Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1913)
- Date
- 1913-01-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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יי■ ־<־'•' Seite 6. »,Attische Bolkrsti««e." Nr. 4 Der Papst und Palästina. Bukarest. Der jüdische Abgeordnete Dr. Gaster London. Zeitungen melden von einer päpstlichen! begab sich mit einer Deputation zum König, der ihn Note a» die Botschastcrkonfcrcnz betreffs Palästina, in, huldvollst empfing und ihn ersuchte, Grüße an seinen der der Wunsch geäußert wird, daß man von der Türkei i Bruder, Rabbiner Dr. Gaster in London, zu übcrmit- Garantien verlangen möge, die Heiligtümer Palästinas tcln. Die Deputation hat im Interesse der Rechte der Juden in Rumänien Vorgesprächen. Paris. Der Matin' veröffentlicht einen Artikel über Angola, in welchem Angola als die ״Hoffnung Portugals", ״Afrikanisches Paradies" bezeichnet wird, wo sich ungeheure Rcichtümcr an Mineralien, Kupfer, Zink und Eisen befinden, ferner ist der Boden sehr fruchtbar. Paris. Der spanische Ministerpräsident empfing einen Mitarbeiter des ״Matin". Während des Gesprächcs äußerte sich der Präsident mit folgenden Worten: Wir Spanier haben am Balkankrieg ein besonderes zu respektieren. Ferner Garantien für die RcligionSfrcikeit und Sicherheit jeder christlichen Sekte und auch für die Juden, ebenso für ausländische Wallfahrer. Fm Sinne dieser Garantien wäre Palästina ein neuiralcr Boden unter türkischer Oberherrschaft. Die Ausweisungen in Rußland. Tubno, Rußland. Eine jüdische Kommission kam bicrher, um den 200 Juden der Gegend, welche vor der Ausweisung stehen, Hilfe angcdcihen zu lassen. Fm Kreineniner Vu'eiS haben die Ausweisungen bereits begönnen. Korrespondenzen. Tlmütz. Es dürfte Wohl in unserem engen Aximatlanbe leine Stadt geben, in der derartig erotische Pflanzen gedeihen, als bei uns. Unser .verr Vorsteher, der fürs Teutschtnm ״alles" zu opfern in der Lage ist, hat das Glück, einen Lohn zu besitzen, der Zwcitchargicrter der deutschliberalcn Verbindung ״Olomucia" ist. Tiefer junge Mann dürste doch Wohl von seinem Vater, dem .Herrn Roschhakol, ein wenig jüdische Erziehung genossen haben. Dies kam auch anläßlich der slatigcfundcnen Julseier zum Ausdruck. Ter junge -Herr hielt vor dem Julbauin, lies Ehristbaum, die Teudeuzredc. Seine Rede schloß er mit den Worten: ״Lasset uns denn feiern diesen Abend, um den Baum, um den schon unsere Väter getanzt haben." In hiesigen jüdischen .Kreisen hat selbstverständlich dieses Vorgehen Entrüstung hcrvorgcrufen. — Auch die Taufscuche grassiert in Olmütz. Dieser Tage sind drei Olmützer Judenjünglinge in den Hasen der alleinseligmachenden Kirche glücklich gclandet. Im Februar finden die Kultusgemcindc- Wahlen statt. Tic Wählerlisten sind bereits fcrtiggeslellt und allgemein wird von einem Kompromiß zwischen den Jüdischnationalen und den Kahalleuten gemunkclt. — Armer Roschhakol, der lo im UH?» wird dir nicht genug fortschritt-!ich gewesen sein. Interessantes aus unserer sorlschriktlichen Kehilla folgt nächstens. Lcdccz. lieber Einladung unseres Vorstandes hielt .Herr Rabbiner Tr. Bertisch aus Prag hier eine Probeprcdigt, die auf die Anwesenden einen derartig günstigen Eindruck machte, das; der Vorstand nach der hieraus siattgcsundencn Vorstaudsitzung den einstimmigen Beschluß faßte, Herrn Tr. Bertisch zum Rabbiner zu wählen. Krakau. Der Verein ״Machsikc Limud" berief eine außcrordenlliche Versainiulnug ein, »111 gegen die Sabbaibeniwcihiing der verschiedenen jüdischen proletarischeu Lrgnnifotionen zn demonstrieren. Gegen den ״Ärbeilerbiknd", welcher öffentliche Vorträge über.Moni-r-iniis veranstaltet, wurde in scharfem Tone Protest erbobcn. Wilna. Fm Monat Februar findet hier eine Eiiiiaranlivnsveriaininlnng iiatt, an ivelchcr die Obmänner der L rtsgruppcn der F c a, ungefähr 250 an der Zahl, ans allen Teilen Rußland teiliichinen werden. Kiew. Der Nntersuchungsrickter hat seine Vorarbeiten vollende!. Ter Beilisprozeß lvird hier stattfinden, und zivar als ein Ritualmordprozeß. Warschau. Die von den Polen gegen die Fnden veevorgerniene Boytoliveivegnng nimmt immer größere Dimensionen an. Polnische Gläubiger treiben ihre Forderung und ihr Hypothetardarlehcn aus jüdische Häuser unbarmberzig ein. Der ״Kurier Warschawski" fordert die Fnden zur tkuswauderung auf. Kischiniew, Rußland. Hier versuchten die Huligans eine HUtualniordbeve zu inszenieren. Dies gelang ihnen jedoch nicht. Das abgängige Kind ist noch am nächsten Tag dingfest gemach! ivorden. Mostan. Anläßlich des hier tagenden Kongresses der Eletiroiechnilcr :Rußlands wandten sich die chriitlichen Techniker an die Regierung mit der Bille, den jüdische» .Kollegen den Anienlbalt in Moskau während des .Kongreßes zu gestatten. llngeui >Besiarabien, Rnßlandn Der hiesige :>iabbiuer Herr F. L. Fischmann ein eifriger Zionist״ vcrlaß! seinen Posien, um nach Palästina zu übersicdeln. Die hiesigen Zioniiien verannalrcten zu Ehren des scheidenden :'!abbiners ein Avichicdssesl. Interesse, da doch zahlreiche Brüder, in deren Adern noch heute spanisches Blut fließt und die noch heute Spanisch sprechen, dort leben insbesondere die Juden Salonikis. Paris. Der Oberstleutnant Kah ist zum Oberst, der Artillcriehauptmann Hesse zum Schwadronchef bcfördert worden. — Der bekannte Philosoph H. Bcrgson ist cinstiinmig zum Vizepräsidenten der Academic des scicnccs morales et politiqucs ernannt worden. London. Dieser Tage fand eine Sitzung der jüdischeu Vertreter statt, in welcher über einige wichtige Fragen verhandelt wurde, und zwar über das Memorandum an die Friedenskonferenz betreffs der Gleichslellnng der Juden in den Balkanländern mit den andercn Nationen; über cinzulcitcndc Schritte zur Lösung der Judcnfragc in Rumänien und über noch zu unternehmende Schritte in der Russischen Patzfragc.,Diese Angelegenheit soll demnächst in der jüdifch-parlamentarischen Kommission zur Verhandlung gelangen. Petersburg. Der aus Minsk cingctrosfcnc Dr, Kaminski wurde von der Polizei ausgcwicscn. Es stellte sich heraus, daß er sein Doktordiplom, das ihm das Aufcnthaltsrecht sichert, zu Hause vergessen hatte. Petersburg. Wie man hier erfährt, beabsichtigt das Kriegsministerium einen Gesetzentwurf betreffs Ausschluß der Juden vom Militärdienst im Frühjahr der Duma vorzulcgcn. Statt Militärdienst sollen Juden nur Militärdicnstsicucr entrichten. Alexandria. Herr Dr. Feitlowicz, der Führer der Falaschen, ist hier cingetroffen. Er führt drei jüdische Lehrer, die in Europa ihre Ausbildung genossen baben, auch Abessinien. Der hiesige Ehacham Baschi hat einen jemenitischen Rabbiner für die Falaschen empfohlen. Konstantinopel. Tic dreitausend jüdischen Flüchtlingc, die hierher um Hilfe kamen, haben der hiesigen jüdischen Gemeinde große Opfer anfcrlcgt. Das Hilf komitcc hat, nachdem die cingclaufencn Hilfsgeldcr zu Ende waren, Schulden in der Höhe von 700 türk. Lire gemacht. Nun stockt jetzt aus Geldmangel jede Hilfsaktion. Tie Vereine in Berlin, London und Paris wurden um Hilfe ersucht. Die jüdische Gemeinde in Alexandria hat 13.000 Franken dem Hilfskomitee überwiesen. Berlin. Die Gründung einer Ehcwra Kadischä in Berlin. Seit 1807 existierte in der größten Gemeinde Deutschlands, mit 150.000 Seelen, keine Ehcwra Kadischa. Dies dürfte ein Unikum nicht nur für Deutschland, sondern sogar für eine Großstadt der ganzen Welt sein. Wien, Budapest, Paris. London, Ncwhork haben nicht nur eine, sondern mehrere, sogar zahlreiche BecrdigungSvercine. In Berlin lastete das ganze BecrdigungSwcscn — mit Ausnahmc der Scparatgcmcinde Adas; Fisrocl — auf der Gemeindeverwaltung. So musterhaft in technischer Beziehung bisher das Bccrdignngswcsen auch seine Aufgaben erfüllte, so wenig hätte eine Ehcwra Kadischa einem so großen Gemeinivesen, schon aus ethisch-religiösen Gründen, fehlen dürfen. Es ist um so verwunderlicher, daß beinahe ein ' halbes Fahrkundert hingchcn und die Gemeinde sich mehr als verdoppeln konnte, che jüdische Männer erstanden, die den völligen Mangel einer der allerersten und vornehmsten jüdischen Gcineindcinstitutionen cmpfänden. Nunmehr ist am 25. Dezember in einer von den Herren Tr. Artur Kahn und Adolf Prager einberufenen und überaus zahlreich besucht gewesenen Versammlung eine Ehetvra Kadischa gegründet worden. Die Ansprachen des Versammlungsleiters Tr. Kahn, Prager, Wcdell und die zündenden Schlußworte des Herrn Rabbiners Dr. Eschclbachcr vcranlaßten über 100 Anwesende, sofort der neuen Ehcwra Kadischa beizutretcn, und gehören ihr bereits über 200 Männer schon jetzt an. Damit ist die Gemeinde Berlin um den bedeutsamste» Verein bereichert, der zum eisernen Besiand aller jüdischen Gemeinwesen von jeher gehört hat. Ckeatee-Kund^cknu. Theaternachrichten. Donnerstag findet die Erstaufführung der Straußschen Operette ״Ter lustige Krieg'" ui dieser Saison statt. Sonntag den 26. d. M. findet die erste Aufführung des drciaktigen Schauspiels ״Die Zarin", welches in Wien am Deutschen Bolkstheater bereits über 25 Mal gegeben wurde, am Dienstag findet die Uraufführung der Oper ״Tantchen Rosmarin" statt. Uebcr die Aufführung von Tolstois Drama ״Und das Licht scheinet in der Finsternis" werden wir in der nächsten Nummer ausführlich zurückkommcn. ״Jung Werners großes Leid", zum erstenmal aufgeführt am 18. Jänner 1912. Ein Spiel in drei kleinen Akten. Die Idee des Stückes baut sich aus die in der letzten Zeit häufig vorgekommeuen Gymuafiaftenfelbstmorde. Die Aufführung und die Regie war sehr gut. Besonders die Regie des Herrn Teller sei lobenswert hcrvorgehobcn. Alle Mitwirkcndcn spielten das Stück unserer einheimischen Dichterin mit großer Lust und, vcrhalfen demselben auch zu einem großen Erfolge. cn jungen Gymnasiaften Paul Werner gab Herr Rehbcrgcr mit sehr starker, jugendlicher Leidenschaft. Seine Mutter gab Fr. Rogall mit echter mütterlicher Zärtlichkeit. Herr Strauß als ihr Mann schuf eine lebenswahre ־ Gestalt. Ausgezeichnet waren Früü - Wiesncr und Herr ■ Recke als Liebespaar, welches schon seit 15 Jahren derlobt ist, sich aber nicht entschließen kann, zu heiraten. Besonders erwähnt seien die Damen Birnbaum als ׳ Schauspielerin, Frl. Graf als tüchtige Wirtschafterin und Herr Pachmann als wortsuchender Gymnasiast. Es gab nach allen Aktschlüssen lebhaften Beifall, unzühligc Hervorrufe und zahlreiche Blumciispeiidcn. Hugo G a l d. Repertoire. Mittwoch den 22. Jänner: Oberst Ehabcrt. Donnerstag den 23. Jänner: Der luftige Krieg. Freitag den 24. Jänner: Hinter Mauern. Samstag den 25. Jänner: Prinz Methusalem. Sonntag den 26. Janncr (nachm.): Hoffmanns Erzählungen; abends: Die Zarin (Erstaufführung). Wiener Thcatcrnachrichten. Das Burgthcatcr hat ״Meilensteine" erworben, ein ״Lebensbild" von Bonctt und Knoblauch. Bekanntlich wurde das Lustspiel ״Wie man einen Mann gewinnt" des Amerikaners Vomig zur Aufführung im Burgthcatcr aufgcnommen. Nun wird im Novitätcnkuricr veröffentlicht, auch das Deutsche Volksthcatcr besitze das genannte Stück. — Das Wiener Schauspielhaus hat eine Komödie von Rittners ״Narrcnglanz" angeiiommeii. Ludtvig Biro hat unter dem Titel ״Nokokozclt" ein gesellschaftliches Drama vollendet, dessen Handlung auf einem Wohltätigkeitsbafar beginnt. Tic Uraufführung des Stückes wird im Budapcstcr Ungarischen Theater stattfindcn. H. G. 3r it f dir iftctmmcl [di au. ״Jung Juda", Zeitschrift für unsere Jugend in Prag. Von dieser Zeitschrift ist soeben die erste Nummer des 14. Jahrganges in geschmackvoller Ausstattung erschienen. Eine jüdische Jugend-Zeitschrift, die vierzehn Fahre hindurch erscheint, muß gewiß gut. sein und ihre Vorzüge haben nicht minder einen großen Leserkreis zu besitzen. Und in der Tat ist dieses Blatt ganz besonders dazu geeignet, die Lücke auszufüllcn, die in der jüdischen Jugenderziehung allenthalben fühlbar ist. Wir können cs bestens empfehlen. ״Jung Juda" erscheint alle vierzehn Tage und kostet für ein Jahr 5 K. Die Administration versendet allen jenen, welche die Abonnementsgebühr bezahlen ein hübsches Buch als Bezugs- Prämie gratis ein. Die Schaubühne, 0. Jahrgang. Herausgeber: Liegsried Jakobsohn. Erscheint jeden Donnerstag. Preis vierteljährig 3,ü0, jährlich 12 Mark. Einzelnummer 40 Pfennige. JJricfka|ien. Gesinnungsgenosse. Wir wollen momentan die Art und Weise der Austragung von sögenannten ״Ehrenangelegcnheiten" zwischen Gesinnungsgenosscn im Interesse der Bewegung einer Kritik nicht unterziehen׳, werden aber sobald diese Herren nach deutschnationalcr Sitte, derartige Sachen mit der Klinge anstragen, rücksichtslos dieses schädliche Verhalten sich ״Zionisten" nennender Personen brandmarken. Ein offenes Wort wird am Platze sein. m Spezial-Geschäft in Strumofu. Wirk- Waren. Alleinverkauf von gestrickten Anzügen. Strumpfe, Socken, Handschuhe, Sportartikel @B Brunn, Herrengasse Nn 8- Berthold Herrmann 10. W S S S S