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Jüdische Volksstimme · 1913-02-13 · Heft 7 (13.2.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 7 (13.2.1913)
Date
1913-02-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7 ״Attische «,»»stimme." Seite S noch im Volke vorhanden ist, ausblasen oder durch ein durchsichtiges Spiel mit Worten, hinter denen nichts wirkliches ist, verlöschen helfen. Wir wünschen voni Herzen Volksschriftcn für das jüdische Volk, die es von der Wahrheit des Judentums überzeugen und in der Gewißheit bestärken und befestigen: ״Mosche emeth wethorotho emeth". Moses i ft W a h r h e i t u n d seine Lehre ist Wahrheit! Aus der Aguda Jisroel- Bewegung. Frankfurt a. M., :1 Februar. In der am 2. d. stattgehabten Plenarversammlung des ״Provisorischen Komitees der Agudas Jisroel" erstattete der stellvertretende Vorsitzende einen Bericht über die Finanzlage. Danach zeigen die Eingänge an Beiträgen für den Propagandafonds, sowie an Mitgliederbeiträgen eine befriedigende Entwicklung. Tie Versammlung beschäftigte sich alsdann mit einer Reihe verwaltungstechnischer Augelegenheiten. In Angelegenheiten der Presse wurde nach längerer Diskussion u. a. beschlossen, dem ״Haberech" eine deutsche Beilage hinzuzufügen. Nach längerer Aussprache über den Stand der Propaganda in den verschiedenen Ländern, wendete sich die Versammlung dem Hauptgegenstände der Tagesordnung, der Einleitung der praktischen Tätigkeit, zu. Gegenstand einer Aussprache war vor allein die Lage der Jeschiwoth im Osten. Von der Uberzeugung durchdrungen, daß die Zukunft der jüdischen Gesamtheit von der Erhaltung und dem Ausbau dieser Pflanzstätten der Thorawissenschaft, erblickt das Komitee in der Schaffung des bereits in der vorigen Sitzung beschlossenen המעלה N'L'-Fonds eine der wichtigsten Aufgaben der ״Agudas Jisroel". Dieser Fonds, der natürlich nur dann seiner Aufgabe genügen kann, wenn er die Höhe von Millionen erreicht hat, da ja nur die »Zinsen Verwendung finden sollen, kann nicht von heute auf morgen beschafft werden und wird nur mit der hingebungsvollen Unterstützung der breitesten Volksmassen sowohl wie durch die der Freigebigkeit der auf der Höhe des Lebens stehenden begüterten Gesinnungsgenossen sichentwickelu können. Es wird beschlossen, zunächst für das lausende Jahr einen Betrag von 10.000 Mark für den Beginn des Sommersemesters und weitere 10.000 Mark für den Beginn des Winterscmesters zugunsten der größeren Jeschiwoth zu bewilligen. Es gelangen hierauf eine Reihe von Plänen zur Einleitung der Palästinaarbeit zur Vorlage. Rach eingehender Diskussion wurde beschlossen, die Aufmerksamkeit der ״Agudas Jisroel" zu nächst einem Projekte zu widmen, das sowohl der Hebung des Thorageistes im heiligen Lande, wie auch der wirtschaftlichen Entwicklung der Kolonien in gleicher Weise zugute kommt. Es soll versucht werden, durch den Bau von Arbeiterhäuseru an der Seßhaftmachung eines wahr- Haft jüdischen Arbeiterstandes in den Kolonien initzuarbeiten. Zur Verfügung gestellt wurde zunächst ein Betrag van '>0.000 Franken, der dazu dienen wird, kleine Arbeiterhäuschen in Verbindung mit Gemüsegarten, eventuell der Gewährung der Möglichkeit einer kleinen Milch- Wirtschaft, zu errichten. Im einzelnen wurden dafür folgende Bedingungen beschlossen: «) Da das Unternehmen den Kolonien in hohem Maße zugute kommt, wird erwartet, daß die Kolonieverwaltungen den Grund und Boden für die Häuser unentgeltlich zur Verfügung stellen. b) Die Häuser werden den Inhabern zunächst Pachtbezw. mietweise überlassen mit der Verpflichtung, den Baubetrag allmählich in kleineu Raten zu amortisieren und dadurch den Bau weiterer Häuser zu ermöglichen. c) Als Pächter werden vor allem ehemalige Zöglinge von Jeschiwoth, überhaupt בני תורה gewählt, die bereits mindestens ein Jahr in einer Kolonie landwirtschaftlich tätig waren. Weitere Anträge (Gewährung eines Hypothekarischen Darlehens an den Handwerkerverein Jegia Kapaim in Jerusalem, sowie ein Kolonisationsprojekt) werden vorläufig zurückgestellt. Die Versammlung beschäftigte sich ferner mit einem Plane zur Hebung des Thorastudiums in Deutschland. Herr Wolf Möller-Altona regt eine Verschmelzung der für die Pflege gesetzestreuer Palästinaarbeit gegründeten ״Moria" mit der ״Agudas Jisroel" an. Das Komitee beschließt, seine volle Sympathie gegenüber diesem Vorschlage zu bekunden, der geeignet ist, latente Gegensätze innerhalb der Orthodoxie zu beseitigen, und ist bereit, den Vorschlag im Auge zu behalten. Tie Versammlung gibt noch dein einmütigen Tanke für den verehrten ersten Vorsitzenden des Komitees. Herrn Kommerzienrat Feist. Ausdruck, der an der Sitzung nicht teilnehmen konnte. Das Komitee hofft, daß die Erkenntnis der ״Agudas Jisroel" als einer von der Autorität der Thora umgrenzten, volkstümlichen Bewegnng iinmer weitere Kreise der gesetzestreuen Gesamtheit aller Länder ergreifen wird. Es gilt die Organisation aller Treugebliebenen auf dem Boden der Thora, es gilt die Gesundung von בלל "מראל Propagandamaterial und Literatur über die ״Agudas Jisroel" verlange man beim Bureau der ״AgudaS Jisroel", Frankfurt a. M. Zeit 85. Deutschradikale Schmerzen. Die ״Ostdeutsche Rundschau", die sonst nur in waschechtem Antisemitismus macht, vergießt in ihrer Sonntagsnummer vom 2. Februar bittere Zähren über denRückgang des Deutschtums in Böhmen und Mähren. Folgen wir dem — ״Gedankengange" des Leidartiklers. Dieser konstatiert vor allem, daß die Juden die Schuld daran tragen, daß die Deutschen bei der letzten Volkszählung schlecht abgeschnitten haben. (Ra nu, nicht werden die Juden schuld sein! Wer denn soll an allem schuld sein, wenn nicht die Inden?) Es handle sich hierbei um eine ״planmäßige Bewegung, die vom ״Cesko-zidovsky spolek" geleitet wird. Doch lassen wir den Verfasser dieser Jeremiade persönlich reden: ״Diese tschechischen Juden entfalten eine rege Werbearbeit und stellen ihren Glaubensgenossen vor, daß es für sie vorteilhafter sei, ins tschechische Lager überzugehen und ״das sinkende Schiff der Deutschen" zu verlassen. Dabei fehlt natürlich der Hinweis auf die antisemitische Bewegung unter den Deutschen nicht, obwohl gerade das tschechische Volk durch und durch judenfeinlich ist, mit einem starken Einschlag konfessionellen Hasses, und diesem Gefühl oft genug derben Ausdruck verliehen hat; man erinnere sich da nur einiger wüster Ausschreitungen, wie sic auf deutsch-antisemitischer «eite nie Vorkommen und auch ohne Zweifel selbst von den ärgsten deutschen Juden- Hassern nie gebilligt worden wären." An der Hand einer langatmigen Statislil weist dann der schmerzgebeute Autor nach, daß in den 8:! Gerichtsbezirken Böhmens, die znm tschechischen Sprachgebiet gerechnet werden, fas! alle Juden sich zur tschechischen Umgangssprache bekannt haben. In Böhmen, wo die Zahl de: Juden insgesamt 85.820 beträgt, stünden .dic Juden mit 50.000 Köpfen, also zur weitaus größeren Hälfte im tschechischen Lager. ״In Mähren haben die Juden ebensallr begonnen, zu den Tschechen abzuschwenken, wem auch nicht in demselben starken Maße wie!! Böhmen, wohl hauptsächlich daher, weil fast du Hälfte der mährischen Juden in den großen deut schen Städte- und Industriegebieten Brün, (allein 9000), Jglau, Znaim, Olmütz und M. Ostrau wohnt. Aber die tschechisch-jüdische Werbc arbeit ist auch in Mähren nicht umsonst gewesen und sie wird durch die Zionisten dadurch geför dcrt, daß diese die Judenschaft überall gegen di Deutschen auszuwiegeln versucht, wenn die Deut schen die Ansprüche jüdischer Mitbürger nicht i: vollem Umfange erfüllen oder erfüllen können/ In bezug auf die mährischen Juden kommt schließlich der Autor zur Erkenntnis, daß auch von ihnen bereits ungefähr ein Viertel (von 11.000 Juden 10.000 Köpfedie Wahl der tschechischen Umgangssprache der deutschen vorgezogen habe. So weit die ״Ostdeutsche Rundschau". Wegen des Rückganges des Deutschtums sollen sich die Deutschen den Kops zerbrechen. Uns tangiert das nicht im geringsten. Solange in Oesterreich nicht nach Rationen, sondern nach Sprachen gezählt wird, können uns solche skati- ׳tische Exkursionen wie die obige ziemlich kalt lassen. Was uns aber an den Kanslatierungen des sonst stramm antisemitisch redigierten Blattes interessiert, sind zwei Sachen, die wir auch oben wörtlich zitiert haben, näinlich der geradezu naive, um nicht zu sagen einfältige Hinweis ans das Vorhandensein von Antisemitismus auch unter den Tschechen und die Feststellung, daß der?Abfall vom Deutschtum durch die Zionisten gefördert werde. Ad 1.: Wir identifizieren uns keineswegs mit denjenigen, welche in der Assimilation der Inden an die Tschechen unser Heil sehen. Wir bekämpfen diese Assimilarion als volksschädlich, ebenso wie die Anbiederung an das Deutschtum. Aber nichtsdestoweniger ist es doch verfehlt, die Juden von neuem ködern zu wolle», mit dem Hinweis aus die wüsten Ausschreitungen von Tschechen, wie sie auf dentschantisemitischer Seile nie Vorkommen und ״auch ohne Zweifel selbst von den ärgsten deutschen Judenhassern nie gebilligt worden wären." Diese Sirenenklänge versangen nicht mehr. Fremder Ruß macht die Deutschiiationalen nicht weiß und das Faktum, daß die Tschechen antisemitisch sind schafft noch längst nicht die Tatsache aus der Welt, daß auch das Deutschtum in seiner offiziellen Form dem Antisemitismus huldigt. Solange das der Fall ist, werden wir Jüdischnationale immer und iinmer wieder auf reinliche Scheidung drängen. Auf keinen Fall Assimilation und Unterordnung unter eine volksfremde Ration, aber auch solange keine Verständigung bis auch die Deutschen und die Tschechen uns als vollwertige Menschen ansehen und uns gleiche Rechte gewähren. Und nun ad 2: Wenn man da de- und welnnütige Gegreine dieses Patentdeutschen liest, könnte man noch leicht auf den Gedanken konnnen. die Deutschen Oesterreichs zählten zu den Geschöpfen, die im- ,1׳er unverstanden sind oder sich wenigens nnverscanden glauben! Diese re:d.... Zionisten. Ueberall juchen sie die Inden gegen die Deutschen anfzuwiegeln. wenn diese ״die Ansprüche ״jüdischer Mitbürger" nicht in voller׳! Umfange erfüllen oder erfüllen tönnev." Tie armen unverstandeneir deutschen Antisemiten triefen doch nur jo voir reinstem Wohlwollen für die nndankbaren Inden. Zwar suchen sie die Inden aus allen möglichen Gebieten »1 verdrängen, erklären sie für inferior, mindertvertig und was dergleichen gute Tinge mehr sind, packeln mit den Ehrisrlisozialen gegen sie. ,timmen f ü r einen Antrag Schmidt »nd g e g e » einen Antrag Schmeral, aber schließlich sind das voch nur Kleinigkeiten. Man kann eben nicht ״alle Ansprüche jüdischer Mitbürger in vollem Uuifange erfüllen". Aber sonst außer diesen ׳tleinigkeiten sind sie, die stramm antisemitischarischen Gernianen doch nur von lauter edlem Wohlwollen und christlicher Rächstenliebe für die Juden erfüllt. Rur unverstanden sind sie nebmch, die biederen Deutschen. Die Dentschradikalen schielen nach zwei Seien: zu den Ehristlichso.zialen, weil ihnen ein Zusammengehen mit denselben eine politische Rachtversiärkung bedeutet und anderseits koellieren sie wieder mit den Juden, weil das Deutschtum in slawischen Röten sich befindet. Sie eben sich dann: zwischen zwei Sesseln und erden hoffentlich ans dem Boden zu sitzen mnmen. Wien, 9. Februar A. E. R -r. Die schönste Schrift in kürzetter Leit erreicht jedermann R. k. vev. aut, Zchrelvrchule Professor Rudolf Roubitscbek Praa lllen7el5vlat7 61 nacb «3״י״«* »«etlicher Unterriag, Wtll4tl*p1a16 VI T,cbt nach rig. ge,, gerc». Methode

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