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Jüdische Volksstimme · 1913-01-01 · Heft 1 (1.1.1913) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 1 (1.1.1913)
Date
1913-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seit? 2 ״Jüdische Dolksstrmme." Sk. 1 Offenheit zugegeben. Daß sich Liberalismus und Weltbürgertum mit solchen Taten nicht decken, schiert sie nicht. Sie haben ein weites Gewitzen. Auch das ist uns Juden bereits Selbstverständlichkeit. Worte darüber zu verlieren, wäre überflüssig. Was wir aber nicht vergessen können, ist das Verhalten derselben jüdischen Parvenüs zu jüoischen Institutionen und zu Sammlungen für jüdische Zwecke. Da hat vor wenigen Wochen die ״Alliance Jsraelite Universelle" zusanunen mit dem ״Hilfsverein der deutschen Juden" sich mit einem Aufrufe an die jüdische Oesfcntlichteit gewendet, durch Zuwendungen und Spenden, das durch den Balkankrieg hervorgernfene Elend in den betroffenen Judengemeinden zu lindern. Und der Erfolg war Null oder fast Null. Wohl gab es Beiträge. Aber diese waren lächerlich gering und unter den Spendern war keiner jener Namen zu finden, die das jüdische Großkapital repräsentieren. Für Weihnachtsgeschenke an die Soldaten an der Grenze sind sie zu haben, unsere Großen, da öffnen sie weit ihre Schränke und streuen das Füllhorn edelmetallener Gunst in ihrer patriotischen Auf- Wallung geradezu verschwenderisch aus, bleiben aber ganz gefühllos und indolent gegenüber einen, Schmerzensschrei der eigenen Brüder... Nein! die Juden sind wohltätig. Sic sind hilfreich. Beides ist ihnen selbstverständlich und die logische Folge ihres Menschentums. Aber die ״Sonn- und Montagszeitung" hat doch einen Irrtum. Diese Juden, die.sie meint, die ״israelitischen Spender" sind doch nicht so ideal als die ״Sonn- und Montaaszcitung" schreibt. Wohl spendeten sie in ungleich größerer Zahl als die ״Feudalen, Großgrundbesitzer und Adeligen" und sonstigen inehr oder minder reinrassigen Arier, auch spendeten sie Summen von unverhältnismätziger Höhe, aber ideal, nein, das sind sic nicht. Wer für seine Nächsten, seine Mitbrüdcr und Stammesgcnossen nichts übrig hat, ist nicht ideal, handelt nicht mit dem Herzen, auch wenn seine Spenden noch so hoch sind. Gefühlsduselei und Sentimentalitäten vorauszusetzen bei diesen Auchjuden, hieße ihnen zu viel Ehre antun. Man suche die Gründe dieser plötzlichen Splcndidität aus Anlaß eines patriotischeu Werkes viel tiefer oder wenn man will auch viel höher. So ungefähr um das Knopfloch herum. Dann, fürchte ich, wird so mancher die ״immerhin bemerkenswerte Entdeckung" der ״Wiener Sonn- und Montagszeitung" auf rein natürliche und reale Weise sich erklären können. Denn das muß immer und immer wieder betont werden: Wir Juden kennen unsere Pflichten gegen unsere Mitmenschen und sind uns auch der Pflichten belvußt, die etwaiger Reichtum uns aufcrlegt. Wir müssen uns aber entschieden strömend, in der linken Hand ein Kreuz haltend, in der rechten ein Schwert. Sie zitterte nicht im Geringsten, sie hatte sich die Geißelbrüder nicht anders vorgestellt. Dieser war noch eine vornehrne Erscheinung, denn es befanden sich unter den Geißlern auch Ritter, diese waren mit der Führung betraut und ihnen wurde der Löwenameil an der Beute, die reichsten Judenhäuser zur Plünderung und die größten Schandtaten überlassen. In diesem Hause sollte der Ritter sein Privileg genießen. Doch blieb er an der Schwelle der Türe wie geblendet vor der Schönheit des Mädchen stehen. Sie verlor nicht einen Augenblick die Besinnung. Sie deutete dieses Zögern, daß er sich nur an dem Anblick seines Opfers weiden wolle und der Lodessrreich bald erfolgen werde und entblößte Hals und Schulter, damit der Streich besser treffe. War der Mann beim Eintritte von der mitden Gottergebenheit, die auf dem schönen Antlitz des Mädchens ausgesprochen lag, einen Äugenblick entwaffnet, so weckten nun die berückenden "Reize des Opfers feine zügellose Leidenschaft. Er ließ Schwert und Kreuz aus den Händen fallen und trat mit ausgestrccktcn Arinen dein Mädchen näher. Sie schritt angstvoll zurück. ״Bist du allein, jüdische Hexe," fragte er in dem ihm möglichsten zartesten Tone. ״Ganz allein," sagte, sie, sich wieder besindagegen verwahren, jüdischen Wohltätigkeitssinn durch jene repräsentiert zu sehen, denen die Freigebigkeit nur die notwendige und unerläßliche Voraussetzung von Orden, Auszeichnungen und Titeln zu sein scheint. Das mußte einmal gesagt werden. BezaLeL-Ausstellung in Prag. Im Zentrum des jüdischen Lebens Prags stand in den letzten Wochen der ״Bezalel". Vom 17. November bis 1. Dezember fand im Rahmen der vom ״Kunstverein für Böhmen" veranstalteten Herbstausstellung eine Kollektivausstellung der Bezalelschule im Nudolfinum statt, welche schon durch ihre Zulassung wie auch durch den Erfolg, den dieselbe bei Besprechung in der Presse und die anerkennende Kritik der Fachkreise erzielte, bewies, welch ungeahnten Fortschritt in künstlerischer und auch in technischer Hinllcht die Bezalelschule genommen hat. Die hiesige angesehene Wochenrevue ״Cesky svet" brachte einige treffliche Reproduktionen ausgestellter Bezalelarbeiten fowie eine Gesamtansicht der Ausstellung. Vertreter der angesehensten Kunstzeitschriften informierten sich eingehend uno sagten Berichte in diesen Fachschriften zu. Dies wie auch zahlreiche, auch von Nichtjuden im Nudolfinum bewirkte Ankäufe veranlaßten den Prager Kunstgewerbeverein ״Bezalcl" anschließend an die Rudolfinumausstellung eine große Verkaufsausstellung im jüdischen Rathause zu veranstalten. Diese wurde in feierlicher Weise am 15. Dezcmbcr eröffnet. Aus den Blätterstimmen, welche hierüber berichten, sei der Bericht der ״Bohemia" hervorgehoben, welche schreibt: ״Als vor zwei Jahren im gleichen Raume, dem Festsaale des Prager jüdischen Rathauses, und jüngst im Nahmen einer Ausstellung im Nudolfinum, die Erzeugnisse der Kunstgewerbeschule B e z a l e l in Jerusalem sich sehen ließen, konnte man nicht nur den sozialen Wert dieser Schöpfung, die einer Bettlerbevölkerung die Ansänge einer Industrie gegeben hat, sondern auch die künstlerische Eigenart der Schaustücke feststellen. Und nach dem großen Erfolge, den die Ausstellung im Nudolfinum aufzuweisen hatte, konnte der Prager Zweigverein des Bezalel mit Fug und Recht eine größere Verkaufsausstellung wagen, die gestern vormittags in Anwesenheit eines gewählten Publikums im Festsaale des jüdischen Rathauses eröffnet wurde. An den zahlreichen Gegenständen, die die verschiedenen Zweige der Kunstgewerbeschule ausstellen, ist vor allem in künstlerischer Beziehung ein bedeutender Fortschritt bemerkbar. Das ncnd und die Situation überschauend, ״ ׳mein Vater wollte mit dem wertvollsten Teile unseres Vermögens, mit Perlen und Diamanten, heute morgen flüchten — ehe er sein Vorhaben ausführen konnte, ereilte ihn ein schrecklicher Tod, und so bin ich der Gnade der frommen Brüder überlassen." Der Wilde trat ganz auf sie zu. ״Ja, du sollst verschont werden, aber mein mußt du fein, ganz mein." Und dabei faßte er sie und schlang die Arme um das zitternde Kind. Die Angst verlieh ihr wunderbare Stärke. Sie entwand sich den Armen des Unmenschen. Er aber hatte sie rasch wieder erfaßt und zog sie an feine stürmisch wogende Brust. ״Laß dich umarmen, Mädchen, laß 'dich küssen. Diese Schönheit, ist nicht gemacht, um vernichtet zu werden, es soll dir kein Haar gekrümmt werden. Es wird kein Geißler mehr diescs Haus betreten, ich bin ihr Anführer, und du kannst hier bleiben, bis wir abgezogen sind, und dich dann wieder mit deinem Vater vereinigen׳, aber jetzt mutzt du!nein sein, du Hexe!" Sich abermals seiner Umarmung entwindend, sprach das Mädchen scheinbar gefaßt: ״Laß mich in Ruhe, frommer Mann; wenn ich mich in deinem Aeußeren, das einen Edelmann bekundet, nicht getäuscht habe, bist du ein Ritter und wirst noch in vielen Schlachten dein Schwert erproben. Für mein Leben fürchte ich Filigran-Atelier hat die reizendsten und geschmackvollsten Schmuck- und Nippessachen geschickt, die mit Farbsteinen und Elfenbeinschnitze-?eien versehen in Kästchen, Schnallen, Dosen und Zierstücken originelle Arbeiten zeigen. Zwischen den getriebenen Kupfergegenständen, zwischen Leuchtern und Wandtellern, neben den eingelegten Holzarbeiten und oft seltsam anmutendcn Ornamenten der Bilderrahmen, den zierlichen Linien der Silberarmbänder und den färbenprächtigen, fast persisch-schönen Teppichen sind die duftigen Spitzen, die zarten Krausen, Deckchen und Einsätze, die schönsten und durch ihren künstlerischen Wert bedeutendsten Erzeugnisse der Bezalelschule." ' Das ״Prager Tagblatt" schreibt: ״Als die Jerusalemer Kunstgewerbeschule ״Bezalel" ihre ersten Ausstellungen über den Kontinent schickte, hatte man einige Skepsis, weil sich hier die Worte Kunst und Philantropie verbrüderten und man erfahrungsgemäß weiß, daß bei einer solchen Verbindung die Kunst zu kurz kommt. Die Tatsachen bekehrten zu einer anderen Ansicht; man mußte die überraschende Entdeckung machen, daß hier die Philantropie zur Grundlage einer eigenartigen und beachtenswerten Knust werde. Die Sache liegt so: Lange vor Mohammed und der Hedschra waren die Jemenitischen Juden Südarabiens die Goldarbeiter und Waffenschmiede des Landes, geachtete Arbeiter und Nomadenstämme, denen sie die Schuppenpanzcr und Schilde machten. Dann zog der Islam ein, die Juden sanken als Ungläubige immer tiefer in der Achtung, wurden Wasserträger und Frachtknechte, bis schließlich die großen Revolten der Araber gegen die Konstantinopler Regierung ihren Zustand völlig unerträglich machten. So wunderten sie zu'Hunderten nach Jerusalem aus und hungerten sich dort sehr jämmerlich durch. Boris Schatz, der Leiter der frischgegründeten jüdischen Kunstgewerbeschule nahm ein Dutzend von ihnen in Arbeit und sah, daß diese Männer in einem atavistischen künstlerischen Gefühl fast aus eigenem die zierlichsten Goldarbeiten, die originellsten Schmuckstücke in altarabischem Stil verfertigten. Unter seiner klugen Hilfe gedieh jetzt eine Kunst, die, kraft der zwei Elemente, denen sie entstammt, orientalischen und modernen Stil in höchst sympathischer Form verbindet. Dabei zeigten die Töchter der Jemeniten Begabung zum Teppichknüpfen und Spitzenklöppeln und bekamen vom Bezalel reichliche, anständig bezahlte Arbeit. Mehr als hundert solcher Mädchen wurden vor Not und Prostitution gerettet. Daneben floriert eine Abteilung für Kupferu. eine für Holzbearbeitung." Eine interesiante Erweiterung erhielt die Bezalel-Exposition durch die angegliederte Ausnicht und hat keiner meiner Familie zu fürchten, denn wir sind im Besitze eines Zaubermittels, das uns unverwundbar von Menschenhand macht. Wenn du meine Ehre schonst, will ich dir dieses Mittel geben, obwohl wir es selbst unseren Glaubensbrüdern verheimlichten, und mif diesem Mittel können dir alle Geschosse und Hiebe der Feinde nichts anhaben." Der Glaube, daß es solche Geheimmittel gebe/ und daß Juden sie besäßen, war damals allgemein. Galten doch die Juden als die grüßten Zauberer, und wieviele schöne Jüdinnen mußten nicht den Hexentod sterben. ״Wie sagst du, Mädchen? Du hättest das Mittel, das mich mein ganzes Leben hindurch gegen Hieb und Stich zu sichern im Stande wäre?" schrie der Wilde wie verzückt. ״Ja, ich bin im Besitze dieses Mittels," entgegnete das Mädchen ganz ruhig, ״und das Mittel ist unfehlbar, schon in unzähligen Fällen in meiner Familie erprobt, noch keiner starb von uns seit dreihundert Jahren, seitdem wir im Besitze desselben sind, eines gewaltsamen Todes, trotzdem sie bei so vielen Judenverfolgungen in! Mitleidenschaft gezogen waren. Wir haben daher auch immer den wichtigsten Bestandteil unseres Reichtums gerettet, daß er von Geschlecht zu Geschlecht gekommen und so groß geworden ist. Wenn du meine Ehre schonst, sollst du dieses Mittel wissen und es aus meiner Hand empfan- Mährisch-schlesische Bank Brünn. Telephon Nr, 3S0, Direktion. verzinst EINLAGEN gegen Bäche! und in, laufender Rechnung mif Ferdinandsgasse Nr. 29 Telephon Nr. 1016, Wechselstube. 431 uj״ KOI gebundene Einlagen laut Übereinkommen. Bank- |4 Ols ü |0 geschähe aller Art, Börsen-u.Wechslergeschäfte.

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