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Jüdische Volksstimme · 1913-01-16 · Heft 3 (16.1.1913) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 3 (16.1.1913)
Date
1913-01-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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״Jüdische BoHSstimure." Seite 5. Nr. 3. Eine neue Synagoge in Tunis. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Tunis hat eine Konkurrenz für die Baupläne einer neuen, grosten Synagoge ausgeschrieben. Ter neue Teinpol soll ein Prachtwerk inoderner Teiilpelbarrkunst werden und wird aus dein Stiftungskapitale errichtet, welches der vor zwei Jahren verstorbene Finanzier und Philantrop Osiris in Paris für diesen Zweck testamentarisch vermacht hat. Ter Tcnpel wird sich auf einem der schönsten Plätze von Tunis, auf den! Garibaldiplatz, erheben und eine Sehenswürdigkeit der Stadt werden, würdig der großen Judcngemeinde, welche ein Drittel der Bevölkerung von Tunis ausmacht. Hoftat Professor Dr. David Heinrich v. Müller. Ein Gedenkblatt.*) Von Rabb. Dr. M. Rosenmann, M.-Schönberg. Die Nachrufe in den Tageszeitungen und periodischen Schriften haben bereits der Welt verkündet, welchen großen Verlust die Wissenschaft durch den Heinigang dieses hervorragenden Forschers und Gelehrten erlitten hat. Ich möchte nun, indem ich meinem unvergeßlichen Lehrer ein Gedcnkblatt widme, nicht bloß auf dessen wissenschaftliche Tätigkeit, sondern auch auf seineu Werdegang einiges Licht werfen. David Heinrich Müller hat am 0. Juli 18-16 in Buczacz (Galizien) das Licht der Welt erblickt. Diese alte, mit ihnen noch aus der Zeit der Türkcnkriege hochragenden Schloßruinen in der fruchtbaren Podolienebene gelegene Stadt gehörte zu jenen Mittelpunkten jüdischen Lebens, wo das eifrige Thorastudium eine Pflanz- und Pflegestätte gefunden hat. Hier wirkten bedeutende Rabbiner, darunter der viel gefeierte R. Abraham David T'umim, Verfasser der halachischcn Werke דעת קדויט־ם und אשל אברהם Auch an Maskilim (Intellektuellen) alten Schlages war Buczacz schon in früheren Zeiten nicht arm. Diese Männer besaßen gediegene Kenntniste nicht bloß im biblischen und talmudischen, sondern׳ auch im späthcbräischen, vorzüglich religionsphilosophischen Schrifttum. Jbn Esra, More Nebuchim und der homiletisch Philosoph!- Baal Akeda waren ihre Lieblingslektüre. Aber auch Werke wie die Tel Medigos und Asarja de Rossis, aus denn man mathematische und archäologische Kenntnisse schöpfte waren keine Seltenheiten in der bescheidenen Hausbibliothek eines Maskol. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß hier. R. Pinchas Elia aus Wilna im Jahre 17!)0 sein ־ הב־יתsc, eine Art hebr. Enzyklopädie über die damalige Chemie, Physik, Anatomie, Astronomie, Geographie usw. schrieb (siehe dessen Einleitung). Dieses Werk wurde selbst im damaligen, bereits aufgeklärten Berlin als respektable Leistung gepriesen (siehe dessen zweite Einleitung) und anfangs irrtümlicherweise dem berühmten Wilnaer Gaon R. Elia zugeschrieben. Erfreulicherweise genoß auch hier das methodische und gründliche Bibellernen im Vereine mit hebr. Grammatik eine sorgfältige Pflege, die gewiß bei so manchem Sinn uitd Interesse für Philologie zu wecken imstande war. So hatte ich in meiner Jugend noch das Vergnügen, den damals bereits hochbetagten Greis R. Wolf Pohorille zu kennen, der Hausmann von Beruf, ein immenses jüdisches Wissen besaß, mehrere Werke gramatischen, exegetischen, philosophischen, talmudischen, halachischen, ja mich kabbalistischen Inhalts verfaßte und dabei ein ausgezeichneter Kenner der arabischen und syrischen Sprache war. Er stand auch mit einigen Orientalisten in brieflichem Verkehr. Jtr dieser geistigen Atmosphäre wuchs Tav. Heinrich Müller heran. Er wurde nach allgemeinein Brauche schon früh in die Kenntnis des Hebräischen und des Talmuds eingesührt, worin er vermöge seiner bedeutenden Geistesgaben große Fortschritte machte. Von dem Cheder kam er ins Beth Hamidrasch, die Stätte selbständigen Lernens. Der Talmud war seit jeher eine der ergiebigsten Bildungsstätten für jeden Juden, der Geist^und Herz entwickelte und seinen Jüngern die Fähigkeit des exakten, wissenschaftlichen Denkens und geistiger Selbständigkeit verlieh. Das Studium des Talmuds uitd seiner Literatnr entwickelte auch beim jungen Müller den das .kleinste analysierenden Scharfsinn, der dann sei¬ *) Wegen Raummangel verspätet. nen Werken den Stempel aufgedrückt. Aber auch, die hebräische Haskala-Literatur zog ihn mäch-' tig an. Besonders waren es die auf dem Gebiete der jüdischen Geschichts- und Altertumsforschung bahnbrechenden Arbeiten von Krochmal, Rapoport und Zunz, die auf die wißbegierige Jugend zündend wirkten. Tie Begabten von ungestümem Wissensdrang beseelt, verließen zumeist die Heimat, um die moderne Bildung ungestört in sickst aufzunehmen. Ihre 'Namen tauchten dann hie und da aus literarischem oder politischem Gebiete glänzend auf. David H. Müller war eine jener lichtwendigen, hinaufstrebenden Naturen. Er sollte den Beruf seines Paters, der ein achtbarer Hausmann war, wählen. Allein sein unbezwingbarer Wissenstrieb sagte ihm, daß er dazu nicht tauge. Er hatte bereits das 20. Jahr zurückgelegt, als er nach schweren Kämpfen den festen Entschluß faßte, der Heimat Valet zu sagen und in der weiten Fremde sich auf die Studierbank zu setzen. Mit der dem jüdischen Naturell eigentümlichen Verve, warf er sich auf die Erleruuuug der Mittelschulgegenstände, um rasch die Reife- Prüfung zu machen. Im Jahre 1867 kam er zuerst nach Breslau, um sich unter der Leitung Frankels zum Rabbiner heranzubilden. Hier lernte er den damals kaum löjähriger, aber vielversprechenden David Kaufmann, nachmaligen Geschichtsforscher am Budapester Rabbinerseminar, kennen, mit dem ihn eine dauernde, innige Freundschaft verknüpfte. Tiefer verdankeil wir der von ihnen im Jahre 1808 erfolgten gemeinschaftlichen Herausgabe der kulturhistorisch berühmteu ״Haggadah von Serajewo". Nach kurzem Aufenthalt in Breslau erkannte Müller, daß er für den Rabbinerstand nicht geschaffen sei. Es war nicht gerade die äußere Erscheinung, die ihm im Wege stand, denn er war von kräftiger, untersetzter, guter Mittelgestalt. Auch war er mit rabbinischem Wissen ausgestattet. Allein es fehlte ihm die Fähigkeit zu irgend welcher Posierung, wie es zum Wesen des modernen Predigers gehörte. So gab er denn seinen Plan auf und ging nach Wien. Ties war ein wichtiger Wendepunkt in seinem Leben. Hier bezog er 1860 die Universität, trieb anfangs historische und gerinanische, dann ausschließlich orientalische Studien, die er 1878—7.1 an den Universitäten Leipzig und Straßburg fortsevte. 187.7 kebrte er nach Wien zurück und wurde zum Doktor der Philosophie promoviert. Von früher Jugend mit dem Hebräischen und Aramäischen innig vertrat, vermochte er es durch außerordentliche Begabung und Hingebung während dieser Hochschul,zeit so weit in der Kenntnis der semitischen Sprachen insbesondere der arabischen Literatur zu bringen, daß er bald darauf 1876 auf (8111110־, seiner wissenschaftlichen Leistungen die Dozentur! und fünf Jahre später, während dessen er Studienreisen nach London, Paris und Konstant!- nopel machte, den Rang eines außerordentlichen Professors erlangte. Ich erinnere mich, wie er einmal halb scherzhaft, halb ernst die Bemerkung machte, er habe als Jude das Glück gehabt, bei seinen Ernennungen nicht nach seiner Konfession, sondern wissenschaftlichen Fähtigkeit berücksichtigt worden zu sein. Im Jahre 1887 wurde er zum ordentlichen Professor für semitische Sprachen und 1880 zim ordentlichen Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien ernannt. Ileberblicken wir zunächst kurz sein literarisches Schaffen aus dieser ersten Periode. Schon im Jahre 1871 führte er sich durch eine noch heute wertvolle ausführliche Rezension der Buberschen P'sikta-Ausgabe kvgl. Haschachar, B. 2, S. 887 ff-') auf das vorteilhafteste in die wissenschaftliche Welt ein. Die Besprechung dieser Arbeit bot ihm die Handhabe, seine eigenen Ansichten über den Gegenstand zu entwickeln, wobei sein reiches Wissen, Beherrschung des Stoffes, wissenschaftliche Behandlung und ein nicht unbedeutendes Stiltalent.klar zutage trat. Es folgien dann noch einige hebräische Aufsätze. Allein seine Hauptarbeiten bewegten sich vorzüglich auf dein Gebiete der arabischen Philologie, erstreckten sich dann auf nahezu die gesamte semitische Epigraphik und sind auch viel der Sprach- Vergleichung gewidmet. Er veröffentlichte unter anderem ausführliche ״Studien über Südarabien" (1877), ״Bericht über die Ergebnisse einer Reise nach Konstantinopel" (1878), ״Die Burgen und Schlösser Südarabiens" (2 Bde. 1870—,81), ״Sabäische Denkmäler" (1888), ״Palmyrenische Grabschriften" (1887), ״Epigraphische Tenkmäler aus Arabien" (1880). (Schluß folgt.) Diskonto-äesellschaft bei der Nordösterreichischen Bank' für Industrie, Handel and Landwirtschaft, regist• rierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung in Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Banfegeschäfte, hauptsächlich auch für den ע Eskompt offener Buchfarderungen | unter den ailergünstigsten Bedingungen. Wiener Nachrichten Aus dem Wiener Nultusvorstand. sonntag den 5 &. fand die konstituierende sipung des Ziulinsrates Natt. Tabei wurde das bisherige Präsidium mit allen stimmen gegen die 2 stimme» der zionistischen Parstandsmitglieder wiedergewählt, und zwar Tr. Rlired stern zum Präses. Tr. Gustav Siofm zum t. PizepräieS und Jöofrat Tr. Benjamin Rapaport zum PizepräieS. Gleich in der ersten sitzung kam cs bereits zu RuSeinandersetzungen zwischen der Majorität und der Lppasitian. Rotes Mofchkojudentum. An der sivnng des RbgeardneinekauseS vam 17. Dezember 1912 nalun auch Rbg. Lieberinann das Wort, seinen Rnssührnngen ent nehmen wir folgende bezeichnende stelle: .,Tie nachlern fl e nnd kühl it e 21 b w ä g n n g ihrer nationalen Interessen gebietet den polnischen Sozialdemokraten, in einem rnssifchen Rngrissskriege ihre ganze straft Literreich als ihren natürlicken BnndeSgenoffen znznwenden. solange es polnische Sozialdemokraten gibt, »vird der :>inf nach einem freien vereinten Polen nicht verüum inen; er wird immer mächtiger ertönen tind das Bewußtsein, das; ihre sache eine gerechte ist, gibt ihnen die Gewähr, das; der heiße Wunsch der ganzen Ration in Erfüllung gehen wird. Tie polnischen sozialdemotraten treten hocherhobenen .Hauptes als Polen nnd Zozialdemokraten in die Bewegung." schließlich erklärt er, daß ״die polnischen Sozialdemokraten ihre Partei zur Bannerträgerin der Unabhängigkeit Polens machen." Tazn ist zu bemerken, das; Rbg. Liebermann! Zn de ist, der polnisch-sozialdemokratischen Zraklion angehört nnd bei den lebten Reichsratswahlen als Ztoin- Promißkandidat der polnisch-sozialdemokratischen und jüdisch-sozialdemokratischen Partei kandidiert hat. sonderbar ist nur. daß nicht einmal Taczunski solch Hobe nationale Töne anschlügt, wie dieser neueste Ultrannd ^-Hppernationalist in den Reihen der ״Internationale". Und lvas sagen wohl die ״Pereinigten jüdisch-sozial!- Nischen Parteien", die diesem roten Moschko zur Wahl I verholseu, zu diesem ihrem Pertreter, dessen ״nüchternste nnd kühlste?lbwäzuug" solche Gedankenmon streu zeitigt und lvas denkt Ivohl -Herr Lieberinann selbst über diese Worte in einem Anfälle, dein der Superlativ von ״nüchtern" nnd ״kühl" fehlt? Muß Herr Liebermailii seine alles eher denn polnische Rase ivirklich überall hiustecken'k Wien.?1 in s. d. hielt der ״Misrachi" in Wien seine erste öffentliche Persamnilung ab, welche einen vollen Erfolg für den erst vor kurzem gegründeten Perein zeitigte. Por einem sehr großen Tanicnnnd Herren Publikum hielt der Referent Pereinsobmann Z. Rnner lil; einen Rückblick auf die vorzioniilische;{eit, aus die Entstehung und bisherige Wirksamkeit des;sionismvs, aus dessen Erfolge, um sodann ans den Misrachi und dessen Tätigkeit überzugeheii. Er kam zur schlnßsolge rung, daß für alle denkenden und für das eigene Polksivohl begeisterten Zuden sich die Rotivendigkeit des ,Zusammcilschlusses im ,ßionisinnS ergibt nnd daß daher alle thoratrenen Elemente nnd alle diejenigen, die Tradition nnd jüdische sille in der breitesten jüdischen Menge erhalten sehen wolle», dem Misrachi beilreten müssen. Einstimmiger Beifall lohnte dem Reserenten und auch die an der Tebatlc sich beteiligende» Herren sing. Lüivcnbein» Lektor Landtmaiin, schivertnnger, Lebowilsch ans Budapest und biabbiner Goldüein, ivelcbe alle für den Misrachi einiraten, fanden vielen Beifall,?!ach nahezu dreinstündiger Tauer schloß der Porünende die Persammlung mit der?lnssviderling znm zahlreichen Beitritt und kräftiger finanzieller Beihilfe nnd mit dem Appell, insbesondere an Tranen nnd Mädchen, für die weiteste Berbrritung deS Misrachi energischesl zu wirken .Ter junge Perein zählt bereits 910 Milgl jeder, der beste Beweis für Las Erfordernis des Mis rachi in Wien.!Tie Bildung von ErtSgruppen auch in anderen Städten Westösterreichs hätte gewiß auch vollen Erfolg und mögen sich Interessenten diesbezüglich an den ״Misrachi", Wien, 2. Bez., ßirknsgasse ■20,!venden.

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