Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1913)
- Date
- 1913-01-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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■.!ו׳-,.׳ י 9fc. 4. ^Jüdische BoHSsti««e." Seite 5. Hosrat Professor Dr. David Heinrich v. Müller. Ein Gedenkblatt. Von Dr. G. R o s e n m a n n, M.-Schönberg. 2. Schon die Arbeiten aus dieser ersten Periode, aus denen profundes Wissen und gründliche, scharfsinnige Forschung spricht, sicherten ihm ein hohes, unbestrittenes Ansehen in der Gelehrtenwelt. Sie warfen ein neues Licht auf die Ethno- und Topographie sowie auf die Kulturgeschichte Südarabiens, was auch teilweise der jüdischen Geschichts- und Sprachwipenschaft zugute kam. Es darf uns überhaupt mit Genugtuung erfüllen, daß jüdische Forscher von Klang und Namen, Josef Halevy (Paris), David Heinrich Müller, Edward Glaser und Siegfried Langer — alle drei Oesterreichcr — einen hervorragenden Anteil an der archäologischen Erkundung der arabischen Halbinsel, insbesondere Südarabiens haben, wo ja nach der ersten und ebenso nach der zweiten Zerstörung Jerusalems zahlreiche Juden eine neue Heimat fanden und die jüdische Religion sogar bedeutenden Einfluß gewann, und woher jetzt die Jemeniten nach Palästina auswandern. Langer mußte leider seine Forschungsreise mit dem Leben bezahlen, indem er im Mai 1882 nördlich von Aden! ermordet wurde. Müller setzte ihm ein ehrendes Denkmal in der Publikation ״Siegfried Langers Reiscberichte und die von ihm gesammelten Inschriften Publiziert und erklärt" (1883). Zur literarischen Tätigkeit dieser Periode wären noch ״Die Rezensionen und Versionen des Eldad Had-Tani" des abenteuerlichen jüdischen gleisenden im G. H. (1892) und die allsemitischen Inschriften von Sendschirli (1893) zu zählen. Die Eröffnung der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien im Jahre 1893, an der Müller zur Uebcrnahmc der bibeleregetischen, gramatischen und religionsphilosophischen Vorlesungen berufen wurde, bedeutet den Anfang einer neuen Periode in seinem wissenschaftlichen Schassen. Von null an beginnt eine Erweiterung seines Forschergebietes, eine Erhöhung seiner Leistungsfähigkeit und ein nicht unberechtigtes Wachsen seines Gelehrtenruhmes. Als Ilniversitätsprofessor setzte er seine Arbeiten auf semitologischem Gebiete wacker fort, die er teils als selbständige Publikationen, wie z. B. ״Tie epigraphischen Denkmäler aus Abcssynien" (189-0, teils in der von ihm redigierten ״Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes" veröffentlichte׳, aber auch als Professor an der theologischen Lehranstalt fühlte er die Pflicht, seinen Mann zu stellen. So führten ihn Schaffensfreude und Pflichteifer auf neue Bahnen, wo er mit genialer Originalität Werke bleibenden Wertes schuf. Er begann im Wintersemester 1893—9-t seine Vorlesungen mit der Erklärung des Propheten Ezechiel. Im Herbste 189-1 erschienen als erste Frucht seines exegetischen Kollegs ״Tie Ezechiclsludien". Man kann sich zu seiner Auffassung über Prophetie und das Merkabaproblem ganz ablehnend stellen, und doch wird inan seinen scharfsinnigen, höchst originellen Lösungsversuchen dieser so schwierigen Fragen die Bewunderung nicht versagen. Tie intensive Beschäftigung init diesem Propheten war von großer Tragweite für die richtige Erkenntnis der inneren Gesetze der hebräischen Poesie in der heiligen Schrift. Die biblische Poesie hat kein Silbcn- oder Wortmaß, sondern nur ein Gedankenmaß. das die Verstelle beherrscht und als Ebenmaß der Vcrsglieder (Parallelismus menibronun) bezeichnet wird. Diese Erscheinung kannte man schon lange. Herder hat sie in seiner Ab- Handlung ״Vom Geiste der hebräischen Poesie" eingehend besprochen. Bei tiefer Betrachtung des Ganzen erkannte Müller mit genialem Blicke, daß noch andere, bisher noch ungckannte Kunstgesetze und Kunstformen den eigenartigen Reiz der biblischen Poesie bestimmen.0 So entstand \) Er fand, daß sich die größeren Abschnitte in Strophen gliedern, daß zwei oder mehrere Strophen miteinander in gedanklicher aber auch formaler Beziehung korrespondieren (Responsien), oder sich durch Schluß der einen und Anfang der anderen künstlich verketten (Concatenatis), oder aber als nichtzusamengehörende Gedankenkonplere sich voneinander abgrenzen (Jnclusis). 1896 das epochemachende Werk ״Die Propheten in ihrer ursprünglichen Form", worin er seine Strophenlehre durch zahlreiche Beispiele ausführlich begründet, gleichzeitig aber an der Hand der keilinschriftlichen Literatur.und des Korans den Beweis erbringt, daß diese Kunstgesetze sich auf die ursemitische Poesie überhaupt, aber auch auf die nachbiblische, wie z. B. die Sprüche des Sirach, ja sogar auf manche ursprünglich in aramaischer Sprache abgefaßten Spruchgruppen in den Evangelien erstrecken und in ihren Wirkungen auch in den Chören der griechischen Tragödie sich erkennen lassen. Ter Einfluß der semitischen Kultur auf die griechische fand durch diese Entdeckung eine neue Bestätigung. (Schluß folgt.» Jüdisch-volkliche Gedenktage. 15. bis 22. Schebat. 15. 5495 starb in Lemberg der fromme :»tabbiner :>!. Mordchai Reizcr. 16. 5020 starb in Jerusalem der scharfsinnige Talmubist R. Josef Nabon, Verfasser des ״Reckpohba-Kcsef". 17. 5589 starb in Paris der bekannte Dichter Heinrich Heine. 18. 5647 verlieh der Sultan den Juden seines Landes menschliche Rechte. 19. 5475 starb der berühmte Dberrabbiner von Prag R. Benjamin Wolf Spira. 20. 5642 starb der berühmte Schriftsteller Bertbold Auerbach, Verfasser der ״Schwarzwülder Dorfgeschichten". 21. 5571 starb R. Juda Löb Bcnsew, Verfasser der unter dem Titel ..Talmud Loschon Ewer" bekannten hebräischen Grammatik. 22. 5619 starb in Kozk «Rutzland» der vielgefeierte Chassidim-Rabbi R. Mcndcle Kozker. itufidfcliaii. Ein Verband konfessionsloser und getaufter Juden. Wie wir der Zeitschrift ״Der Weg" entnehmen, wird in Deutschland eine Organisation dieser ״Ehrenmänner" beabsichtigt. Dr. Zeppler aus Charlottenburg bringt hierüber in genau»- ter Zeitschrift einen ausführlichen Artikel'. — Bravo! Nachum Tokolow verurteilt. ___ Der Nedakteuer der Hazefirah, Nachllin Sokolow, wurde wegen Veröffentlichung einer Notiz, daß eine jüdische Frau, die den Ausweisungsbefehl erhielt, wegen inständigster Bitte vom Gouverneur in unmenschlicher Weise zurückgewiesen wurde, trotzdem der Wahrbeitsbeweis gelang, zu einer Geldstrafe von HO Rubel verurteilt. Eine jüdische Deputation beim König von Bulgarien. Eine aus den Herren Tr. Paul Nathan, Berlin, Tr. Adler, London, bestehende Deputation als Vertreter der jüdischen Bevölkerung Frankreichs, Deutschlands und Englands, wurde vom König Ferdinand und von der Königin huldreichst empfangen, bei welcher Gelegenheit sich der Regent über die Heldenmütigkeit der jüdischen Soldaten in lobender Weise anssprach. Professor William Wolf. Rasch tritt der Tod den Menschen an. William W o l f, der als Mensch wie als Künstler hochgeschätzte Direktor des Berliner Snnagogenchors in der Lindenstraße, ist eines plötzlichen Todes gestorben. Mit ihm ist einer der seltenen Menschen dahingegangen, die treu ihren Idealen lebend, über der Zeit zu stellen scheinen. Schön wie sein Leben, war sein Tod. Nachdem er im Lettehaus einen Vortrag gehalten, dessen Schlußwort ״Gloria" war, stürzte er bewußtlos zusammen. — Groß ist die Zahl derjenigen, die in dem Tahingegangenen ihren Lehrer, Freund und Berater betrauern. Wolf war bis an sein Lebensende — er erreichte das hohe Alter von 76 Jahren — literarisch und musikalisch tätig. Seine Werke über Musik-Aesthetik brachten ihm den Profesjorentitel׳, die Vorträge, die er in der Humboldt-Akademie über Musik hielt, fanden stets ein dankbares Publikum. Die Leichenfeier war eine erhebende: der Chor, den er Jahrzehnte lang geleitet, sang dem allgemein verehrten Manne das Grablied. An seiner Batzre trauern, außer seiner grancgebeugten Witive viele, die. wenn schon nichl verwandt,!ich dein watzrhafr edlen Menschen im Streben nach allen! Wahren, Edlen und Guten verwandt fühlten. Gewissenhaftigkeit der Berliner Post. Einer unserer geehrten Herren Mitarbeiter — ein grundgelehrter Professor - sandte uns vorige Woche einen schriftstellerischen Beitrag. In ausnalnusiveiser Zerstreutheit schrieb er die Adresse: ״Jüdische Volksftimme" — Ber litt. In Berlin konnte der Brief selbstveritänd lich nicht zugestellt werden, da dort keine Z,eitung dieses Namens eristiert, wie auf den! Kn vert aus verschiedenen amtlichen Bemerkungen ersichtlich ist. Der Stempel des Aufgabspostamtes war unleserlich. Die Post lies: sich das aber nicht verdrießen und stellte fest, daß die ״Jüdische Volkssrimme" in Brünn -- Mähren er scheine und sandle uns den Brief pünktlich hier her, so daß wir schon Samstag im Benne des Schreibens waren, welches bei richtiger Adres sierung Mittwoch mittag hier eingetrosfen tväre. Es soll damit ׳licht gesagt sein, daß die oller reichische Post ihr Pflicht nicht erfüllt, aber die Berliner Post hat mit diesem Falle bewiesen, daß sie auf der Höhe ihrer Aufgabe sieht. Jüdisches G»»111asium. Budapest. Die diesige Gemeinde bat bereits eine Summe von 1,090.1100 K für ein jüdisches OHiniuaüum, es reblteu ihr jedoch noch -100.000 K zue Verlvirkbchuug dieses Projektes, rinn lim die ungarische :üegieenng den seblenden Betrag zur Verfügluig gestellt. Mil dem Ban tvird demnächsl begonnen iverde». Deutsche Juden gegen ausländische. In Berlin, Elieiiniig und Duisburg baden sich die Jüdischnationalen mit Hitie der Stimmen der ans ländischen Inden Sitz und Stimme l׳ei dein Liberalen Kokal verschafft. Darüber sind die liberalen Inden >0 erbittet, das; sie der :üegieenng ein Memorandum ivegen Beschränkung des Wablrechies der ausländischen Inden, eventuell auch Ausweisungen vorznuebmen. vor legen!vollen. Palästina i» Afrika. London. Das territorialiüiiche .:rntratkonniee meldet: Wäbreud der politischen Krisis >n Portugal bat die Jto keinen ernsten 2chrilt in der Augotaangelegenbeit nnternebinen tonnen. Bezrnbnend üt sie 7m lache, dag im südwestlichen Afrika sich eine G.-s,.-Ugtmn gründete, welche sich ntit den! Erplnaneren Angola-.׳ besagt. Ter schlechte Engel sagt Amen. Tdessa. In dem Blatte der irbivarzen Hnnderl ״Rusk. :!letsch" erschien zur allgeuirineit Verblassung ein Artikel über indische ׳Ackerbauer in Rngland. in ivelchem die Juden als sleigige und nichtige ,veldnrbei ter geschildert werden. Der 2ebreiber des Artikels aal zur Erforschung dieser Tminche jüdische Moionun. d!e noch im GonvernemenI Alerandroivsk und Jcralerino slniv unter den Raine» ..'.'ioioa .1110001!;׳", ..Weslo". ״Trodolivbibaja", ״Krasnaje sein", .,Mezeritirb" um! ״Ritschajewka" beileben, besucht. Mongoto selbständige Herrschast. Petersburg. Eine mongolische Depnialion lra׳ liier ein, lim dem Jaren den Dank iüe die Una!!bän gigkeit Mongolas anszndrncken und um .:nlaünng eines mongolischen Grsmidlrn am :!»renbose. Voran-:- sichtlich dürste dieser Scitcitt von Erfolg begleitet <111׳.׳. König Georg über die Juden. London. Die Heitnng ״Jwiiiug Rins" veroiien: licht den Jukatt eines «Keipräches gvi!N1e» dem König von England und einem koken runiüken Diploniaiea in Angelegenbeit der Inden. Als der russische Diviomat über die Inden nur verächtlietie Worte gebrauchte, ent gegnete .König tNeorg: ,.Ich glanve bei Jknen ein Var nriril in bezug aus die Inden wakrzunekme». Ich da gegen bin ganz anders überzeugt. Ich!!ilime den ׳. k i! rabbiner vo» London, Herrn Dr. Hermann Adler, und kann sagen, dag fein kirchliches r berbaavt!ז1וז!!!,ck> so einen tiefen Eindruck ansgeübl bat. als Dr. Adler." Jüdische Auswanderung. Breme». Anfang dieses Monms schisste sieb der 75. jüdische Auswmidererzng. bestellend ans 1 ."> 1 Mann, ein, um nach Galveitou abzndampsen. Bekanntlich e:n sendet der jüdische Emigrniioiisvereiu in .Kielo ailino nallich eine grogere Ansivaiidereegesellieiiaik. Im 1'.*!־.; lvanderten mit Hilfe dieses Vereines iiisgesatnl!5"2 Personen nach Gatlveiion aus, also um :;>>0 Per>01׳ea mekr als im Vorjakre. Teiliuächsi wandert der 7>1. Answandererzug aus.