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Jüdische Volksstimme · 1913-01-09 · Heft 2 (9.1.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 2 (9.1.1913)
Date
1913-01-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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^MOMM^RBWWMWDWWMWMMWUWMWMD ©rite 4. ״Jüdische Volksstimme." Nr. 2 Wiener ticfiriditen Bortrag Oppenheimer. Donnerstag den 2. Jänner d. I. sprach Pros. Tr. Franz Oppenheimer im Voriragszpklus der Kultusgemcindc über das Nasscnproblcm. Selbstverständlich eilten Hunderte herbei, um den berühmten Nationalökonomcn zu hören, jedoch hatten nur ivenigc das Glück, in den Saal gelassen zu werden, der eine» sehr beschräntten Fassungsraum hat. Zudem waren einige Reihen für die Mitglieder des Vorstandes reserviert, so das; cs nur den wenigsten möglich war, am Vorträge teilzuuchmen. Der Vortrag war für halb acht Uhr angcsctzt und der Saal lvurdc bereits halb sieben geschlossen, (rin Polizeikordon von nicht weniger als zehn Mann mutzte die Drautzcnstchcndcn vor cincin Eindringen abhallen. Nun ist cs wohl sehr löblich seitens der Knltnsgcmcindc, Vorträge zu veranstalten. Nur sclltc man denen, die an diesen Vorträgen tcilnchmcn!vollen, auch die Möglichkeit dazu bieten. Der kleine Saal in der Eschcnbachgassc mag für jüdische Vorträge einmal zu grotz gewesen. Das ist möglich. Allein seither ist die Zahl derjenigen, die für Judentum und jüdische Fragen sich interessieren, um ein Erkleckliches gewachsen und es wäre schon hoch an der Zeit, für diese Veranstaltungen einen grötzcrcn Saal zu mieten. Es gebt nicht an, das; in einer Gemeinde vor mehr als :175.00 Juden, kaum 200 Leuten die Möglichkeit geboten wird, an den Vorträgen tcilzunchmen. Besonders noch, wenn auch der Kultusvorstand sich plötzlich in toto an sein Judentum erinnert hat, und durch sein Erscheinen den vorhandenen Raum noch verkleinert. Auf den Vortrag selbst, der viel Neues und Interessantes brachte, werden wir.noch zurückkommcn. Das ״Sanktionshindernis". ..Politische, konscssioncllc oder nationale Gründe dürfen bei Anstellung eines Beamten keine Rolle spielen." Obige Bestimmung hatte der tschcchisch-sozialislischc Abgeordnete Schmcral bereits im Juni 1912 als Zusatz zum ersten Punkt der neuen Dicnstpragmatik beantragt und das Abgeordnetenhaus hatte diese» Antrag damals bei namentlicher Abstimmung mit 159 gegen 120 Stimmen angenommen. Sehr gegen den Willen der österreichischen Regierung, die ohne Angabe von Gründen diesen Zusatz als. ״Sanktionshindcrnis" bezeichnetc und auch dessen Ablehnung im Hcrrcnhausc durchsetzte. Bei der nochmalige» Behandlung der Dienst- Pragmatik in den letzten Tagen des vorigen Monates im Abgeordnetenhausc wiederholte wohl Schmcral seinen Antrag, allein diesmal ivurde diese Bestimmung mit ISS gegen 1-12 Stimmen a b g c l c h nt. Bei Begründung seines Antrages erklärte Abg. Schmcral, das; cs sich der Rcgierun g nur um Gründe prinzipiell politischen Eharaktcrs handelt, da obige Bestimmung keinesfalls eine finanzielle Mehrbelastung bedeute. Wenn die Regierung durch eine ablehnende Haltung gegenüber seinem Anträge den Antisemiten entgegcnkomme״ so sei dies direkt eine Aufreizung und eine Erziehung zu konfessioneller Unduldsamkeit und antiscmilisckicr Voreingenommenheit. Wir haben dem nichts hinzuzusügcn. Eine solche Bestimmung ist eine Selbstverständlichkeit. Die Verhinderung ihrer Gesetzwerduug ist eine Kulturschandc. Pcrcz-Vorlrsung. Im Laufe des nächsten Monats wird der jüdische Schriftsteller I. L. Percz in Wien eine Vorlesung halten. Zur Justschinski-Affaire. Ans Warschau wird gemeldet: Vor kurzem lvar hier!nieder einmal die aus nichts begründete Nachricht ausgetaucht, das; der des Ritualmordcs angcklagtc Bcilis in diesenE^agen die Freiheit erhalten würde. Dieses (Gerücht versetzte die Führer der Schlvarzcn Hunderte in die lvildesle Aufregung, so datz sic alle Mannen herbeirieien und vor dem versammelten Gesindel nicht nur Pogromrede!! hielten, sondern auch gegen Kokowzow die schiveriien Beschuldigungen erhoben, weil er angeblich den Riiualmordwahn zurückwcise und den Justizminisier Ttschcglowitow dabin becinslussc, Bcilis sreizulassen und der Affäre ein Ende zu machen. Nun ist es zivar bekannt, datz kokowzow sich in die Justsckinski- Angelegenheit überhaupt nicht cinmischt, aber dies geuügt schoii, um ihn in den Augen der reaktionären Skandalmachcr zu diskreditieren. Zudem brauchen die Pogromprcdigcr neuen Zündstoff für ihre Hctzarbeit, weswegen sic das Gerückt von der Freilassung des Beiiis auszuschlachten suchen. Tie haben dcmgemätz nicht allein ihre Kiewer Scharen, sondern auch ihre Petersbruger Heroen Pourischkcwitsch und Zamyslowski mobil gemacht. Unterdes kommt die ergänzende Untersuchungsarbcit in Kiew selbst nicht einen Schritt vorwärts. Ter seit länger als einem halben Jahre in Kiclv selbst tätige spezielle Untersuchungsrichter Maschkcwitsch lätzt jetzt von neuem — zum so und soviclten Male — die Zeugen aufmarschicrcu. Wann aber diese Farce ein Ende haben wird, weiß wirklich niemand zu sagen. vislconto «ZeseilschaN bei der J Nordösterreichischen Senk für Industrie, Handel und Landwirtschaft, regist• rierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung In Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgeschälte, hauptsächlich auch für den Eskompt offener Buchforderungen | unter den allergünstigsten Bedingungen. Ges lisch st zur Förderung ocr W ffcn ctjaft des Judentums. Am Montag den 30. Dezember 1912 fand im Sitzungssaale der Repräfentantenverfammlnng in Breslau die Wintersitzung des Ausschusscs der Gesellschaft zur Förderung der Wifsenschaft des Judentums statt. Nor Eintritt in die Tagesordnung widmete der Vorsitzende Herr Pros. Dr. M. Philippson den hcimgegangencn, um die Wissenschaft des Judentums hochverdienten Professoren David Heinrich Müller (Wien) und Nikolaus Müller (Berlin) warmempfundene Worte des Nachrufes, welche die Mitglieder des Ausschusses stehend anhörten. Sodann begrüßte Herr Rabbiner Prof. Dr. Guttmann namens der Breslauer Mitglieder den Ausschuß zu seiner ersten Tagung in Breslau, indem er auf die vielfachen, zu historischer Bedeutung gelangten Beziehungen Breslaus zur Wissenschaft des Judentums hinwies. Professor Philippson erwiderte dankend, indem er der Hoffnung Ausdruck gab, daß das frcundschastlichc Zusammenarbeiten und die vertraulichen Beziehungen der Ausschußmitglieder zueinander auch fernerhin der Gesellschaft zum Segen gercichen und sie befähigen möchten, das Vertrauen der jüdischen Ocfentlichkcit in dem gleichen Maße wie bisher zu rechtfertigen. — Ter Vorsitzende legte sodann nach Erstattung des Jahresberichtcs die von der Gesellschaft mit reichen Mitteln subventionierte, von Herrn Dozent Dr. A. Uahuda (Berlin) besorgte Ausgabe des arabischen Originals der ״Hcrzcnspflichten" von Bachja, sowie den ersten Teil der Elbogenschen Arbeit über den jüdischen Gottesdienst vor. Herr Prof. Guttmann berichtete, daß die Gesellschaft im Lause des Jahres 1913 mit Bestimmtheit den ersten Leder der von Nabb. Dr. Ärengel (Böhm.- Leipa) besorgten Ausgabe der Tosesta sowie den zweiten Band des Maimonideswcrkes werde dem Truck übergeben können. Herr Prof. W. Bacher (Budapest) legte den Plan zu seinem neuesten Werke ״Tradition und Tradenten" vor, desicn Aufnahme in die Schriften der Gesellschaft vom Ausschuß beschlossen wurde. Ter Ausschuß bewilligte ferner eine Reihe von Subventionen und beschloß, aus den Mitteln der Ludwig Philippson-Gedächtuis-Stistung jüdischen Lchreru Beihilfen zum Ankauf der ״Neuesten Geschichte des jüdischen Volkes" von M. Philippson zu gewähren. Nach der Sitzung folgte der Ausschuß einer Einladung des Vorstandes der Synagogengemeinde zu einem Frühstück, bei wclchem er von den Herren Sachs, Prof. Tr. L. Cohn und.Dr. Löwenthal begrüßt wurde. — An die Sitzung des Ausschusses schloß sich abends im Fcstsaale der Lcssing-Logc die Mitgliederversammlung an. welcher als Vertreter des Gemeindevorstandes die Herren Handelsrichter Mugdan und Rittergutsbesitzer Dr. Paul Schottländer, als Vertreter der Nepräsentantenversamnilung die Herren Prof. Dr. Wohlauer und Georg Sachs teilnahmen. Nach Erledigung des geschästlichen Teiles, in welchem der Jahresbericht er stattet und der bisherige Ausschuß wiedergewählt wurde, hielt vor einem überfüllten Saale Herr Prof. Dr. Blau (Budapest) einen Vortrag über ״Aegyptischc Papyri und Talmud in gegenseitiger Beleuchtung". Der Redner gab einleitend einen Ueberblick über den augenblicklichen Stand oer Papyrusforschung, die sich dank dem reichhaltigen Material, das sich täglich noch verntehre, .-inen ungeahnten Einblick in das Alltagsleben der alten Völker gestatte und dadurch sich völlig abhebe von den Literaturdenkmälern des Altertums. Zwischen beiden — Papyri und Literatur — stehe der Talmud, dessen vielfältige Diskussioncn ja auch das Alltagsleben in seiner mannigfachen Gestalt erfassen wollten. Schon daraus ergebe sich, daß zwischen den Papyri und dem Talmud Beziehungen bestehen müßten, die aufzufinden Aufgabe der Wissenschaft sei und die für das Verständnis der Papyri und des Talmuds vielfach beitragen könnten. Der Redner erläuterte dies an verschiedenen Beispielen buchgeschichtlicher, sprachgeschichtlicher und rechtsgeschichtlicher Art. So stimme die Art, wie die Schreiber der Papyri Zeilenabstände und Zwischenräumc statt der modernen Jntcrpunktation gebrauchten, oder ihre Art, in den Schriftstücken Korrekturen zu kennzeichnen, völlig mit der Art, in der heute noch die Thorarollen geschrieben werden, überein. Eine ganze Reihe von griechischeu Lehnworten im Talmud fanden ihre Erklärung durch gleichlautende Worte in den Papyri. Ferner seien die Bezeichnungen für eine größere Anzahl von Nechtsurkunden in den Papyri die gleichen wie im Talmud, und was noch viel bedeutsamer sei, die Urkundenfortnulare seien in beiden Gattungen von Urkunden gleich. Ter Redner schloß mit dem Hinweis, daß die Papyrussorschung vermöge ihrer Eigenart hinleite in alle Gebiete menschlicher Tätigkeit und menschlicher Wissenschaft, also insbesondere auch der Wissenschaft des Judentums. Reicher Beifall lohnte dest Redner, dem sodann noch der Vorsitzende den Dank der Gesellschaft aussprach. — Der vor kurzem erschienene Jahresbericht der Gesellschaft ist kostenlos von ihrem Bureau, Berlin N. 24, Gr. Hamburgerstraße 29, zu beziehen. Sprechfaul. *) Die P. T. Einsender werden dringendst aufgcfordert, die ״Eingesendet" ganz kurz zu halten.' Löbliche Redaktion! Die Bemerkung des Herrn Dr. Rcach in Nr. 49 der ״Jüdischen Volksstimmc" betreffend die ungesetzmätzige Erteilung einer Delegation durch einen Vorsicher und die Benützung dieser Delegation durch einen des StaatSgesctzcs unkundigen Rabbiner, hat eine intcressaute Diskussion hervorgerufen, besonders durch das Eingreifen eines Herrn Advokaten, der zugleich Vorslehcr ist. Der Herr Vorsteher dürfte darin Recht behalten, datz der beschuldigte Vorsteher aus Unkenntnis vcs Gesetzes die Delegation erteilt hat. Ebenso richtig ist cs, datz der Rabbiner, um die wenigen Bejtimmungen des bürgerlichen Gesetzbuches, die seine Seelsorgetätigkeit betreffen, zu kennen, nicht Jura studieren mutz. Es genügt, wenn er sich aus der Manzschen Buchhandlung in Wien die ״Ehcvorschristcn", eventuell Erläutcrangen zu ihnen kaust und wo er' im Zweifel oder Unkenntnis sich befindet, die betreffende Behörde anfragt. Schliehlich blamieren sich manchmal auch Juristen. Nicht immer aber handelt ein Vorsteher aus Unwisscnhcit so eigenmächtig. Vor etwa zwei Jahren kam im böhmischen Rabbincrvcrbandc ein Fall zur Bcsprcchung, wo ein Vorsteher und Advokat in einer grotzcn Gemeinde die Konzession, die der Staat der jüdischen :Religion in puncto Scheidung macht, beiseite schob, wobei ihm eben sein Amt als Vertreter der jüdischen Religionsgcmeinde dem Gerichte gegenüber zur Hilfe kam. Diese Gewalttätigkeit lvurdc damals nicht veröffentlicht, um die Advokatcnvorstchcr nicht aus neue Ideen zu bringen. Wenn cs also sicherlich unnötig ist, dem studierenden Theologen noch das Studium der Rechte aufzubürlen, so werden doch recht viele Kollegen weder Herrn Dr. Rcach »och dem Herrn Vorsteher bcistimmcn, datz der :Rabbiner auch keine philosophischen Studien betreiben solle. Hat denn das Judentum die Philosophie zu fürchten. Tie Philosophie hat Weltanschauung zu ihrem Gegenstände und ebenso die Religion. Darum soll der Rabbiner die Weltanschauungen der Philosophen kennen und so harmonisch mit der Anschauung seiner Religion verbinde», vergleichen oder seine Religion verleidigen können. So haben cs auch unsere Größten getan. Er darf heute, wo in jeder großen Gemeinde ein Die schönste Schrift in kürzester Zeit erreicht jedermannin! K k. veh. aut, Schrelhschul Professor Rudolf Roubitscbek «.«.ס»!-.§-»«»«»»-». Pna IÜ£H7£knlat7 Nach auswärts hrietlicher Unterrwg, 91 ,ichtnach elg.gts.gerth. Methode

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