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Jüdische Volksstimme · 1913-02-20 · Heft 8 (20.2.1913) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 8 (20.2.1913)
Date
1913-02-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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•־ •י״ beite 2. ״JüdischI BolkSstimme." Nr. 8 Obcrsthofmarschallamt in Berlin, ob diese Be- Hörde tatsächlich gewünscht habe, das; das Kaiscrhoch in Königsberg nicht von einem Mitglied einer konfessionellen Verbindung ausgcbracht werde, die telegraphische Antwort zurückkam: ״fragliche Angelegenheit völlig unbekannt." Diese offizielle Antwort ist nicht in Einklang zu bringen mit Ver Auskunft, die der Verein von der Königsberger llniversitätsbehördc erhalten hat und verwirrt die Situtaion noch inchr. Die Königsbergcr Studcutcn werden sich mit dieser Antwort kaum zufrieden geben und aus eine einwandfreie Klarstellung des Sachverhaltes dringen, die in diesem Falle um so erwünschter ist, als sich nicht so sehr um die beleidigende Zurücksetzung der Köuigsbergcr jüdischen Studeuten handelt, als um die Feststellung, ob der deutsche Kaiser an dieser Disharmonie von Wort und Tat persönlich Schuld trägt. Das ״jüdische Parteidogma". (Zur Ermordung des Abg. Schuhmcier.) Der Christlichsoziale Paul Kunschak hat den sozialdemokratischen Abgeordneten Franz Schuhmeier ermordet, um sich, nach seiner Aussage, auf diese Weise an der sozialdemokratischen Organisation zu rächen, die ihn unaufhörlich verfolgt, von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz erbarmuugslos gehetzt und so das Leben vcrbittert Hütte. Angenommen, die Begründung Paul Kunschaks für den von ihm begangenen Mord würde zutreffen, so ist der Tatbestand einfach gegeben. Die Sachlage ist klar und die ganze Angelegeuheit hat wohl, nichts mit Juden und Indentum zu tun. Die so denken, haben ihre Rechnuug ohne die christlichsozialcn Skribifare und Schmierfinke gemacht. Diese haben auch hier den Judenpunkt entdeckt. Nicht etwa, das; sic gctrachtete hätten, ihre tintenbckleksteu Hände in Unschtild zu waschen und gleich jedem anderen Kulturiitenscheil die vcrabschcuungswürdige Tat ihres Parteigenossen bedingungslos zu verdammen, suchten sie mit einigen nichtssagenden Ilnvcrbmdlichkeiteu die ganze Angelegenheit abzutuu und den Fall daun so weit als möglich politisch auszuschroteu. Tic Herren, die überall hiuausposauncu, die Juden wären edlerer Gefühle nicht fähig, fühlten sich berufen, angesichts der noch nicht bcstatteten sterblichen Ucbcrrcste des Ermordeten nach einer Entschuldigung für den Mörder zu suchen, lind da sie keine fanden, schoben sie die ganze Tat einfach auf das Schuldkonto des Judentums und setzten diesen blühenden Unsinn ihren gläubigcn Schäslein vor. Do schreibt das Repräsentanzblatt der ״christlichen Völker Oesterreichs", das ״Deutsche Volksblatt" wörtlich folgendes: ״Was mus; der Mann gelitten haben, der die Waffe gegen Schuhmeier richtete, als den Repräsentanten jener Partei, die, blind einem jüdischen P a r t e i d o g m a gehorchend, mit wirtschaftlicher Vernichtung gegen ihn vorging, ihin das Recht aus Arbeit, die Freiheit des Er- Werkes raubte, weil er seine politische Uebcrzeugung nicht ändern wollte. Was Wunder, daß da in seinem krankhaft erregten Gehirn ein so furchtbarer Plan reifte, die Erbitterung über seine Verfolgung sich zu einem Mordplan verdichtete, dessen Opfer Schuhmeier wurde, so gut, wie es ein anderer sozialdemokratischer Führer hätte werden können!" Also haben die christlichsozialen Schriftleiter doch die eigentliche Ursache des Mordes entdeckt. Der wirtschaftliche Boykott, der über Kunschak verhängt war, ist schuld an der Ermordung des Abg. Schuhmeier. Uud diesen wirtschaftlichen Boykott bezeichnen sie als ein ״jüdisches Parteidogma". Nun sie glücklich auch bei dieser Affäre sich einen Judenpunkt hcrauskonstruicrt haben, wundern sie sich nach ihren eigenen Worten nicht mehr über diesen Mord und er erscheint ihnen selbstverständlich. Denn ״ebensogut hätte ja auch ein anderer sozialdemokratischer Führer das Opfer des Mordplans werden können." Uud nun ist ihr Gewissen beruhigt. Das Gebot wirtschaftlicher Vernichtung ein jüdisches Partcidogma! Das sagen die offiziellen Vertreter jener Partei, die die Veruichtuug und den Hatz zu ihren! Parteiprogramm erhoben und die beharrlich dieses erbärmliche Ziel jahraus, jahrein in Millionen von Aufrufen, Broschüren und Zeitungen propagiert und in Tausenden von Versammlungen die brutalste und rücksichtsloseste Behandlung der Gegner als vorzüglichstes Kampfmittel gepredigt hat. Der christlichsozialcn Partei gebührt der traurige Ruhm, als erste politische Partei in Oesterreich den Boykott gegen die Juden proklamiert zu haben, aus ihren Reihen fiel der Ruf nach einem Schutzgeld für die Juden, s i e waren unduldsam gegen jeden Andersdenkenden. Wo Christlichsoziale herrschen, wird nicht mehr nach Fähigkeit gesragt, sondern nach der Gesinnung uud selbst diejenigen, die bereits in Stellung waren, wurden aus diesen erbarmungslos entfcrnt, falls sie nicht rückgratlos genug waren, um ihre Gesinnung rechtzeitig den! christlichsozialen Winde nachzudrehcn. Hunderte von Angestellien in Wien, in Niedcröstcrrcich, wurden wegen ihrer Nichtzugehörigleit zur christlichsozialen Partei einfach auf die Straße gesetzt, Tausende von Bewerber wurden abgewiesen, wenn sie nicht unzweifelhaft ihr christlichsoziales Pagodentum Nachweisen und bedingungslose blinde Gefolgschaft den antisemitischen Machthabern für alle Zeiten garantieren konnten. Und diese Partei der Gewalttätigkeit und der Unduldsamkeit sucht nun die Folgen ihrer zersetzenden und zerstörenden Propaganda auf die Juden abzuwälzcn! Wie für alles, soll auch für diese Tat das Judentum den Sündenbock abgeben. Das Gebot Wirtschaftlicher Vernichtung ist kein jüdisches Partcidogma. Tenn Gehässigkeit, Unduldsamkeit und Vernichtungswut sind nicht jüdisch, sondern das echte und e i g e n st e Wesen der Partei. Uud wenn die Christlichsozialen justament eine Ursache des Mordes haben wollen, so sollen sie sich die von ihren Führern in den letzten Jahrzehnten gehaltenen blutrünstigen Hetzreden ins Gedächtnis zurückrufen und iu den Tausenden von den christlichsozialen Zeitungen in die Welt gesetzten Brandartikel nachlesen. Vielleicht wird ihnen dann das Bewusstsein dämmern, wessen Parteidogma die Wirtschaftliche Vernichtung Andersdenkender dekretiert. Wien, 14. Februar 1913. Ä. E. R—r. Der Oberbürgermeister der Stadt Budapest ein Jude. V u d a p e st, 16. Februar. Die Sadtrepräsentantcn haben sich gestern zu einer feierlichen Versammlung im Rathause der Hauptstadt zusammengetroffcn. Es wurde der Ober-Bürgermeisterstuhl, welcher seit einiger Zeit vakant war, wieder besetzt und zu dieser hierzulande überaus geachteten und vornehinen Stellung wurde ein Jude, namens Dr. Franz H e l t a i auserkoren. Diese Wahl, welche den schönsten und vollsten Liberalismus des ungar. Staates bezeugt, gewinnt an ihrer Bedeutung sehr viel dadurch, weil dieses hohe Amt nicht so gewöhnlich, wie es bei anderen Wahlen usuell ist, besetzt wird, datz blos eine absolute Majorität der Stimmen schon genügt uin gewählt zu werden. Denn speziell bei diesem Amt schreiben die ungarischen Gesetze vor, daß der Ober- Bürgermeister der ungarischen Hauptstadt nur von denjenigen drei Personen gewählt werden kann, welche Se. Majestät kandidiert. Es ist Wahl bekannt, datz der Wunsch Sr. Majestät den an erster Stelle kandidierten Mann im Ober- Bürgermeisterstuhlc zu sehen ist. Die Loyalität der Repräsentanten wusste diesen — zwar nicht ausgesprochenen — Wunsch immer zu schätzen, und es wurde auch immer der an erster Stelle kandidierte gewählt. Es war infolgedessen in dem Augenblicke, zweifellos, daß er von der Majorität der Repräsentanten gewählt werde. Von den 251 Stimmen, die abgegeben.wurdcn, erhielt Dr. Franz Heltai 218, die beiden anderen, an zweiter und dritter Stelle kandidierten, erhielten 11 und 18 Stimmen. In Budapest, wo trotzdem wieder stch'u. Aber cs ist ganz gut, sonst hätte ich Dir ja so viel zu sagen vergessen. Hier ist ein ״Jüdisches Theater". Eines war schon in Milc End Road, ich vergaß cs Dir zu zeigen. Es ist kein separates Gebäude, bloß gemietet, hättest also nicht viel gesehen. Aber die Schauspiclcr sollen gut sein. Sie spielen die besten Sachen; alles in Jargon. Ich Hab' bloß ein Stück gesch'n. Hübsch war's. Es spielte in Rußland zur Zeit, da die Bildüng hin kommt. Wir sehen den inneren Kautps eines jüdischen jungen Menschen, dein plötzlich alles Gemorohlernen nicht mehr gefällt, dem es wie ein ״Nigen fun a Stcrbclied", wie ein ״Totengesang" vorkommt, der all das verlassen und einen anderen, einen besseren Gtt. suchen und mehr Freiheit für sein Kind haben will und der, von diesen! Wunsche getrieben, Weib und Kind verläßt. Ich sag' Dir schnell das Ende, weil wir schon wieder zu fahren beginnen. Das Kind 'wächst heran, lernt fleißig in der Jeschiwoh, ist fromm, hält sehr viel von seinem. Rebbc und fragt seine Mutter immer wieder!nit strahlendem Blicke, ob der Tate als Rebbc kommen und dann iiumcr zu Hause bleiben werde. Nach einigen Jahren kommt er nach Hause. Er hat draußen weder die gesuchte Freiheit noch Seelenruhe gesunden, er möchte so gern wieder hier heimisch feilt, den Gemoroh-Nigen wieder hören, damit er ihn einschläfere, ihm Ruhe bringe. Er hatte seine langen ״jüdischen" Kleider mit ״deutschen" vertauscht. Seine Schwiegereitern wollen ihn nicht mehr kennen, verbieten ihm das Haus. Die Frau hat ihn aber noch immcr lieb und freut sich schon, wenn sie an die Freude ihres Kindes denkt, wenn es den Vater erblicken wird. Ta kommt das Kind auch schon hereingesprungen. Ein kleiner aufgeweckter Knabe. Kum, kum, Kind!!!eins, Dein Tatinja ist da! Das Kind flicht fast vor Freude, es soll ja seine!! Tatinja sehen. Doch — es erblickt den Vater, sieht ihn ohne Bart, ohne Pejes, gegen alle Erwartung gekleidet und ruft mit abwehrender Hand: ״Ich will!lischt so ein Taten!" Der Vater hat den anderen, besseren Gtt., sein Glück in der Welt nicht gefunden, den aber eingebüßt. Es ist zu viel für ihn. Verzweifelt verlaßt er das Haus. Jetzt schau, diese große Kirche heißt Whitchapel Church. .Sie soll meistenteils von getauften Juden besucht werden. Ist das nicht schrecklich traurig? Wie gefällt's Dir in den Straßen? Gelt, alles lebt und rennt und läuft und eilt. Hast Du schon beobachtet, daß die meisten Leute da unten zur Arbeiterklasse gehören? Und wieviele Wirtshäuser da sind, schau hinunter. Siehst Tu, wieviele Frauen da stehen und Bier trinken. Sic! sind alle per Hut, nett gekleidet, führen ihre!Kinder rein und steh'n da und trinken. So oft ' tat's mir schon leid, wenn ich ein kleines hübsches Kind im Wagen vor einem W!rtshause habe stehen gesch'n. Arines Kind, so früh schon in schlimmer Gesellschaft! Aber Judenfrauen sind's nicht, die Du da siehst, nein. O, da sind wir nun. Jetzt gib acht. Hier zur Rechten ist The Royal Exchamge (Börse), vor uus das schwarze, große Gebäude The Bank of England und hier zur Linken, das Mansion Hause. Schau her! Wieviele Menschen und Busse und Autos und Wagen. Komm hinunter, ich will Dir etwas zeigen. Ich gehe den Poleciman etwas fragen. Wie ich's tun will, da sich so viele Wagen usw. hier kreuzen? Wirst sehen, wenn er bemerkt, daß man hinüber will, hebt er die Hand und aller Verkehr stockt. Komm, Hab' keine Angst. Teltphon Nr. 350, Direktten, .•erzinst EINLAGEN gegen Büchei und in laufender Rechnung mit Ferdinandsgasse Nr. . 5 bis 5'|2° 0 29 7e|ej1honJNrM016jJW gebundene Einlagen laut Obereinkommen' Bankgeschälte aller Art, Börsenu. Wechslergeschäfte.

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