Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1913)
- Date
- 1913-01-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 3 ״Attische v»lkrsti««e/ *üettr » ..... ^den Preis. Und jetzt ändert sich die Szenen der Ruf: Sei auch du unser Mitkämpfer, einer j Was die allermeisten Ereignisse beirifst. so »8«׳ gesagt die Wahrheit und Logik verschwindet, die Thora von unseren Bannerträgern! Wir wollen nichts werden, daß der Krieg aus de,! Landknnf in Paläwird einstweilen in die Ecke gestellt und der j für uns, aber alles für unser Volk, für unsere Frieden- und die Einheit erscheinen auf der Thora. Bühne׳, anspruchsvoll und sich überhebend. — Ter eigentliche Zweck der Versammlung wird vergessen, kein einziger Redner geht auf die vom Referenten berührten Punkte näher ein und im Rainen eines Friedens ohne Wahrheit und-einer falsch verstandenen Einheit, im Namen _ des Frankfurter Judenfriedhofes und des Antisemitisinus scheint sich die Versammlung, nach den Intentionen der Veranstalter, trotz der jchonungsloscsten Verurteilung der Richtlinien, zu einer Kundgebung für die Einheit unter allen Umständen, gestalten zu wollen. Doch der Refercnt durchkreuzt diesen schön ausgedachten Plan. Angesichts dieses Bruches der Vereinbarung sei. t'ens der Einberufer fühlt auch er sich nicht mehr an die Verabredung gebunden. Er ergreift zum Schlüsse nochmals das Wort und führt die Protestversammlung auf ihren ursprünglichen Zweck zurück, er verwahrt sich dagegen, datz der Kampf gegen die Richtlinien zu einem Kampf für die Einheit umgeschlagen und indem er in gewandter, formvollendeter Rede die unmotivierten?lngriffe eines Versammlungsteilnehmers gegen die Religions^esellschaft widerlegt, singt er das Lob der Religionsgesellschaft — indirekt das Lob des Segens des Austrittes — unter stürm ischer Beifallsbeglcitung, nach allen Tonarten und in allen Oktaven. Unter diesem Eindruck schloß die Kundgebung. Tie Vorgänge dieser Versammlung haben so manchem die Äugen geöffnet und dein den Austritt organisierenden Komitee eine Menge Ncuanincldungen zugeführt. Angesichts dieser, die Deutsche Judenheit in ihren tiefsten Tiefen aufwühlenden Vorgängen muß eine Aeußerung des führenden zionistischen Organs, die den Kampf um die Richtlinien als Pfaffengezänk abtut, aufs schärfste zurückgewiesen werden. Will man denn wirklich glauben machen, daß Veränderungen des Sinaiprogramms das jüdische Volk weniger tief berühren als Veränderungen, des trotz seiner Unzulänglichkeit eifersüchtig behüteten Baseler Programms? Will man sich denn durchaus um den letzten Rest der Sympathien der Orthodoxen bringen? Sollen Agudas Jisroel und Zionismus sich als zwei feindliche Heerlager gegenüberstehen? Agudas Jisroel ist auch weiterhin im unaushaltsamcn Fortschreiten begriffen. An zahlreichen Orten haben in jüngster Zeit Rengründüngen stattgefunden, während die älteren Grup- Pen eine ständig wachsende Mitgliederzahl verzeichnen. Nnnmehr hat sich auch die Frankfnrter Jugend im Dienste der Agudas Jisroelidee gestellt. Sonntag den 2:2. Dezember 1012 fand unter ganz außerordentlich zahlreicher Beteiligung die Gründungsversammlung der ersten Jngendgruppe der Aguda statt. Herr Martin Feist, Sohn des Präsidenten der Agudas Jisroel, legt in prägnanten Sätzen das umfassende Arbeitsprogramm der Jngendgruppe, das beinahe keinen Zweig jüdischer Betätigung außer Acht läßt, dar. Unterrichtskurse für jüd. Geschichte Philosophie und Apologetik sollen geschaffen, der Pflege der hebräischen Sprache, des Erdreichs des Baumes der Thora, der Pflege des Znsammenhalts und der Stählung des Körpers — in Erfüllung des Gebots ושמרתם את נפשותיכם — soll erhöhte Aufmerksamkeit zngewendet werden. Zionismus nach Herzl. Vortrag von Dr. Werner;Jglau). Ter erste Vereinsabend des ״Jüdischen Volks- Vereines" in Prag brachte einen gern gesehenen Gasr: Tr. Werner aus Jglau, ein Mann, der den Zionismus in seiner ganzen Entwicklung von Herzl angefangen mitgemacht hatte, vermittelte in einer durch mancherlei ׳Anekdoten gewürzten Rede dem Prager Volksverein in übersichtlicher Weise die Wandlungen und Läuterungcn der Bcivegung. Es scheint, führte der Redner aus, als ob ich dem Titel meines Vortrages in einem Abend nicht gerecht werden könnte. Denn entweder müßte ich den Fade» bei eingehender Behandlung allzuweit ausspinnen oder ich liefe Gefahr, bei allzu kursorischer Kritik überflächlich und unklar zu werden. Es kann sich deshalb hier bloß darum handeln, eine knappe Uebersicht zu bringen und nur bei wichtigen Punkten länger zu verweilen. Wollen wir nun den Zionismus nach Herzt kennen und verstehen kernen, so müssen wir zuerst Herzks Tätigfeit betrachten. Redner erzählt alsdann von Herzls > Wandlungen vom deutschen Korpsstudenten zum Gründer der zionistischen Organisation, ließ vor de» Angen der Zuhörer seinen ״Judenstaat" entstehen und schildcrte den Eindruck, den das Werk machte. Er zeigte, wie das, was Herzl geschaffen, die Organisation und j der Kongreß, nicht nur für den Zionismus, sondern für das gesamte Judentum einen Wendepunkt bedeute, wie er nicht nur die Organisation dem bewußten Inden erreicht und durchgesetzt hat, sondern auch eine Jnfiltration des jüdischnationalen Gedankens in die schlaffe Judenheit des Westens bewirkte, so daß heute jeder Jude, auch wenn er weit vom Zionismus entfernt ist, sich offen zu seinem Judentum bekennt. ״Und," sagt Redner, ״wenn er weiter nichts getan hätte, es wäre genug gewesen. slina gar keinen Einfluß hat, sondern datz dieser kräftig betrieben wird. Insbesondere erinnert :Redner an die mächtig einsetzende Jemcnircnaktion, die die bedrängten Juden des Jemen in Palästina, ansiedelt und סן die bäuerliche Grundlage schafft. Mil einem Appell an die Versammlung um Beteiligung schließt :Redner seine Ausführungen. Nachdem der lebhafte Beifall verklungen war, eröffnete Obmann Tr. Alfred Engel die Debatte, in der insbesondere Tr. Freud vom Zionistischen Tiftriktskomitee das Wort ergriff. Zeine Ausführungen, die als teilweise Ergänzung des Vortrages gedacht ivaren, behandelten den Gedanken der unbeivlißten Assimilation und deren Folgen, sowie ihre Bekämpinng durch ernsten Willen, jüdisch zu sein und an der Verjiidischung nnseres Jchs zu arbeiten, sodann schloß Tr. Engel die Versatiimluiig. E. G. Dr. Rudolf Ratholicky ge«. Letter Her I.cblrg. Abteilung ü,r Candeskranftenanstalt wohnt: €cke Jerdinand$<?a$$e t*nd Jöl)~nnC$dü$$C (« Roter Ktc&s•) rGüilett täglich von z bis 4 Uhr nachm. Fernsprecher nr 603. Sprecftfaaf. Zionistisches Reformist,demnin! Von Ing. I. Löwenbein, Wien. Unter diesem Titel stellt Ad. Böhm, bisheriger Präsident des zioniilischen Zeniralkoiniiees iür Weil- Österreich daS religiöse Problem i»1 Zionismus;nr Aber er hat noch mehr getan. Er hat Tisknssion. Er behauptet, daß die kulturell höber sieben uns gelehrt, jüdische Fragen ohne Scheu vor der Offent-! den, aber wenig oder gar nichi mehr religiösen Westlichkcit zu behandeln, er hat uns gelehrt, aufrecht und j juden den Zionismas meiden, iveil dieser von iluuii unbekümmert unseren geraden Weg zu gehen. Er hat - das Mitmachen von Traditionen und religiösen Gemit eiserner Energie eine Unmenge Arbeit geleistet.' bränche» fordere und nennt dieses Heransgreist» oder Er schuf die Grundlagen unserer großen Jnstilnte, in I Nationalisieren einzelner Bräuche ״Zionistisches :Redenen der demokratische Charakter des Zionismus zum j iorinjudentiim". Das Zeck siebt er in einer sehr nobel- Ausdruck kommt. Tenn Herzl hatte gefunden, daß man j hört umschriebenen .,Erneuerung" des Judentums. Um sich besser an das Volk direkt wende, als a», die weni-1 aber zu e r neuern, muß das Vorhandene als Grundgen Notabeln. Herzl selber dachte sich die!?rwerbung j läge genommen iverden. w-ts iminer nun von dem Palästinas noch durch einen Charter, einen Freibrief j rillen übernommen ivird, entilüiide wieder ein Rewem des Sultans. Tarum reiste er zu allen Regierungen^ jndentliin. aber eines, »vie es Bölnn sich denlt. Böbni WM «•*יי■ M» «■«uU^S La . t i jU ׳ < ן—.ii t Das Hauptgewicht aber wird die Gruppe naturgemäß auf die Stählung des jüdischen Geistes legen. Lebhafter Beifall begleitete die Ausführungen des jugendlichen Redners. Herr Jakob Rosenheiin, der die Gründung der ersten Jugendgruppe 2.000 Jahre zurück von den אצילי בני יש־־אל auf Dem Berge Sinai geschehen läßt, verlangt von der Jugend, sich als Fort setzer dieser Sinaigruppe zu begreifen. Sodann richtete Herr Tr. Heineiuanu, der Sprecher der Geineindeorthodoren warme, begeisternde Worte an die erschienene Jugend. Mehr als ZOO Versaininlungsteiliiehnier zeichneten sich sofort!1! die aufliegenden Mitgliedslisten ein und gaben hiemit zu erkennen, daß der allumspannende Agudagedankc seinen Weg zu den Herzen der Jugend gesunden. Um das Banner der Agudas Jis rvels schart sich heute der Kern der Judenheit, aus dem noch jede rettende Tat für unseres Bolkcs wohl hervorgegangen. An jeden von uns ergeht NM Verhandlungen anznknüpfen. Viel Feinde mochte ihm sein Stondpunkt zum Angolaprojekt der cnglischeu Regierung, tvelches Land den Zionisten zur Besiedlung Angeboten wurde. Ohne nämlich den Palästinagedankcn je einen Augenblick aus dem Auge zu lassen, trat r doch dafür ein, das Projekt zu untersuche», einerseits ,׳.in den damals unter PlehwcS Joche leidenden russischeu Juden für den Angenblick zu helfen, anderseits um dadurch einen Truck auf die Türkei auszuüben. Ter Tod entriß ihn feiner Arbeit. Sein 'Nachfolger David Wolffsohn harte einen schweren Stand. Er gestand sich, daß er nach Herzls Genie sehr abstcchen würde. Nichtsdestoweniger arbeitete er auf allen von dein großen Führer vorgezeichnetcn Wegen weiter. Vor allem schaffte er Ordnung in den Finanzen. Tie Jüdische Kolonialbank begann ihr Kapital in Tochterinslituten anzulegen, die im Lande selbst oder in der Türkei arbeiteten. Er setzte die politische Arbeit kräftig sort, von Tr. Max Rordau geleitet und unterstützt. In seine Aera fällt die Revision des Ehartergcdankcns. veranlaßt durch die jungtürkische Revolution. Unter seiner Präsidentschaft wurden auch in der Türkei namentlich von jüdischer Seite Verdächligungcn gegen den Zionismus auSgcstreut, deren Bekämpfung lange Zeit hindiirch die Kraft der zionislischcn Leitung in Anspruch nahm. Wenn ihm nun von der seinerzeitigeu Opposition vorgelvorfen tvurde, er arbeite nichts in Palästina, so muß dem geantivortet werden, daß dies doch geschehen ist, nur in der bedachtsamen, vorsichtigen Weise Wolffsohns, die seiner Amtsführnng den Stempel aufdrückk. Wurde doch durch Obpcnheimers Siedlungsgenossenschaft ein ganz neuer Modus der Besiedlung geschaffen, gar nicht zu reden von der Anglo Palcstinc Eomp., deren Entwurf Wolfssohn zu danken ist. Prof. Tr. Marburg, der auf dem 10. Kongreß die Leitung der Bewegung übernahm, förderte nunmehr tatkräftig die kulturellen Bestrebungen in Palästina. Es entstand der Bezalcl, das Paläfiinaamt. Er lenkte sein Augenmerk auf intensive Werbe- und Zusammenarbcit, der in dem Gedanken gipfelte, den Herzl mit den Worten ausdrückle: ״Wir sind ein Volk, ein Volk!" ivill also inil einem :!iefornijudenlnni das andere Re fornijiidenluin saniere». Jedensalls!vnrden nur n,,1 Verleugnung der Tradition alle Brücken zue graste» Mehrheit des jüdischen Volkes, namentlich der Ostjuden abbreche», ivobei ich mir Vorbehalte, nur die belletne Unterscheidung z!oiick>en Eil- und Weitjuden noch e>:! anderes Mal näher eine,»gehen. ׳Aach aus oporiunists. scheu und taktisch.!! (Gründen must der Führer 'einer Bewegung die Tradition berückiielnigeu. ivas Böbni als Heuchelei bezeichnet, damit die Maisei! der ne׳oea Idee leichter zugänglich werden und man must daenui noch lange nicht unehrlich gegen!ich!stl'׳si sein, iv.nn!nun ehrlich seinen! Volke gegenüber Hunde!!. Es i>! »!!■:» gar nicht richtig, das; die Weit juden ans obig.!! <׳;<'■׳.;» den nicht zu uns kommen. Sie koininen nielir.!veil jie einerseits im Aisiiniüil-onswubn leben, anders-.i!s aber vvm Ghettogeiste behaftet iind und daher d!e Hilie see Wirtsvölker erwarten und nicht einiehen!voll.!!, du; ain Tische des Levens jedem nur so viel Plav gelassen wird, als seinem .Kräfteverhältnis entspricht und zu feig sind, ihre Kräfte selb!! zu ״ützen, um sieb den ge bührenden Pluv zu erkämpfe». Im übrige» i>1 es überhaupt unrichtig, das; jemand im Zionismus anggritsen ivird, weil er religiöse Bräuche nicht niiüuacku. Böhm selbst wurde von uns allen als geeigneter Pst!, sideirt des Zentralkomitees angesehen und »ie!!!aud Hai ihn gefragt, ob er so!inen Temve! bei tickte. :a׳ck!r e׳e oder den Sabbaih halte oder sonst einen re!:,׳!!u.׳n Brauch ininnaelie. Es gibt aber auch 7c.׳d׳rio»en. ivelel'e nicht rein theokraiischen Urwrungs iind!vie Böl>:n be- Häuptel und ül>er die sich briisk!׳!inveazu»nen das ae sainte Judentum wie einen Fauilickilag ins «׳>e>iA>! . pfinbet. Hier ein Beispiel: Von den in Wien!.!׳enden Jude», sind etwa 10 Prozent ortliodo!e und raun! Lä n,0 Prozent, welche noch teilweise indische B'.änck».׳ inilniachen, um Jomiipvur den Temv-.l anf>uche!1 oder einmal im Jahr, um .Kaddisch zu sagen: und ein s.. hr großer Prozenlstn; ist, wie Ad. Böl»n selbst aus׳'!!l׳e:, überhauvt irreligiös, und dennoch 0!» Prozen: aller Wiener Inden machen den Brauch der Bekchneidnua mit und jeder Vater, der ist inen Sohn beschneid.» st'sstl, dokumenlierr damit den Willen,!eine Zugehörig:.>t