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Jüdische Volksstimme · 1912-12-27 · Heft 38 (27.12.1912) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 38 (27.12.1912)
Date
1912-12-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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,jüdische »olttsti««-." Seite 8. Nr. 38. nehmen, über die Juden schimpfen. Wir wollen cm dem Beispiele nur aufzeigen, wie gewerbefreundlich man beim ״Badeblatt" ist. Und das geht doch aus dem oben Angeführten deutlich genug hervor. — Und dieses Badeblatt ist das offizielle Organ der internationalen Kurstadt Karlsbad. Czernowitz. Das.Interesse für die ״Jüd. Toynbeehalle", welche hier vor zwei Jahren gegründet wurde, nimmt zu. Ein sehr bedeutende Spende kam dieser Institution vor kurzem von der. ״Stifterin" Frau Emilie Brück s. A. zu, welche derselben testamentarisch 10.000 K vermachte. Die ״Jüdische Toynbeehalle" geht somit einer erfreulichen Zukunft entgegen. Stuttgart. Herr und Frau Rudolf Grünwald in Stuttgart haben amaßlich ihrer silbernen Hochzeit dem jüdischen Schwesternheim in Stuttgart die reiche Summe von 10.000 Mark zur Vergrößerung des Baufonds überwiesen. Herr Rudolf Grünwald gehört dem Verwaltungsrat des Schwcstcrnheims seit Bestehen desselben an und hat von jeher sein lebhaftestes Interesse für dasselbe betätigt. Die hochherzige Schenkung, welche er und seine Frau nunmehr dem Schwesternheim gewacht haben, ist die größte Spende, welche der Verein lecher erhalten hat: möge sie ein Vorbild für weitere Stiftungen werden! Breslau. (Einwcihungsfeier des israelitischen Siechcnhauscs.) Das aus den Mitteln der Arnold und Hermann Schottlaenderschen Stiftung auf dem Grundstücke der israelitischen Krankenverpflegungsanstalt ncuerbautc Siechenhaus wurde seiner Bestimmung übergeben. Aus diesem Anlasse versammelten sich im Sitzungssaale des israelitischen Krankenhauses die Vorstandsmitglieder der Anstalt, die Familienangehörigen der Stifter, der Vorstand der Shnagogcngemeindc und Vertreter der Repräsentantenversammlung, die Gemeindcrabbiner Dr. Rosenthal und Prof. Dr. Guttmann und sonstige geladene Gäste, zusammen etwa 70 Personen. Nach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden des Krankenhausvorstandes, Herrn Eduard Sachs, in der er den hohen Wert der Neuschöpfung in berdter Weise schilderte, ergriffen die beiden Gemeinderabbiner das Wort. Dr. Roscnthal sowohl wie Prof. Dr. Guttmann priesen das Werk edler Menschenliebe, die ein Ausdruck des wahren Glaubens und der wahren Frömmigkeit sei. Mit Chorgesang und Orgclspiel fand die erhebende Feier ihr Ende. Budapest. Der ״Bund der ungarischen Kauflcute" beschloß, auf Grund eines Memorandums von Korein, für die Abschaffung der Samstagabend-Sperrstunde und für die Verlegung der Samstagmärkte cinzutreten. Budapest. (Eine erhebende Chanukafeier in einem Sammclgefängnis.) ׳ Aus Budapest wird uns berichtet: Das Tamcnkomitce des hiesigen Patronatsvereines veranstaltcte am 1. Chanukaabend im Budapester Sammelgefängnifle für die dort befindlichen jüdischen Häftlinge eine Chanukafeier, die einen erhebenden Verlaus nahm. Noch Entzündung der Chanukalichter hielt-Obcrrabbincr Dr. Simon Hcvcsy die Festrede, durch welche die Häftlinge aufs tiefste gerührt wurden. Besonders tiefen Eindruck machte cs, als ein junger Häftling sich die Erlaubnis erbat,'dem Rabbiner und dem Patronatsverein den Dank der Schicksalsgenossen auszudrücken. Er versprach, die Mahnungen des Seelsorgers beherzigen zu wollen und nach Abbüßung der gerechten Strafe wieder ein ordentliches Mitglied der Gesellschaft zu werden. Ten Schluß bildete die Absingung der Channkagesänge mit Harmoniumbegleitung und eine Beschenkung der Häftlinge. An den Festgcsängen haben die Häftlinge gleichfalls teilgenommen. Ter erhebenden Feier hatten außer dem Gefängnisdirektor das gesamte Damcnkomitec des Patronatsvcreines sowie Vertreter der Justizbchörde beigcwohnt. Daruvar. Am 1. d. tagte in Agram die Landeskonferenz der Zionisten aus den südslawischen Ländern der österreichisch-ungarischen 'Monarchie. Der Telcgiertentag, der unter Vorsitz der Mitglieder des grossen A. C. Herrn Tr. Hngo Spitzer im Beratnngssaale der israelitischen Gemeinde tagte, war nur sehr massig besucht. Vertreten waren: Agram, Essegg, Banjaluka, Bjelina. Lipnik, Prijedor, Bjelovar und Sarajewo, außerdem die Vereine Bar-Giona, Wien, Achdus und Judäa, Agram. Das Aktionskoinitee in Berlin hatte an den Delegiertentag ein Begrüßungsschreiben gerichtet. An den verschiedenen Referaten schloß sich eine ziemlich rege Debatte. Ausser der Sicherung des regelmäßigen Erscheinens des Parteiorgans ״Ad. Smotra" und einer Resolution in der die Sympathie für die Pflege der hebräischen Sprache zum Ausdruck gebracht wird, hat die Landeskonferenz nichts Positives zutage gefördert. Ein Antrag des Rabbiners Keller auf Anstellung eines besoldeten Parteisekretärs wurde im Prinzip zum Beschluß erhoben. Deni Berichte der I. N. F.- Kommission ist zu entnehmen, daß die N. F.- Spenden während des kurzen Zeitraumes von kauni 10 Monaten die Höhe von 7477 K 64 h erreicht haben. In den Ausschuß wurden Per Akklamation gewählt: Präsident Dr. H. Spitzer (Essegg). Vizepräsident Dr. S. Jakobi (Agram), Sekretäre: Dr. S. Bogad und Dr. M. Horn (Agram), Kassier: I. Kraus (Agram), Ausschuß:-Alb I. Alkalay (Sarajewo), Klara Barmaper-Jakobi (Wien), Erwin Krauß (Essegg), N. Landau (Bjelina), Dr. A. Licht (Agram), Alb. Oznlo (Sarajewo) und Gustav Seidemann (Prijedor). Unter Absingung der ״Hatikwah" wurde der Delegiertentag am Abend geschlossen. Pakrac. Auf Anregung des Herrn Tr. Hermann, Genieindearzt in Lipik, sowie Sr. Ehrw. Herrn Bezirksrabbiner Tr. R. Glück hat sich hier eine zionistische Ortsgruppe gebildet, die zirka 20 Mitglieder zählt. Am Sonntag den 8. d. erstattete Gg. Dr. Herman, der die Ortsgruppe beiin letzten Telegiertentage in Agram vertreten hatte, ein ausführliches Referat über die Beschlüsse des Telegiertentage», das mit grossem Beifall ausgenommen wurde. Um die Gründüng der Ortsgruppe hat sich Herr Dr. Herman große Verdienste erworben. Newyork. Jakob H. Schiff hat der Bibliothek des amerikanischen Kongresses die fchr wertvolle Sammlung hebräischer Literaturdenkmäler, die von Ephraim Dei- »erd aus Arlington (Neu-Jersey) zusammengebracht war, geschenkt. Ter Katalog weist 8830 Nummern auf. Tie Sammlung ist namentlich reich an Bibel- und Talmud-Ausgaben: unter letzteren befindet sich der Erstdruck von Banberg in Venedig (1520 bis 23j und die vollständige Frankfurter Ausgabe (1720 bis 22). Sptcchfaa!. (Die P. T. Einsender werden dringendst^ersucht, die ״Eingesendet" ganz kurz abzufassen.) Das Doktorat des Rabbiners. Tie Anregung, welche Herr Rabbiner Dr. Reach in der letzten Nummer der ״Volksstimmc" gegeben Hai, bietet mir willkommenen Anlaß über das obligate Doktorat unserer Seelsorger ein paar Worte zu sprechen. Seit vielen Jahren lese ich die Konknrsausschreidüngen für Rabbiner in Wcftösterreich. Das erste Erfordernis, dem wir begegnen, ist der ״Toktortitel". Gewohnlich wird auch »och die entsprechende Staatszugc- Hörigkeit, das Alter von weniger als 35 Jahren, geringe Kinderzahl, eventuell noch ״liberale Gesinnung" beansprucht. Was nicht verlangt wird, ist ״die Zugehörigkcit zur jüdischen Religion", ״fachliches Wissen", ״moralische und religiöse Befähigung". — Aber die immer wicderkchrende, niemals ausbleibende Bedingung ist der Toktortitel, gleichviel wo und auf welche Weise er erworben sein mag. Woher diese fixe Idee in die Köpfe unserer Kultusgemeinden gekommen sein mag, weiß ich nicht, aber sic hat sich schon so fest eingebürgert, daß man nur mehr darüber streitet, ov der Rabbiner das Doktorat der Philosophie oder das der Jurisprudenz erwerben soll. Ist denn wirklich der Titel und seine Ursache für einen Rabbiner die Hauptsache oder wäre nicht die sachliche Ausbildung und strenge Religiosität nebenbei auch in Betracht zu ziehen? Ich muß zugeben, daß die heuchlerische Forderung nach ״liberaler Gesinnung" und dergleichen seit Iahren in den Konkursausschreibungen immer seltener loird, aber es gibt in den jüdischen Gemeinden schon so wenig Judentum auszurottcn, daß der gewünschte ״Libcralismus" wirklich überflüssig ist. Was die ״iviffcnschaftliche" Tätigkeit vieler Rabbiner anbelangt, welche an Doktorat und Liberalismus den Anforderungen ihrer Gemeindevorstände cntfprechcn, ist auch ganz danach. Wenn cs nicht eine tiefgründige Abhandlung über eine alt-indische Nedewendüng oder über die Lautwandlung im Sanskrit während eines bestimmten Jahrhunderts ist, so ergehen sich die gelehrten Studien unserer Priester von Seminars Gnaden in voraussetzungslose Kritik unseres Bibeltextes. Ad vocem: ״Seminar". In dieser Woche starb Herr Professor Dr. David Heinrich Müllers Die ״Neue Freie Presse" (nebst einigen anderen Blättern) berichtete) aus diesem Anlasse ihren jüdischen Lesern, wer der verstorbene Gelehrte war. Im redaktionellen Teile er» zählte die ״N. Fr. Pr." detailliert, daß Prof. Müller mit abgrundtiefer Gelehrsamkeit und mit einem Dutzend anderer Eigenschaften vorurteilsfreie Kritik an Hamur-׳bis Schriften an der Bibel und den Büchern der Apo. fiel geübt usiv. und daß er einige Artikel in der ״N. Fr. Pr." veröffentlicht habe. An anderer Stelle — gegen gute Bezahlung — teilt sie ihren Lesern im Namen des Wiener Rabbinerseminars mit. daß Prof. Müller an diesem Institute seit dessen Gründung lehrte und an der Ausbildung unseres Rabbinerstandcs tätigen Anteil genommen. Das Kuratorium der Anstalt — ohne Unterschied der Konfession seiner Mitglieder — konnte im Lebrplan auf die Lehrkraft dieses Meister vorauSsetzungSloser Bibelkritik nicht verzichten. Gegenüber Herrn Dr. Reach aber möchte ich noch konstatieren, daß nach der Seminarausbildung das Ltlldium der Philosophie nicht in die Lage kommen dürfte, eine Erschütterung der Glaubcnsfestigkeit ihrer Hörer herbeizuführen. Ir. H. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ich erwarte von Ihrer Loyalität, daß Sie meine nachstehende Erwiderung auf die Beschwerde und Anregung des Herrn Prof. Dr. Julius Reach unverkürzt zum Abdruck bringen werden.*) Ehrwürden Tr. Reach beschwert sich in der letzten Nummer deseS Blattes, daß ein K u l t u S v o r st e h e r eine Trauungsdelegation erteilte, zu welcher Amts- Handlung er keineswegs berechtigt war. Diese Beschwerde finde ich von meinem juridischen Standpunkte durchaus nicht unbegründet. Ich gebe auch ohneweiters zu, daß hie und da solche kleine Uebergriffe und Kompetenz- Überschreitungen seitens solcher Vorsteher, die keine Juristen sind, namentlich in kleineren und alten jüdischen Gemeinden vorzukomine» pflegen. Von meinem gut jüdischen Standpunkte muß ich aber als mildernd feststellen, daß solche Fälle in der inangclhasken Kenntnis der einschlägigen behördlichen und gesetzlichen Vorschritten und Verordnungen ihren Ursprung haben, wobei eine böswillige oder schädigende Absicht durchaus ausgeschlossen ist. Hingegen ist mir der Schluß, zu dem Herr Tr. Reach gelangt, ganz und gar unklar. Er proponiert, daß die jungen jüdischen Theologen anstatt mit philosophischen lieber mit jurioischen Studien sich befassen und anstatt das philosophische das juridiscye Doktorat erlangen sollen. Dieser Schluß ist direkt unlogisch. Denn logischer Weise müßte er znm Schluffe gelangen, daß die V o r- »eher juridische Kenntnisse besitzen, also Juristen sein sollen, um Gesetzüberschreitungen vorzubeugcn und zu verymdern, nicht aber die Rabbiner, denen dann die Aufgabe zufallen sollte, ans Grund ihrer juridiffyeu Kenntnisse die weniger rühmenswerte Rolle eines Prozeßhansel in ihren Gemeinden zu spielen und Gerichte und politische Behörden mit ihren Spitzeldienstcu und Denunziationen zu belästigen. Nichts ist ividenvärtiger als wenn ein Rabbiner vor Gericht steht, sei es als Kläger oder Angeklagter und nichts ivirkl aviioßender als ivenn ein Rabbiner die Behörden überläuft und sie molcstiert. Ties lveiß ich als langjähriger Advokat aas Erfahrung. Hingegen muß ich dem chnvürdigen Herr» Rabbiner in Gaya in einem Punkte Recht geben: die abbiuer brauche» de» philosophischen Tottortitel nicht. Daraus folgt keineswegs, daß sie sich mit juridischen Studien deraffen sollen, sondern mit dem Studium, daS ihre eigen׳- liche Domäne ist und sein soll: mit dem jüdischen SchrijiiUin. Ich kenne Rabbiner selbst in großen Gen.einden Mährens, die in tötlichste Verlegenheit geraten, wenn ihnen ein hebräiayeS Schriitjtilck vorgeiegt wird oder wenn sie nach einer Talmudjielle gen ragt werden. Manche pflegen sich in solchen Fällen dadurch zu Helsen, indem sie den Beistand eines in einer klei neren Gemeinde wirkenden ״Kollegen" anrnfen, der sich seinerseits eine Ehre daraus macht, seinem großen Aintsbruder dienen und ihm ans der Verlegenheit Helsen zu können. Nun wird mir jeder zugebcn, daß solche Zustände ganz und gar »»haltbar sind. Es durste leinen katholischen Geistlichen geben, der die Sprache, n. *) Wir entsprechen dem Wunsche des uns persönlich bekannten Herrn Einsenders, ohne mit ihm in allen Punkten übercinzustimmen. Anmerkung der Red. Herrenwäsche nach Mass und Herrenmodewaren kaufen besten am Sie im Spezialgeschäfte der Firma ״Derby“ V. DRESLER, Brünn, Krapfengasse Nr. 24—26. Nur apparte Neuheiten. Feste Preise.

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