundert: in Frankreich Mirabeau und Glegoice. 11 Deutschland Dohm, in England Eninberland, dessen 2rama ״Ter Jude" mit größtem Erfolg auch ,1,1 Ausnid, gegeben wird. Im l!i. Jahrhundert bringen die Jahre IHM bis 820 eine Neattio», besonders >» TentschianS sevt eine -arte judenseindliche Bewegung ein. In der Posse ״Un- :r Verkehr" wird der gebildete Jude lächerlich gemacht, ,ch ivird das ״Manschein" in die Literatur elngesübrt. rst in den Aller Jahren beginnt eine objektivere Be- -ertung des Juden. Man beschäftigt sich eifrig mit .discher Geschichte und Literatur und der luiistlerischen ״arstellung des jüdischen Elements!Bendenianns Ge- Die schönste A 3 » 4t in kürzester Zeit erreicht jedermann K k. heb■ aut. Schreibschule XChmi Professor Rudolf Roubltscbek»״»»״״״־*.ס״־״« VM/IIII Prag, Murcisplsir 61S5TÄÄ

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