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Jüdische Volksstimme · 1913-02-13 · Heft 7 (13.2.1913) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 7 (13.2.1913)
Date
1913-02-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Theorien und die Ein- Wendungen dagegen geben das beste Zeugnis für die immense Belesenheit des Verfassers, doch für den Laien, für das Volk und selbst für die jüdische Intelligenz — trotz der besten Erklärung der hebräischen Leserrcgcl — die in der Bibelkenntnis doch nur Laie ist, wird diese große gelehrte Abhandlung ungenießbar und nicht einmal interessant, wenn man erfährt, wie ein großer Gelehrter nach dem andern so verschiedene Niemen aus der Thora schneidet und am Ende doch nicht weiß, was man mit dein Ganzen ansangen soll, denn wie man diese Schnittflächen auch kehrt und wendet, es wird doch nichts Rechtes daraus und die Hypothese wird doch noch mehr als Hypothcsc. Am meisten befriedigt den Leser, wenn er schon den Mut und die straft hatte, sich durch das endlose Gewirr der einander widersprechenden Hypothesen durchzuarbeiten, der Schluß, der uns zeigt, wie wenig stichhältig diese vagen Kritifcn und diese verfehlten Versuche über die Entstchung des Buches sind. Hätte der Verfasser damit auch sein Buch geschlossen, wären wir ihm dankbar gewesen, daß er unser Denken von dem Undenkbaren entlastet hat. Das Büchlein hätte mit Ueberschlagung des vielen für das Volk und auch für die Intelligenz Ungenießbaren den Nutzen dem jeweiligen Leser gebracht, daß er allen diesen Kritikern ihre Spielereien getrost lassen kann, ihm bleibt trotzdem seine Thora unversehrt, die eine, die einzige, die er liebt. Ta überraschen uns die ״Ergebnisse" mit dem Herzenserguß, daß es wohl nicht am Platze ist, von dieser Bibelwissenschast oder ilritif als von ״gesicherten Resultaten" zu reden, aber die traditionclle und rechtgläubige Ansicht über die Thora ist auch nicht mehr zu halten (!). Ter Pentateuch ist ciu zusammengesetztes Werk und ist, wie er uns vorliegt, nicht von Moses verfaßt. Rur einige kleine Stücke (etwa 4 Kapiteln nicht ganz) dürsten von Moses sein. Ter Pentateuch selbst betrachtet die mosaische Zeit als weit hinter sich liegend." Van unserer ganzen heiligen Thora bleibt uns nichts Göttliches, nichts Mosaisches, es ist ein Sammelsurium aus verschiedenen er die gegen sie gerichteten Gcwehrläuse erblickte, blieb er ganz verblüfft stehen und die Rechte aus die Brust und aus die Stirn legend, neigte er das Haupt und warf seine beiden Revolver sowie den Handschar weit von sich und seine Begleiter taten auf einen Wink das Gleiche. EineKriegslist befürchtend, befahl der Unterofsizicr dem beleibten Führer durch Gesten, allein heranzukommen, die andern jedoch müssen auf ihrem Platze verbleiben. Tiefer ״Befehl" wurde verstanden und sofort ausgeführt. Toch o Jammer! Der Türke sprach neven der Landessprache nur noch etwas Italienisch und der junge Mann war keiner dieser Idiome mächtig, — da der Unteroffizier keine prononziert jüdische Physiognomie besaß, muß vielleicht doch dessen intelligentes Aussehen den Türken veranlaßt haben, die Worte ״Spagnol" und ״Ibri Anochi" fallen zu lassen.?(un schwand jedes Mißtrauen und es entspann sich eine Konversation in hebräischer Sprache, in welcher beide stch leidlich verständlich machen konnten. — Lw erfuhr der Unteroffizier, daß er den Großhändler Moise M. ans B. vor sich habe, der, kraft eines Begleitscheines der Landesregicrung, in und außer Landes bewaffnet reisen Zeiten und ״Jahrhunderte später als Moses." Somit alles Täuschung. Dementsprechend stellt der Verfasser die Schlußsrage auf: ״Mcum man nach alldem noch von der Thora Moses reden?" Tie wahre nnverhüllte Antwort inuß jeder geben: ״?(ein, es gibt keinen Moses, keine Thora, kein heiliges Religionsbuch, keine Gotteslehre für uns, wenn alle obigen unbewiesenen Thesen ans Wahrheit Anspruch machen könnten, und nicht ebenso wie die andere Bibelwissenschaft keineswegs ״gesicherte Resultate" sind. Es Hilst gar nichts, wenn der Verfasser trotzdent schließt: ״Und dennoch kann nach wie vor behauptet werden: ״Ter Pentateuch ist ciu einheitliches Werk und wir können nach wie vor von der Thora Moses reden, selbst wenn sienicht buchstäblich von seiner Hand ist." Crcdat Judaeus Apella! Nein, das können und werden wir nicht, annchincn, das ist eine Spielerei mit Worten, das ist keine Wissenschaft und keine Wahrheit!?(un mpß man sich fragen: Ist das eine Volksschrift. Was soll das Volk, was die Jntelligenz daraus lernen und als Wahrheit für das religiöse Leben, für das religiöse Bewußtsein behalten? Tas Volk muß daraus schließen: Tie Thora ist nicht von Moses, was darin steht ist nicht göttlich. Es ist ein Geschichtsbuch wie jedes andere von unbekannter Hand geschrieben, reich an Erzählungen, Fabeln und Mythen, deren Glaubwürdigkeit nicht außer Zweifel steht, und ein solches Buch soll ein Führer fürs Leben sein, ein solches Buch kann uns Gesetze geben, aus deren Befolgung wir unser Heil auf Erden und unsere Seligkeit in der Ewigkeit bauen??(ein und hundertmal nein! Tas kann und darf keine Volksschrift über die jüdische Religion sein, die die jüdische Religion negiert, ihr den Boden unter den Füßen wcgzieht. Ein solches Buch führt das Volk noch weiter als die deutschen Richtlinien, diese sind schon für den Leser des Buches überflüssig. Wenn die Thora nicht von Moses, wenn über- Haupt nichts Göttliches darin enthalten ist, was ist sic mehr als ein interessantes Lesebuch, das aber auf unser Leben in der Gegenwart ebendarum keinen Einfluß haben kann. Werden die Deutschen etwa nach den Nibelungen, so schön sic sind, ihr Leben einrichten, oder die Nen-Gricchen nach der Ilias? Was soll das Buch endlich der Intelligenz als Belehrung bringen? Tie Bestätigung, daß sie mit vollem Rechte einer Religion den Rücken kehren, die nicht mehr als ein anderes altes Buch bedeutet! Tas war ein bedauerliches verfehltes Beginnen. So wie man dem Kinde bei keiner Wissenschaft und am wenigsten bei der Religion mit unreifen unfertigen Ergebnissen kommen darf, will man nicht die Erfolge des Unterrichtcs im vorhinein in Frage stellen, so darf man es auch nicht bei einer Volksbclehrung tun. Anders saßt der Gelehrte, der Fachmann eine vage Hypothese auf, anders der?Rann, der jedes gedruckte Wort unkritisch wie eine Offenbarung darf und der anläßlich des Osterfestes sich aus dem Wege nach der Heimat befindet. Nachdem der junge?Rann noch zwei Glaubcnsgenosscn, die der Besatzungsmannschaft angehörten, dem Kaufmann vorgestellt hatte, schied dieser mit einem ״Salam" und herzlichen Händedruck, jener aber fertigte die Ordonnanz ab, und verfiel wieder in sein früheres Hinbrütcn. — Am Morgen des nächsten Tages wurde die Besatzung abermals alarmiert — diesmal waren es bloß zwei Reiter, die gegen das Fort hinausritten, von welchen der eine in vornehmer europäischer Tracht ׳mit eleganter Haltung einen prächtigen Araber ritt, ihm folgte ein Diener in der Landestracht auf einem Maultiere, wclches nebst seinem Reiter noch zwei schwere Tragkörbe mühsam hinaufschleppte. Ten ״Anruf" der Schildwache beantwortete der Vornehme mit ״Gut Freund" und hielt ihr eine Legitimation entgegen. Wie erfreut war nun der junge Uuteroffizier, in dem Besucher den Sohn des tags zuvor augehaltcncn Großhändlers zu erkennen, den sein Vater mit der angenehmen Mission betraute, die einsamen Glaubensgenossen aus dem weltvergessenen Fort, mit Bewilligung des Stahinnimmt und anders nimmt cs auch der Intclligcntc, der Nicht-Fachmann ist. und schon nicht glaubt; der begrüßt ebenso unkritisch das Gelesene, ohne weiter darüber nachzudenkcn. weil ihm jede weitere Kenntnis des jüdischen Schrifttums, ja selbst der Bibel fehlt. Volksschriften über die jüdische Religion müssen dem Volke die jüdische Religion lassen, dürfen nicht damit anfangen die Thora, das Fundament einznreißen, denn der Neubau ,der aus den Trümmern aufgeführt wird, ist ein Kartenhaus, das vor jedem Hauch zerfällt. Tarum rufen wir den Herren zu: Handsoss, Hände weg! wenn es sich um die Thora handelt. Ueberhaupt hätten wir etwas mehr jüdische Wissenschaft erwartet. Was uns bis jetzt geboten wurde, ist wohl eine Arbeit von jüdischen Gelehrten, die uns aber nur die Ergebnisse der protestantischcn Theologen geben und es müßte immer anstatt Volksschriften über die jüdische Religion deutlicher gesagt sein: nach dem jetzigen Staude protestantischer Religions- und Bibel- Wissenschaft. Daraus wird uns wieder eine traurige Wahrheit aufgehen, daß das Gebiet der Bibelwisscnschaft bei uns Juden brach liegt, das; jüdische Arbeiten im jüdischen Geiste nicht betricben werden und die jüngeren jüdischen Gelehrten anstatt auf die alten Kommentatoren zurückgehen zu sollen und weiter zu bauen, sich lieber an die Protestanten wenden. Tabei wird außcracht gelassen, baß diese, so wissenschaftlich sie zu arbeiten scheinen oder vorgeben, dennoch und vielleicht auch unbewußt tendenziös arbeiten. Sie werden von der vorgefaßten Meinung beherrscht und haben auch die Absicht, zu zeigen, daß das alte Testament bei allen seinen Vorzügen rückständig sei und die Evangelien, die alle Vorzüge trotz der jedermann erkennbaren Mängel, wenn er sehen will, haben, den religiösen Fortschritt bedeuten. Tas wäre aber ein Wink, für die jüdischen Gelehrten wieder ein selbständiges unabhängiges jüdisches Bibelstudium zu beginnen, sich nicht mit Hypothesen abzugeben, sondern Wahrheit zu erforschen und zu lehren, wie seinerzeit Saaga durch das Bibelstudium der Karäer zu einem jüdischen Bibelstudium augeregt wurde und es wieder bei den Juden in Flor brachte. Unser Judentum und am wenigsten unsere heilige Thora darf von uns Juden in Volksschristcn über die jüdische Religion nicht so behandelt werden, als ob cs schon ein Museum von ausgegrabenen Altertümern wäre, die man wohl ihres?lltcrs wegen und aus Pietät mit Respekt und auch mit einigem Interesse betrachtet, denen man aber keinen Einfluß auf unser inneres und äußeres Leben zugesteht. Volksschriften zur Belehrung über die jüdische Religion sollen uns keine vage Kritiken und keine Hypothesen geben, sollen sie einen frischen belebenden jüdischen Hauch ins Volksleben tragen; sic sollen auch nicht den schwachen Funken von religiösem Leben, der tionskommandos, über die Feiertage rituell zu verproviantieren.?(ach herzlicher Verabschiedung des Elegants wurde der Inhalt der Tragkörbe gesichtet — Mazzot, Eier, Hammelbraten und sonstige Speiscn nebst einem Fäßchen vorzüglichen Weines, waren reichlich vorhanden und auch wurde Grüncs und Chrosos" nicht vergessen, wie auch drei Hagadas, und die drei Glaubcnsbrüder richteten von der Heimat in ״luftiger Höhe" den Seder an, so gut cs ging,?ln der Mahlzeit nahmen aber auch die nichtjüdischcn Soldaten teil, und labten sich am köstlichen Weine und den schmackhaften Speisen, welche ihnen die Vorsehung in Form eines türkischen Großhändlers bescherte. Ter junge Ilnteroffizier erhielt nach seiner?lblösung die Einladung zum Besuche des Groß- Händlers und er kam oft — recht oft dahin, wo er gerne gesehen wurde. Er dürfte der einzigen hübschen Haustochter zu tief in׳die?lugen gesehen haben, da er nach?lbsolvierung der Präsenz-Ticnstzeit in das Großhandluugshaus?Roisc B. u. Comp, in B. als Buchhalter eintrat, wo er in kurzer Zeit zum Schwiegersohn des Chefs avancierte. D. H. Mährisch-schlesische Bank Brünn. Telephon Hr. 3SQ, Direktton. verzinst EINLAGEN gegen Büchel und in laufender Rechnung mif Ferdinandsgasse Nr. 29 Telephon Nr. 1016, Wechselstube. 5 bis 5 0 2 0 N gebundene Einlagen laut Übereinkommen. Bankgeschäfte aller Art, Börsen-u. Wechslergeschäfte.

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