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Jüdische Volksstimme · 1913-02-13 · Heft 7 (13.2.1913) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 7 (13.2.1913)
Date
1913-02-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 7. ״JSdische BolkSsti««e." Hofrat Winterberg beleuchtete in seiner Rede die hehre Ausgabe der Ehewra »aDischa, streifte auch in seinen Ausführungen die zionistische Bewegnng und trat für sein Ideal, den ״Ito" ein. Ter Geist und der Wortschatz, mit welchem er seine Gedanken aussührte, machten ans die Anwesenden einen faszinierenden Eindruck. Und das Publikum bereitete ihm herzliche Lvationen. Jüdische Schwesterliebe. Skizze nach dem Leben von Flora G r ü n w a > d. Iu einer jüdischen Gemeinde Mährens wurde dieser Tage die irdische Hülle einer reinen Seele zur einigen Ruhe bestattet — ohne Nachruf, ohne Leichenrede; denn sie hatte keine Verdienste im öffentlichen ' Leben gehabt, ja! sie war nicht einmal Mutter in Israel gewesen, hat dem Judentum keine Söhne erzogen und doch! wie treu und warm schlug das arme Herz, wie opfcrvoll war ihr qualvolles Leben! In Armut und Dürftigkeit erzogen, war ihr ganzes Leben (nach dem Tode der Ellern) der jüngeren, kranken Schwester geweiht, die sie hegte und pflegte und von ihrer Hände harter Arbeit ernährte. Statt des Heiratsgutes legte sic, selbst darbend und hungernd, Heller für Heller zusammen, um mit der geliebten Schwester einst ein ruhiges Alter zu geniesten. Da entwickelte sich ein schweres Leiden, anfangs nicht beachtet in der Hast der täglichen Arbeit und plötzlich mit solcher Macht hcreinbrcchcnd, dag jede Hilfe zu spät ivar. 'Nun war die Reske an der kranken, schwachen Schwester, ihre Schuld zu begleichen. Mit übermenschlicher Aiistrengung beschwichtigte sie ihr krankes Herz, um den Erwert׳ und außerdem die Pflege ihres einzigen Schatzes zu übernehmen. ׳Als sie hörte, datz man die »ranke durch eine Operation vielleicht noch retten könne, schickte sie ihr Teuerstes nach Wien, selbst zu schivach, um ihr folgen zu können. Doch dem Nebel konnte nicht mehr gesteuert 'werden; die Arme starb im Spital nach einigen Tagen. Mit heldenmütiger Ileberwiiidung ihrer Schivächc kam die Schwester und forderte die Ueberführnng der Leiche. Da nützte kein Zureden, kein Bitten, dag sie den zurückgelegtcn Notpfennig für sich verivenden möge; ihr fester Wille, vereint mit felscufcstcm Gottvertrauen, setzte es durch, dag ihr Einziges in heimatlicher Erde begraben wurde — auf dem schönsten Platze, neben den Reichsten und Angesehensten des £ etes. Nun ist das Einzige, was die Arme besitzt, das Grab ihres Lieblings, neben dem sie auch gleich das ihre bestellte. Zu stolz, um von Gnade zu leben, weist sic die Hilfe edler Menschen in nergischer, ja! belcidigeudcr Weise zurück; in der feucht-kalten, todbringcndcn Atmosphäre ihres torstlos öden Hänschens fristet sie ihr einsames, hartes Dasein und doch ist sie reich und glücklich; denn sie hat ihren Liebling bei sich, schüttet auf seinem Grabe ihr dankerfülltes Herz aus und hält ihm die schönsten, ergreifendsten Leichenreden. Arme Seele! Man konnte dir keinen Nachruf halten, denn du hast für die Welt nichts geleistet; darum setze ich deiner treuen, opservollen Schwesterliebe hier ein bleibendes Denkmal. Krünner Hcidmditefi. Ehewra Kadischa. Sonntag Den Hi. D. um 10 Uhr vormcittags findet in Den Lokalitäten Des Vereines Machstke Hadas, ADlergasse 12, eine wichtige B e ן p r e ch n n g in Angelegentzeil Der Ehewra »aDischa statt. Referenten Die Mitglieder Der Tepniation bei Sr. Ehrw. Herr Tr. Lewy nnD beim Vorsteher Der Ehewra »aDischa Herrn Sigm. Schwarz. Es ergeht an sämtliche Interessenten Die dringende Anfsordernng, bei Dieser Besprechnng bestimmt zn erscheinen. Aus der 5tultusgemeindc. Sonntag, 10. D., fand eine Sitzung Des verstärkten VorstanDes der israelitischen »ultusgemeinde in Angelegenheit Der Statutenändernng statt. Wie bekannt, besteht Der VorstanD ans Ol» Personen. Merkwürdigerweise ist aber mir für 21 Sitzgelegenheiten vorgesorgt worden. Ter kompetente Tiener scheint die Herren genauer zu kennen, er weis;, Das; das Pflichtgefühl nnD Interesse für Die Sache nicht allzugros; ist. Tie Sitzung wnrDe eröffnet, otzne beschl'us;sähig zu sein. Im ganzen und großen war es eine gemütliche Planderstnnde. Man tonnte sich Des GeDankens nicht erwehren, das; die maßgebenden Faktoren alles andere nur keine rationelle Statutenänderung anstreben. Herr Tr. Brunner übte am statutarischen Ansbau des verstärkten Vorstandes scharfe »ritik. Er wies nach, daß diese Institution, wie sie gegenwärtig bestehe, ein Spielball in den Händen des engeren Vorstandes sei. Tie Herren ließen die Redner gemütlich Mritif üben und Herr Tr. F i a 1 a bemerkte mit Seelenruhe, nachdem für Die Sache kein besonderes Interesse vorhanden ist, werde er Die heutige Sitzung schließen. nnD Die Herren mögen eventuelle Wünsche bezüglich der StatutenänDernng dem engeren VorstanDe schriftlich;»kommen lassen. Tamit schloß die denkwürDige Sitzung. Tohnbeehallc. Am 2־:«. Februar 1. I. wird Herr Rabbiner Tr. I. G ü n z i g ans Loschitz in der diesigen Topnbeehalle einen Vortrag Halten. Thema: Sabbatai Zewi ans Smtzrna und Die Durch ihn hervorgernfene messianische Bewegung. Rorre^ponlienzen Mähr.-Dstra». Am ül». Jänner t!N:i fand die! konstituierende General-Bersammlung des Iüd. Handlungsgchilrenvecbandes. Zentrale Wien, Ertsgruppe: Mähr.-Hstrau, statt, bei welckicr nachstehende Funklionäre in den Porsland gewählt wurden: Isidor Fischer als Ebmann. Mar Nozpee, als Ebmaunsiellvertretcr und Bibliothekar, Walter Bellak als Schriftführer, Salo Liebeskiiid als »agier, Mar Spitz, David Morgenstern und Hugo Eichenbaum als Nevisionskomitee. Rabbiner Tr. Oüas Thon ׳Krakau» in Wien. Donnerstag den l'i. d. sinder im Festsaale des Ingematt- und Architektenvereines ein Vortrag des De. Dsias Thon im :!!ahme» des Zgklns der»ullusgeiueiiidc statt. Sr. Ehrwürdeu Rabbiner Dr. Thon tvird über die »euhebräische Literatur sprechen. Budapest. Vor kurzem stattete Füriiprimas Io- Hann Ezternak, der seinerzeit der antisemitischen Volks- Partei angehörte, dem Pester Bürgermeister einen Besuch ab, bei welcher Gelegenheit der Fürst erklärte, jttdcnfreundlich gesinnt zu sein und sich vieler jüdischer Freunde erfreue. Er hob hervor, dag die Pester Juden besonders um die Erhaltung des konfessionellen Feiedens sich Verdienste erwerben. . Trencsen. Vergangene Woche nntvDe bier ein Mann ins kühle Grad gebettet. Der Durch seine profunde Gelebrsamkeit und durch sein friedfertiges Wirken nnD Schaffen in Ratz nnD Fern rühmlichst bekannt und bochgeschätzt war. Tberrabbiner Tr. Moritz Tiamant hat, 7ö Jahre alt, seine Angen für immer geschlossen. Rach 1 .'׳jähriger segensreicher Wirksamkeit als Rabbiner in Losoncz, folgte er einem ehrenden Ruse als Lberrabbiner nach Trencsen, wo er mehr den :!0 Jahre lang Thorakenntnis verbreitete. Den Frieden in Der Gemeinde herstellte und sicherte. Rainen von »lang hatten sich zur Lei chenfeier Dieser rabbinischen Größe zusammengefunden: dort sah man neben Der »ultnsgemeinde sämtliche StaDtbebörden, Die hochw. Geistlichkeit, Tirektoren, Professoren und Mittelschüler, Vertreter des »omitats, des Landes und Der Regierung. Ta Der neue Tempel noch im Bane ist, wurde Der Leichnam im Tempelhose anfgebahrt, woselbst im Rainen der »nlknsgemeinde Tberrabbiner Tr. Rosenberg ans Wag- Renstadtl, Vorsteher »atser und Der Sohn Des Verklärten, Tberrabbiner Tr. Julius Tiamant aus Vllkovar. ergreifenden 'Abschied nahmen. Ein schier endloser Fug folgte sodann Der von Deil Rabbinern getragenen Bahre. 'Aul Friedhöfe rühmten Die Größe Dieses ״Fürsten in Israel" und Den schmerzlichen Verlust Die Hberrabbiuer Landesberg (Szeghalom), ein Schwager Des Toten. Stein iThrnan), Tr. I. Tiamant (Marienbad), ein Reffe Des Verklärten. Tr. Vajda «Lo sonczl. Tr. Mlei 11 (Rentrat, Tr. FrieDmaun (Zsolnai undklieich (Ttzrnau). In später Abendstunde erst nahm »lau Abschied von Dem Toten, Der Drei Söhne und eine Tochter hinterläßt. Breslau. Vor kurzem fand hier im Hotel 1״ Jahreszeiten" eine Versammlung Der Vertranensiilänner Der Agndas Iisroel für Schlesien statt. Ten Vorsitz führte Herr Aron .»ober, Mitglied Des provisorischen »omirees. Rach einem ausführlichen Referate Des Telegierten Des Gesetzestrenen RabbinerverbanDes im provisorischen »omitee. Herrn Rabbiner Tr. Eohn. Seite 8. Rawitsch, wnrDe Die Gründling einer Ortsgruppe in Breslau beschlossen. Sämtliche Vertrauensmänner aus Stadt und Land versprachen ihre eifrige Mitarbeit an Der AguDa nnD Die Grün Ditng von Ortsgruppen an ihren Wohnsitzen. Posen. Im Anjchluß an die Vertrauensmännerversammliing der Agndas Iisroel in Breslau traten auch hier im Hotel Friedenshof Die Vertraueiismäiiner Der Provinz Posen;11 einer Beratung;nsammeu. Tie Sitzung fand unter Dem Ehrenvorsitze Des Herrn Tberrabbi ners Tr. FreifelD, Mitglied Des Rabbinischen Rats Der Agndas Iisroel statt nnD wurde von Herrn Bankier Georg Loewp, Rawitsch. geleitet. Rach längerer Tiskussion wurde beschlossen,;u samuien mit Den Vertrauensinännern Der Pro vinz Schlesien für Die Idee Der Agudas Iisroel nnD Die Gründung von Srtsgruppeu eitrig zu arbeiten. Es wurde konstatiert. Daß sämtliche gesetzestreuen Rabbiner Der Provinzen Schlesien nuD Posen Der Agndas Iisroel beigetreten nnD. Breslau. In unserer Stadt, an Der es an einer Ceganiiation Der gesetzestrenen Jugend bisher vollkommen fehlte, ist nunmehr eine In > geuDgruppe Der Agndas Iisroel gegründet wor Den. In Der konstituierenDeu Versammlung an! 1-">. Jänner im Einirachtssaal erötsnete Das Mil glied Des Provisorischen »omilees, Herr Aron »ober. Die Beratungen mit einer warmen Be grüßung. Tarans berichtete Herr Isidor Simon )01)11 in einem längeren Referate über Die :Ziele nnD :Zwecke der Agnda lind begeisterte Die In genD für Die Mitarbeit an Der orthodoren Welt Organisation. Ter Daraus gegründeten Jugend gruppe habe» sich noch am gleichen Abend;ah! reiche Mitglieder angeschlosse». Tie Lbreu Schiurim Der Iudengruppe siiiden in Verbin Dung mit denen des Vereines Machsike 2bauen siatt. 'Außerdem sind im Programme Geschick)! und Sprachkurse sowie Vorträge über jüdückie Tagestragen vorgesehen. Lodz. In einer Wokmung auf der Brustkezschiiisla gasse!,fetten ungefätir in» jüdische junge Leute eine Versammlung ad, welche von der Polizei entdeckt ivurde. > Sämtliche Teilnelimer wurde» verkästet und zn vierter irrafc» vis drei Monate verurteilt. Moskau. Hier kielt sich der kekaunte kevräistke Dichter. Ek. N. Bialik ans und fand it,m zn Ekren ein Bankett statt. Die jüdische Gemeinde üverreichte ihווו eine Adresse. Petersburg. Der Fiikrer der Agrar irrpa!!ei in der Dnma, Herr »awloiv. erklärte einem Mnarvener des 'A'oivi Woschod, dag er und seine Partei gegen die Aufrechterkaltung des Aniiedlungsranons sind. Petersburg. Der bekannte jüdische Millionär Gjnsvnrg errichtete ein Aliersversorgungskans, Da■;• am!» auf seine »oiien erkalten werden lvird. Die feierliche Eröffnung fand unter großer Beteiligung der Intelligenz und der Bekörden iiatt, bei ivelcher >׳>elegenkeit der Stifter allseits beglückwünscht ivurde. triew. Das »iewer iäerichl Kal beschlossen, den Advokaten Grigoroiviisch, der sich vekanniiich ■iiir emen Protei! gegen Ritnalmord unterschrieben kaue, eine :)tilge zu geben. Das »omitee des Advokatenrales Kal eine Resolution angenommen, in ivelcher dieser ge richtliche Beschlag als Attentat ans die Advokatenebre aufgefagl tvird. iveskalb sich das .»oinitee veranlagt; riililt, zu demissioniere». Warschau. Der Peiler Lberkantor Herr 2. L.nar ti 11 lvird kier am l-'. Februar im .»aniinstl Tl'ealrr ein »onzert zum ivoliiiätigen Ztveck v.-ranilalten. Warschau. In der :tleichsratskommission kur die Aillonomie der polnischen Städte iiellte Baron »uri den Antrag, Inden voll der Berechiignng, Mitglieder von Verivaltnngskörpern zu iverden, anszitschliegen.. Dieser 'Antrag wurde auch mit Stimineumekrkei! an griwinmen. 'Ali der kiesigen Universität siudiere» an der Technik 1» getanbe Juden. London. I!i der Iakresversammliing der ipaiairl! pvrtllgiestscheu täemeinde kam es zu einer Be!prea>nng iveg.n Festsrelluiig der Dage, aii welchen der lltabviner Dr. Gaiter zur Tkora gerufen werden soll. Der Vor. ilekcr griff Dr. G,,ster an uiid fand eineil Ankaiig. London. Hier verbreitete sich das Gerücht, dag der deutsche Baiser eine Rene »ach Palästina plane. Iii diplomatischen »reisen glaubt man dieser Reise polili-che Bedeutung beizulegen. Newport. Ter bekannte Philantrop Herr Jakob H. Schiss spendete dem Verband junger Frauen 13.000 Dollar zur Errichtung eines Heimes.

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