Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1913)
- Date
- 1913-01-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. ״Jüdische Volksstimme". Nr. 5teiligt sein. Siehe ,8 עטרת צבu 185 הרם, Nota 17 und נודע בידודה Bd. 4, G. A. 36. Bezüglich der Höhe des zu beanspruchenden Honorars bestehen nach dem הדין keine bestimmten Normen und hängt dies lediglich von der gegenseitigen Vereinbarung ab. Loschitz. Rabb. Dr. Günzig. * Die etymologische Erklärung des Wortes .שדכז ■ז In der jüngsten Nummer dieser Zeitschrift wurde die Frage nach der Herkunft des Wortes ausgcporfcn, mit der gleichzeitigen Bemerkung, daß dieses Wort, das offenbar einen hebräischen Lautklang ver rät, weder im Talmud noch in der alten Hebräischei Literatur vorkommt. Dazu erlaube ich mir folgendezu bemerken. Im Biblisch-Hebräischen ist nicht nur da- Hauptwort שד;ן fremd, sondern auch die Wurzel “j יש ד von der jenes Hauptwort gebildet wurde. Wohl aber läßt sich im Talmud das Zeitwort ייןךך im Pual Nachweisen (vergl. Schabb. 50a und Kidd. 13a), wo ei in der Bedeutung: ״zu reden" zur Einwilligung in ein- Eheschließung, also ״vermitteln," gebraucht wird. Ec kam nämlich sehr oft vor, daß jemand eine Frau sich angctraut hatte, ohne daß dieselbe eingcwilligt hätte. Daher dann die Bildung des Wortes שדבן «Heirats- Vermittler", wie pf* von ן;:ל uno רצהן von רצה “l׳״ Leipnik. Rabb. Dr. Fciwcl Hillei. * ־ * Geehrter Herr Redaktucr! Ihre freundliche Einladung, mitzuarbciten, trifft mich in unfreundlicher Stimmung. Daran dürfte d-r Schnupfen oder vielleicht gar das Fieber schulotragcno sein. Doch haben Sic ,Herr Redakteur, eine ״Lupig- Ecke", dann hätte ich was für Sie. Probleme! Ha! Ha! Pudelnärrische Probleme! Hier sind sie: Eine Khila picht einen Seelsorger und ein ״Seelsorger" sucht eine Khila. Das trifft sich gut. Er sendet siinc Offerte ein mit einer Referenz. Sic lobet ihn, sie preist ihn und erkläret ihn für fähig und für würdig. Und diese Siefercnz — Diagnose! Herr Redakteur! Delirium!? — ist gezeichnet von einem, nun heraus damit, du meine überhitzte Phantasie, ist gezeichnet von einem — Meschumed. Problem Nr. 1: Die jüdischen Rabbincn waren äußerst penibel den Bürgen gegenüber; hatte der Eharalter dieser etwas Unverbürgtes an sich, da hieß cs: א ין- > n ׳>♦ Wie verhält cs sich nun, tvcnn der Renegat für den Seelsorger bürgt. Ist diese Bürgschast verbürgt genug durch das Sprichwort: Eine Hand schmutzt die andere? Problem Nr. 2: Wäre nach dieser neugeschafsencii ״Scclsorgcr"-Jnstanz nicht die altehrwürdigc Jnsiitution des Landcs-Rabbinats aufzuhcben? Problem Nr. 3: Als טו.מאה .|C*D gilt bckanntlich der ^^יx; So heißt cs in ח*; ין ם ה א לחנם הלך זרזו־ אצל עורב אלא מפני שהוא מ*נו Wie verhält cs sich nun mit dem Worte זוז יו? Leitet cs sich von pp? — Streber her? Doch genug, cs wirbelt alles durch meinen Mopf: Phantasie, Schigaun, konservative Richtung, Kultus- Vorsteher, Rabbiner und Renegat. In gesundem Zustande gäbe cs wohl solche Problemc nicht. Mit einem: Schu... Schu ... aha! ich hab's Scharurijah, heißt cs, wären sic abgetan. Aber heute! — empfehle ich mich, Herr Redakteur! Libi Dawoj. /iundlchaii. Tic Hilfsaktion für die Juden in den Balkanländcrn. Wien. Vorige Woche weilten hier die Herren Dr. Paul Natan, Berlin, und Elkan Adler und hicrtcn eine Beratung mit den hiesigen sührcndcn Persönlichkeiten ab. Die Höhe der Untcrstützungsgcldcr für die Balkanjudcn wird gegenwärtig auf 400.000 K geschätzt. ״Hinter Mauern." Fm dritten Akt des Schauspiels von Nathansen richtet Staatsrat Hcrming an seinen Sohn, der eine Ehe um der Tochter des Bankiers Lcwin zu schließen beabsichtigt, die Frage: ״Willst du vielleicht, daß deine Kinder Juden werden?" Bei der letzten Aufsührung iw Deutschen Volksthcater in Wie» ereignete cs sich den: ״Extrablatte" zufolge eine drollige Episode. Bevor de: Schauspieler, der den Sohn gibt, auf die Frage antworten konnte, erscholl von der Galerie ein Zwischenruf: ״Auch kein Unglück!" Stürmische Heiterkeit begleitete das Intermezzo. ן Kultusverhältnissc der Juden Südtirols.! Meran. Im hiesigen Kurhause fand dieser Tage I eine zahlreich besuchte Versammlung jüdischer Steuerzahlcr Merans statt, in welcher zunächst Herr Dr. Wasicrmann darüber referierte, was für die Regelung der Kultusvcrhältnissc der Judcn Südtirols bisher geschchcn sei, nachdem angesichts des bevorstehenden Inslebcntrctcn einer jüdischen Kultusgcmcindc in Innsdruck man vor der Frage stehe, ob die südlich vom Brenncr wohnenden Juden der künftigen Gemeinde in Innsdruck cingcpfarrt oder aber eine selbständige Jnstituion für sich bilden sollen. Nach einer regen Debatte ׳eankragte Herr Dr. Goldstcin eine legale Basis in ׳er Form zu schaffen, daß ein Komitee gewählt und ׳amit betraut werde, die Wahl eines ״Kultus-Komitees" mf Grund des derzeit für die Judcn Tirols geltenden Statuts der Kultusgcmcindc Hohenems in Vorarlberg wrzubcrciten und sich sofort im Prinzip für die Schaf- ׳ung einer autonomen Kultusgcmcinde für Südtirol nit dem Sitze in Meran auszusprcchen. Diese Anträge wurden angenommen. Eine separate Kutic für die Juden im Bukvwinaer ■ Landtag. Der Landtag der Bukowina, der am 13. d. geschlossen wurde, nahm die neue LandtagswahlordnungSoorlage an Prof. Dr. Kellner stellte den Antrag, daß sie Deutschen und die Juden, die bis nun eine Kurie bildeten, sortan getrennte Kurien bilden sollen. Auf diese Weise, so führte er aus, wird den Deutschen ihr B-sitzstand an Mandaten unter allen Umständen gesichert bleiben und auch die Judcnfragc, ohne daß die Nationalitätenfrage für das übrige Oesterreich präjudizicrt würde, rein in wahlpolitischcr Beziehung für die Bukowina gelöst werden. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Der Antragsteller ist der bckannte Prof. Dr. Leon Kellner. Generalstabsarzt Dr. M. Steiner gestorben. Scrajrwo, Bosnien.. Generalstabsarzt Dr. M<bmilian Steiner, Sanitätschcf des 15. Armeekorps, ist im 09. Lebensjahr verschieden. Er hatte letztwillig verfügt, daß er in einfachem Holzsarge und ohne jeglichen militärischen Prunk bestattet werde. — Major Wilhelm Wachtel wurde von Sr. Majestät mit einer Allerhöchsten Belobung wegen des von ihm verfaßten Dienstbuches ausgezeichnet. Antisemitismus in Karlsbad. Man versuche cs als Jude, sich als Mitglied des Turnvereines von 1860, des Gesangvereines oder der Liedertafel, des Wandcrklubs, der Schützen oder der Veteranen anzumclden oder einen jener 22 Geschäftsladen verpachtet zu erhalten, die hinter dem Cafe Sanssouci gebaut wurden, — und man wird zu der lieberzeugung kommen, daß Karlsbad das Eldorado der Antisemitcn ist und Judcn in dieser schönen Badestadt nur insoweit geduldet iverden, als man ihr Portemonnaie schröpfen kann. Bei keinem antisemitischen Balle fehlen in Karlsbad die Stadträtc und die Stadverordnctcn; deshalb gab es dieser Tage bei dem Ball der deutschvölkischen Hochschülcr eine lange, peinliche Verzögerung, da die würdigen Stadtvätcr nicht kommen wollten; cndtich kamen sic, aber die kamen, waren nur die von den Judcn gewählten dcutschfortschrittlichcn Herren, die anderen ivarcn aus irgendivclchcn Zusallsgründcn fortgeblieben. Lehre: cs kann in Karlsbad erst anders werden, wenn die Juden Sclbslbcwußtscin und Solidaritätsgefühl bekommen. Schächwerbot. Berlin. Die Interpellation des antisemitischen Abgeordneten Werner hat das Justizministcrium dahin beantwortet, daß laut Staatsgrundgcsetz die rituelle Schlachtung nicht verboten werden könne. Eine Entführung. Moskau. Tie Tochter eines jüdischen Bankiers ist plötzlich verschwunden. Es zirkuliert das Gerücht, daß ms Fräulein vom Exkönig Manuel von Portugal entführt wurde. Tie Nichtaufnahmc jüdischer Kranker in polnischen Spitälern. Warschau. Welche Dimensionen die Boykottbcwe-;ung der Polen gegen die Juden angenommen, geht :us den Tatsachen hervor, die die ״Jsraclita" veröffen!- icht. Der Verein für Krankenpflege ״Linat Hazedck" 11 Prag, Warschauer Vorstadt, erhielt einen von zehn polnischen Aerztcn unterfertigten Brief, in weichem dem Vereine mitgeteilt wird, daß vom Vereine empfohlene jüdische Kranke in den polnischen Spitälern nicht mrhr ausgenommen werden. i Der Geistliche Kroschinskh über Palästina. Lemberg. Die polnische Zeitung ״Przcgland Powcchni" veröffentlicht einen Artikel, aus der Feder des; Geistlichen Kroschinski über Palästina, in welchem er j den Erfolg der jüdischen Arbeit in diesem Lande preisend ’ schildert und die Christenheit ausfordert, sich die heiligen Stätten in Palästina zu sichern, daß sie nicht in jüdische Hände gelangen. Dre englische König im ״Ist End". London. Am 15.. März d. I. wird der König und die Königin sich in Tsching-Ford Wald begeben und bei dieser Gelegenheit werden sie einige Straßen von Ist-End passieren. Bisnun hat es der König vermieden, den Ist-End zu passieren, wegen dem bewußten Kampfe nnt einigen Anarchisten. Bei der Krönung hat die Pro- Zession in allen' Stadtteilen mit Ausnahme von Ist- End stattgefunden. Die Versöhnung des Königs mit dem Ist-End hat große Befriedigung unter den Bewohnern dieses Viertels hcrvorgerufen - und cs werden Vorbcrcitungcn getroffen, um den König würdig zu cmpfangen. Blutmärchen. Saloniki. Schon zum zweitenmal versuchten die hiesigen Christen Gerüchte wegen Blutbcschuldigung der Juden zu verbreiten und immer gelang cs, das verlorengegangene Kind ans Tageslicht zu fördern. Einer der Beschuldigten, namens Nisi im Sfira: wurde nur durch die Verhaftung vom Lynchen durch die Menge geschützt. Erst als das in Verlust geratene einjährige Kind wiedergefundcn wurde, zerstreute die Polizei die aufgeregte Menge. Ucsküb, Albanien. Was christlich werden soll, muß sich die Blutbeschuldigung der Juden zu eigen machen. Ein bulgarischer Knabe, der Milch in die jüdischen Häuscr bringt, verschwand plötzlich. Die hiesigen Christen verbreiteten das Gerücht, cs handle sich hier um einen jüdischen Ritualmord. Selbstverständlich herrschte hier große Erbitterung gegen die Judcn. Es gelang dem ser^ bischen Obcrrabbiner, Dr. Alkaley, der zufällig hier weilte, die serbischen Behörden zu veranlassen, die Juden in Schutz zu nehmen. Endlich ist der Knabe wieder aufgefunden worden. Ein englischer Jude kam hierher und verteilte unter der hiesigey^Bcvölkerung 20.000 K. Ein Streik jüdischer Journalisten. Newyork. Die Schreiber und Mitarbeiter der jüdischen Tagcspresse in Amerika haben eine Union gegründet, die einen Lohn- und Arbeitstarif ausarbeitcten und den Zcitungsherausgebern offiziell mitteilten. Die Arbeitgeber verweigern die Anerkennung und Ichncn es ab, hierüber zu verhandeln. Die Union fordert einen Mindestgehalt von 25 Dollar wöchentlich, ferner die Verpflichtung der Verleger, nur Mitglieder der Union in Arbeit zu nehmen. Pinc Konferenz der Vertreter der jüdischen Kultusgemeinden Griechenlands. Saloniki. Dieser Tage fand hier eine Konferenz der Vertreter der jüdischen Kultusgemeindcn Griechenlands statt, an welcher der Präsident der Athener Gemcinde A. Konstantinus, ferner Advokat Samuclidis und Albcrtha Levh, der spanische Vizekonsul ״Gani", der Präsident der ״Laliser" Gemeinde A. Kohen teilnahmen. Der König von Griechenland empfing die Führer in Audienz und versicherte, den Saloniker Juden seinen Schutz angcdeihcn zu lasten. (Vorläufig ist hiervon recht wenig zu verspüren.) Preßprozesse in Rußland. Petersburg. Im Monat Dezember v. I. wurden hier und in einigen Provinzstädten 22 Zeitungen mit einem Betrage von 8000 Rubel bestraft. Die Zeitung ״Lotsch" ist dreimal, die ״Retsch" zweimal zu Strafen verurteilt worden. Konfisziert wurden 20 Blätter. Tic Mitarbeiter des ״Praw. Golos", Hofstein und Perlin, sind zu je sieben Monaten verurteilt worden. Ein weißer Rabe. Kiew. Das Rektorat des hiesigen Polytechnikums ivandte sich an das Unterrichtsministerium mit der Bitte, im Interesse des Technikums liege es, daß das Verbot der Aufnahme jüdischer Studenten wieder aufgehoben werde. Eine zionistische Krankenkaffa. Stanislau. Die hiesigen Zionisten erhielten die Bewilligung, eine eigene Krankenkassa zu errichten. Neue religiöse Sekte. Petersburg. Die Zeitung ״Djcn" teilt mit, daß der bekannte, erst judcnfcindliche Mönch Jlliodor, der Die schönste!Schrift in Kürzester Zeit erreicht jedermann K R. beb. aut, Sebreibsebute Professor Rudolf Roubltscbek « ״,»..!».;-im״-««״- Prafl ffl£tl7£lsnlaf7 nach auswärts brieflicher Unterna«, 91 Enacbeig. ges.gescb.Methode.