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Jüdische Volksstimme · 1913-02-13 · Heft 7 (13.2.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 7 (13.2.1913)
Date
1913-02-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. ״Jüdische Bolksstimme". Nr. 7. itwu!f<fta1I. Kleine Pogrome. Baluti, Rußland. Hooligans überfielen hier jüdischc Passanten und mißhandelten sie. Ferner plündcrtcn sic einige jüdische Geschäfte. Eine Deputation begab sich zum Polizeimcistcr mit der Bitte. Mittel zum Schutze der jüdischen Bevölkerung zu ergreifen. Warschau. Vorige Woche sind hier in einigen Gasscn Ucbcrfällc auf Juden vorgckommcn, die durchaus den Charakter eines kleinen Pogroms gehabt haben. Junge Hooligans haben mit dem Ucbcrfall begonnen, denen sich ältere Hooligans sofort anschlossen und die Juden mit Messern attakicrtcn. Mehrere jüdische Läden Ivurden geplündert und viele Waren schleuderten die Hooligans auf die Gasse. Cs gelang jedoch der Polizei, die Bande zu verjagen. Vereinzelte Fälle von kleinen Pogroms, Austreibungen und Verhaftungen kamen vorige Wocch auch in Kriakow bei Kremcntschug, in Nuschcwitz bei Dubna und in vielen ander Orten Nußlands vor. Aberglaube. Das Jerusalemer hebräische Tageblatt Hachcrut berichtet, daß die griechischen Einwohner Larissa, sobald eine Viehseuche ausbricht, zur Bekämpfung derselben Knochen jüdischer Leichen opfern. Rabbinerkommission in Petersburg. Petersburg. Ende des Jahres 1913 findet auf bchördliche Anordnung eine Rabbincrvcrsammlung statt, die jüdische Wünsche der Regierung zu übermitteln haden wird. Sämtliche Rabbiner Rußlands werden von den Lokalbchördcn angewiesen, der Rabbinerkommissioit eventuelle Vorschläge zu unterbreiten. Eheschließungen russischer Staatsbürger in Frankreich. Petersburg. Tic ruffische Regierung hat aus Vcranlaffung des hiesigen Rabbiners Dr. M. A. Ciscnsladt, den Generalkonsul in Paris beauftragt, Eheschließungen und Scheidungen, die französische Rabbiner an russischen Staatsbürgern vornehmen, auch fernerhin ohne Rücksicht auf die in Frankreich vollzogene Treunung der Kirche vom Staate, anzucrkciincn. Rüben Brainin in Kanada. Montreal, Kanada. Hier leben 50.000 Juden, die allen Zweigen des Handels und Gewerbes angchörcn. Der bekannte hebräische Schriftsteller Herr Rüben Brainin gibt hier eine jüdische Zeitung ״Der kanadische Adler" heraus. Anläßlich des Pogromes in Saloniki veröffentlichte Brainin einen Ausruf, auf Grund wclchcm in einer Woche über tausend Dollar für Hilfszwecke cingingcn, die er dem Berliner Hilfsvcrein telegrÄphisch überwiesen hatte. Mit dem Einzug Brainins zog auch jüdisches und nationales Leben ein. Zur Lösung der Nabbiucrfrage in Odessa. Odessa. Tic Rabbincrsragc wird jedesmal aktucllcr. Tic Größen Rußlands, die Weltruf genießen, wollen das Amt, trotz des annehmbaren Gehaltes von 0000 Rubel, nicht annchmcn. Als ernster Kandidat wird Rabbiner Zirclsohn aus Kischiniew angesehen, der aber aus eine starke Opposition stößt. Boykott gegen Juden. Warschau. Die polnische Zeitung ״Diva Groschc" versichert, daß einige ausländische Konsuln i» Warschau Memoranden ausarbeitcn, in ivelchcn sic ihren Regierungcn nahclcgcn, daß die Firmen ihrer Länder die jüdischen Beziehungen abbrechcn möge», um nicht bei den Polen Unzufriedenheit hcrvorzurufcn. Ei» christlicher Gelehrter über das jüdische Gebetbuch. London. In dem Wochenblattc ״Spcktator" erschien ein Artikel betitelt ״Das jüdische Gebetbuch" aus der Feder eines christlichen Gelehrten. Der Artikelschreibet bewundert die jüdische Gottes-, Nächsten- und Frcmdcnlicbc, die im Gcbctbuche zum Ausdrucke kommt. Cr führt aus: Der jüdische Gott (Gottesbcgrifs) ist ein Gort der Barmherzigkeit und der Liebe. Cr reicht seine Hand der Versühnung sogar den Sündern אתה י^פועזעיש besonders ist der Gelehrte bon de» Sabathgcsetzcn, wie ך~י —-i-, u. pg!. entzückt. Cr überzeugte sich, daß das jüdische Gebetbuch jedem Aberglauben sernstche, tvas bei Gebetbüchern überhaupt sehr selten der Fall ist, namentlich ivcnn inan bedenkt, daß das jüdische Gebetbuch über tausend Jahre alt ist und daß es Gebete enthält, die ungefähr zweitausend Jahre alt sind. Ein christlicher Gelehrter gegen jüdische Reformen. London. In der Zeitung ״Jcwish World" erscheint eine Reihe von Artikeln über ״Jüdische Probleme" aus der Feder eines christlichen Gelehrten und Redakteurs der großen konservativen Zeitung Daili Telegraf ״Misicr Kcncdi". Cr verurteilt jede Resormbcwegung im Jttdentum, die die Abschaffung von alten Sitten und Gebräuchen verlangt. Als unjüdisch bezeichnet er die Neformgemeinde in Amerika, wo blotzköpfige Männer und Frauen gemeinschaftlich am Sonntag im Tempel beten. ״Liberale," sagte der Schriftsteller, ״dürfen sich die Reformer nennen, aber nicht Jude n." Hauptpslicht einer Nasse ist es in erster Reihe, für die Selbstcrhaltung zu sorgen, nicht aber sich bemühen, der Umgebung durch Selbstverleugnung zu gefallen. Ebenso zu verurteilen sind die indisscrcntcn Juden, die nur dem Namen nach Juden sind, und für ihr Volk nichts tun." Wir empfehlen Herrn Dr. Scliginann in Frankfurt als Führer der deutschen Reformer, diese ״n i ch t j übischen Richtlinie n" fleißig zu studieren. Eine Zwri-Millionen-Franken-Spende. Bordeaux. Zur Errichtung einer Gratis-Volksküche für französische und ausländische Arbeiter spendctc der bekannte jüdische Philantrop Osiris zwei Millionen Franken. Zur Erhaltung der 40.000 Chedarim in Rußland. Kiew. Tic Ortsgruppe des Vereines Mcfize Haskala hielt hier eine große und gut besuchte Versammlung ab, in welcher Dr. L. Mandclbcrg den Vorsitz führte und Ing. M. S. Sirkin eine beifällig ausgcnommenc Rede für die Erhaltung und Förderung der 40.000 Chedarim (alte hebräische Schule) mit ihren 400.000 Schülern, hielt. 46 jüdische Familien ausgcwicsen. Kursk, Rußland. Das Ministerium des Innern bestätigte die Verordnung des Bczirkshauptmannes bctrcsss Ausweisung von 40 jüdischen Familien. Cs wurde ihnen eine Frist von drei Monaten zur Ordnung ihrer Gcschästc gewährt. Obcrrabbincr Margulics in Tripolis. Tripolis. Im Aufträge der italienischen Regierung traf Obcrrabbincr Margulics hier ein, um die Lage der Juden zu studieren. Herr Tr. M. hielt hier auch eine Dcradasch in hebräischer Sprache, die einen tiefen Eindruck auf die hiesige Judcnschaft ausübtc. Eine Hochzeit im Hause Saffon. London. Jüngst fand hier die Hochzeit des Herrn David Salomon Saffon mit Fräulein Sclma Prins aus Amsterdam statt. Frl. Prins ist die Enkelin des Frankfurter Gelehrten Lipmann Prins, sowie des sel. Rabbiners Dr. Lehmann in Mainz. Herr Saffon entstammt der bekannten Familie gleichen Namens in Bombay (Indien), die auch mit der Familie Rothschild verwandt ist. Die Trauung wurde vom Rabbiner Dr. Gaslcr vollzogen. Ter Bräutigam, der streng religiös isl, las, im Wolltallis gehüllt, selbst die Kesubah vor. Großer Bodrnankauf in Palästina. Berlin Es gelang dem Palästina-Amt zwei große Bodcnkomplcxc in Samaria und in Galiläa um drei Viertel Millionen Franken anzukaufcn. Den Kauf hat die türkische Regierung bereits bestätigt. Schweinefleisch die Ursache zahlreicher Nervenkrankheilen. Newyork. Hiesige Zeitungen berichten, daß der in Amerika berühmte Arzt Tr. Bord, der mit der Ersorschung der Ursachen der Nervenkrankheiten in Amcrika sich besaßt, isl zu dem Resultat gekommen, daß der Genuß von Schweinefleisch die zahlreichen Nervenkrankheitcn verursacht. Ein historisches Grdcnkblatt. Saloniki. Jil der hiesigen Chronik wurde die Tatfache registriert, daß die Bulgaren bei der Einnahme der Stadt innerhalb sechs Tagen mehr Blut vergossen als die Türkei während der OOOjährigeu Dauer ihrer Herrschaft über die Stadt. Ein jüdischer Herzog von Naxos. Man schreibt der ״Frks. Zcgt.": Eins der Streitobjekte, die den Fricdensschluß zwischen der Türkei und den verbündeten Balkanslaatcn verhinderten, bilden die Aegäischcn Insein, nach denen die Griechen ihre Hände ausstrcckcn. Im Hinblicke darauf, daß gerade die jüdischen Einwohncr der von griechischen Truppen besetzten Ortschaften (so Saloniki) viel zu leide» haben, wird der Hinweis interessieren, daß diese Inseln einmal von einem jüdischeu Herzog beherrscht wurden. Im Jahre 1552 waren Jose Migucz, Donna Gracia Mendcsi und ihre Tochter Rcyna, spanische Marannen, aus dein Umwege über die Niederlande und Italien in der Türkei angekommen und im nächsten Jahre heiratete Jose, der nach seinem Rücktritt ins Judentum den alten Namen Joses Nasi wieder annahm, seine Base Rcyna. Ter kommcrziell wie diplomatisch hochbegabte Josef Nasi erlangte bald die Gunst des Sultans Soliman in hohem Grade und ebenso die seines Nachfolgers Sclim des Zweiten (1500 bis 1574). Wegen der trefflichen Dienste, die er dem türkischen Reiche in mehrfacher Hinsicht geleistet hatte, wurde Josef Nasi von Selim zum souveränen Herzog von Naxos und den umliegenden Inseln ernannt. In dieser 'vielbeneideten hohen Stellung kam Don Jose in nahe Beziehungen zu den Großen der der Erde, so auch mit dem deutschen Kaiser Maximilian dem Zweiten, der ihn durch ehrende Zuschristcn auszeichnete. In Naxos setzte Joses Nasi einen stellvertretenden Regenten ein, einen spanischen Edelmann namens Fernando Coborcllo. Geschichtlich nachgewiesen ist, daß Don Joses fast eine Kriegserklärung des Sultans an Papst Paul dem Vierten (1550 bis 1559) herbeigcführt hätte, weil der Kirchcnfürst türkische Juden eingckcrkcrt hatte. Der Papst war klug genug, die Gefangenen freizulaffen. So groß war damals die Furcht selbst des Oberhauptes der Christenheit vor dem Sultan. Jüdische Spiücnschulrn in Palästina. Vom Vcrbandc jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina wurde vor wenigen Jahres eine Reihe von Spihcnatelicrs in Palästina begründet, die alle sehr gut gedeihen und ihren Erzeugniffen bereits Anerkennung auf dem Weltmarkt vcrschasst haben. In Jaffa werden zur Zeit 57 Mädchen beschäftigt, in Jerusalem arbeiten bereits 150. Die feinsten Arbeiten kommen aus dem Atelier in Tibcrias, wo dem Atelier eine Nähschule angegliedert ist. Im ganzen lverdcn durch die Spitzenindustrie und Näharbeit jetzt 388 Mädchen beschäftigt. Dazu kommen 10 Lehrerinnen, teils für Spitzen und Nähen, teils für Hebräisch und Turnen. Mit dem Dienstpersonal sind cs rund 410 Personen, denen eine Erwerbsquelle geschassen worden ist. Auch der Verdienst der Mädchen ist den Berhältniffcn entsprechend angcinesscii. Wenn eine mittlere Arbeiterin 25—30 Franken tnonatlich verdient, so gibt cs auch schon Mädchen, die bei feinerer Arbeit und Stücklohn imstande sind, bis zu 50 Franken zu verdienen. Die fertigen Spitzen werden in Ausstellungen und auch ständigen Verkaufsstellen vertrieben. In letztcr Zeit mehren sich die Anfragen von Geschäften, und der Absatz wird immer größer. Tie Produktion reicht bald nicht mehr aus, um alle Interessenten zu besriedi gen. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNGS-GESELL- :: SCHAFT, WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. Im eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 400 Millionen Reserven ciika 116 Millionen Kronen. — Billigste Tante, Mitarbeiter werden überalf gesucht. — Unser neuester Tarif' mit 5% jänrlich fallender garantierter Päraie, Generalagentur für Wien, 1., Asp.rnplatz I, Leiter David Nebenzahl. Sub. Direktion für Prag, Ferdinand-slr. 20. neu, Lei.er Robert Gerstel Sub. Direktion für Lemberg, Szajnocha 3, Leiter Lobt Taubes. Hauptagentur für Brünn, Wawrastrasse 10. Leiter: Samuel Reiniger. Nuäapefter Nachrichten. Religionsunterricht der jüdischen Jugend in Budapest. Soeben erschien der Unterrichtsausweis der Pester israelitischen Gemeinde für das Jahr 1012, nach welchen! 155, Lehrkräfte für den jüdischen Religionsunterricht der Pcstcr Jugend sorgen. Ans diesen Unterricht entfallen 1547 Stunden in der Woche gegen 149!) Stunden in! Vorjahre. Die Zahl der an den! Religionsunterricht teilnehinenden Schüler war 28.902 gegen 28.480 in! Vorjahre. Tchlustfcicr bei der Pester Chcwra Äadischa. Die traditionelle Schlutzfeier der Mitgliedsaufnähme bei der Chcwra Äadischa fand im Rahinen einer feierlichen Generalversammlung am Sonntag den 20. Jänner statt. Die Gencralversaininlung wurde durch den Vizepräsidenten Inlins Adler eröffnet und das Ergebnis der Mitgliedsaufnahme resümiert. Zur Aufnahme in den Verband der Chcwra Kadische!neideten sich 2214 Mitglieder, welche an Gebühren 130.000 K entrichteten. Nizepräses Adler dankte sodann dem Sekretär, königl. Rat Tr. Franz Mczey, welcher sich bei dieser Gelegenheit besondere Verdienste un! das Aufblühn der Chcwra erworben hat. Sodann hielt Oberrabbiner Dr. Samuel öiohn, welcher in vollem Ornat und Begleitung des gesamten Rabbinerkorps erschien, die Begrüßungsrede an den Präsidenten der Chcwra Kadischa, Hofrat Julius Winterberg, und überreichte ihn! mit Rücksicht auf seine ersprießliche Tätigkeit und dessen großen Verdienste!!!!! das Emporblühen des Judentums das Diplom eines ״Morenn". 4!ach diesem feierlichen Akte kam der Glanzpunkt des Abends, die feierliche Rede des Präsidenten Hofrat Winterberg. Tie Rede des Präsidenten, ein Meisterstück der Rhetorik, wurde von allen Anwesenden als eine Offenbarung feierlichst ׳angehört und wäre es äugezeigt, diese für das ganze ungarische Judentum bedeutende Rede in Druck erscheinen zu lassen.

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