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Jüdische Volksstimme · 1913-02-06 · Heft 6 (6.2.1913) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 6 (6.2.1913)
Date
1913-02-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 6. ״ יJwtsche »aN-sti««-.» Seite S. Posten schließlich besetzt werden mußte. Das wissen die Herren vom Brünner Wochenblatt sehr gut, aber sie wollen rechtzeitig Vorsorgen, daß das Prinzip ״Juden ausgeschlossen" nicht durchbrachen werde. Das Organ der deutschfreisinnigen Stadtgewaltigen aber,, der Tagesbote, wagt es natürlich nicht, den angegriffenen Beamten in Schutz zu nehmen. Er kann sich doch nicht mit sich selbst in Widerspruch setzen, er, der seinen Inseratenteil den zahlreichen jüdischen Lesern ganz unverschämt das ״Juden ausgeschlossen" ins Gesicht schleudert. ^!unälcitau. Große Spende. Der bekannte jüdische Philantrop Manfred v. Weisz, spendete dieser Tage für den ungarischen Roten Kreuz 25.000 K. Eine furchtbare Familientragödie. München. Ein in jüdischen Familien nur selte- »es Ereignis spielte sich hier in einem früher, sehr angesehenen jüdischen Hause ab. Infolge Notlage beschloß die Familie Simon Schöhle, dem Leben durch Selbstmord ein Ende zu bereiten. Die Familie bestand aus fünf Seelen, die alle durch Selbstmord endeten. Die furchbare Tat hat der Familienvater vollbracht. Gegen die Gleichberechtigung der Juden. Bukarest. Ter bekannte Antisemit Johann Bursuk veröffentlichte in der rumänischen Presse einen Artikel gegen die Gleichberechtigung der Juden in den Provinzen, welche Rumänien von Bulgarien zu erhalten hofft. Die hiesigen Studenten nahmen daraufhin eine Protestresolution gegen die Gleichberechtigung der Juden an. Wo waren die jüdischen Deputierten. London. Am 16. Jänner kam es im Parlament zu einer Debatte betreffs der Autonomie Irlands, bei welcher Gelegenheit der Rcgierungsadvokat Sir Seimon höhnisch bemerkte, daß der Jude Rosenbaum für die Opposition Reden gehalten habe. Diese Bemerkung hat einen Protest hcrvorgerufen und Mister F. Smit, einer der Konservativen, protestierte energisch gegen diese höhnische Bemerkung. Er führte folgendes aus: ״Alle Partcien sollen den Juden dankbar sein, die mit ihren Fähigkeiten dem Lande nur Nutzen bringen. Es müsse daher gegen die Geringschätzung der Juden seitens des Herrn Sir Simon protestiert werden. Sir Simon entschuldigte sich dann. Traurig ist cs aber, daß kein einziger der jüdischen Deputierten den Mut gesunden hatte, in die Debatte cinzugreiscn. Ter Aviatiker Abrahamovicz gestorben. Warschau. Das hiesige hebräische Tagblatt bringt die traurige Kunde, daß der bekannte Aaviatiker, der auch im Balkankriege ein Rolle spielte, Abrahamovicz, an Typhus gestorben ist. Der Bater des Verstorbenen ist der berühmte hebräische Schriftsteller Mendelc Mauchcr Seforim. Kredite nur für polnische Ehristen. Warschau. In der letzten Zeit verschärft sich die Boykottbcwcgung gegen die Juden. Acht größere Bank- Häuser annoncierten, daß sie nur ausschließlich polnischeu Ehristen Kredit gewähren. Ausweisungen jüdischer Meister. Petersburg. Ter Rat der Handwcrkergenosscnschäften hat im Aufträge der Regierung 16 jüdische Meister aus der Liste gestrichen, die dann auch aus Petersburg ausgeioicsen wurden. Prof. Twitzky gegen die Blutlüge. Petersburg. Die Zeitung ״Retsch" veröffentlicht eine Unterredung, die einer ihrer Mitarbeiter mit Prof, Twitzky über das Blutmärchen gehabt hat. Prof. T. erklärte, daß er das jüdische Schrifttum gründlich studiert und keine Spur von Blutvcrwendung zu rituellen Zwecken bei den Juden gesunden hat. Prof. T. ist vom russischen Ministerium dazu berufen worden, das jüdische Schrifttum zu erforschen. Tie schwarzen Hundert halten aber trotzdem daran fest und behaupten, daß bei den Juden eine mündliche Tradition besteht, der zufolge die Juden Blut brauchen. Protest gegen einen antisemitischen Arzt. Petersburg. Eine größere Gruppe von Ärzten beschloß gegen den Warschauer antisemitischen Arzt Mikloschcwsky, der es durchsetzte, daß jüd. Patienten in polnischen Spitälern keine Aufnahme finden sollen, zu protestieren. Ein zweiter Rohling. Petersburg. Tie Zeitung der prawoslawischen Geistlichkeit ״Kolokol" veröffentlicht eine Erklärung des kathol. Vaters Franitis, der ein Mitglied der gelehrten Kommission zur Erforschung des Blutritus in der jüdischeu Literatur ist, in der dieser an den Blutaberglauben festhält. Dieses Leiborgan beschimpfte die anderen Kom- Missionsmitglieder, weil sie anderer Anschauung sind. Juden mit Christen-Namen. Petersburg. Ter Minister erklärte, daß es am Platze ist den Juden zu verbieten sich Christen-Namen kicizu-!egen. Er glaubt, daß sich die Juden :nir jüdischen Namen begnügen können. (Hat vielleicht der Minister des Innern Dr. Güdemanns Aussatz, über Judennamen gelesen?) Eine Enzyklopädie des Judentums in hebräischer Sprache. Petersburg. Unter der Redaktion von I. B. Markon wird hier Anfang 1914 der erst Band einer fünfzehnbändigen Enzyklopädie des Judentums in hebräischer Sprache erscheinen. Diese hebräische Enzyklopädie, die bestimmt ist, eine empfindliche Lücke in der hebräischeu wissenschaftlichen Literatur auszufüllen, hat sich die Mitarbeit der hervorragendsten jüdischen Gelehrten Europas gesichert. Bon nichtjüdischen Orientalisten, die ihre Mitwirkung an dem bedeutsamen Werke zugesagt haben, seien Prof. Nöldeke (Straßburg), Prof. Cornill (Halle) und Prof. Ktrack (Berlin) genannt. Ter Abonnementspreis für den einzelnen Band der Enzyklopädie (30 Druckbogen) beträgt in Deutschland 15 M. Börsenrat für die Juden. Witibs, (Rußland). Ter hiesige Börsenrat beschloß sich an die Regierung zu wenden und ihr klar zu legen, welche schlimme Folgen den! hiesigen Handel bevorstehe, wenn das neue Gesetz der Registrationsbüchel aufrecht erhalten bleibt. Zufolge der Registrationsbüchel müßten viele Juden, die als Vertreter von größeren Firmen im Ansiedlungsrayon, im inneren Rußland leben, aus- »vandern und die Geschäftswelt wird dadurch empfindlich geja,adigt werden. Ausweisungen. Radom, (Rußland.) Aus dem Torfe Groß Wolja wurden 7 jüdische Familie», die dort schon über hundert Jahre angesiedelt waren, ausgewiesen. Schließung einer berühmten Jeschiwoh. Wlozin, (Rußland.) Die hies. Jeschiwoh, talmudische Hochschule, wird demnächst von der russischen Regierung geschlossen werden. Juden sollen hier ihre Hand im Spiele haben, das Licht der Thora auszulöschen. Dieser Jeschiwoh entstammten die größten Talmudistcn Europas. Eine jüdische Deputation bei König Georg. Saloniki. Die Delegierten des jüdischen Hilfsvereines Dr. Paul Nathan, Elkan Adler und Dr. B. Kohn, ferner auch der Rabbiner von Saloniki, wurden von König Georg in uudienz empfange». Ter König empfing die Deputation überaus freundlich. Die Delegierten baten, man möge den Wochenmarkt nicht auf Sabbat verlegen, damit die Juden in ihrer Existenz nicht bedroht werden. Bischof Nikin für die Berbrsserupg der Lage der Juden in Rußland. Krrmnitz, (Rußland.) Ter Tuma-Teputicrte Bischof Nikin, der zu den ״Schwarzen" zählte, hielt sich während der Fahrt nach Petersburg, hier auf. Es wurde ihm zu Ehren ein Bankett gegeben, zu welchem auch Dr. B. Litrok, M. Eidis und R. Goldberg geladen waren. Der B>,cyos hielt eine Rede und betonte, daß die Judenfrage eine Besserung erfahren hat. Er versprach in der Duma für die Interessen der Juden einzutreten. Jüdisches Museum in Worms. Aus Worms wird geschrieben: In einer seiner letzten Sitzungen faßte der Vorstand der Kultusgemeinde den höchst begrüßenswerten Beschluß, ein Museum zu begründen, welches dazu bestimmt sein soll, alle seither an verschiedenen Orten untergebrachten, für die Geschichte des Judentums und der hiesigen jüdischen Gemeinde höchst wertvollen Altertümer unter einem Dache zu vereinigen. Einem Teile von ihnen diente bisher die Raschikapelle zum Unterkunftsort. Unter ihnen befinden sich höchst wertvolle Dokumente, mittelalterliche Pergamenie, kunstvoll geschrieben und mit farbigen Jnitialen versehen, Gebetbücher aus längst vergangenen Jahrhunderten, alte hebräische Drucke, kostbare, goldgestickte Vorhänge für das Allerheiligste aus Samt und Seide und Thoramäntel, goldene und silberne Kelche aus dem 16. Jahrhundert von hervorragender Goldschmiedekunst und andere mit dem Kultus in Zusammenhang stehende gottesdienstliche Gegenstände. Ferner befindet sich unter der wervollen Sammlung eine große Anzahl im Jahre 1689 bei der Niederbrennung der Stadt durch die Franzosen unter Melac abhanden gekommencr und vor etioa drei Jahrzehnten unter dem Dach der Synagoge wieder aufgefundener sogenannter Wimpeln mit bunter, farbiger Ausführung, welche über die Genealogie vieler noch heute existierenden Wormser Familien von hervorragendem Namen Aufschluß gebe». Auch das seit über 100 Jahre» aus dem hiesigen Archiv verschwundene Minhagbuch des Bar Jnsba, eines »am. haften Wormser jüdischen Gelehrten des 16. Jahrhunderts, das die rituellen Sondergebräuche der Juden in Worms im Mittelalter enthält, welches erst vor wenigen Jahren von einem Wiener Bibliophile» auf einer Bücherauttion in Amsterdam wieder entdeckt, für eine hohe Summe ersteigert und der Gemeinde zum Geschenk gemacht wurde. Zur Ausführung des Planes wurde eine Summe ins Budget eingestellt und eine mehrgliedrige Kommission gewählt. Das Museum wird allen Interessenten zugänglich gemacht werden. Sabbatarier in Amerika. Washington. Eine amerikanische jüdische Zeitung veröffentlicht einen Artikel über das Leben der Lavatarier in Amerika. Wir entnehmen diesem Aufsatze folgendes: Freitag abends sperre» die Sabbatarier ihre Geschäfte, legen ein Sabbatgewand an und enthalten sich jeder Arbeit. Nach Sonnenuntergang liest man ans der Bibel. Tie Vorlesung stimmt die Familie feierlich. Tie Juden aber verbleiben ganz ruhig in ihren Geschäften und warte» mit Sehnsucht, daß ei» Sabbatarier, der vielleicht vergessen hatte, während des Tages Eßwaren oder dergleichen z» kaufen, ins Geschäft komme und ihm etwas avkaufe. Tie Sabbatarier zahlen kein Geld am Sabbat, sondern sie hinterlassen ein Pfand, das sie an Wochentagen wieder auSlösen. Eine jüdische Nniversität. Eineinaty» Amerika. Ein wunderbares Gebäude das de» Name» ״Jüdische Universität" trügt, wurde hier errichtet. Tie Einweihung fand dieser Tage unter überaus großer Feierlichkeit statt. Zur Errichtung derselben trugen sämtliche jüdischen Gemeinden Amerikas bei. Es ist »un ein Zentrum zur Verbreitung der Wissenschaft unter de» amerikanischen Juden geschaffen. Jüdische Auswanderung nach Amerika. Ter Washingtoner offizielle» Einwanderersiatisrik entnehmen wir, daß in den ersten vier Monaten des Jahres 1912 etwa 34.626 Juden »ach Amerika gekommen sind. Im Monate Noveniber des vorigen Jahres kamen in Newyork 7688 jüdische Emigranten an. dar׳ unter 4290 Männer und 3419 Frauen. 50i8 Personen verblieben in Neivyork und die übrigen verteilten sich auf verschiedene Gegenden. Fast sämtliche Emigranten sind scyreibkundig und bloß 02 Personen wurden zurückgeschickt. Im Monat November des Jahres 191 l kamen in Neivyork nur 5729 Emigranten an. Boykott griechischer Esrogim. Antwerpen. Demnächst ivird hier eine Temonjtration gegen die griechischen Pogroms in Saloniki stattfinden. Man erivartet. daß die Demonstration ein Boykott der griechischen Esrogim zur Folge haben ivird. Präsident Roosevrlt bei den streikenden jüdischen Schneidern. Newyork. Ter geivesene Präsident Roosevell kam i» das jüdische Viertel um die Lage der streikenden Schneider kennen zu lernen. Er besuchte eine Versaininlung und erfuhr, daß die Schneider für eine 72nü»dige Arbeitszeit 10 bis 20 Dollar verdienen, Roosevelt versprach, die Lage der Konfcktionsarbeiter zu erforschen und dann eine Gesetzesvorlage zum Schutze der Arbeiter auszuarbeiten und der Regierung vorznlegen. Thora-Einweihung. Samstag den 18. Jänner fand in der Pozsonyer Jeszoda-Halora eine schöne Feierlichkeit statt. Die von dem bekannten Wohltäter Salomo» Spitzer gespendete Thora wurde feierlichst eingeweihr, bei welcher Gelegenheit Spitzer feierlichst hundert Kronen für wohltätige Zwecke spendete. Spitzer hak seil kurzer Zeit bereits das dritte Sefer-Thora gespendet. Neueinschreibungen in die Pester Ehrwra-Kadischa. Am 5. d. M. wurden die Neueinschreibungen in die Pester Chewra-Kadischa begonnen, die bis 19. Jänner festgesetzt wurden, aber bis zum 26. d. verlängert werden mußten. Die Pester Chewra-Kadischa ist eine de>- Dr schönste f > 4»^ in kfintttttr Len meiebt jeäermsnn K k. deb. am. Zebreivrebule NlhPtTl ProfessorRadolf RoubHstbek 1י י י׳י?rag. menzelsplatz 01SÄÄÄ:

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