Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1913)
- Date
- 1913-01-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. ״Jüdische Bolttstimme." Nr. 5 neugewählten Seelsorgers soll demnächst stattfinden und mit der Einweihung der mit einem Kostenaufwande von zirka 00.000 K neuerbauten Synagoge verbunden werden. Die Opfer- Willigkeit dieser kleinen Geincinde verdient Anertennung und Nachahmung von seiten vieler Gemeinden unseres Landes, umsomehr als dort die religiösen Verhältnisse bisher sehr im argen lagen. An das Wirken des neuen Rabbiners werden — insbesondere was den Ncligionsuntcrricht betrifft — große Hoffnungen geknüpft. München. Eine hiesige Zeitung vcröfentlicht einen Artikel betreffs der Ausländer an deutschen Hochschulcil und kommt zum Resultat, das; man sich bestreben müsse, die aus Litauen staminenden jüdischen Studenten auszuweisen, während die aus Russisch-Polen und aus Inner- Rußland Stanliilcnden ohne Bedenken an den . deutschen Hochschulen aufgenonlincn werden mögen. In Kulm zerstörten Unholde die Eingangstür zum und auf dieser Grundlage erst baue der Lehrer den festen Bau der Erziehung. Die Schule kann im besten Falle das religiöse Wissen bcibringen, niemals aber die religiöse Empfindung. Religion ist keine wissenschaftliche Disziplin die durch Anstrengung der geistigen Kraft erlangt und angccignet werden kann, sondern Neligion muss ancrzogen, angewöhnt, das Kind mutz zur :Religion ungehalten werden. Und dazu sind am besten die Eltern geeignet. Diese müssen dem Kinde Religion Vorleben. Was nützt aller Religionsunterricht, was nützt cs, wenn das Kind durch alle Klassen die Note ״vorzüglich" in Religion erhält, wenn cs keine Jüdischkeit im Eltcrnhause vor sich sicht? Ganz in dem Grade, wie das Kind im elterlichen Hause bcwutzt und unbcmuht den jüdischen Geist und mit ihm die Liebe und Anhänglichkeit zu seiner Religion in sich aufnimmt, wird cs später sein Judentum; cs wird entweder demselben mit toarmer Begeisterung zugetan sein, oder wenn ihm das jüdische Pflichtgefühl von Hause aus fehlt, ihm mit jener Gleichgültigkeit gcgenübcrstehen, tvclchc >vir leider nur zu oft anzutrcffcn gewöhnt sind. Friedhof und brachen den dort stehenden Opscrkasten I Die jüdische Erziehung, welche das Kind im elterlichen ab. Da der Verschluß des Kastens unversehrt ist, handelt > Hause erhält, bleibt die Quintessenz der religiösen Prines sich offenbar um einen Bubenstreich. > Zipicn des späteren Mannes, der späteren Frau. Pclach Tikwah. Hier hat sich ein Tierarzt ansässig gemacht. Weiters wurde eine Viehversicherung ins Leden gerufen und Molkereien begründet werden, die sich mit dem Export von Käse' und Butter beschäftigen werden. Serres bei Saloniki. Herr M. Simon-Tow ist zum italienischen Konsul ernannt worden. SuchuS. Herr Dr. Mcicrowicz, der, wie bereits berichtet, von Räubern unterwegs gefangen genommen!vurdc und für dessen Freilassung die Räuber 20.000 Rubel verlangten, ist endlich mit Hilfe der Polizei bcfreit worden. Es gelang auch einige der Räuber, die das Geld bei Frau Mcicrowicz in Empfang nehmen wollten, zu verhaften. Warschau. Im Jahre 1012 zählte die hiesige Universität 2414 Hörer, darunter 1887 Prawoslcuvislcn, 240 Katholiken und 230 Juden und öl anderer Rcligionsbekcnntnissc. Kiew. Aus Kiew kommt die Nachricht: Der Generalgouvcrncur hat die Verfügung getroffen, dass die Ausweisungen der nicht wohnungsbcrechtigtcn Juden des Wolincr Gouvernements ab 1ö. April d. I. eingcstellt werden sollen. Diese Verfügung wird keine rückwirkende Gesetzeskraft haben. Für die bis Dezember aus diesem Gouvernement bereits Ausgcwicscncn hat die erste Verordnung Gültigkeit. Odessa. Laut dem Berichte der hiesigen Chalvura- Kadischa verringert sich die Zahl der Stcrbcsälle unter den hiesigen Juden. Im Jahre 1000 starben in Odessa 3434 und im Jahre 1012 2710, darunter 1700 Arme. Petersburg. Der diesige Rabbiner T. Katzenclnbogen erhielt aus Ko>vno, :»utzland, eine Berufung, die von allen Parteien unterfertigt war. Es ist noch nicht sicher, ob er den Posten annebmcn wird. Petersburg. Laut statistischem Ausweis des Bildungsvcrciucs Mesize-Haskala besuchen ungefähr vierbuuderttausend jüdische Kinder den Eheder!alte hcbr. Schule). Petersburg. Zufolge der neuen Verordnung, betrefss des Aufenlbaltsrcchtcs der Juden außerhalb des Ansicdlungsrayons, das; jüdische Kansleute sich nebst Handelsdokument auch mit Registrationsbuch auswcisen müssen, kommen zahlreiche Ausiveisungcn von Juden vor, zumal die Verordnung erst seil Jänner in Kraft getreten ist und die Büchel nichl sofort erhältlich sind. Zum Berichte der heiligen Schrift über Josef berichten ergänzend unsere Weisen: Josef wäre beinahe zum Opfer der verführerischen Stimme seiner Herrin geworden. Da erschien vor ihm das Bild seines Vaters Jakob und er besiegte seine Leidenschaft. 1 7 w wpi 1 itiC 1 17 i: A s w Ja! Wie dem jungen Israeliten in der Fremde in der Folge die Bilder der Eltern in der Erinnerung auftauchcn, ob als treue Bekenner des Judentums, mit ihrem Leben und Streben in demselben wurzelnd, oder als diejenigen, welche niemals großes Gewicht auf die religiöse Pflicht gelegt oder sich ihrer gänzlich cntschlagen haben — wird er dann selbst zur Religion stehen. Er wird im ersten Falle cs nicht vermögen, schon seiner Eltern lvcgcn, irgendetwas zu tun, was gegen deren Denkweise verstößt, und bei dem mitgenommenen rcligiöscn Pflichtgefühl verbleiben, oder er wird dem aus dem elterlichen Hause empfangenen Eindruck der religiöscn Lauheit nachgebend, seinem Judentumc immer ferner sein und schließlich jede Fühlung mit demselben verlieren. Aber auch in der in unserem Texte gebrauchten Ausdruckswcise dürfte, wenn wir diese näher betrachten, sich eine Wahrheit auszusprcchcu, die für das ganze Erziehungsproblcm nicht unwesentlich sein möchte. Der Ausdruck “-,תאט bezeichnet in der hebräischen Sprache ״im freundlichen Tone, zart", weshalb unsere Weisen unter "תאמר לבית ***ק die Frauen verstehen, im zarten Tone an ihre Adresse gerichtet. Liegt ja der Schwer- Punkt der Erziehung an der Frau. Wenn der Mann im Kampfe ums tägliche Brot oder im Drange seiner Geschäfte, oder dem angeblichen Zwange seines Berufcs nachgebcnd, mit den Geboten der Religion nach seiner Weise sich abzufinden sucht, vermag cs die Frau als Poicstcri» im Haufe, das Feuer der Religion leuchrend und lvärmcnd zu unterhalten, so daß auch Gatte und .Kinder es wohltätig empfinde» und schließlich ihr folgen. Jüdische Frauen, hütet euere teuersten Güter! scher Sprache herausgegeben. Es ist uns nicht möglich, im Rahmen einer Anzeige den reichen Inhalt des vorliegenden Buches zu würdigen. Neumann behandelt in der Einleitung den Begriff des Dogmas upd die Frage, ob die jüdische Religion Dogmen habe. Die Ansichten M. Mendelssohns und Geigers werden ausführlich besprachen und kritisiert. Nach Neumann ist die jüdische :Religion die erste, welche Dogmen kennt, denn sie erhebt z u e r st den Anspruch, die wahre Religion zu sein. Reumann teilt dann die Geschichte der jüdischen Dogmen in vier Abschnitte: 1. Die Epoche der Bundesbücher von Moses bis Esra. Es gibt in dieser Zeit drei dogmabildcnde Ereignisse: der Bund am Sinai, der Bund der Josiah, der Esrabund. Ihnen entsprechen drei Bundcsbüchcr; 2. die Epoche der Männer der großcn Versammlung, von Esra bis zum Abschluß des Kanons; 3. die Epoche der Mischnah; 4. die Zeit der weiteren literarischen Diskussion. Der vorliegende erste Band enthält die Dogmengeschichte der ersten zwei Epochcn. Im großen und ganzen orientiert sich -der Verfasscr hierbei in seinen historischen Gesichtspunkten an den Resultaten der Bibelkritik der Wellhausenschcn Schule, wie er denn auch S. 20 ff. eine Analyse der Quellenschriften der Bibel gibt. — Auf den Inhalt des Buches cinzugchen, ist hier nicht der Ort. Wohl aber dürfen wir — mag sich unser Standpunkt mit dem des Verfassers decken oder nicht — unserer Freude darüber Ausdruck geben, daß man auch von berufener j ü d ischer Seite daran gegangen wird, unsere Geistcsgeschichte objektiv wissenschaftlich zu untersuchen. Wie lange hat man von unserer Seite nur öde Apologetik getrieben und es den anderen überlassen, den Acker zu bestellen, der unser Eigentum ist! Haus und Schule. 2. B. M. 10,3. בד, תאב־ לבית ״עקב O »»*י».« 7 iS . w . *>-»7 1 + i \ 1 Von Ravbiner Berisch Winter, Wien. Beim Studium unserer Thora, die stets das Herz erfreut, den Geist erhellt und unsere Willenskraft für das Gute erneuert — gelangen wir doch oft zu solchen Lichtquelle», die einen vesondcrcn Segen verbreiten und unser Wesen so veeinftußen, unsere Gesinnung so umgcsialtc», daß >vir mit anderen Auge» dann den Kreis unserer Tätigteil erfüllen. Eine solch erfrischende Lichtquelle ist der öden angeführte BivclvcrS. Sollen toir diese Worte nur bctrachien, um zu wissen, welche Pflichten wir unseren Kindern gegenüber haben? In ivelch ganz unnachahmlicher Kürze und Eindringlichteil versteht es die heilige Schrift, das Erziehungsproblem vor die Seele zu stellen. Zuerst sprich zum ״Hause Jakob" und dann unterrichte, unlerlveise die Kinder Israels. Die Grundlage der :Religion sei das Haus, die häusliche Erziehung Aeit^ristenrunäjiHan. David Ncumark: Tholdoth haiqarim bcjisracl. )Geschichte der Dogmen in Israel.! 1. Band, Odessa, Verlag Marai 1013. David N e u mark war einst unser engerer Landsmann; er wirkte als :Rabbiner in Rakonitz und er war auch Vorsitzender jener stürmischen ersten zionislischcn Versammlung in Prag kam 24. April 1880) mit der Hcrzls Gedanken in unserer Heimat zu wirken begonnen haben. Man hat cs nicht verstanden, diese eminente Kraft dem Judentum Lcstcrrcis zu erhalten. Als der Warschauer Verlag ״Achiasaph" unter der geistigcn Leitung Ach a d Haams die hebräische Enzyklopädie ״Ozar Hajahaduth" hcrauszugcbcn begann, ivurde Ncumark berufen, die Redaktion des philosophischeu und hakachischen Teiles der Enzyklopädie zu übernehmen und verließ Oesterreich, um nach kurzer Zeit als Professor an die Hochschule für Wissenschaft des Judentums nach Eincinatti zu gehen. Jene hebräische Enzyklopädie veröffentlichte als Probeheft eine Arbeit T. Neumarts: Tie ״Jquarim" f )• Die vorliegende Publikation ist das :Resultat der Arbeit, die mit jener Veröffentlichung begonnen hatte. Seither hat Neumark ja bekanntlich auch die ersten Bände seiner Geschichte der Philosophie des Judentums in deut- ®fieater-Jliincifcfinu. Repertoire: Mittwoch den 20. Jänner: ״Ter Kuhreigcn." Donnerstag den 30. Jänner: ״Der lustige Krieg." Freitag den 31. Jänner: ״Tantchen Rosmarin" f Erstaufführung.) Samstag den 1. Februar: ״Schwester Helene" (Hansi Niese a. G.). Sonntag den 2. Februar (nachm.): ״Die Zarin"; abends): ״Drei Paar Schuhe" (Hansi Niese a. G.). Theaternachricht. Donnerstag findet die zweite Aufführung der neucinstudicrtcn Strautzschcn Operette ״Der lustige Krieg" statt. Die Erstaufführung der komischen Oper ״Tantchen Rosmarin" wurde endgültig für den 31. d. bestimmt. Samstag und Sonntag gastiert Hansi Niese, der weibliche Komiker Wiens. Für beide Vorstellungen ist der dritte Rang vergriffen. Beide Vorstcllungcn dürften ausvcrkauft sein. In Vorbereitung befindet sich die Operette ״Der Frechling" von CH. Weinberger, welche ein Zugstück des Wiener Bürgertheaters ist. Sonntag nachmittags gelangt bei ermäßigten Preisen die erste Wiederohlung des Scnsationsschauspielcs ״Die Zarin" von Ludwig Bär und Melchior Lcngycl statt. ״FLÄUMIN" Monatsbinden für Damen mit 3 waschbaren Reserveeinlagen sehi bequem zum Tragen perl Stück 4Kronen. Versendet diskret, gegen Nachnahme nur die Firma R. 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