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Jüdische Volksstimme · 1913-01-16 · Heft 3 (16.1.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 3 (16.1.1913)
Date
1913-01-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. ״Jüdische Volksstimme". Nr. 3. zum jüdischen Volke zu betonen, was ja auch ein Grund. Prinzip der zionistischen Lehre ist, zugleich aber den Beweis liefert, daß auch der Wille zur Erhaltung des jüdischen Volktcs latent im ganzen jüdischen Volkskörper vorhanden ist und nicht wie Böhm meint, nur thcokratischen Erwägungen entspringt. Ist cs nicht merkwürdig, daß dieser Brauch bei allen Juden am Erdenrund, unter welchen Völkern und Rassen sie auch immer leben mögen, und bei aller affimilatorischen Gesinnung doch allerorts mitgcmacht wird? Wenn dann ein Führer mit geradezu elementarer Kraft der Ueberzeugung den Juden predigt, ihre Zugehörigkeit zum Volke immer und ostentativ zu dokumentieren, sich im Tun und Las sen nur vom Willen zur Erhaltung ihres Volkes leiten zu lasten, dann aber ein solcher Führer selbst es verschmäht, seinen eigenen Sohn mit jenem Bande an das jüdische Volk zu kitten, welches bei allen Juden der Welt das vornehmste Merkmal der Zugehörigkeit zum jüdischen Volke bedeutet; dann müssen die anderen glauden, daß etwas nicht stimmen kann in dieser Bewegung und dieser Führer hat der zionistischen Sache mehr geschadet, als seine gediegenen Werke Segen brachten. Nebenbei bemerkt, ist dieser Brauch sicher nicht so barbarisch, als beispielsweise das Impfen, welches dem Kinde auch Schmerzen verursacht und dabei oft Blattcrn und Fiebererschcinungcn im Gefolge hat, und wclchcr Jude lehnt sich gegen das Impfen auf? Die Beschneidung aber wird als sanitäre Maßregel in manchen Gegenden auch von Christen geübt. Darum wird eine solche Unterlassung bei einem Führer von allen Juden als ein Fauftschlag ins Gesicht empfunden. Wenn Böhm behauptet, daß dies eine private Angelegenheit ist, so erinnert mich dies an die bekannte Anekdote: ״Ja, wenn Sie nicht der Meier sind» dann geht Sic auch die erhaltenc Ohrfeige nichts an." Und nun komme ich wieder auf das religiöse Problem im Zionismus und da bin ich der Meinung, daß mit der Verwirklichung der zionistischen Idee auch diese Frage von selbst seine Lösung finden wird, daß den neuen Lebensformen entsprechend, sich auch der Kult an das nationale Emvfinden eng anschlicßen wird; sehen wir ja jetzt schon die Ansätze in den palästinensischen Kolonien, wo Sabbath- Heiligung und vieles andere ohne Chassidismus oder übertriebene Orthodoxie aufkommcn zu lassen, sclbstvcrstündliches Bedürfnis und Gemeingut aller Gemeinde- Mitglieder geworden ist, deshalb muß also das nationale Empfinden noch nicht vor Khillcgcist verdrängt werden. Es wäre daher müssig, jetzt schon unsere schwachen Kräfte an der Lösung des religiösen Problems zu zersplittern, überdies sage ich mit Böhm, daß wir unser nationales Denken und Empfinden nicht mit religiösen Dingen verquicken sollen. Sicher ist, daß der Zionismus dort, wo religiöses Empfinden schon ganz verloren war, zumindest wohlwollendes Verständnis und Achtung vor dem religiösen Empfinden der anderen bcwirkt hat, und darum ist auch jener von Böhm zitierte Führer, der bedauert, nicht religiös sein zu können, keine vereinzelte Erscheinung im Zionismus, und dieses ist auch gut so. denn im Zionismus muß Platz für alle Juden sein, weil man ohne Juden keinen Zionismus braucht und deshalb glauben wir ja auch uncrschüttcrlich, daß der Zionismus die einzig mögliche Plattform darstcllt, ^ruf welcher allein eine Einigung aller Schalticrungcn im Judcntumc möglich wäre. Auch der Pcssi mismus Böhms ist nicht berechtigt, denn die zionistische Idee gewinnt täglich mehr Terrain im nationalen Empfindcn aller Juden, vielmehr als das immerhin auch stetige Anwachsen des Nationalfondcs vermuten läßt wie jeder aufmerksame Beobachter jüdischen Lebens täglich bemerken kann. So revolutionierend auch die zionistische Idee ist, so liegt ihr doch naturgemäß das Bestreben und die Kraft inne, alle Juden, welche Kultur immer sic auch angenommen haben mögen, etwas zugcben, sic liebevoll aufzunehmcn und sin der inneren Freiheit cntgegcnzuführcn. Deshalb ist cs auch eine ethische Pflicht der Führer, alle Empfindlichkeiten zu schonen, denn nur für die Juden und mit den Juden kann der Zionismus bestehen. 1. Woher rührt das Wort שדכך" her? In den meisten hebräischen Wörterbüchern wird dieses Wort nicht angeführt, auch kommt cs meines Wissens weder im Talmud, noch in den älteren hebräischen Literaturwerken vor, und doch klingt dieses Wort hebräisch? 2. Ob ״an nach jüdischem Rechte und Gesetze für das Zustandcbringen einer Ehevcrbindung zwischen Mann und Weib eine Gebür (שדכנות ■' beanspruchen kann? Indem ich Ihnen für die Veröffentlichung dieser Fragen bestens danke, zeichne ich hochachtend Dr. H. S. ilu1ul|chü11. Sehr geehrter Herr Redakteur! Sie haben sich durch die in letzterer Zeit in Ihrem geschätzten Blatte zur Diskussion gestellten Fragen über verschiedene jüdische Sitten und Einrichtungen sicherlich ein großes Verdienst um Verbreitung jüdischen Wissens unter Ihren Lesern erworben. Gestatten Sic nun auch mir in Ihrem geschätzten Blatte zwei derartige Frage aufzuwcrfcn; vielleicht bringen wir Ihre gelehrten Leser auf die gewünschte Aufklärung und ich werde Ihnen hierfür viel Dank wissen. Die ״Neue Freie Presse" unter dem Strich. Unter dem Titel: ״Wie nian aus einem halben Feste ein ganzes machen könnte" bringt die ״Neue Freie Presse" vom 8. d. ein Feuilleton von Otto Ernst. Der übrige Inhalt des Feuilletons hat für mich kein Interesse, aber ein Satz aus demselben verdient hcrvorgehoben zu werden. Die Stelle lautet: ״Daß eine Versah nung mit Gott eigentlich eine vorhergegangene Versöhnung mit den Menschen voraussetzt, das ist den meisten Menschen, ob Jude oder Christ, noch nicht zum Bewußtsein gekommen." Jnsofern dieser Satz sich auf die Juden bezieht, steht er in denkbar krassestem Widerspruche mit den Tatsachen. Jedes jüdische Kind — und wenn es in religiöser Hinsicht noch so wenig gelehrt ist, weiß, daß die Versöhnung mit Gott hinsichtlich des an den Mitmenschen begangenen Unrechtes nur dann gedacht werden kann, wenn das Unrecht gutgemacht ist. Aus dieser, in alle Schichten des jüdischen Volkes schon vor Jahrtausenden gedrungenen Ueberzeugung hat sich die Sitte entwickelt, vor dem Versöhnungstage womöglich alle Rechnnn gen zu begleichen, Schulden zu bezahlen und sich gegenseitig wegen aller etwaigen Beleidigungen und wegen jedes etwa zugcfügten Unrechtes um Verzeihung zu bitten und dieselbe gegenseitig zu gewähren. . Diese gegenseitige Versöhnung ist vielleicht nicht immer ganz ernst und vorbehaltlos gemeint, daher hat der Volkswitz ein Sprichwort daraus gemünzt. Mechiloh. bis nach N'iloh, d. h. ungefähr so viel wie ״Ewiger Friede auf ungeführ 24 Stunden." Trotzdem ist es eine unleugbare Tatsache, daß das Bewußtsein von der Notwendigkeit einer Versöhnung der Menschen als Vorbedingung der Versöhnung mit Gott feit undenklichen Zeiten jedem einzelnen Juden in Fleisch und Blut übergegangen ist. Es wäre ein Erfordernis des primitivsten Ncchtsgcfühlcs, daß die ״Neue Freie Presse" eine Richtigstellung jener mit so viel Selbstsicherheit vorgebrachtcn Verleumdung der Juden vornähme. Kommers zu Ehren des Professors Tr. Sternberg anläßlich seiner Promotion sub auspiciis Jmpcratorcs. Aus Czernowitz wird uns berichtet: Ter jüdischnational-akad. Verein ״Emunah" veranstaltete zu Ehren feines A. H. Prof. Tr. Stcrnbcrg anläßlich seiner Promotion sub auspiciis Jmpcratoris einen Kommers im Hotel Central. Nachdem der Präses jur. Ludwig Chaies den Kommers eröffnetc und die Vertreter der akademischen Verbindungen Hebronia, Jordania (Wien) und Zcphira (Wien) begrüßte, teilte er mit, daß der Verein beschlossen habe, Tr. Sternberg anläßlich seiner Promotion in das Goldene Buch des jüdischen Nationalfonds cinzntragcn. Hierauf beglückwünschte Bb. Phil. P. Schajcr Dr. Sternbcrg zu dieser allerhöchsten und so seltencn Auszeichnung in einer grotzangelegten Rede im Namen der Aktivitas und A. H. Prof. Dr. Menscher im Namen des A. H. A. H.-Ncrbandes. Auch die Vertreter der Korporationen feierten in schwungvollen Worten den jungen Doktor, der es sich nicht nehmen ließ, den zahlreich erschienen Gästen seinen herzlichsten Dank auszusprechen, in dem er auch hervorhob, er werde sich die größte Mühe geben, der Eintragung ins goldene Buch sich würdig zu erweisen. Die Feier nahm einen sehr animierten Verlauf, wozu nicht wenig die lustigen Studentenlieder, die aus feuchtfröhlichen Kehlen erschollen, beitrugen. Zu erwähnen wäre noch, daß der Verein ״Emunah" anläßlich dieser so hohen und seltenen Auszeichnung seines Mitgliedes von vielen Verbindungen, wie Zephira (Wien), Emunah (Leinberg), Robur (Wien) usw. und von vielen hervorragenden Gesinnungsgenossen, wie dem Präsidenten des Zentralkomitees der galizischen Zionisten A. Stand Glücktvunschschreiben erhielt. Erst die Mitternachtsstunde machte der schönen Feier ein Ende, welche allen Teilnehmern einen angenehmen Eindruck hinterließ. L. CH. Eine neue gesetzliche Beschränkung der Einwanderung nach Nordamerika. Nachdem die Regierung 'der Vereinigten Staaten jüngst durch das Kompromiß bezüglich des Handesvertrages mit Rußland eine Maßregcl ergrifen hat, unter der die amerikanischen Juden zu leiden haben, hat der Kongreß durch die Annahme der Burnctt-Bill einen weiteren Schritt getan, der für die jüdischen Volksmassen nachteilige Folgen haben wird. Die Burnett-Vorlage war an die Stelle der Willingham-Bill gesetzt worden, welche nicht allein Analphabeten, sondern auch Personen, die in ihrem Herkunftslande in politischer Hinsicht verdächtig erscheinen, von der Landung ausschloß. Die nunmehr angenonunene Burnett-Bill enthält u. a. die Bestimmung, daß der über 16 Jahre alte Einwanderer vor der Zulassung seine Fähigkeit, zu lesen, Nachweisen muß. Wenn man sich die Einwanderungsstatistik des vorigen Iahres ansieht, so ergibt sich, daß unter den 182.273 zugelassenen Analphabeten 16.757 Juden waren, eine Zahl, die noch viel größer wird, wenn man die (in der Statistik nicht mitgerechneten) Frauen und Kinder dieser Einwanderer hinzuzählt. Aus Einwanderer, die ihrer Religion wegen in ihrer Heimat verfolgt wurden, findet die Vorschrift zwar keine Anwendung,, doch ist diese Klausel außerordentlich dehnbar ünd für die Praxis fast bedeutungslos. Eine Möglichkeit ist allerdings noch vorhanden, daß Präsident Taft von seinem Vetorecht gegenüber der Bill Gebrauch macht. Es herrscht hier veilfach die Ansicht, daß das ganze Gesetz überhaupt nur gegen die Ein- Wanderung von Juden (und Italienern) gerichtet und demnach geradezu als Ausdruck einer judenfeindlichen Stimmung des Nepräsentan-. tcnhauses anzusehen ist. Nitualmordhetze in einer österr. Volksschule. In der Prager Josefstädter Volksschule, einer interkonfessionellen Anstalt mit jüdischer Schülcrmajorität und jüdischem Direktor, hat der katholische Katechet zu Weihnachten ein Büchlein an die christlichen Schüler verteilt: ein Bändchen der Kinderbibliothek ״Nimm und lies" (Nr. 35 der ersten Serie ״Tiroler Bildchen" von A. Alfa, Verlag Eberle und Nickenbach, Einsiedeln). Gleich die erste Geschichte, dieses Büchlcins erzählt in den grellsten Farben eine Geschichte, wie die Juden einen Christen durch Geld bestochen haben, sein Kind ihnen anzuvcrtrauen; wie sie dann dieses Kind in den Wald führen, anbinden und wie dann der grausame Rabbiner das Kind tötet, zersticht und ihm das Blut abzapft. In jüdischen Kreisen Prags herrscht über diese niederträchtige, unverantwortliche Tat eines Jugcnderziehcrs und Priesters der ״Relign.i der Liebe" die. größte Empörung. Dr. Israels und der Zarewitsch. Wie der Brüsseler Soir meldet, hat Dr. Israels, der den Zarewitsch operierte, folgende Bedingungen g: stellt: Im Falle die Operation glücklich Verla:׳/ fen sollte, 50.000 Rubel Honorar nebst Reis:- und Aufenthaltskosten und, daß die Ausnahmsgesetzt gegen Inden aufgehoben werden müsse.:. Der Zar hat die Bedingungen angenommen, worauf die Operation erfolgte, welche glücklich gelang. Eine große Auszeichnung, mit welcher ihn der Zar beehren wollte, hat Dr. Israels refnsiert. Die schönste Schrift in Kürzeste! Zelt erreicht jedermann K• K. veh. aut, Schreibschute Professor Rudolf Roubitscbek umsm»«« Praa ÜJ£tt7eRnlat7 61 nach auswärts »rientcher Unterna», \utll4Kl*puil4 91 llcMna(1)clfl> grs.gesch. Methode.

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