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Jüdische Volksstimme · 1913-01-01 · Heft 1 (1.1.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 1 (1.1.1913)
Date
1913-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1 ״Irdische Seite 3 stellung graphischer Arbeiten jüdischer Künstler. Außer dem in Prag bereits sehr geschätzten Meister Hermann Struck, beschickten die Ausstellung Ernst Pickart, welcher auch persönlich in der Ausstellung erschien und einen geistvollen Vortrag über ״Rembrandt" hielt, Jakob Nußbaum, Fritz Lederer, Fritz Feigl, Jakob Glasner, Glicenstein, Wilhelm Schocken, Pottner, Ernst Oppler, Gustav Schneider, Herstein und die ruffische Künstlerin K. Samilson. Diese anderwärts bereits bekannten und anerkannten, in Prag teilweise noch unbekannten jüdischen Künstler, wurden durch diese Ausstellung weiten Kreisen bekannt, und sind zahlreiche Radierungen derselben in den Privatbcsitz übergegangen. Das Zustandekommen dieser für das jüdische Leben in Prag wie für den ״Bezalel" gleich wichtigen Ausstellungen ist das Verdienst des rührigen Bezalel-Vereines, in erster Rosbe seiner Ausschußmitglieder Alfred Fröhlich, elrchitekt Viktor Kafka, Ing. Hugo Slonitz und akad. Maler Adolf Wiesncr, der Dank für den gesellschaftlichen und materiellen Erfolg gebührt dem hingebungsvoll arbeitenden Damenkomitee, an dessen Spitze Frau Prof. Irma Münzer stand, - und welchem folgende Damen angehören: die Frauen: Direktor Grete Berka, Klara Beständig, Dr. Alex Bloch, Olga Bobasch, Elsa Fisch!, Klara Fuchs, Vally Glaser, Dr. G. Haas, Dr. Steffi Kohn, Emilie Lenhart, Emilie Löwy, Elsa Lurie, Olga Meißner, Kamilla Pflaum, Dr. Risa Sabath, Dozent R. Salus, M. Schulz, Dr. Laura Singer, Hermine Slonitz, Klara Thein. Dr. Berta Taussig, Dr. Wilma Wismeffer; und die Fräulein: Helene Bäcker, Wilma Block, Marta Ehrenfeld, Mizi Glaser, Irma Herz, Mimi Lenhart, Elsa Robitschek, Milka Saphier, Jda Schwarzkopf. Karla Schmid, Alice Schönberger, Hedwig Thias, Marta Trier, Hedwig Trier, Rosa Weiß, Betta, Weltsch und Life Weltsch. Die so erfolgreiche Ausstellung — es wurden für zirka 9000 K palästinische Erzeugnisse aus dem Bezalel und den Spitzenschulen des ״Frauenverbandes" verkauft — wurde Samstag abends mit einer kleinen Feier geschloffen. Der Erfolg, mit dem sich die neuen Arbeiten des Bezalel eingeführt haben, ueranlaßte namhafte Prager Kunsthändler, an den Verein heranzutreten, ihnen den Alleinverkauf der Bezalelschule für Prag zu übertragen und so ist zu erwarten, daß bald eine ständige Verkaufsstelle des Bezalel in Prag errichtet wedren wird. Diskonto-Gesellschaft bei der ׳- Nordösterreichischen Bank für Industrie, Handel und Landwirtschaft, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung in Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgeschälte, hauptsächlich auch für den Eskompt offener Buchforderungen unter den allergünstigsten Bedirgunge׳:. gen, obwohl ich damit ein Verbrechen an unserer Familientradition begehe." ״Und wenn ich deinem Wunsche willfahre, wie willst du mir beweisen, schöne Here, daß dein Mittel wirksam ist? Auf bloße Worte hin kann ich mich dazu nicht verstehen׳, gesagt ist leicht, doch will ich Beweise, ehe ich dir Glauben schenke." ״Nun denn, so will ich dir an mir selber zeigen, daß mein Mittel wirkt und seden, der es anwendet, unverwundbar macht, sei es ein Mann oder ein Weib." ״Wohlan denn, cs sei!" sagte der Geißler, indem er unverwandten Blickes jede Bewegung des Mädchens verfolgte. Sie aber schritt zu einem der offenen Schränke, entnahm demselben eine Mesusa, die sie erst vor kurzem von der Türpfoste loslöste, damit sie nicht von den Unholden, wenn sie ins Haus kämen, entweiht werde, und diese Mesusa in ihrer Rechten haltend, sie dreimal küffend, und dabei ein Gebet lispelnd, rief sie, ohne die geringste Aufregung zu verraten, wie einer, der wirklich gefeit vor dem Tode ist: ״Nun versuche es, tapferer Ritter! Von diefer Stunde an bin ich unverwundbar! Zögere nicht und ziehe dein Schwert, hole aus zum schärfsten Schlage, zum Beispiel hier in den Verteidiger als Ankläger. Von einem Lcmdrabbiner. Motto: Will der Herr ein Tänzlein wagen? Zwei Advokaten haben es sich angelegen sein lassen, auf eine halb scherzhaft hingeworfene Bemerkung des Herrn Dr. Reach in Nr. 4g dieses Wochenblattes mit dem den Herren Advokaten eigenen Brustwn der Ueberzeugung mit heftigen Ausfällen auf den Rabbinerstand speziell in Mähren in der letzten Nummer der ״Voltsstimme" zu anworten. Wenn ich auf diese maßlosen und durch nichts gerechtfertigten Angriffe erwidere, so geschieht es keineswegs, um Herrn Prof. Dr. Reach in Schutz zu nehmen und ihn zu verteidigen. Dr. Reach ist selbst ein alter Soldat — alt natürlich im militärischeu Sinne, da ein Rabbiner nach dem Postulat aller Israel. Kultusgemeinden nicht alt werden darf, wenigstens nicht älter, als das ״gefährliche Alter" von sage und schreibe vierzig Jahren — und dürfte schon gelernt haben, sich selbst zu verteidigen. Er kann auch, wie Schreiber dieses aus Erfahrung weiß, von der — geistigen Waffe natürlich — Gebrauch machen, wenn cs sein muß: um ihn ist es uns deshalb nicht bange. Was uns die Feder in die Hand drückt, ist der Umstand, daß Leute, deren Beruf es ist, als Verteidiger zu fungieren, dort, wo es sich um den Rabbinerstand handelt, plötzlich als Ankläger auftreten. Das ist weder ״gut jüdisch", noch talmudisch, noch rechtlich gedacht und gehandelt. Ein talmudischer Grundsatz lautet: אין קטיגור נעשה סנינור ״Der Ankläger kann unmöglich zum Verteidiger werden": ebenso erwartet man auch vom Verteidiger, daß er nicht zum Ankläger werde, namentlich dort, wo kein Anlaß zu einer Anklage vorliegt. In Synhedrin Pcrek 5, Ml,u)nah 5, heißt es ausdrücklich: המלמד זבות אינו יבול ללמד הובה > Freilich ist dort von Richtern die Rede. Aber die Herren Doktoren H. und L. haben sich selbst als Richter über den ganzen Rabbinerstand erhoben und da hätte man von ihnen etwas mehr — talmudisches und jüdisches Ncchtsgefühl erwarten können. Somit soll aber keineswegs gesagt sein, daß wir für den angegriffenen Stand der Rabbiner in Mähren um Milde und Nachsicht plädieren. Dies haben die mährischen Rabbiner gar nicht nötig. Tie Gemeinden in Mähren können auf ihre Rabbiner wahrhaft stolz sei», weil kein anderes Land ein solch vorzügliches Rabbinermaterial aufzuweisen imstande sein dürfte. אלבה לי אל הגדולים Beginnen wir mit den Rabbinern der großen und größercn Gemeinden, die von Dr. L. am meisten angegriffen wurden. Da gibt es zunächst einen — wenn der Ausdruck gestattet ist — impertinent jungen Rabbiner der trotz seiner vielseitigen Inanspruchnahme erst vor einigen Monaten ein bedeutendes wissenschaftliches Werk veröffentlichte, über welches die Kritik von des Lobes ist. Ein anderer Rabbiner — allerdings in einer kleineren Gemeinde — hat sich in der wissenschaftlichen Welt einen klangvollen Namen gemacht durch seine Arbeiten auf talmudischcm und talmudisch-historischem Ge-! biete. Wieder ein anderer genießt als belletristischer Schriftsteller in literarischen Kreisen einen vorzüglichen Ruf. Erst vor einem Jahre brachte die ״Zeit" einen spaltenlangen Artikel über seinen letzten Roman. Derselbe hat sich sogar auf dramatischem Gebiete nicht ohne Nacken, und gib acht, ob ich zagend nur eine Miene verziehen werde." Der Mann, in gespanntester Aufmerksamkeit auf die Wirkung des Mittels harrend, hob sein Schwert vom Boden auf, schwang es und hob mit wuchtiger Faust zum schweren Schlage aus und sieht in der nächsten Sekunde das schöne Haupt des Judenmädchens an den Boden kollern. Wie vom Blitz getroffen steht der Wilde da, mit einem Male die Tat des Mädchens durchschauend, die so mutig das Leben hingegeben um der Ehre willen. Das Werk dieser Geißlcrschar war vollbracht. Es lebte keine jüdische Seele mehr im Städtchen. Sie sammelten sich wieder, um in Prozessionen in die Kirche zu wallen. Unser Ritter voran, die Fahne tragend. In der Kirche schlossen sie die Türen von innen, entledigten sich ihrer Kleider bis auf eines von den Schenkeln bis auf die Lenden, warfen sich auf die Stein- ן fliesen nieder und singen einander zu geißeln an, 'bis das Blut in Strömen floß.! Und als sic sich wieder erhoben und weiter ziehen wollten, fehlte der Anführer — der Ritter . ließ sich geißeln, bis er tot liegen blieb. Erfolg versucht. Wieder ein anderer mährischer Rabbiner ist ein berühmter hebräischer Publizist und Stilijtiker. Derselbe genießt den Ruf eines eminenten Gelehrten auf dem Gebiete der kabbalijtischen Forschung. Uno ein anderer Rabbiner in Mähren ist ein fruchtbarer Schriftsteller aus homiletischem Gebiete. Seine homiletifujen Arbeiten werden überall — im Auslande natürlich — mit Freuden begrüßt, gekauft und gelesen. Derseioe ist Mitarbeiter vieler ausländischer Zeitungen und schreibt über alle Fragen, die das Judentum berühren. Vor kurzem erschienen von einem mährischen Rabbiner petriotische Reden, die Schreiber dieses als Perle der homiletischen Literatur in diesem Blatte bezeichnete. Ter Verfasser ist ein bedeutender Talmudist und nach seinen gedruckt vorliegenden Preöigten und Reden zu urteilen, ein geradezu glänzender Kanzelredner. Ja Mähren erscheint ferner ei» wissenschaftliches Sanime!- werk in hebräischer Sprache, deren Mitarbeiter wieder um mährische Rabbiner sind. Im letzten Bande hat ei» inährischer Rabbiner, der -mit Recht den Ruf eines grohe» Talmudgelehrten im In- und AuSlande genießt, eine herrliche Abhandlung geschrieben, die ein Buch für sich selbst bildet und die Zeugnis ablegt von der tleseir Gelehrsamkeit des fleißigen Autors. In Mähren gibt es bekanntlich eine DreifaltigkeitSgemeinde, die sich zu einer DreieinigkeitSgemeinde vereinigte. Ter Rabbiner dieser Gemeinde, ein verhältnismäßig junger Mann, ist Mitarbeiter von ״Ost und West", der ״Welt" und vieler in- und ausländischer Blätter. Sein Spezialgebiet ist: Novellen, Humoresken und populäre Behandlung wissenschastlicher Themen. Proben seiner guten und gedregenen Zeder findet man auch i» Hickels VoltSkaiender. Man sieht aus dieser kurzen Zusammenstellung, daß die mährischen Rabbiner auf allen Gebieten vertreten sind, daß fast jeder von ihnen sein spezielles ArbeitSgebiet hat, daß jeder arbeitet und zu arbeiten versteht. Und nun kommt ein Herr Anonymus und wagt es, aus dem sicheren Versteck der Anonymität heraus, eine Pauschalklage gegen den ganzen Rabbinccstand zu erheben, sie zu beschimpfen und zil verdächtigen. Wer sind die Rabbiner, die des Hebräischen unkundig find, die in tödliche Verlegenheit geraten, wenn sie nach einer Talmudslelle gefragt werden? Heraus mit der Sprache, 'Namen nennen! WaS aber die Kenntnis des Machsor anbelangt, so verhält sie sich zur hebräischen Sprache, wie etwa die Schriften der Kirchenväter zur laieinischeu Sprache. Man kann die lateinische Sprache ganz gut beherrschen, ohne einen ausdem Zusammenhang genommenen Satz der Kirchenväter, der auf eine destimmte Begebenheit sich bezieht, oder an eine» anderen Kirchenvater anknüpft, gleich zu verstehen und leicht zu übersetzen. Und so kann es vieneicht Vorkommen, daß der eine oder andere jllnge Rabbiner eine Stelle in den Pijutim, die sich vielleicht auf eine dunkle Midraschstelle bezieht, nicht mühelos zu erklären imstande sei» dürfte. Sollte dies Herrn Dr. L. passiert sein, dann möge er sich nur beruhigen. Nicht jeder Advokat dürfte so leicht imstande sein, jede ihm vorgelegte Frage der Jurisprudenz sofort zu beantworten. Soweit für heute über das Thema der Unwisseuheit der mährischen Rabbiner. Auf die iveitern Angrisse der Herren Tr. H. und L., namentlich über den von ihnen erhobenen Voriourf der Unverträglianeit, des De- 1 unziantentums, der mangelhaften sittlich-moralischen Lebensführung und ihrer Belastung der Gerichte und Behörden seitens der Rabhiner, in einem späteren Artikel. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNG^ GESELL- SCHAFT, WIEN, I. ASPERNPLATZ 1 Im eigenen Palais. — Versicherte» Kapital drka MO MUonea. Reserven drka 113 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tüll mit SV» iUuilcb lallender garantierter Prämie Genaralagentur für Wfcn, I., Aap- , platz I, Leiter David Nebenzam^ub Direktion für Prag, Perulnndagaaite 20, neu, Leiter Rotiert Gerste'. Sub-DI-ekticn für Lemberg. 3zalno< tia 1 Leit״, LSI■' Taube■• Hauptagentur für Brllnn, Wawrastrafle 10. Lei'er Samuel Reininger. Sptecftfaaf. Wohlsi. Herrn Redakteur Hickl! Zu einer Zuschrift an Sie bat ein Herr Rabbiner sich sehr entschieden dagegen verwahrt. Saß seine Berussgenvssen Die jüdische Priester würde sich arrogieren. Nun möchte ich den sehr energischen Herrn fragen, wie er Die Tatsache erklärt, daß unser Rabbiner bei verschiedenen Anlässen (Mischeberachl die Hände in derselben charakteristischen Weise ausbreiiet. wie es die Kohanim beim ״Segnen" bis vor kurzem in unscrer Gemeinde taten. tu a. w. g. *

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