Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1913)
- Date
- 1913-01-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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;?״«**■י/־־־-יי י?:זי^ןי^^ד!יייז:^.ר■, Nr. 5. ״Jüdische 8,lttsti««e." Seite 3. aus dem heiligen Shnod und aus der Kirche ausgctreten ist und das Judentum besonders preisend hervorhob, hat in Nutzland eine neue religiöse Sekte begründet, die die reine Vernunft und Natur verehrt und keinen Unterschied zwischen Mensch und Mensch kennt. Die Sekte erkennt eine Ehe ohne Ehevertrag und ohne kirchlichen Eheschlutz. Sie feiert ihre Feste zu Ehren Christus, Buddha, Konfizius, Mohammed und Tolstoj. Unterschlagung bei der Jca. Kaminetz, Podol. Nutzland. Zufolge der Defraudation, die in der hiesigen Filiale der Jca vorgekommen ist, beschloß die Zentrale in Petersburg, die hiesige Filiale zu schließen. Im ganzen befraudierte Weitzfeld MOV Rubel. Rabbinerwahl in Bialistok. Am 28. Jänner d. I. findet hier die Rabbiner- Wahl statt. Herr Dr. Josef Mohliwer hat hier die großtat Chancen, gewählt zu werden. Alle Parteien sind für feine Wahl. Ter jüdische Landbesitz in Palästina. Gegenwärtig beträgt der jüdische Landbesitz in Palästina etwa 41.000 Hektar Land. Davon 30.000 Heitar besiedelte Landstriche. Auf Judäa entfallen etwa 8000 Hektar (15 Kolonien), in Samaria 0000 Hektar <8 Kolonien, im Galiläer 10.200 (10 Kolonien) und im Ost-Jordanland 300 Hektar (1 Kolonie). Hilfsaktion für Kaufleute und Gewerbetreibende. Krakau. Der hiesige Kaufmännische Verein hat eine anerkennenswerte Aktion zur Linderung der Geldnot unter den Kleingewerbetreibenden durch Errichtung einer Darlehenskassa eingeleitct. Tie israel. Kultusgemeinde spendete dem genannten Fonds 1000 K, der Kaufmännische Verein 1000 K, der Verein reisender Kaufleute 500 K, ferner mehrere Philantropen. Es ist von diesem Unternehmen eine segensreiche und ersprietzliche Tätigkeit zu erwarten. Ein allgemeiner Fasttag. Aus einer der angesehensten orthodoxen Genieinden Ungarns wird dem Machsikc Hadas folgender, dort vorgekommener Fall mitgeteilt: Man ist des Flcischhacker auf die Spur gekommen, daß er einen Nachschlüssel zu der Koscherfleischbank hatte, den Stempel des Maschgiachs (Aufsehers) nachgemacht und Trefah-Fleisch längere Zeit hincingeschmuggclt hatte. Das Nabbinat hat sämtliche Geschirre der Gcmeindemitgliedcr gcassert, gegen den Fleischhauer die Anzeige erstattet und eine:! Taanit Zibbur (allgemcnien Fasttag) angcordnct. Eurer Gemeinde soll diesbezüglich Vorsicht zur Lehre dienen. וד יינזמור אותנו מכל מבשול Verein Machsike Hadas, Bonyhad (Ungarn). - Jude nach dem Tode. Petersburg. Der bekannte Täufling Natariuin Twazetzky, der sich vor etwa 35 Jahren taufen ließ, starb hier vor einigen Tagen. Sein letzter Wunsch war, auf dem jüdischen Friedhof und nach jüdischem Ritus beerdigt zu werden. Mit Erlaubnis des Metropoliten konnte inan diesen letzten Wunsch erfüllen. Kantor und Chor versahen die religiösen Funktionen. Am Leichenbegängnis beteiligten sich zahlreiche jüdische Täuflinge, die zu Tränen gerührt waren. Dwazetzky hinterließ ein größeres Vermögen für jüdische Zwecke. Große Zuweisungen. Philadelphia. Hiesige Zeitungen berichten, daß die hiesigen jüdischen Fabrikanten Dweikob Stenen u. Comp, zu Neujahr an ihre 5500 Arbeiter Geschenke im Werte von 500.000 Doll, verteilten. Ter jüdische Millionär Joses Boksern hat einen Fonds von einer halben Million für Arbeiter, die arbeitsunfähig sind, geschaffen. Außerdem hat er 1500 Arbeiter mit Polizzen auf 5000 Toll, für besonders treue Dienstleistung beschenkt. Der Millionär Tjewir Tjonson hat ein Arbeiterheim errichtet, worin seine Arbeiter unentgeltlich wohnen werden. Eine Urkunde über den Durchzug durchs Rote Meer. Ter jüngste Bericht des ״Palestine Erpolartion Fund" bringt die durch den bekannten Straßburger Aegyptologen erfolgte Uebertraguug eines vor kurzem entdeckten altägyptischen Papyrus, der neue Streiflicher aus den Erodus der Juden wirst. Wie das ״American Magazine" dem oben erwähnten-Berichte entnimmt, ist der Papyrus ein geographisches Lexikon der Hauptortschaften des östlichen Nildeltas, von wo aus die Juden ihren Weg in das gelobte Land antraten. Der Papyrus erwähnt die im Erodus aufgezählten Ortschaften in nahezu derselben Reihenfolge. Bekanntlich nahmen die Israeliten ihren Weg von dem Lande Gosen aus, von dem festschht, daß es ein Landstrich im östlichen Nildelta war, den die Aegypter ״Gesem" nannten. Genau genommen begannen sie ihre Wanderung von der Stadt Naemses aus, und wie es im Erodus heißt, machten sie ihren ersten Halt in Suchoth. Ter Papyrus wirft diesen Ort mit Pithom zusammen, das ebenfalls in der Bibel erwähnt wird. Ter ägyptische Name ist ״Pe- Atum- Zuktu", aus dem mit Leichtigkeit der Doppelname ״Pithom-Suchoth" hcrausgelesen werden kann. Tann wanderten die Israeliten südöstlich und lagerten sich ״gegen das Tal Hiroth, zwischen Migdol und dem Meer, gegen Baal-Zephon." Tort holten die Scharen Pharaos die Israeliten ein. und hier war es, wo Moses auf des Herrn Geheiß seine Hand ausstreckte, so daß die Israeliten trockenen Fußes hinüber zum andern User wandern konnten, während die Krieger des Pharao, die ihnen nachzufolgen trachteten, elendiglich in den über sie hereinbrechenden Wassern umkamen. Im Papyrus ist nun die Rede von einem See Kharta. Das Wort Kharta klingt aber unzweifelhaft an das biblische ״Hiroth" au. Ferner erwähnt der Papyrus einen ״Migdal von Baal-Zephon", während die Bibel von ״Migdal gegen Baal- Zephon" spricht. Ein Migdol war im alten Aegypten soviel wie ein Fort oder befestigter Turm und wahrscheinlich stand dieses Migdol außerhalb der Stadtmauern von Baal-Zephon. So bestätigt dieser aufgefundene Papyrus die geographischen Angaben des Erodus in vollem Umfange. Bon der palästinensische» Kolonie Ber-Adas. Unsere Siedlung, die ungefähr zwei Stunden von Jaffa entfernt ist und über -1000 Tunam umfaßt, grenzt an das bereits vor acht Jahren erworbeneK'far Saba, das mehr als 7000 Tunam groß ist, wovon bereits der größte Teil mit Mandel- und Eukalyptusbäunien bestanzt ist. Als wir hier an die Gründung der neuen Siedlung gingen, wollten wir uns mit den Besitzern von K'far Saba zu einer Kolonie vereinigen. Ter Vorteil der Vereinigung wäre in erster Reihe für den einzelnen Besitzer eine geringere Belastung, denn in den kleineren Kolonie» werden die einzelnen Siedler von den öffentlichen Lasten und Verwaltungskosten besonders hart betroffen. Tie Vereinigung wäre auch wohl zustande gekommen, wenn die Parzellenbesitzer in K'far Saba dort als Kolonisten leben wollten. Viele der Besitzer von K'far Saba wohnen jedoch in Jernsalem oder gar im Ausland und lassen den Boden durch andere bearbeiten. Nun liegt die geplante Verschmelzung nicht gerade im Interesse dieser Vertreter und so widersetzten sie sich, vorläufig leider mit Erfolg, der Vereinigung. Vorläufig bleiben also K'far Saba und Ber- Adas örtlich vereinigte, aber in der Verwaltung noch getrennte Siedlungen. Ter Boden beider ist von gleicher Oualität und eignet sich besonders für Mandelpflanzuugen. In K'far Saba brachten in diesem Jahre die bereits ertragssähigen Pflanzungen ungefähr -10.000 Frcs. brutto, wo von ein Teil durch den Verkauf von Eukalyptus- Holz erzielt worden ist. Auch hat K'far Saba einen Brunnen sowie ein größeres gemeinschaftliches Haus als Werkstatt für die Arbeiter, Magazin usw. Ter Verein ״Esra" in Berlin Hai beschlossen, dort zwölf Häuschen für Arbeiterfamilien zu bauen. Auch iu Ber-Adas wird an einem Brunnenbau gearbeitet. Die Arbeiter wohnen vorläufig in einer provisorischen Holzbarackc. Jetzt, nach dem reichlichen Frühregen, werden die Felder gepflügt und nach einigen Monaten werden wir an die eigentlichen Vorbereitungsarbeiten für die Bepflanzung unseres Bodens gehen. Jüh rcfpuni'en^n Austerlitz. Bei der jüngst stattgesundenen Bürgermeisterwahl der politischen Judengemeinde wurde Herr Sigmund Bachrich zum Bürgermeister gewählt. Prag. Jeder Freund alter Erinnerungen wird cs als seine Pflicht erachten, die Prager israel. Kultusgemeinde aus die Erhaltung einzelner Gräber verdienstvoller Männer der Prager jüdischen Gemeinde, aufmerksam zu machen. Insbesondere muß auf den Zerfall der Grabmitte des Jakob Edlen von Popper. Landesprimator der Prager Judenschast, hingewiesen werden. Ein Mann, der nicht nur zu seinen Lebzeiten hervorragende Verdienste sich erworben hat, sondern auch ganz bedeutende Legate hinterließ, welche unter der Verwaltung der jetzigen Prager letzterer. Stätten solch hochherziger, jüdischer Kultusgemenide stehen. Es ist heilige Pflicht Männer nicht verfallen und vergessen zu lassen. Daß eine aus denselben jüd. Woischaner Fried- Hof befindliche, alkehrwürdige, stilvoll gehaltene Grabstätte, welche aus einem speziell für diesen Zweck besrinlmlen Erhaltungssonds gepflegt und erhalten werden soll, durch einen banalmoderneu, ebenbei bemerkt, bereits gebrauchten Ausschußgrabstein erseht wurde, ist eine Geschmacklosigkeit, die nicht genug gerügt werden kann. Smichow. Vor einige» Togen hielt die hiesige Chewra Kadischa ihre Generalversnminlnng, bei der dein Obmann Herrn Ernst Wilner anläßlich seiner 50jnbrigen Zugehörigkeit zum Vereine eine besondere Ehrung zuteil wurde. Ein Komitee unter Leitung des Kultus- Vorstehers Herr» Kais. Rates Soyka, hatte die Aufgabe übernommen, die Mitglieder der israel. Beerdignngsbrüderschaft in aller Heimlichkeit von der Feier zu Ehren des Obmannes zu verständigen, der sich bisher allen ihm bei verschiedenen Anlässe» zugedachten Ehrungen entzogen hatte. Ein herrlicher Chorgesang eröffnete die Feier, die durch eine Rede des Kultusvorstehers Hrn. Kais. Rates Soyka, ihre ’ tuafjrc Weihe empfing. Was Ernst Wilner seit mehr als drei Jahrzehnten für die Smichower Kultusgemeinde geschaffen, die vorbildliche Ausgestaltung des Gottesdienstes, der neue israelitische Friedhof, die prächtige Zeremonienhalle, das alles schilderte der Redner, uni mit den Worten zu schließen, er betrachte es als ein besonderes Glück, im Bereiit mit Herrn Ernst Wilner für die jüdische Gemeinde wirken zu dürfen. Nachdem noch der Obmann des Armen- und Krankenunterstützungsvcreines Herr Jakob Reiinann den Jubilar beglückwünscht hatte, lvurde der Antrag des Vorstandsmitgliedes Herrn Karl Schabli», Herrn Ernst Wilner zum Ehrenmitglied der Chewra Kadischa zu ernennen und durch eine Inschrift in der Zeremonienhalle zu ehren, unter stürmischem Beifall angenommen. Gerührt dankte Herr Wilner für diese Anerkennung feines Lebenswerkes und versprach, auch weiterhin im Geiste der frommen Körperschaft dem Judcntume zu dienen. Damit schloß die Feier, die dem edlen Streben des Herrn Wilner die Liebe und Dankbarkeit aller jüdischcn Mitbürger bereitet hatte. Brody. Hier ist Herr Herrsch Kapelnnt vor kurzem gestorben und bat für wohltätige Zwecke größere Beträge testiert. Unter anderem 28.000 Kronen für eine zu gründende Schule. Für ein jüdisches Waisenhaus 10.000 K, 0000 K für das Observatorium. Jassy (Rumänien). Tiefer Tage wurde hier die ״Toyubeehalle" iu der Schulkantine Seltzer, einem imposanten, mit allem modernen Komfort ausgestatteten Gebäude, welches das kinderlose Ehepaar Seltzer der hiesigen jüdischen Gemeinde zum Zwecke von Versammlungen und Vorträgen Herstellen ließ, neu eröffnet. Tie sehr rührigen Führer der ״Toynbeehalle" dieser Saison. die Herren Tr. med. T. Frühling. Nathan Schwary und L. Scharaga haben sich besondere Mühe gegeben, junge, sehr talentierte Kräfte heranzuziehen, die mit ihren Originalproduktionen. sei eS im Jargon, sei es in rumänischer Sprache, das Publikum sehr befriedigen. Jeden Samstag abend ist der mehrere Hunden Personen fassende Saal von verschiedenen Schichten der hiesigen jüdischen Gesellschaft gefüllt. Se. Ehrw. Herr Rabbiner Tr. Meier Thenen wurde aus Bemühung der Veranstalter der ״Toynbee- Halle" für einen Kursus der jüdischen Geschichte gewonnen. Tie originelle Auffassung mancher Teile der jüdischen Geschichte, so z. B. das Kapitel über Samuel und Saul, besonders aber die allgewaltige, von einer wunderschönen deutscheu Sprache getragene Beredtsamkeit und die geradczll musikartige oratorische Nünancieruug lockt immer mehr Leute zu den Abenden der ״Toynbeehalle" heran. Außerdem werden noch Gelegenheitsvorträge abgehalten. Herr Tr. med. Salomovici sprach vorigen Samstag in sehr anziehender populärer Weise über: ״Tie Folgen der Häßlichkeit." Das alles verspricht für diesmal die starke Befestigung dieser Institution der hiesigen Gemeinde. Kutina, Kroatien. Tie israel. Kultusgemeinde Kutina wählte in ihrer am 10. d. M. abgehaltenen Generalversammlung einstimmig Herrn Wilhelm Goldstein, dz. Religionslehrer in Nyitra.zsambokret, zum Bezirksrabbiner. Herr Goldstein gehört der streng konservativen Richtung an- und geht demselben der Ruf eines tüchtigen Talmudisten voraus. Die Installation des