Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1913)
- Date
- 1913-01-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5. FassungSranm verfüge, um alle Teilnehmer und Zu- Hörer der Eröffnungssitzung aufzunehmen. Hierauf wurde die Generaldebatte über den Tätigkeitsbericht des D.-K. eröffnet. In der Nachmittagssitzung wurde dem abtretenden D.-K. das Absolutorium erteilt. Die Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Dr. Leopold Meisel, Obmann, Ludwig Bato, Obmannstcllvertreter, Dr. Weiner, Dr. Weisengrün, Ing. Köppl, I. H. Waltuch, Horner, Julius Löwy, Karl Schwarz (Graz), Friedmann und Frl. Kohn. Eine heftige Debatte entwickelte sich über den Antrag des Dr. Zweig: ״Der Distriktstag erklärt im Jnteresie der Erhaltung des jüdischen Polksstammcs, daß künftig kein Zionist eine Mischehe mit einer Person nichtjüdischer Abstammung cingehen darf, mag diese Person auch der jüdischen Konfession bcigetreten sein." Im Verlaufe der Debatte stellte Herr Tisch den Antrag aus Uebergang zur Tagesordnung. Bei der Abstimmung wurde über den Antrag Zweig zur Tagesordnung übergegangen. Ein später Antrag des Dr. Zweig: Die Frage, ob eine Mischehe zwischen einem Zionisten und einer Arierin, selbst, wenn sie zum Judentum Übertritt, gestattet sei, als ersten Punkt auf die Tagesordnung des 'nächsten Distrikstages zu stellen, drang mit 16 gegen 10 Stimmen durch. Das Ergebnis dieser Kampfabstimmungen lässt einen harten Kampf über ״Religion und Zionismus" am Kongress selbst erwarten, zumal Tr. Zweig diese Frage auch vor das Forum des Kongresses bringen will. Nach Erledigung einer Reihe von Eventualia und einem Referat des Kurt Blumenfeld über ״Unsere Organisation und der nächste Kongress" wurden der Distriktstag vom Obmann Dr. Leopold Meisel geschlossen. Ball des Vereines jüdischer Hochschüler ״Mensa acadeinica Judaica". Der Ball fand unter dem Protektoratc Sr. Magnifizenz des Rektors der k. k. Universität Prof. Hofrat Dr. Anton Wcichselbaum am 20. Jänner in den Beethovensälen statt. Der Rektor beehrte samt seiner Gemahlin den Ball mit seiner Anwesenheit. Ausserdem waren zu bemerken: Univ.-Prof. Dr. M. Hajek, Univ.-Prof. Dr. Ehrmann, Univ.-Prof. Dr. Königstein, Kais. Rat Jacques Feitler, k. k. Notar Tr. Julius Bermann, Kommerzialrat S. Roscnzweig usw. Wie man sicht, kommen die Vertreter des offiziellen Judentums nun auch zu jüdischen Veranstaltungen. Als die Militärkapelle die ״Hatikwah" anstimmte sang der ganze Saal mit und darunter auch manche der erschienenen Profcssoren>Das verdient bemerkt zu werden. Das Kinderspital der israel. Kultusgemeinde. Die ״Arbeiterzeitung" vom 27. d. M. schreibt: Die israel. Kultusgemcinde wurde vom Obersthofmeistcramtc verständigt, dass die im 'Augarten gelegene sogenannte ״Wasserwicse" im Ausmatze von 16.932 Quadratkilo- Meter um den Preis von 1,200.000 K verkauft wird." Das ist das Ende des mit grossem Tamtam ausgctrommclten ״Gnadcnaktes". Wenn Kirchen errichtet werden sollen, so finden sich jederzeit Gratisgrundstücke, für interkonfessionelle Wahltätigkeit, wenn sie von Juden ausgehet, hat niemand etwas übrig. Und so muss denn um teures Geld ein Platz für das künftige Kinderspital gekauft werden. Das ist echt österreichisch! Krünner Aactrriekten. Sterbefall. Mittwoch den 30. d. vormittags fand von der Zeremonienhalle aus das Begräbnis machte er im Geheimen Geld, der Hallunke, und spielte den Hungerleider, um nichts ausgeben zu müßten. Jeder suchte seine Freundschaft zu ge- Winnen. Ter Abraham Tulpenbeet, den! er mal von dem Schicbckarren und den 50 Dollars erzählt hatte, hielt ihn duf der Straße fest, kaufte an der Ecke beim Lefkowitz zwei saure Gurken frisch aus dem Faß heraus, eine für sich und eine für Joseph, und flüsterte ihm ins Ohr, wenn er die 50 Dollar noch haben wolle, könne er sie am nächsten Tage haben. Er wisse, daß gerade die Leute manchmal knapp seien an Geld, die ein Scheckbuch haben. ״Aber, wenn ich Ihnen sage," erwiderte Joseph, ״daß ich nischt habe auf der Bank!" Tulpcnbect biß in die saure Gurke, daß der Saft in seinen langen roten Bart floß, grinste, wiegte den Kopf von rechts nach links und umgekehrt und sagte: ״Nu, schon gut — ich verstehe, es is wegen der Schnorrer. Aber der Tulpenbcet is diskret, und ich gebe Ihnen Frist so lange Sie wollen für die Prozentche." Joseph, dachte sich: man soll dem Glücke einen Stuhl anbieten, wenn es aus Besuch kommt, und willigte ein. Am nächsten Tage hatte er seine 50 Dollars, am Tage darauf seinen Schiebkarren mit deni Weiberputz, wieder am Tage später stand er am «eite 3 des im 54. Lebensjahre verstorbenen Heinrich Tintner unter äußerst zahlreicher Beteiligung statt. Die kantoralen Funktionen versah Herr Oberkantor Heller. Herr Rabbiner Dr. Levy hielt dem Verstorbenen einen warmempfundenen Nachruf. Heinrich Tintner war ein guter Jude und Mensch! er erfreute sich allseits der besonderen Hochachtung und Wertschätzung. Dem Begräbnisse wohnten bei: die Vorstandsinitglieder der Brünner Kultusgemeinde Adolf Herdan, Sigm. Schwarz. B. Rischawtz. Als Pertreter der Kultusgemeinde Austerlitz: Herr Jgn. Krampfliczek, Bürgermeister Löw, Neu-Raußnitz, Kültusvorstehcr Haas, Kanitz. die Vorstandsmitglieder des Vereines Machstke Hadas Ed. Glaser und Redakteur Hickl, Vertreter des poln. Bethausvereines, die Herren Sigm. Bogad und Moldauer, Sekretär Tr. Oppenheim, das Präsidium der Handelsagenten und der Mühlenvertreter, die Herren I. Kaff. S. Waller und Tr. Gutfreund, Mitglieder der Armensektion, die Herren Sinaiberger. Dr. Josef Spitz usw. Ehre seinem Andenken! Statutenänderung. Im Dezember v. I. sanden die Wahlen des verstärkten Vorstandes zum Zwecke der Aenderung der Statuten statt. Wie wir erfahren, hat zu diesem Zwecke vor 11 Tagen eine Sitzung des engeren und des verstärkten Vorstandes stattgefunden. An derselben nahinen von den 30 gewählten Mitgliedern nur 22 teil. Insbesondere zeichneten sich zirka 7 Mitglieder des verstärkten Ausschusses dadurch aus, daß sie der Sitzung ohne Entschuldigung fern blieben. Wir wollen für heilte die Namen der Betreffenden nicht veröffentlichen, hoffen aber bei einer eventuellen Wahl hieraus zurückzukommen. Nun zur Statutenänderung. Tie Herren des engeren Vorstandes glaubten die Statutenänderung damit zu erledigen, daß sie dem verstärkten Vorstande die Annahme zweier Punkte und zwar: ״die Pensionsversicherung der Angestellten und die Marimalsteuer" empfahlen. Ter 1. Punkt wurde, ohne daß die meisten Herren eigentlich hierüber recht informiert gewesen wären, angenommen. Einige Mitglieder des verstärkten Vorstandes gaben dem Wunsche Ausdruck, daß die Statuten einer eingehenden Re- Vision unterzogen werden sollen und die Vorarbeiten einem aus vier Personne bestehenden Revisionskomitee zu übertragen. Wir glauben uns der Anregung bezügl. Uebertragung der Vorarbeiten an ein Komitee nur anschließen zu sollen. Es ist unbedingt notwendig, daß die veralteten Statuten eine gründliche Aenderung erfahren. Tie wichtigsten Punkte sind: Herabsetzung der Minimalsteuerleistung auf 5 K, Festsetzung der Marimalsteuer auf 1500 K, Bemessung der Kultussteuer auf Grund der Personaleinkommensteuer. Im Vertretungs- und Verwaltungsorgan soll eine Aenderung eintreten, und zwar an Stelle des engeren und verstärkten Ausschusses, der Kultusausschuß und Kultusrat treten. Jeder einzelne der weiteren Paragraphe bedarf einer Aenderung und ist es unbedingt notwendig, daß die Herren im Vorstande sich dieser Aufgabe unterziehen. Wir werden hierüber berichten. Rinnstein hinter seinem Karren zwischen all den Glaubensgenossen —als ebenbürtiger Kaufmann mit dem eigenen Geschäft. Und sein Geschäft blüte. Die Weiber drängten sich herzu, bei ihm zu kaufen, namentlich die heiratsfähigen Töchter. Denn der Joseph mit dem Bankbüchelche erschien ihnen höchst begehrenswert. Es dauerte nicht lange, so war er in der Lage. Tulpenbeet die 50 Dollar zurückzuerstatten, Tulpenbeet erhob abwehrend die Hände und sprach viel von unnötiger Eile, nahm aber schließlich das Geld mit den letzten Zinsen. Toch mußte ihm Joseph versprechen, wenn er wieder nial knapp an Bargeld sei, sich nur an ihn zu wenden. Das versprach Joseph. Dieses Geschichtchen hat sich wirklich ereignet. Und der Schriftsteller eines Newporker Blattes (für das Volk) hat die Gewohnheit nach einen Leitartikel mit einer Moral (für das Volk) daraus gemacht, die lautet: ״Wenn du nicht reich bist so versuche, reich auszusehen, denn die Menscheu helfen am liebsten denen, die gar keiner Hilfe bedürfen." Und ich wiederum konnte mir es nicht verj kneifen, den Leitartikel literarisch auszugeskal- ' ten . und allerlei besondere Newtzorker Farben hinzuzufügen, bis ein kleines Bild daraus wurde. ״Münch. N. N." Chewra Kadischa. Unser letzter Artikel in Angelegenheit der Chewra-Kadischa hat in den breiten Kreisen der jüdischen Bevölkerung Brünns ein derartig lebhaftes Interesse hervorgerufen, daß wir uns veranlaßt sehen, unsere Anregung in die Tat umzusetzen. Nachdem eine Anzahl von Personen sich bereit erklärten, an den zeremoniellen Wafchungen usw. aktiv zu betätigen, haben wir uns im Einvernehmen mit dem Vorstände des Vereines Machsike Hadas entschlossen, für Donnerstag de» 30. d., 8 Uhr abends im Bcreinslokale des Machsike Hadas, Adlergasse 12, eine diesbezügliche Vorbesprechung aller Interessenten eiuzuberufen. Ein in dieser Versammlung zu >väl>- lendes Komitee wird sich dann mit der Leitung der Sektion Ehewra Kadischa in Verbindung setzen und gemeinschaftlich diese wichtige Frage einer entsprechenden Lösung eulgegeuführeu. Alle Inden, die an dieser Frage ein Interesse haben, werden dringend gebeten, bei der Besprechung am Donnerstag bestimmt zu erscheinen. Peo-Brockensammlung, Brünn, Adlcrg. 12. Eingelangte Spenden: Rob. Guilmann, Prag: Ein Paket Wäsche und Kleider: Anton Deutsch, Brünn: Einen Anzug und mehrere Hüte. Weitere Spenden werden entgegengenommen. vislccnlc äeseHschatt de! der Nordösterreichischen Bank c für Industrie, Handel und Landwirtschaft, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung in Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgeschälte, hauptsächlich auch für den Eskompi offener Buchforderungen unter den allergünstigsten Bedingungen. Sprechfaul!. Geehrter Herr Redakteur! Bezugnehmend auf die in der vorigen Nummer der ״Bolksslimme" von Tr. H. 2. aufgeworfene Frage üder den Ursprung des Wortes עזדבן erlaube ich mir zunächst zu bemerken, dass dieses Wort sehr häufig in den ältesten Literaniriverken als auch schon im Talmud verkommt. Bergl. z. B. Sabalh 12 a: י. יי ^ייי——יי ...»—— ,—יי •א ן I - ■ W א » * *׳*■׳-- -1׳ > לי? -k —י Tie Benennung ידבל"., kommt von dem Worte עזדבא her, welches nach dem Nruch einen Massigganger bedeutet: א"" -צל *צא”' מ״דלז ל ל' ס Später wurde die Bedeutung: sich häuslich uiederlaksen. damit verbanden, in ivelchein Sinne dieses Wort nunmehr ausschliesslich gebraucht tvird, und daher wird der Freiwerber, tveil er zur häuslichen Niederlassung ver helfen will, עןך;ן genannt. Schon Laban soll, nach dem ,"ל ך zp Fol. 2s."), ein Schadchen" gewesen sein, denn er habe von Elieier eine Belohnung für seine Bermittlung zur Berlovung seiner Schwester Rebekka mit Jsak verlangt: nachdem er sich aber in seinen Erivarrungen getäuscht, bade er die Berbindung wieder zu binterlreiben gesucht und be antragt, dass Rebekka erst in einem Fahre abreisen solle. ES lässt sich nachiveiseu. dass derartige (Gebühren in! 16. Jahrhundert von Rechts ivegen angeiordert >vur den. Mordchai zu Baba Bathra, H 172, beruft sich aal einen im אז*" ז ך ליי diesfalls gegebenen B.scbeid. dass nicht mehr als die üblichen Gebühren bezahl! m werden brauchen, wenn auch ein grosseres rdonorar versprochen worden sei. linderer Meinung tvar :>!. Meir bt'11 Baruch, sowie R. Äscher, »ergl. די'ד Kap. 201, $ 7. Aus dem Rechtstitel der Freiwerberei kann eine Klage auf Bezahlung des Honorars für Mülicivaltung angesirebt werden laclio prorenenri«, wobei, nur bei jeder anderen Geldforderung zu verfahren in. Werden gegen die diesbezüglich erhobenen ׳Ansprüche Einivendüngen erhoben, so tvird die Wahrheit der :'!!׳gaben durch Eides-Telation ermittelt די׳ דיו Kap. •s7, S : Eine Freiwerber wird in die Kategorie der lluteiliäud ler gestellt (-דיעזדבל דד בדל!!-בל das. IS.") 8 10-. Nach dem f צ ' ׳ zur Stelle können die Gebühren auch in dein Falle beansprucht lverden, wenn die Berlobnng durch gegenseitige Ilebereinkunit ausgehoben wird. Hat ein Freiwerber bloss auf die 'Partie aniinerlsam gemacht (דדלדל), ein anderer aber dieselbe ion ge>eyt und zustande gebracht (טי -71 ' ד •־ erhält jeeer nur den entsprechenden ׳Anteil des Honorars, je nach seiner Mitioirkung. ES können daher mehrere Personeu an dem Zustandekommen einer Perehelichung be-