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Jüdische Volksstimme · 1913-01-23 · Heft 4 (23.1.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 4 (23.1.1913)
Date
1913-01-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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ו Nr. 4 ״JLtzische «,kk»Hi»«e.- Seite 3 Gerichtsrede, er verstand es auch, zu ergreifen, zu erschüttern und das alles aus dem Born einer alten Natürlichkeit heraus, die deshalb so lebendig und so überzeugend wirkte, weil sie durchaus den Eindruck, aus der ehrlichsten Ueberzeugung zu entstammen, im Hörer hervorrief. Seine Redvergäbe wurde unterstützt und getragen durch ein stupendes Gedächtnis, das mit unfehlbarer Sicherheit Namen und Jahreszahlen, Gedenktage und Ziffern, Gelesenes und Gehörtes beisammen hielt und immer und überall parat batte.Und neben dem sachlichen Ernst des v:elersahrenen Mannes kam auch ein wahrhaft wohltuender Humor zu seinen Rechten. Dr. Ludwig Bendiener wurde am 4. September 1840 in Prag geboren. Im Jahre 1862 promovierte er, vier Jahre später etablierte er sich als Verteidiger und 1869 als Advokat. Ein Jahr darauf wurde er vom ersten Wahlkörper der Joscfstadt in das Stadtverordnetenkollegium und von da an in den Stadtrat gewählt, dem er bis 1882 angchörte, dem Jahre, in welchem die Deutschen gezwungen waren, auszutreten. Schon vor mehr als vierzig Jahren hatte Dr. Bendiener Gelegenheit, im Stadtverordnetenkollegium für die Versorgung Prags mit gutem Trink- Wasser einzutretcn. Auf dem Programm einer der damaligen Sitzungen stand die Aufnahme einer Anleihe für eine neue Trinkwasserleitung. Dr. Bendiener trat in warmen Worten für das Projekt ein, da das Wasser, das zu jener Zeit in Benutzung stand, gesundheitsschädlich war. Gegen ihn trat Dr. Rieger auf, der die Be- Hauptungen Dr. Bendieners zurückwies. Ter Antrag auf Abschlietzung einer Anleihe für den Bau einer neuen Wasserleitung wurde zwar in der Sitzung angenommen, das -Geld wurde aber für andere Zwecke verwendet. Dr. Bendiener gelangte noch einmal auf dem Wege einer engeren Wahl im ersten Wahlkörper der Altstadt in das Stadtverordnetenkollegium, und alle tschechischeu Versuche, durch allerhand Rekurse einem Deutschen den Eintritt in die Stadtvertretung zu verwehren, erwiesen sich schließlich als vergeblich und Dr. Bendiener gehörte neuerlich voin 29. Dezember 1887 bis 7. Dezember 1888 den! Stadtverordnetenkollegium an. Er war sonach der letzte deutsche Vertreter in der Prager Stadt- Vertretung. 1870 wurde Dr. Bendiener auch in die Repräsentanz der israelitischen Äultusgemcinde gewählt, deren Vizepräsident er mehr als 20 Jahre war. 1887 wurde er nach dein Ableben des Doktor von Wiener in den Landesschulrat berufen, 1902 neuerlich ernannt. Tie Schätzung seiner Verufsgenossen hat sich daran knndgegcben, daß er eine Reihe von Jahren hindurch als Prüfungskommissär und als Kammeranwaltsnbstitut gewählt wurde. Seine hervoragcnde humanitäre Tätigkeit entfaltete er im Vereine für Suppenanstalten und Volksküchen, den er gemeinsam mit Polizeidirektor Cihlarz ins Leben rief und im Fürsorgevcrein für entlassene Sträflinge, an dessen Gründung er mit dem Präsidenten Ritter von Koschin den bedeutendstcn Anteil hatte. Er war seit 1869 Direktor des israelitischen Nächstenliebevercines, den er in seiner über vierzigjährigen Angehörigkeit zu so außerordentlicher Blüte brachte. Die Trauersitzung der Kultusgemeindcrepräsentanz. Sonntag vormittags um halb 12 Uhr hielt die Prager Knltnsgemeinderepräsentanz eine Trauersitzung für ihren verstorbenen Vizepräsideuten Dr. Ludwig Bendiener ab. Der Präsident Tr. Mosenbacher eröffnete die Sitzung, zu der sich sämtliche Mitglieder der Repräsentanz eingesunden hatten, mit einer Ansprache und Ge- Denkrede, die von den anwesenden Herren stehend angchört wurde. Dr. Rosenbacher sagte: ״Hochgeehrte Herren! Ilnscr dienstältestcs und das ist sein geringster Vorzug, unser verdienstvollstes, unser in allen Kreisen der Gemeinde und der Bevölkerung berühmtestes Mitglied ist uns durch einen plötzlichen Tod entrissen worden. Gestern abend, beim Ausgange des heiligen Ruhetages ist er zur ewigen Ruhe eingegangcn, die er sich durch eine rastlose Tätigkeit im Dienste der Gemeinde und der Wohltätigkeit reichlich verdient hat. Meine hochgeehrten Herren: Vor zwei Jahren hatte ich bei einem freudigen Anlaß die Gelegenheit, die Verdienste Bendieners, sein Wesen und seinen Charakter zu schildern. Heute bin ich das nicht imstande. Niedergedrückt durck den, wenn auch nicht unvorhergesehenen Unglücksfall von gestern kann und konnte ich meine Gedanken in dieser Richtung nicht sammeln. Es ist dies auch nicht nötig. Stile Anwesenden haben Dr. Bendiener gekannt, haben ihn hochgeachtet, alle sind sie überzeugt, daß wir einen größeren Verlust als diesen nicht erleiden konnten. Wenn es nach meiner Meinung ginge, würde ich die nächsten Tage in stiller Trauer und wehmütigem Gedenken an den teuern Freund, der 63 Jahre im Leben mit mir verbunden war, hintrauern, aber die Pflicht erheischt, daß wir über die Ehrungen beraten, die wir dein Mamie bereiten sollen, der uns so lange Jahre hindurch zur Zierde gereicht hat." An diese Rede schloß sich eine längere Debatte über die Leichenfeier!ichkeiten. Es tourde beschlossen, daß das Leichenbegängnis aus dem Festsaale des Rathauses stattfinden solle. Die Erwägungen einer Trauerrede des Gemeinde- Präsidenten und des Oberrelbbiners mußten fallen gelassen werden, da sich Dr. Bendiener lebtwillig solche Reden verbeten hat. Dafür findet Donnerstag um 6 Uhr abends im Festsaale, des jüdischen Rathauses eine Gedächtnisfeier statt, bei der die offiziellen Reden gehalten werden. Nach diesen Beratungen wurde die Sitzung zum Zeichen der Trauer geschlossen. Tie Leichenfeier. Eine Leichenfeier, wie sie Prag seit vielen Jahren nicht gesehen hat, ward Dienstag nachmittags zur letzten Ehrung des verblichenen Tr. Ludwig Bendiener veranstaltet. Alles, was im öffentlichen Leben wirkt, was Namen und Ansehen hat, die landesfürsilichen Behörden mit dem Statthalter Fürsten Thun an der Spitze, Vertreter der Landcsämter, des Magistrats der Stadt Prag mit dem Bürgermeister Tr. Grosch, die Vertreter des Handels und der Industrie und fast sämtliche Advokaten Prags gaben dem Verblichenen das letzte Geleite. Und der Weg den der imposante Leichenzug nahm, war von Tausenden von Menschen umsäumt, die alle dem stadtbekannten Menschenfreund die letzte Ehre erweisen wollten. Vor dem jüdischen Rathause in der Meiselgasse, von dem aus die Leichenfeier veranstaltet wurde, stauten sich schon lange vor halb 3 Uhr Hunderte und Aberhunderte von Leidtragenden. Das Rathausportal war mit einein mächtigen Trauerbaldachin umkleidet, der große Rathanssaal schwarz dekoriert. Schwere Stoije verkleideten das Grauweiß der Wände. Kurz vor halb drei Uhr wurde der einfache Holzsarg, der die sterbliche Hülle Ludwig Bendienert׳ barg, aus der Zeremonienhalle der isr. Beerdigungsbrüderschast von Mitgliedern der Kultnsgemeinderepräsentanz in das jüdische Rat- Haus getragen. Ta Tr. Bendiener sich in seiner lctziivitligcn Anordnung Reden an seinen: Sarge verbeten hatte, so unterblieben die offiziellen Leichenreden. In einem tiefempfundenen Gebete nahm Oberrabbiner Dr. Brody Abschied von dein Verblichenen, indem er, ausgehend von einem Worte des Psalmisten, der großen Tugenden des Verstorbenen gedachte. Unter Absingung von Trauerpsalmen durch den Tempelchor wurde der Sarg in den vor dein Rathause bercitstehenden Leichenwagen getragen und der Zug bewegte sich nun durch die Niklasgasse über den Altstüdter Ring auf den Straschniher Fried- Hof, wo die Beisetzung erfolgte. Im Nathaussaale hatten sich zur Leichenfeier eingefunden: Statthalter Fürst Thun, Obcrlandesgerichtspräsident Baron Tr. Wessely, Senatspräsident Tr. Rienisch, Oberslaatanwalt Ritter v. Merhaut, ^Weihbischof Dr. Frind, Statthalterei-Vizeprüsident Tr. Ritter v. Herget, Vizepräsident der Finanzlandesdirektion Tr. Ritter v. Tersch. Handelsgerichtsprüsident Tr. Ritter v. Koschin mit dem Vizepräsidenten Dr. Jsak, Polizeipräsident Krzikava, der Vizepräsidcnt des Landesgerichtes Tvorzak, Obersraatsanwalt Dr. Sandmann, Hofrat Bauer v. Stattheim, Hofrat Kasalicky, Hofrat Unger, Oberfinanzrat Dr. Koscherak, Statthaltereirat Präsidialchef Baron Braun, die Oberlandesgerichtsräte Tr. Baukal, Lauterer und Stümmer, Statthaltereirat Widimsky, die Hofräte i. P. Olicz und Lode, Polizeirat Lichtenstern, Bezirkshauptmann Baron Prochaska, der Präsident der Advokatenkammer Dr. F. Kaufmann, die Landtagsabgeordncten Dr. Kiemann und Edler v. Sobitschka und Landesausschußbeisitzer Prof Tr. Werunsky, Generalrat Oberfinanzrat Petschek und Oberdirektor der Böhmischen Sparkassa Tr. Klaudy; in Vertretung der Stadt Prag: Bürgermeister Tr. Grosch mit den Stadträten Kasalicky, Kais. Rat Schick und Dr. Scharf, Magistratsrat Boruvka; Oberravbiner Tr. Brody, die Rabbiner Abeles, Prof. Tr. Deutsch, Prof. Tr. Grün, Prof. Dr. Kisch, Tr. Klov, Knöpfel macher, Tr. Thieberger und der Rabbiner der Tempelgemeinde Tr. Schwarz: für den israel. Nächstenliebeverein und das Marienbader Hospital Sekretär Tr. Moscheles und verr Ten- Hof, zahlreiche Deputationen auswärtiger Kltusgemeinden, darunter Herr Moritz Kohn für die Kultusgemeinde Mirowitz, für das jüdische Museum Prof. Tr. Lieben, Magistrarsrat Stein, Brückner, für die Armenkommission die Herren Lieben, Liebers. Walditeiu, Vertreter der israel. Spitalskommission, des deutschen Turnvereines, Afike Jehuda, die Beerdigungsbrüderschaft kor porativ, sowie eine tinübersehbare Zahl von Trauergüsten. In der Sitzung der tschechischen Sektion des Landesschulrates widmete der Vorsitzende Hör rat Goll dem verstorbenen Mitgliede Tr. Ludwig Bendiener einen ehrenden Nachruf, der von den Anwesenden flehend angehört wurde. Tie P. T. Mitarbeiter werden ersucht, die ״Eingefenöet" ganz kurz zu halten. Zionismus nach Herzl. Ttgla», Iti. zäunet- INI.'!. Vereheliche :Hciuiftiim! Situtareuto h'eunölieh. in 'j!r. ghre-S at'tli. Platte» eilte sehr lievenstvürdig abgesagte »t-rrespoa denz über meinen am 7. d. M. in Prag gebaNeiien Vortrag zn veröffentlichen, ftltr Herr ,gorrespoudtnl bat meinen Nirdaakeagaag getreu wit'derzagt'beii gesucht, soweit dies eben in Stürze möglich ivnr, ich gestatte mir datier nicht etiva eine .\uitif, wen» ich einige-:- dazu vorbringe, geh habe natürlich nicht vom eliigvlavrajekt, sondern von Brilisch-Hiiafrika, salichtich Uganda genannt. gesprochen. Tas; die '.'lnglo-Palesiine a'oinp. ihr triilstehe» Wolsssohn verdankt, dag Bezalel and Valn uinaaint, erst unter Warbneg entstanden sind, da-S sind Ungenauigkeiteii, die jedeniatls durch die ׳tiirze des Berichte-S entiianden. Mir lag daran, die gerade z-ortent Wicklung des zionistischen t'iedaakeas von trüber tiev über Herz! n״d Wolsssolni zt! Wartnteg aaizazeigen. :Tas; wohl an den Methoden tnid ,z-vrineii nicht abee an den tzlrttndgedanken - - trrlösnng des Landes durch das Volk, Vationalisierang der gndenbeil. crclösnng des Volkes durch sein Land — eine Ülenderung, die eben die Ciitwicklung darstellt, ilaitgesaiiden bat, Tec-balb ve gaiin ich absichtlich meinen Vortrag mit drr irnoiih־ naiig der Vita and Lliovewe :'ioa, die un Citen, and mit der Hervvrbe bang der ersten Wiener jüdischen Sit!- dentenvrrbindllug ״yadimah", die ini Weilen den Boden für die nationalen tzlroiztaten Herzl-S vocdereitete». dein Aachweiö der Uontinuilät, an drvt :!,ackiioeis des organischen WachStaias des gionismuc-, das ein vsseakundiger Beweis seiner noNvendigen trntivicklnng and seines endlichen Sieges ür. daran lvar mir gelegen, Teshalb hat ghr Herr Sturrrfpoiibent daraas mit :Üed't Hingelviesen. das׳, ich von ,.Wandtangea" sprach and de» zionismils nach Herzt ebne Herzl nnü seine Voelüttfer, also quasi als eia deioaderes, schönes Aovnm nicht nnsznsassen vermag. Lindem ich ghiien für die Veröskemlichung dieses Aachtrages und zbrem Herrn ,gorrtipondenten f•ir srinen sreuiidllche» Bericht danke, zeichne ich hochachningsvoll mit .׳zionSgrns׳, Dr, W e r u e r, zglan. - Hochgeehrter Herr Aedakieur! triner meiner ,z-rennde iraate niich nn, die Srtlärnng der Ennnologie des Wortes •;■•׳״ , die ein ,.Eingesendel" in ghrevt sehr geschnitten Blatte ersahren möchte, gch erlaube mir darauf aannerk'am machen, das; das Wort ־־■־”' im?alinud ״Mi&uidiiii" t:;, vorkommt und dort ,.eine lebe ,;»samnieiivaareu" oedeutet. Tie Worte vrkagen Vaselvi!: zemano re der einem Weibe zu und dieses gibt ׳eine EltNvtlUgung zur tobe mit ihm. TaS Wort selbst bangt ivobl mit dem Tba>t>ch׳tb-n oder -Tan. l, lä> gtsainnie»: ״ätl> Mühe geben, etivas zu beivirken.^ TaS österreichische (Üesep anerkenut eine Ver,n!:1 ltlugsgebühr für eine zusammeugebraehle trlic uieh!. Mit Hochachltlng ergebenst Te. Bt. k:>r>>! keld.

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