Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4L y ״Jüdische Bolksstimme." Nr. 1 הלכה למעשה. In der vorigen Nummer dieses Blattes wird die nicht uninteressante Frage ausgestellt: Wie ein Schachet bei einem von ״Milzbrand" befallenen Tiere verfahren soll, hat er es für כשד oder טריפה zu erklären? Wenn gleich diese Frage vom veterinär-medizinischen Gesichtspunkt aus betrachtet, die zur Genüge bekannte und richtige Lösung findet, indem ein solches Rind ohne Debatte vergraben werden mutz, finde ich cs dennoch für angemesicn. von dem vom Fragestellcr angeführten Grundsätze ausgehend, welchcr lautet מצה להגדיל תורה nachzuweiscn. daß diese ׳כאלה für טריפה erklärt werden, mutz auch nach unseren rcligionsgcsetzlichen Normen. Traktat Chulin S. 42 stellt uns unser הגא in der daselbst sich befindlichen Mifchna in der entschiedensten Form den Grundsatz auf: כל שאץ כמוה ה׳ טריפה zu Deutsch: Wenn sich an einem geschlachteten Rinde ein solches Gebrechen, sei es welcher Art immer, ein organischer Defekt oder ein durch Krankheit gewordener Fehler, mit welchem ein lebendes Tier, da es dadurch die organischen Lebcnsfunktionen nicht mehr verrichten könnte, fallen müßte, ist jedenfalls טריפה. Da nun der Milzbrand, laut den Ergebnissen der anatomisch-physiologischcn Untersuchungen der vctcrinär-medizinischen Wisicnfchaft eine höchst gefährliche Krankheit des Rindes ist. mit unbedingt letalem Ausgang. Sie charakterisiert sich durch eine eigentümliche Veränderung der Blut- Masse mit auffallender Neigung zum Brande einzelner Gebilde und tötet die kräftigsten Tiere in der Regel schnell. Der Genuß des Fleisches des an Milzbrand erkrankten Tieres hat tödliche Folgen. Menschen, welche mit milzbrandigcn Tieren umzugchcn haben, müssen sehr vorsichtig sein, um nicht angestcckt zu werden. So brauchte es sicherlich nicht mehr angezweifelt zu werden, daß auch diese Art von Krankheiten des Tieres in dem angeführten כל שאץ כמוה הי טריפה enthalten ist. Dann mutz hingewicsen werden auf den wichtigen Grundsatz unserer Weisen im Talmud (Chulin S. 0) חמירא סכגתא מאיסורא welcher als Grundlage geiwinmen die Norm zur Folge hat, wonach ein Tier, das Gift gegessen hat, oder von einer Schlange gebissen wurde טרפה st >״ «e סכגות נפשות (siehe Joreh Deal) 00. 2). Daß Milzbrand, dem Menschen nicht weniger gefährlich, ist erwiesen und demnach entschieden. טריפה משום סכנות נפשות וורד. דעה סי' מ״ג ם׳-׳ Es ist aber laut der ausgestellten Norm des für uns unbedingt matz- טריפה wegen אסור auch רמא gebenden da heißt es nämlich לקתה בשינוי כשיר דיגה כניד,כה wenn irgendwelche VerleiMig an der Milz wahrnehmbar ist, so wird csderart angesehen, als wäre an dieser Stelle die Milz durchlöchert, findet sich dies daher כסומכא an der dicken flcischigen Stelle der Milz, so ist cs טריפה Bei Milzseuche oder Milzbrand ist nun die Milz, welche von einer großen Anzahl höchst fein sich verästelnder Blutgefäße durchzogen ist und in einer gewissen Beziehung zur Erneuerung des Blutes steht, durch die eigentümliche Vcrändernng der Blutmasse unbedingt לקתה in allen Teilen und demnach als בסומכא גיקכ ganz durchlöchert zu betrachten und für entschieden טריפה zu erklären ohne Furcht vor die Frage da es ganz entschieden טריפה ist. Bei der Ausführung efon — בדיקת פנים — in solchen Fällen ist große Vorsicht dringend geboten. Straßnitz. Robb. Samuel Freifeld. * Löbliche Redaktion! Herr Tr. Wolssohn icheint mich nicht ganz vcr- (landen zu baden. Für mich tvar Israel matzgebend und *ד— ~ Ferner wollte ich hauptsächlich die Frage bcantwortct wissen ob das Buch תקון ליל שבועות den Ausführungen SB. gemäß, dom religionsgesctzlichcn Standpunkte aus als eine verbotene Schrift anzusehen sei und konfisziert zu werden verdient? An unwissende Juden Mährens den Matzstab anzulegen kann nicmandem einfallen, vielmehr kommt für solche Dinge das Prophetenwort זז’ לא אלמן ישראל Betracht. Ein. gleiches Geschick wird nach der Urteilsfällung das Buch הק לישראל - das ebenfalls stark verbreitet ist ereilen. Die bctereffende Stelle im Jore Deah befindet sich § 283 G. Achat» Haam. * Eine Ungerechtigkeit gegen den österreichischen Rabbincrftand. Ein ungarischer Rabbiner hat vor cinigen Wochen in ״Dr. Blochs Wochenschrift" den Mangel an Rabbincrgrötzen auch mit der mißlichen ökonomischcn Lage der Rabbiner zu begründen versucht, die manches Talent von dem Rabbinerstudium abhalten muß. Einen sehr bedauerlichen Mißstand hat er allerdings nicht berührt. Vielleicht hat er persönlich seine guten Gründe dafür. Weder er noch der Vorsteher, der die mißliche Lage anders zu begründen suchte, haben von der schreienden Ungerechtigkeit gesprochen, welche in der Besetzung österreichischer Posten durch Ausländer liegt. Das breitere Publikum kennt die Zustände nicht, hat auch weder Zeit noch besonderes Interesse, sich darum zu kümmren. Darum müffen sie ihm zu einer gerechten Beurteilung klargemacht werden. Nach einem sehr mühseligen Studium am Seminar und der philosophischen Fakultät bewirbt sich der diplomierte österreichische junge Rabbiner um einen Posten. Welche Aussichten bieten sich ihm? In das Land der Magyaren kommt er nicht. Dort gilt er als Ausländer, der unmöglich angestellt wird. In Teutschland, besonders Preußen, ist es seit den letzten Jahren ganz und gar ausgeschlossen, daß er berufen wird. Die chassidischcn Gemeinden in Galizien wollen von einem akademisch gebildeten Rabbiner nichts wissen. In den österreichischen Alpenländern bestehen nur wcnige und unbedeutende Gemeinden (mit Ausnahme von Graz). So bieten sich ihm nur die Großgcmcinden Wien und die wenig größeren Gemeinden in Böhmen und Mähren, die man an den Fingern abzählen kann. Aber die werden zumeist mit Ausländern, in erster Reihe mit Reichsdeutschen, in zweiter mit Ungarn besetzt. Was bleibt dem österreichischen Rabbiner in der Regel übrig? Nichts als in einer kleinen Gemeinde zu dersäuern und seine Berufswahl zu spät'zu bereuen. Gegen dieses schwere Unrecht sollten die Rabbinerverbände doch das Möglichste bei der Negierung unternehincn. Denn wenn diese traurigen Zustände weiter herrschen, ist cs die heiligste Pflicht, jeden östcrrcichischen jungen Mann vor dem Studium an dem inländischen Seminar zu warnen und dasselbe zu schließen. Den Ausländern, welche bereits in Amt und Würden sind, würde durch eine solche Aktion kein Haar gekrümmt werden. Aber den Gcmcindcvorständen, die stets loyal erscheinen wollen, würde die Gelegenheit gebeten werden, den Worten Sr. Majestät zu entsprechen, tvclchcr nach der Gründung der Wiener theologischen Lehranstalt zu deren Kuratoren sagte, jetzt werde cs nicht mehr nötig sein, Rabbiner aus dem Auslände zu beziehen. Einer für viele. Noscnthals Mörder zum Tode verurteilt. Die vier Mordbuben, die den Spielhausbcsitzcr Hermann Rosenthal. auf Anstiften des Pvlizcileutnants Becker, erschossen haben, sind nunmehr sämtlich zum Tode durch den elektrischen Stuhl verurteilt worden. Nach österr. Recht wäre dieser Urtcilsspruch schwerlich möalich gewesen, hier in Amerika hingegen, wo der persönlichen Initiative von Richter und Jury ein viel größerer Spielraum gelassen ist, faßt man dieses Todesurteil als ein hartes, aber bcrcchtigtes Abschreckungsmittel für ähnliche E!emente unter den Einwanderern auf. Man kann sich eines Schauers nicht crwehrcn, wenn man das Leben dieser vier jüdischen Mörder überblickt und dadurch eine Vorstellung davon erhält, wie tief Laster und Verbrechen sich in das Mark des jüdischen Proletariats auf der Newyorker Ostscite eingefrcssen haben. Und doch hat dieser ticftraurigc Prozeß und die Woge des Antisemitismus, die er entfesselt hat, fein Gutes gehabt: er hat denen, die sich gern etwas vormachcn und den Kopf in den Sand stecken nlöchten, Plötzlich über die wahren Verhältnisse und auch über die Wurzeln der Uebel in der amerikanischen Judenheit die Augen geöffnet und hat jüdische Gesellschaften und Persönlichkeiten, die bisher durch tiefe Unterschiede in der Auffassung ihres Judentums getrennt waren, zu gemeinsamer Arbeit verbunden. Allenthalben regen sich Bestrebungen zur Hebung jüdischer Moral und Kultur — vielleicht wird es den amerikanischen Juden nun auch einleuchten, daß auch die Vereinigten Staaten nicht ״das gelobte Land", sondern die ״Diaspora" sind, und damit wäre der erste Schritt zum Zionismus getan. Tod des orthod. Oberrabbiners von Czernowitz. Am 18. d. M. starb hier das Oberhaupt der orthodoxen Juden, Benjamin Weiß, im Alter von 70 Jahren. Rabbiner Weiß erfreute sich während seiner mehr als vierzigjährigen Wirksamkeit in Czernowitz sowohl wegen feiner Autorität in der jüdischen Gelehrsamkeit als auch wegen seiner vorzüglichen Charaktereigenschaften allgemeiner Hochachtung und Beliebtheit. Er befaß ferner eine bedeutende weltliche Bildüng und verblüffte in seinen gelegentlichen deutschen Predigten durch schwungvollen, bilderreichen Stil: Allgemein nachgerühmt wird ihm Gerechtigkeitsliebe und Weltklugheit, so daß in zahlreichen Fällen sich sogar Nichtjuden feinem schiedsrichterlichen Urteil unterwarfen. Der zionistischen Bewegung stand er sympathisch gegenüber, ohne diese Gesinnung allerdings ostentativ zu bekunden. Anläßlich seines 40jährigen Nabbincrjubiläums verlieh ihm der Kaiser das Goldene Vcrdienstkreuz mit der Krone und die Stadt Czernowitz ernannte ihn zu ihrem Ehrenbürger. Am Leichenbegängnisse nahmen zahlreiche Rabbiner aus der Bukowina und Galizien teil, Vertreter der Landesbehörden und der Erzbischof von Czernowitz. Im ganzen Lande herrscht allgemeine aufrichtige Trauer. Mähr.-sckiles. zion. Distrikts-Komitee Troppau. Der diesjährige Distriktstag findet Mont a g den 6. Jänner 1913 in Brünn (Festsaal der Schwechater Bierhalle, Jakobsplatz) statt. Tageso rdnung: Vormittags: 1. Eröffnung durch den Distriksobmann und Wahl a) des Bureaus, b) der Revisoren, c) des Legitimationsausschusies. 2 Rcchcnschaftsvcricht über die Gcsamttätigkeit des Tistriktskomitecs. 3. Generaldebatte. 4. Bndgctbcratung für das Jahr 1913. 5. Wahl des Distriktskomitees. Nachmittags: 0. Referat des Generalsekretärs der zion. Organisation Gg. Kurt Blumenfcld über ״Zionistische Politik". 7. Freie Anträge. Außerdem wird ein Mitglied des Z. K. über die Organisation in Westöstcrrcich und über die Vorbcreitvngen zum 11. K o n g r esse berichten. Wir legen den größten Wert darauf, daß an dieser Tagung jede Organisation durch so viele Delegierte vertreten sei, als sie zu entsenden berechtigt ist. Diese Tagung steht an der Schwelle des großen Kongrcßjahres und mutz groß und imposant sein. Wir haben vieles miteinander zu besprechen und haben vor allem die Pflicht, die Größe unserer Organisation uns und ׳«ז, anderen vor Augen zu führen. Wir rechnen auf Jy e Gcsinnungstreuc und Ihr Pslichtgcfühl und hoffen, das wir uns nicht verrechnen werden. Organisationen, welche die ihnen gebührende Anzahl von Delegierten nicht aus ihrer Mitte entsenden können, haben uns umgehend hiervon zu verständig •׳. damit wir ihnen Bewerber um das Delegiertenmand.it empfehlen, oder sollen eine zionistische Korporation unscrcs Distriktes bevollmächtigen, für sic Delegierte •n entsenden. Ebenso erbitten wir uns solche Gg. namhaft zu machen, die zur llcbcrnahmc eines Mandates bereit sind. Die Wahlen für den D. T. müffen sofort vollzogen und die Namen der Gewählten uns bis zum 2. Jänner bckanntgegeben werden. Die Krcisobmänner haben als Mitglieder des großcn D. K. Sitz und Stimme am Distriktstag. Mit besten Zionsgrüßen Dr. F r i c d m a n n, dz. Obmann. Troppau, im Dezember 1912. Die schönste Schrift in kürzester Zeit erreicht jeaermannin! Hk. deh. aut, Schreihschul Professor Rudolf Roubitscbek k.k.heei<L$cbrmezperte Pr an i[|en7fRn1at7 61 Vach auswärts brieflicher Unterriag, W?ll4tl>piai4 VI Enacheig ges. gesch.INeihoüe