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Jüdische Volksstimme · 1913-01-30 · Heft 5 (30.1.1913) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 5 (30.1.1913)
Date
1913-01-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2. Jüdische BolkSstimme." Nr. 5 Ein jüdisches Massenmeeting in London. Nachum Sokolow über den Zusammenbruch der Türkei. In dcr Shorcditch Town Hall, einem großcn, ungefähr 15,00 Personen fassenden prächtigen Saale fand am 10. Jänner eine von dem hiesigen ״Joint Zionist Council" veranstaltete Versammlung statt, die?,11 den glänzendsten zionistischcn Veranstaltungen dcr letzten Jahre zählte. Ter Generalredner des Abends war Nahum Sokolow, Redakteur der großen hebräischen Tageszeitung ״Hazcfirah" und Mitglied des engercn zionistischen Aktionskomitees. Der Vorsitzende Tr. S. A. Hirsch machte in seiner Eröffnungsrede den englischen Zionisten den Vorwurf, das; ihre Tätigkeit in den letzten Jahren bedeutend zurückgcgangen sei. Nahum Sokolow bemerkte zu Anfang sei- 11er meisterhaften Rede, das; die Juden als hislorifches Volk die Verhältnisse einer gewissen Zcitpcriodc, nicht als charakteristisch für die ganze zionistische Bewegung betrachten dürfen und meinte, das; in der ganzen Geschichte des politischen Zionismus gerade England einen sehr bedeutenden Platz einnehme. In London habe sich Herzl zuerst mit seinen Ideen an die Großjudcn gewandt. Als er bei ihnen nicht die gehörige Aufnahme fand, kam er zu den Juden des Ostens. Hier traf er begeisterte Freunde und gute, ehrliche Juden. ״Wir flehen jetzt vor einem großen Moment" — sagte Sokolow — ״der Zusammenbruch dcr Türkei geht keinem so nahe wie den Juden. Das ist auch ganz natürlich. Denn die Juden, als ein Volk, dem in manchen Ländern alle Menschenrechte entzogen werden und das überall so viele Feinde hat, stellten sich nie auf die Seite der brutalen Macht, dcr menschcnmordcnden Kanonen, sondern stets auf Seite der Beraubten und Unterdrückten. Wenn die Türkei die jetzige schwere Krisis überwinden wird, wird sie aus diesem Kampfe mit den ״kulturbringendcn" Balkanvölkcrn neu gestärkt hervorgchen, da sic nicht gezwungen sein wird, in endlosen Reibereien ihre Kräfte zu zersplittern, wie dies bis nun bei den fortwährcnden Aufständen in Mazedonien der Fall war. Sie wird nun in dcr Lage fein, ihre Kräfte zu vereinigen. Ihre jetzige Niederlage ist kein Zurückweichen vor den tapferen christlichen Soldatcn, sondern ein Zurückwcichcn vor dem curopäischeu Geiste gewesen. Die Ursache des türkischen Debacles liege in her Erscheinung, daß die Türfunkelnagelneues Scheckbuch aus einer bckanntcn Bank. Joseph lächelte und steckte das Scheckbuch in die Tasche. Es war völlig wertlos für ihn. Aber cs war ein ganz merkwürdiges Gefühl, dieses Ding da in seiner Tasche zu haben, wie wenn er ein reicher Mann wäre, so ein Dollarkönig, der seinen Blnmenhändlcr trifft und sagt: '״Ach, ich habe ja ganz vergessen, daß ich Ihnen die 1150 Dollars für die Blumenrechnung vom letzten Monat noch nicht bezahlt habe. Warten Sie, das können wir gleich machen." Und er kritzelt rasch mit dem Füllfederhalter im Scheckbuch herum und sagt: ״Hier, mein Lieber, Geschüft geht gut? Freut mich, freut mich, auf Wiedersehen." So hatte es der Dollarkönig gemacht, den er im jüdischen Theater in dcr Grand Street gesehen hatte. Zu Hause in seinem Kämmerchen nach dem kärglichen Abendessen (Weißbrot, Käse und zwei Bananen« nahm er wieder sein Scheckbuch vor. Er griff zum Federhalter, kratzte die vertrocknete Tinte fein säuberlich mit dem Taschenmesser von der Feder und schrieb zunächst ans die Rückseite des Teckels: Scheckbuch von Joseph Znckerkant. Dann überlegte er, was er wohl machen würde, wenn er wirklich ein kleines Bankkontochen hätte, ans das er ziehen könnte. Vor allem stellte er einen Scheck über 150 Dollars auf seine Mutter in R'ußland aus. Er hätte das so gar nicht machen können, aber das wußte er nicht. Dann füllte er einen Scheck über 30 Dollars aus für ken cs nicht vermochten, die europäischen Ländcr mit verläßlichen K o l o n i st e n zu bestedeln, so daß alles beim ersten Ansturm, wie ein Kartenhaus zusammenfiel. Asien erwacht, die Türkei mit dem Kalifen, in dem sich die mohammedanische Idee verkörpert, ist seine Führerin und wird die ganze musclmanische Welt zur schaffenden Tat rufen. Sie benötigt in erster Reihe kolonisatorische Kräfte. Wer könnte nun bester als wir Juden für die Türkei Palästina kolonisieren, wer aufrichtiger an ihrer Verjüngung arbeiten? Deshalb müssen die Zionisten den gegenwärtigen, ungemein wichtigen Moment ausnützen und darauf hinarbeiten, daß dieser Wunsch greifbare Gestalt annehmc. Die zionistischc Arbeit sei nicht auf dem Schlachtfelde zu suchen, sie müsse sich vielmehr auf ruhige, zielbewußte Arbeit in Palästina beschränken. Paläftina gehöre mit zu dem großen Programm der Londoner Friedenskonferenz und deshalb sei es von größter Wichtigkeit, daß die Zahl der Zionisten eine imposante sei, damit sic mit größtcm Nachdruck im Namen ״Sr. Majestät" des jüdischen Volkes sprechen könnten. Protest gegen Rumänien und den Pogrom in Saloniki. Die Zionisten erheben den schärfsten Protest gegen Rumänien, das dem Berliner Vertrag seine Existenz verdankt, trotzdem aber gerade die Punkte dieses Traktates in völkerrechtswidriger Weise mißachtet hat, als es sich um die Juden handelte. Die Zionisten erheben den schärfsten Protest gegen den Pogrom in Saloniki. Im allgemeinen werde von dcr Leitung der zionistischen Bewegung alles getan, was in diescr harten Welt und kalten Wirklichkeit, die kein abstraktes Recht anerkennen will, zu tun möglich ist. ״Wir stehen vor großen Ereignissen" — enbet Sokolow seine oft von lautem Beifall unterbrochcne Rede — ״deshalb muß energisch gearbeitet werden. Alle Zionisten wüsten sich bereit halten, dann wrede das ״Aud lau owdoh tikwoßcnu" kein Lied sein, sondern eine beglückende Wahrheit. ' Iosef Cowen erzählt von den Eindrücken seiner Reise in Nordafrika, spricht von dem guten Einvernehmen zwischen Arabern und Juden und glaubt, Herzl, hätte nicht bloß seine rechte, sondern auch seine linke Hand hergegeben, um den jetzigen Moment erleben zu können. Dr. CH. W e i tz in a n n hält eine pestimistischc Rede voll beißenden Humors. Er sei ein ״Litwak", sagte er, und frage gern ״Kasches".! Er habe den Eindruck, daß große Meeting sei nicht ein Zeichen des Wachstums der zionistischen Bewegung, sondern bloß die Folge der Sensationsluft, Sokolow und die andern guten Redncr zu hören. ' Eines jedoch könne er mit Stolz in die Welt rufen, diejenigen Gesinnungsgenossen, welche es für gut befunden hatten, sich von den Zionisten zu trennen, haben seit danials alle möglichen Projekte durchbcraten, befinden sich jedoch noch immer auf der Landsuche. Die zionistische Partei habe das Suchen erspart, weil sie ihr Land schon längst gehabt und festgehalten habe. Es gäbe ein englisches Sprichwort: ״Besitzen" sind neun Punkte des Gesetzes, deshalb müßten die Zionisten darauf hinarbeiten, Palästina in Besitz zu nehmen. Die Albanier, ein kleines Völkchen, spielen eine so große Rolle, weil sic auf eigenem Boden sitzen. Es sprachen noch Dr. Daiches, Goldblum und Dr. Salkind. Sokolow erhielt das Schlußwort, das er zu einer groß angelegten hebräischeu Rede erweiterte. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNGS-GESELL- :: SCHAFT, WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. Im eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 400 Millionen Reserven ciika 116 Miliionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tarif mit 5% jährlich fallender garantierter Prämie. Generalagentur für Wien. 1., Aspernplatz I, Leiter David Nebenzahl. Sub. Direktion für Prag, Ferdinand<str. 20. neu, Leiter Robert Gerstel. Sub. Direktion für Lemberg, Szajnocha 3, Leiter Löbl Taubes. Hauptagentur für Brünn, Wawrastrasse 10. Leiter: Samuel Reiniger. Wiener üadmeftten Jnncröstcrreichischer Distriktstag. Sonntag den 26. Jänner fand im Saale der Lese- und Rcdchallc jüd. Hochschülcr dcr inncrösterreichische Distriktstag statt. Nach Eröffnung durch den Obmann des innerösterc. D. C. Ludwig Bato berichtete Dr. Karl Pollak, daß der berdienstbolle Präsident des westösterr. Z. K. Adolf Böhm wegen prinzipieller Diffcrcnzen die Präsidentschaft niedcrgclegt habe und aus dem Zentralkomitee ausgetreten sei. An Stelle Böhms wurde nach erfolgter Kooptierung in das Zentralkomitce Redner mit der interimistischen Leitung der Geschäfte betraut. Dr. Pollak berichtet noch, daß dcr Kongreß im Musikbercinssaal tagen werde. Die erste Sitzung würde jedoch entweder im Zirkus Schumann oder in der Katharinenhalle in Meidling abgehalten werden, da der Musikbercinssaal nicht über einen entsprechend großen einen neuen Anzug, dann einen Scheck über 30 Dollars für Wohnungsmiete. Wenn er nämlich weiter drüben an der zweiten Avenue eine hübsche Wohnung gehabt hätte mit heißem, kaltem Wasser, einem hübschen Badezimmer und sonstigen Annchmlichkeiten. Dann füllte er einen Scheck aus über 50 Dollars für eine Sprechmaschine, aus der Caruso hcraussingt und die Melba und andere Operngrößen, als ob man sie in dcr Oper hörte. Das gab ein richtiges Konzert abends oder am Sonntag, wenn seine Freunde ihn besuchten. So trieb ers geraume Zeit. Mit verklärtem Gesicht saß er da und schrieb und genoß seine eingebildete Wohlhabenheit. Doch danach fiel ihm ein. jemand könne dahinter kommen und ihm Unannehmlichkeiten wegen des Schecks bereiten. Daher riß er die Schecks heraus und zerstörte sie. Er hatte das Gefühl, er müsse sich an diesem Abend etwas Gutes antun. So machte er sich fein und klapperte die fünf Stockwerke hinab auf die Straße. In, Hartensteins Zigarrenladen kaufte er sich eine Schachtel billiger Zi-' garettcn. Danach ging er in eines der zahllosen Keinen jüdischen Cafes in der Houston Street, wo der dicke Qualm von billigen Zigarren und Zigaretten den Gästen die Augen beizt und setzte sich an einen Tisch zu Bekannten. Er bestellte einen duftigen Mokka und zündete sich eine Zigarettc an. Die Bekannten sprachen mit Händen und Schultern und sänitlichcn Gesichtsmukeln von Stolypin, der Duma und den Oktobristen. Doch Joseph niochte von Politik nichts wissen. Er begann seinen Bekannten die auserlesensten jüdischen Witze zu erzählen. Als er das Lokal spät in der Nacht verkästen hatte, bemerkte er von ungefähr, daß er sein Scheckbuch nicht mehr bei sich hatte. Wahrscheinlich war es ihm aus der Brusttasche gefallen, als er einen Brief von seinem Onkel aus Tarnopol herausgezogcn hatte, um ihn seinem Freunde vorzulesen. Rasch lief er zurück. Er sah, wie an dem Tisch, wo er gesessen hatte, einer von den Bekannten aus seinem Scheckbuch vorlas, während die anderen mit offenen Mäulern und mit weit geöffneten Augen zuhörten. ״Da ist ja der Dollarkönig!" rief einer lachend. ״Jetzt sind mer gekimmen hinter deine Schliche, Gannef!" rief ein anderer. ״Was gibstc zum besten?" ״Nu, was soll ich geben zum besten?" Nischt!" sagte Joseph, nahn! sein Scheckbuch und eilte hinaus. In wenigen Tagen war cs im jüdischen Viertel herum, daß der Joseph ein Scheckbuch hatte. Wo er sich blicken ließ, bekam er die Frage zu hören: ״Joseph, is cs wahr, daß du hast ä Scheckbüchelche?" Worauf Joseph lachend entgegnetc: ״Nu, was soll ich nicht haben ein Scheckbüchelche, wenn ich Hab' eines gefunden?" Doch man glaubte ihm nicht. Jrgenwie Mährisch-schlesische Bank Brünn. Telephon Nr. 350, Direktion. verzinst EINLAGEN gegen Büchel und in ( laufender Rechnung mif Ferdinandsgasse Nr. 29 Telephon Nr. 1016, Wechselstube. pr pr!| 01 gebundene Einlagen laut Übereinkommen. Bank- O Ulo O \2 |0 geschähe aller Art. Börsenru. Wechslergeschäfte.

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