Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1913-02-06 · Heft 6 (6.2.1913) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 6 (6.2.1913)
Date
1913-02-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2621806-2621846-2621852--1979-2623046
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 4. ״Jüdische Bolksstimme". Nr. 6. tvir hören, gedenken seine Witwe, die Schrift-. besprach hierauf die Art und Weise der zu schaffenden einer streng Koscheren Fleischbank, sowie einer Mikwau stellerin Frau Jda Barber, und seine Söhne Organisation und freute sich, konstatieren zu dürfen, daß ~ ' ־ das Andenken an den Entschlafenen dadurch zu ehren, daß sie eine Stiftung zum Besten der armen Kinder der Brigittenau ins Leben rufen. Ein Frug-Jubiläum in Wien. Anläßlich des dreißigjährigen Schriststellerjubiläums des bekannt:.1!udischcn Dichters S. Frug, veranstaltete der aka-׳ernische Verein ״Jüdische Kultur" am 28. Jänner rn> Hotel Guth einen großen Frug-Abend, der glän<^nd verlcf. Ter Präses des genannten Vereines eröfnete - den Abend und erteilte Herrn Dr. Bykels das Wort zur Conference, in welcher er das Schaffen des Dichters ausführlich besprach. H. Mcstel las nack'nr unig. ל1:ן Frug-Gedichtc und Herr Dr. Präger einige in deutscher Uebersetzung und ernteten vielen Beifall. Mit stürmtschem Jubel wurde dann der bekann'e jüdische Schriftsicllcr Herr Josef Grob begrüßt, welcher das vertonte Lied von Frug ״Der Pogrom" in seiner gewohnten ticstraurigen Innigkeit, meisterhaft zum Vortrag brachte und als der stürmische Bestall sich nicht legen lvolltc, mußte noch Herr Brod das allgemein bekannte Lied Frugs ״Die jüdische Troike" sieben, wofür ,hm die Zuhörer große Ovationen bereiteten. Mit herzlichem Dank an die M1U»»rkendc11 schloß der Obmann des Vereines die erhebende Jul>,Iä!11»ö- Feier. D. B. F. DaS Museum für Kunst- und historische Denkmäler des Judentums in Wien ist dieser Tage aus der Praterstraße in die Malzgassc 16 (2. Bezirk) übersiedclt. Nun stehen dem Museum ungleich größere und schönere Räume als bisher zur Verfügung. Wer die Hellen und geräumigen Lokalitäten dieses Museums durchwandert, dürfte viel des Interessanten aus früherer und jüngster Zeit finden, Dokumente aus längstvcrgangcnen Tagen, wehmütige Erinnerungen an die Ghcttovergangenheit des Wiener Judentums, Zeugen einstiger Herrlichkeit aber auch einstiger Unterdrückung und einstiger Schmach. Bekanntlich ist dieses ״Judcnmuscum" mit seinem etwas langatmigen offiziellen Titel: ״Museum der Gesellschaft für Sammlung und Konscrvicrung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judcntums" auf Initiative des verstorbenen Bauratcs Stiaßnh entstanden. Derzeit steht cs unter Leitung des Hofrates Prof. Politzer, der bestrebt ist, die Sammlungen nach jeder Richtung hin zu ergänzen und zu vcrmehren. Das Museum ist jeden Samstag und Sonntag von 11—1 Uhr zu besichtigen. Vorbereitungen zum 11. Zionistenkongretz in Wien. Nächster Tage wird der Führer der galizischen Zionisten Adolf Stand in Wien cintrcffcn, um an den Vorarbeiten für den nächsten Kongreß tcilzunchmcn. Herr Stand wird auch in einer demnächst stattfindcndcn Vcrsammlung über den bevorstehenden Kongreß referieren. Auch Max Nordau dürfte noch anfangs Sommer in Wien cintrcffcn. bei der Tahara des jüngst verstorbenen Herrn Tintncr | das Vorstandsmitglied Herr Eduard Glaser an derselben aktiv tcilgcnommen habe. Weiters, daß vom Vereine aus, in den Schuwohtagcn das Minjam (selbstredend ohne Entgelt) abgehaltcn wurde. An der hierauf abgcführtcn Debatte beteiligten sich die Herren E. Glaser, Edm. Back, M. Ticho, Heinrich Zaitschek, Dr. Schütz, S. Reiniger, R. Meist, A. Steiner, Jakob Lax u. a. Es wurde hierauf ein Komite gewählt bestehend aus den Herren, Glaser, Mcisl, Zaitschek, Hickl, Steiner und Fricdl, welches die notwendigen Vorarbeiten in An- (dem Schulchan-Aruch entsprechend) zu sorgen. Wir haben die notwendigsten Punkte, die in der Statutenänderung unbedingt berücksichtigt werden müssen, angeführt und erwarten von der Einsicht des Vorstandes die Berücksichtigung derselben. Zum Schluffe glauben wir noch darauf Hinweisen zu sollen, daß die Angst einzelner Herren, daß durch die Herabsetzung des Stcucrzensuscs die administrativen Kosten der Einhebung der kleinen Beträge wachsen tvcrdcn, ganz und gar nicht am Platze ist. Wir sind überzeugt davon, gerade diese kleinen Leute werden ihren Verpflichtungen in jeder Beziehung entsprechen, nachdem sie es sind, die an der Institution der Kultusgegriff zu nehmen und diesbezüglich mit dem Vorstande meinde ein Hauptintcrcffe haben. Durch die Hcranzieder Kultusgcmeindc und dem verehr!. Nabbinate sich l hung unserer minderbemittelten Volksgenossen, würde in Verbindung zu setzen habe. Es ist zu crioarten, daß das Interesse für jüdische Sachen in weiten Kreisen auf diesem bis jetzt stiefmütterlich behandelten Gebiete geweckt werden. Unsere Vertreter haben nun das Wort. etwas wirklich ersprießliches geleistet werden wird. Es ergeht an alle jüd. Männer und Frauen, die 018kon1o-äs8sH8vk3tt bei der ׳-׳ Nordösterreichischen Bank für Industrie, Handel und Landwirtschaft, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung In Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgeschälte, hauptsächlich auch für den ע Eskompt offener Buchforderungen unter den allergünstigsten Bedingungen. üriinncr Machriditcn. Chewra Kadischa. Donnerstag, den 30. v. M., fand in Angelegenheit "Chewra Kadischa", Gemilus Chassodim, eine dicsbezüglichc Besprechung in den Lokalitäten des Vereines ״Machsike Hadas" statt. Der Obmann des Vereines Hr. Holpern begrüßte die Erschienenen. Das Referat erstattete Redakteur Hickl. Er führte unter andern aus:-Der Zweck der Schaffung einer derartigen Organisation sei nicht dem Umstande zuzuschrciben, der nicht als Verein bestehenden Sektion Chcwra Kadischa" der Kultusgcmeindc irgendwie cntgcgenzuarbcitcn, sondern die Tätigkeit dieser Sektion durch aktive Betätigung der Gcmcindemitglicder zu ergänzen. Es müsse vor allem fcstgcstellt tvcrdcn, daß die Leitung der Chewra Kadischa auf humanitärem Gebiete Ersprießliches leiste, doch entspräche diese Betätigung keinesfalls allen an eine solche Organisation gestellten Anforderungen. Vor allem müsse darauf hingearbcitet werden, die jüd. Bevölkerung beiderlei Geschlechtes, für diese Sache zu interessieren und cs der Bevölkerung zum Bewußtsein zu bringen, daß die Betätigung auf diesem Gebiete nicht ganz allein bezahlten Dienern überlassen bleiben dürfe. Herr Hickl Jüdische Toynbeehallr. Sonntag den 9. Februar!um 5 Uhr nachmittags hält im Saale des Mährischen an dieser Institution ein Interesse haben, die dringende I Gewerbevcreincs Herr Dr. PH. Schreier einen Vortrag Aufforderung, ihre Adressen der Leitung des Vereines Machsike Hadas", Adlergasse 12, bekannt zu geben. Zur Aenderung der Statuten in der Kultusgemeinde. Sonntag, 2. d., fand abermals eine Sitzung des engeren und verstärkten Vorstandes statt. Von den 30 gewählten Vorstandsmitgliedern waren abermals nur 22 Herren erschienen, so daß mit knapper Not die Sitzung beschlußfähig war. Es wurde in wirklich zweckloser Weife über die Erhöhung der Maximalsteucr eine Stunde lang hin und her debattiert und der Beschluß gesagt, das Statut dahin zu ändern, daß die Maximal-!teuer von K 800 auf K 1200 erhöht werde. Weiters wurde ein Antrag des engeren Vorstandes in Angelegcith>.,t der Grabstellenprcise in Behandlung gezogen und ergab stellenweise ein ziemlich erregte Debatte. Die Heere» Hofrat Spitzer und Dr. Schreier sprachen sich vom moralischen Standpunkte dagegen aus, daß die Ehewra Kaüi!cha einzig und allein vom Standpunkte der Eiltnahmsquclle angesehen werde. Wir wollen nicht die Aussuyrungen der einzelnen Herren unter die triirische Luppe nehmen, glauben aber doch im Jntercss oer Sache unserer Meinung dahin Ausdruck zu geben, daß die Art und Weise, der Behandlung dieses Gegen-!tandes jedem parlamentarischen Brauch zuwidcrlauft. Aus der Debatte war zu ersehen, daß sämtliche Herrei sür eine Aenderung der Statuten, wenn auch nur einz.lncr Punkte sind. Vor allem hätte ein vom Vorstand aus Milglicdertt des engeren und erweiterten Ausschusses gewähltes Komite, die Statute» einer Revisioi zu unterziehen, weiter über alle zu ändernden Punkte in Plenum zu referieren und dann erst wäre über die zu ändernden Punkte eine Generaldebatte abzuführcn ge wesen. Stach Abführung der Generaldebatte hätte mar. in die Dpczialdcbattc cingchen können. Aufgabe des Statutcn-Revisions-Komitcs wäre cs gewesen, alle diesbezüglichen Anregungen des engeren und verstärkten Vorstandes, sowie aus dem Kreise der Steuerträger zu berücksichtigen. Unserer Meinung nach sind die wichtigsicn prinzipiellen Punkte bei der diesmaligen Statutciiändcrung folgende: Herabsetzung des Stcuerzcnsüsses von K 12 auf K 6. anderseits die Erhöhung. Verinchrung der Anzahl der Vorstandsmitglieder. Die Aendcrung der bisherigen Vertretung- und Berwaltungsorgane, und ztvar in einen Kultusausschuß, Kultusrat und Kultusvorstchcr. Der Kultusausschuß besteht aus 30 Mitgliedern. Der Kultusrat aus 15. Beide Vertretungskörper werden aus eine gleiche Tauer von Jahren gewählt. Der Wirkungskreis des Kultusratcs und Kullus-Ausschusscs mutz genau festgclcgt werden. Eine sehr ivichtigc Frage ist auch die Regelung der Schcchita. Nach dem Gesetze muß die Kultusgcmcinde Schochtim uni. Maschgichim aus Eigenem besolden. In Brünn werde! dieselben von den Fleischhauern und Selchern bezahlt, so daß hiedurch die Aufsichtsorganc nicht unabhängig sind und ihres Amtes nicht vorschriftsgcmäß!valtei könne». Durch die Siegelung dieser Frage würden de. Gemeinde keine Auslagen erwachsen, da die Gemeind die Schlacht- und Aufsichtsgcbührcn selbst cinhcbci könnte. — Die Umlage-Kommission, bestehend aus 1! Personen soll zur Hälfte von den Steuerträgern gcivähl und die andere Hälfte vom Vorstände aus de: eigenen Mitte ernannt werden. Als Basis für die Be stcucrung hätte die Pcrsonalcinkommensteucr zu gelten Jedermann, der ein Einkommen von 2100 li hat, muf besteuert werden. Selbstverständlich haben Personen, di ein geringeres Einkommen haben, das Recht sich frei ivillig besteuern zu lassen. — Tie Gebühren und Taxe! für das Namcngcbcn eines Kindes, Konfirmation Trauungen, Ehcaufgcbotc, Schlachtungen, Tempclsitz> Begräbnisse, für das Stellen eines Grabsteines Ma trikcnauszügc, Scheidungen uslv. haben vom Vorstand nach jeder Richtung fcstgelegt und durch Anschlag i! den Bcthäuser» bekanntgemacht zu werden Die Gemeinde hat für die Erhaltung zumindest über das Thema: ״Die Juden am Balkan." Nach Becndigung dieses Vortrages findet im selben Saale die Generalversammlung der Toynbcchalle statt. Verlobung. Fräulein Rosa W e I l i s ch hat sich mit Herrn Julius Bondy, Salzburg, verlobt. Unsere besten Glückwünsche. Sterbefall. Hier ist Herr Oberlehrer S. Binder gestorben. Das Begräbnis findet Mittwoch den 6. d. statt. Chewra Kadischa. Donnerstag den 6. d., 8 Uhr abends findet im Lokale Machsike Hadas eine wichtige Besprechung des vorbereitenden Komitees statt. Die jüdisch-akad. Lese- und Redehalle feiert am 15. Februar anläßlich ihres 20semestrigen Bestandes ein Stiftungsfest, das in den Festsälen des Grand Hotels stattfindet. Festprogramm: Sanistag, 15. d., nachm.: Festkonzert auf der Bude. Abends: Stiftungskommers. Festreimet Kurt Blumenfeld (Berlin) und Dr. Fritz Löhner (Beda),'Wien. Hieraus Tanzkränzchen. Reklamationen von Einladungen zu richten an: ״Jüdisch-akad. Lese- und Redehalle, Brünn, Deutsche Technik. I Juden ausgeschlossen! Der Bildungsgang der Brünner städtischen Beamten ist uns nicht bekannt; insbesondere fehlt uns jede Statistik darüber, in welcher -prache sic ihren Studien obgelegen sind. Wir glauben aber nicht fehl zu gehen, wenn wir annehmen, daß mancher städt. Kostgänger gleich vielen Heerrufern der dentsch-radikal-völkischen Partei in deutscher Sprache nicht viel gelernt hat. Nun auf einmal wird in der extrem deutschvölkischen Presse ein Kesseltreiben gegen einen kleinen Beamten, der jüngst angestellt wurde, eiugeleitet, weil angeblich derselbe das böhmische Gymnasium absolviert hat. Ter ״Tagesbote" und andere Blätter werden nicht müde, den Deutschen zuzurufen: ״Lernt tschechisch". Es unterliegt keinem Zweifel, daß dieses Gravamen nur den Vorwand bildet, in Wirklichkeit wollen die wackeren Männer nur die Aufmerksamkeit auf diesen Beamten lenken, weil er ein Jude ist und sie wollen die'treudeutsche Stadtverwaltung rechtzeitig davor warnen, von dem Prinzipe abzugeheu, welches so lange Zeit mit nnerschütterlicher Strenge gehandhabt wurde. Durch ungeführ zwanzig Jahre wurde nämlich kein Jude in städtische Dienste genommen. Es hat an bestqualifizierten jüdischen Bewerbern niemals gefehlt, aber es war ein unerschütterlicher Grundsatz, die Juden von allen Stellen und Aemtern mszuschließen, welche die Stadt Brünn zu vergeben hatte. Ja, als Stimmvieh sind die Juden ganz gut zu brauchen, aber im übrigen werden ,e als rechtlos behandelt. Dabei soll es auch in Zukunft bleiben, so lange die Deutschen in Brünn as Heft in Händen haben. Wird einmal die Nacht auf die Tschechen übergehen, dann wer-!eil die Deutschradikalen von heute wieder bei en Herrschenden Unterschlupf finden und die Ariden werden als Deutsche boykottiert und in hren Rechten von den Tschechen verkürzt werden. Um den angegriffenen Beaniten jüdischer lonfession handelt es sich überhaupt gar nicht, swei Jahre war die Stelle vergeblich ausgechriebcn, denn christliche Tierärzte reflektieren uf eine derartige Dotation gar nicht. Endlich anden sich zwei Bewerber und die städtischen^ Nachhaber entschieden sich für den einen, weil auch der andere ein Jude war und weil doch der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.