Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Erscheint jede« Donnerstag. cfi BqugSpreise Für Österreich-Ungarn. halbjährig . . Srmren b°20 ganzjährig....»••»•»»» Stuwioi 10״— Deutschland, ganzjährig. Mark 10־— Rußland, ganzjährig . . . . ... . . Mubel 660־ BaUan, Frankreich . . . .' . - - FranS >2-— Einzelne Nummer 20 k. S Herausgeber: Max Hickl XlV[2. Jahrg. Nmmner 1 ־///־ Inserate: die 6 spaltige Petitzeile 30 h. 9 Buchhändieri ch- Vertretung: Otto Klemm; Leipzig. Puftspaikassakonlo Nr. 312.842. Geschäftsstelle, Wien: i., Rotenturmstraße Nr. 31. TelephonUOS/Vlll. Sprechstunden von 10—12 Uhr. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoriert Manuskripten ist Rückporto beizufügen. Brünn—Budapest I. Jänner 1913. 23. Thewcth 5673. Prag—Lemberg. Aus dem Inhalte: Israelitische Wohltätigkeit. — Ein Heldenmädchcn. — Bezalelausstellung in Prag. — Wiener Nachrichten. — Verteidiger als Ankläger. — ׳Sprechsaal. — Nosenthals Mörder zum Tode verurteilt. — Tod des orthodoxen Oberrabbiners von Czernowitz. — Mähr.-schlesisches Distriktskomitee. — Korrespond.׳nzen. — Aufruf. — Rundschau. — Else Lasker-Schüler: Mein Volk. — Rabbiner Dr. A. Deutsch: Exegetisches zum Wocheuabschnitt. — Maser Reifer: Israel im Wandel der Zeiten. — Bücherbesprechungen. — ASdSWtzSBWWWWWÄSdSBÄSBBW Die P. T. Empfänger werden dringendst behufs Vermeidung der Postauftragsspesen um gefi. sofortige Bezahlung des UdomieMNk-veiragez ersucht. — Die Administration. Feuilleton. Ein Heldenmädchen. Nach einer alten jüdischen Chronik. Die Judenverfolgungen des Mittelalters in Deutschland erreichten ihren Höhepunkt um die Mitte des 14. Jahrhundert. Dem furchtbaren Jahre 1337, in welchem die sogenannte Deckendorfer Verfolgung vorficl, die sich über ganz Bayern und Oesterreich erstreckte, und ihr Seitenstück, die Verfolgung von Nöttingen, deren Beispiel die Städte und Märkte fast ganz Deutschlands, wo Juden wohnten, nachahmten, folgten erst die Schrecken der Geißelbrüder, bei denen die Menschenwürde tiefer denn je gesunken war, sowohl im Fanatismus wie in den das heilige Feuer immer begleitenden unheiligsten Leidenschäften. Diese Zeiten flochten einen unverwelklichen Nuhmeskranz für die Tugenden jüdischer Frauen und Mädchen. Nicht alle fanden die Gelegenheit, sich in die Fluten des Rheins oder der Donau zu stürzen, um den Gelüsten dieser frommen Bestien zu entrinnen. Nicht einer jeden wurde beim llebersallen Zeit gelassen, durch einen Todessprung aus dem Fenster auf das Straßen- Pflaster ihre Ehre zu retten, wie das Mädchen von Straubing. Ein Mädchen in der Bamberger Diözese wahrte ihre Reinheit durch eine noch heldenmütigere Tat. -׳ / Israelische Wohltätigkeit. Daß man nun auch in liberalen Kreisen, die israelitische Wohltätigkeit in ihren geradezu lächerlichen Auswüchsen richtig einzuschätzen und entsprechend zu werten begonnen hat, beweisen folgende, in der ״Wiener Sonnunv Montagszeitung" v. 23. Dezember erschienenen Zeilen: ״W o h l t u n trägt Zinsen. Die politische Unruhe, die militärischen Vorbereitungen zur Sicherung unserer Grenzen, haben den schönen Brauch erneuert, daß die am warmen Ofen zu Hause Sitzenden wenigstens ein kleines Scherflein dazu beitragen, um den Soldaten da draußen an der Grenze das Weihnachtsfest einigermaßen zu verschönern und ihnen die Empfindung beizubringen, daß mau ihrer in der Heimat gedenke. Da haben denn die Zeitungen Aufrufe erlassen und mildtätige Menschen haben Geld und Geldeswerte geschickt, die zusammen eine recht erkleckliche Summe ausmachen. Wenn man nun die diversen zur Berössentlichung gebrachten Listen ein wenig durchsieht, so macht mau die immerhin bemerkenswerte Entdeckung, daß es vornehmlich jüdische Namen sind, die als Spender angeführt werden, und daß die Beträge, die von israelitischer Seite eingeschickt wurden, weit höhere sind als beispielsweise jene der Feudalen, Großgrundbesitzer und des Adels überhaupt. Unter allen Umsländen wird sich der Prozentsatz der jüdischen Tpenden sehr zugunsten dieser ,Konfession gegen alle anderen Konfessionen gestalten, was, da es sich keineswegs um eine sogenannte ״jüdische" Sache handelt, nur so gedeutet werden kann, daß die Unter den unheimlichen, die sündige Welt verwünschenden Geißelliedern und den stäche schwüren an den ״Mördern Gottes" zog eine Prozession der Geißelbrüder in wilden Haufe,: jenem Städtchen zu, das eine bedeutende Anzahl jüdischer Einwohner hatte. Ter männliche Teil dieser dem Tode geweihten Opfer des Glaubenswahnes war entschlossen, sein Leben so teuer als möglich zu erkaufen und rückte todesmutig der Prozession entgegen. Es kam.vor den Toren des Städtchens zu einem furchtbaren Gemetzel, die Ueberinacht der entmenschten Geißler siegte und cs blieb kein einziger der Juden am Leben. Von dem eigenen Blute der Geißelhiebe wie von dem Blute der erschlagenen Juden triefend, stürmten darauf die bis zum Wahnsinn Fanatisierten, Psalmen singend, in das Städtchen, in welchem selbst die Bürger sich verkrochen, weil sie sich vor den blindwütigen Haufen fürchteten. Und ehe sie noch in die Kirche einzogen, wie sie sonst taten, wenn sie in eine Stadt kamen, drangen sie sofort' in die Judenhäuser, um an den zurückgebliebenen Frauen und Kindern ihren gesteigerten Blutdurst zu stillen, der Juden Habe mitzunehmen und erst dann in der Kirche Gott für das vollendete Werk zu danken. Auf den Tod gefaßt, zitterten die jüdischen Mütter und Töchter nur vor der Schande. In einem der vornehmsten Häuser des Judenviertels saß ein Mädchen im Gebete versunken, auf ihre letzte Stunde sich vorbereitend. Sie war schon lange mutterlos, und heute verlor sie im Ge metzel vor den Toren auch ihren Vater. Sie hatte Juden im allgemeinen eine offenere Hand, ein wärmeres Herz für die Leiden und Strapazen unserer Soldaten an der Grenze wie überhaupt für alle von Lebenstast Beschwreten haben, als manche Bekenner anderer Konfessionen, deren Barmherzigkeit eine christliche Tugend sein sollte. Seltsam ist freilich der Erfolg dieser Eigenschaft, da sie nicht verhindert hat, daß gerade unter Betonung des Christentums den Juden die ärgsten Schmähungen, die demagogischesten Feindseligleiten, der tiefste Haß entgegengebracht wurde». ״Wohltun trägt Zinsen", dieses Sprichwort scheint nur für gewisse Konfessionen zu gelten: den Juden trug es bisher meist nur Schläge ein." 'Na also! Fünfzig Jahre lang kämpfte die ״Sonn- und Montagszeitung" für Weltbürgertum, Freisinn unv Deutschtümelei, um schließlich doch zur Einsicht zu kommen, daß die Juden eigentlich für Brot Steine erhalten, d. h. zu gut Deutsch, daß den/Juden auch ihre Wolhtätigkeit nichts genützt hat und daß sie nach wie vor rücksichtslos und gehässig, kalt, ja feindlich behandelt werden. Die ״Sonn- und Moutagszeilung" wundert sich darüber. Wir Jüdischantionalen haben uns mir diesem Faktum längst bereits abgefunden. Daß sich unsere Plutokraten an Sammlnngen für nichljüoische Zwecke in hohem Maße beteiligen, daß sie durch enorme Zuwendungen nichrjüdische und antijübische Institutionen um torstützen und fördern, daß sie christliche und christlichsoziale Zeitungen sontenieren und auch die diversen antisemitischen Wahlfondskassen mir ihrem Gelde füllen, ist offenes Geheimnis n»d wird von ihnen siebst mit geradezu zynischer mit dem Leben abgeschlossen. Sie weinte nicht, dachte vielmehr mit einem Gefühle seligster Wonne an ihre Lieben und die baldige Pereinigung mit ihnen. In ihrer Herzensreinheit und Unschuld sah das Mädchen in den Geißelbrüdern nichts weiter als Mörder und Plünderer der Juden, eine andere Gefahr ahnte sie nicht, und fast schien i.,r die Verzögerung ihres Erscheinens schon zu lange zu dauern. Sie hätte gern schon den To desstreich, den sie für eine Erlösung hielt, einpfangen. denn sie hatte ihre Seele schon Gort empfohlen und fühlte sich im Geiste bereits mit den Ihrigen vereint. Die Türen von Kästen und Schränken waren geöffnet, das Silberzeug des Hauses lag in einem Hausen auf dem Tische, Dan;11 Die Plünderer nicht lange zu suchen hab.1:׳. Endlich hörte sie in der Nähe schon den heiseren Gesang: ״Tretet herzu, wer büßen will, so fliehen wir die heiße Hüll, Luzifer ist ein böser Gesell, Wen er hat. Mit Pech er ihn labt, Jesus ward gelobet mit Gallen, Das müssen die Juden mit Blute bezahlen." eines der bekanntesten Lieder der Geißler. Das Mädchen jauchzte innerlich vor Freude, daß der Tod schon so nahe ist. Da wurde die Türe aufgerissen und herein trat ein wilder Mann, mit einen! Hut mit einem roten Kreuz auf dem Kopse, das Gesicht verzerrt von Wut und Schmerz, von der freien Achsel das Blut herab- Synagogenornate auch Lüsterkutten und schöne seltene Gelegeuheitskäufe im Spezialhaus für Synagogeuornate * || . Lieferant zahlreicher in und ||L ausländischer Kutlusgcmeiudea Große Auswahl!! Rudolf G-ldstcin, Telephon 21990 (iuternrban). ittttf ii|1 Taborstraße 54 Wiederve rkäufer Rabatt 1 uud k. r. Feldrabbiner Reich illustrierte Preisliste»!