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Jüdische Volksstimme · 1912-12-27 · Heft 38 (27.12.1912) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 38 (27.12.1912)
Date
1912-12-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Bette v ^Jüdische Bolksstimme." Nr. 38 der er -seine. Messe liest, also die lateinische Sprache, nicht wie seine Muttersprache beherrscht. Und jüdische Seelsorger sind nicht einmal in der Lage, einen unpunktierten hebräischen TeTt zu lesen oder manche Gebelftückc aus dem Machsor zu übersetzen, geschweige denn in hebräischer Sprache zu korrespondieren. Von einem jüdischen Theologen ist nicht die Kenntnis der schnell cingcpauktcn philosophischen Systeme, die nebenbei nur die allerwenigsten beherrschen, sondern 00: allem jüdische Theologie zu verlangen und zu erwarten. Darunter versteht man die souveräne Beherrschung der hebräischen Sprache, der Mischna und des Talmuds, der 1 Äid ailircratur und der Werke der mittelalterlichen jl.eiichen Gelehrten. Auch ich bin dafür, daß die Schätze, die im Talmud verborgen sind, gehoben werden sollen, schon um des juridischen Momentes . allen. Aber warum tun cs nicht die Herren Theologen? Schöner und ehrenvoller als Zank und Streit in den Gemeinden zu entfachen, wie es leider manche Rabbiner tun, oder Prozeffc zu führen > nd die Behörden zu belästigen, tvärc cs allerdings,!renn sie sich mehr mit ihrem Berufe befasicn und ihr Wissen bereichern würden. Dann wären sic auch wahre '■pricitev und würden ihren Gemeinden als Muster dienen. Der philosophische Doktortitcl besagt noch gar nichts. Im Gegenteil dieser gilt für manchen modernen Theologen als eine Art Freibrief, am Sabbat kleinere Spritztouren zu unternehmen und solche Zerstreuungen inkognito zu suchen, die eines Theologen ganz und gar unwürdig sind. Von einem Juristen erwartet man juridische Kenntniste, von einem Theologen, zumal eines solchen in einer größeren Gemeinde erwartet man bedeutendes jlid. Wissen, eifriges Studium und einen in jeder Bezicbung sittlichen und tugendhaften Lebenswandel: Friedensliebe, Einfachheit, Demut und Bescheidenheit. Er soll Feindschaften schlichten, nicht Zlvictracht säen und Haß vermehren. So waren unsere alten Theologen obne den Doktortitcl und so sollen unsere modernen Theologen mit dem Doktortitcl sein, Theologen und keine Doktoren. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener Dr. L., Advokat und Kultusvorstchcr. Geehrter Herr Redakteur! Hierdurch ersuche ich Sie um gefl. Verösfeutlichuug nachstehender Zeilen: Erwiderung. In Nr. 36 Ihrer geschätzten Zeitschrift befindet sich eine Abhandlung von Herrn Rabbiuer Dr. R, Guggenheimer, die mit den Worten beginnt: ״Es ist eine bekannte Tatsache, das; des Chanukafestcs in der Mischna nicht erwähnt wird." Diese Behauptung, beruht auf einem argen Irrtums denn nicht . weniger als vier Mischnastellen stehen ihr entgegen. 1. Im Trattat Taanit, Abschn. 2, 4, heisst cs: אין גוזרין תעניות על הציור בד״ה בחנוכה ובפורים באחד בטבת לא הי׳ בו מעמד שהי׳ בו הלל und zwar ganz הלל was aber nicht um des willen, sondern wegen des damit zusammentreffcnden Ehanukafestcs geschieht. 3. Megilla 3, 6: בחנוכה קורי? בנשיאיב 4. Baiia Kama ö, 6: גמל טעון פשתן ועבר ברשות הרבים נכנסה פשתני n 7 ק j! 1 i «m y! ♦ /w דק; ר i; n!«דת! ן!;!!׳ *«««M *י" * «*»«■» «•««■• «••JM »«««■IM d ul I | if UC t >d d Idl I י י dt l «.11 7C* . 1 i! •1 I «1*4« V* *■•*■»*«»« *«««** 11Ub 1 i_i.1l 1 1U1n 1 i 1J1 l ־ I E fi Dazu kommt noch Traktat Megillat Taauil!»,3: בכה בבשליו יומי חנוכה תמני׳ אינין דלא למבפד Ans all dein geht klar hervor, das; Rabbi Ichuda ha- Nässt des Chanukafestes, wenn er ihm keinen besonderen Traktat gewidmet und die Makkabäerkämpfe und Siege, weil nichts Halachisches, nicht ausdrücklich hervorgehoben, gar wohl gedacht hat. Die von Herrn Tr. G. aus Grund seiner irrtümlichen Behauptung gezogene Schluszsolgerung fällt somit in sich zusammen. Hochachtungsvoll Rabbiner Tr. Schisser, Karlsruhe. Sehr geehrter Herr. Redakteur! Mit Bezug auf die. Anfrage des Herrn Dr. K—n. in der letzten Nummer Ihrer gesch. Zeitung, erlaube ich mir zu bemerken, daß nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der 613 Gebote auf direkte Gebote zurückzuführen sind! Das die Ehe ein biblisches Gebot ist, geht ja aus dem Dekalog hervor und die Ueberlieferung führt es auch auf Deuter 24, 1 zurück: ״Wenn ein Mann sich eine aneignet und ehelicht" — die Bibel setzt eben überall das Vorhandensein eines ungeschriebenen Gesetzes voraus (vcrgl. Hirfchs Kommentar zu Exog. 21, 2). Die Theologen verweise ich nur auf 1 ם׳ החינוך- Gebot, Maimon. 212. Gebot, und ganz besonders auf den Kommentar des N. Ascher zum Traktate Kethubb., Abschn. 1, § 12: כי ברבה זו אינה ברכה usw. zu verweisen. Von den späteren Geonim handelt R. Moses Schick in seinem Werke über die 613 Gebote (Munkacs 1896, S. 1) ausführlich über die Frage des Herrn Dr. K—11. Herrn Dr. K—n. empfehle ich die 613 Gebote im Halachoth Gedaloth durchzugehen oder, wenn er nicht im Besitze dieses Werkes ist, die 613 Gebote im Musiafgcbetc des Wochenfestes im Schcbuoth-Machsor, wo er den Passus finden wird: וימים שמנה עשר ולילה אחד לגמור בהש את ההלל ונר חנכה בעתה" Schreiber dieser Zeilen wäre Herrn Dr. K—n. zu großem Danke verpflichtet, wenn er ihm auch für diese ein direktes Gebot in der Bibel Nachweisen könnte. (Hierzu ist der bekannte Streit zwischen Maimon. und Nachman. im 1 §' שפד ה2׳ zu vergleichen.) Hochachtungsvoll Dr. N—g. Sehr geehrter Herr Redakteur! In Bezug auf die Anfrage über Milzbrand erlaube ich mir auf den דין im Schulchan Aruch, Joreh Deal) 43, 8 2, Zus. des N. M. Isserl.: ״Ist das Fleisch der Milz infolge einer Krankheit verändert, so ist sie als gelöchert zu betrachten", also t r c f a h. Ebenso heißt cs daselbst § 60: ״Bei jedem Gliede, das durch ein Loch das Tier trefah macht, ist dies auch durch die Erkrankung des Fleisches (nach N. M. I. auch die Veränderung der Fleischfarbe) der Fall." Besonders wenn die Farbe schwarz ist oder die Milz mit schwarzen Blasen bedeckt ist. (§. Ez. Landau, Nr. 13, 14 im Noda Bijehuda T. I. D.) Hochachtungsvoll Amitai. אמת Der Milzbrand nach jüdischem Ritualgcsctzc. Geehrter Herr Redakteur! Die Anregung des Schächters Herrn Rcinus in Ar. 49 Ihres geschätzten Blattes zur Besprechung der Frage, ob vom Milzbrand infizierte Schlachttierc für uns vom Genüsse auszuschließcn sind, verdient schon darum hohe Würdigung, als dadurch Gelegenheit geboten wird, den hygienischen Wert unserer Speiscgesetzc auch in Kreisen bckanntzumachen, in denen bis nun die Gelegenheit abgcgangcn, sic auch nur in Erwägung zu ziehen. Ob auch jene hochgebildeten Jüdinnen, die es nicht begreifen können, ״wie man heutzutage noch so weit zurückscin kann, kein anderes als koscheres Fleisch in Gebrauch zu nehmen," dadurch diesen Rückstand in der Aufgeklärtheit milder beurteilen werden? Dui vivcra rcrra. Ich betone, gebildete Jüdinnen. Denn in christlichen gebildeten Kreisen finden diese die höchste Anerkennung. Sagte mir doch vor einigen Iahreu ein Arzt, dessen antisemitische Denkweise über jeden Zweifel erhaben ist: ״Wenn unter den Talmudlehrcrn nicht hervorragende Acrzte sich befänden, hattcn ja Sic nicht solche vorzügliche Speiscgesetzc." Nun zur Sache selbst. Herr Rcinus fragt, ob er ein von Milzbrand befallenes Tier als Trepha zu ertlärcn habe. Wenn auch naturgemäß diese Krankheit unter dieser Benennung in den diesbezüglichen Kodizes nicht vorkommt, so ist sic nichtsdestoweniger zu den Abnormitäten zu zählen, die ein solches Tier vom Genusse ausschlicßt. Dies geht klar und deutlich hervor aus der Mischnah im Traktate Chulin Fol. 42 a, wo die Krankheiten in Gruppen ausgczäblt sind, die das Trephah zur Folge haben. Denn diese Auszählung schließt mit den Worten: ' זה הכלל כל שאין כמוה חיה טרפה Halte den Grundsatz fest: Jedes Tier ist für trepha zu erklären, an dessen Abnormität es verenden mutz. Und da erfahrungsgemäß der Milzbrand den Tod des. betreffenden Tieres herbetführt, so ist es selbstredend für uns rituell ungenießbar. Aber nebstdem scheint mir die Frage erörterungswert, ob Milzbrand unseren Dczisorcn überhaupt schon bekannt. Wie ich bereits eingangs erwähnt, ist diese Krankheit-unter der Bezeichnung Milzbrand selbstverstündlich nicht aufgezählt. Dagegen kommt in dem Abschnitte des betreffenden Kodex» der alle Abnormitäten an der Milz behandelt, eine unter dem Ausdrucke לק ותא vor. Nachdem mir in meiner Praxis noch niemals ein Schächter eine brandige Milz zur Entscheidüng vorgelegt, so ist meine Unkenntnis der Erkennungszcichcn dieser Krankheit begreiflich. Ich muß mich darum aus die Bekanntgabe der Bedingnisse beschränken, die das Vieh trepha machen. Wenn bloß die äußere Haut ihre gctvöhnliche Farbe verändert, ohne daß das Fleisch unter derselben krankhaft erscheint, ist es für koscher zu erklären. Hat aber auch das Fleisch nicht mehr sein gewöhnliches Aussehen, oder ist sogar schon in Fäulnis übergegangen, ist es trephah. Ob das die Merkmale des Milzbrandes sind, will ich Herrn Reinus zu entscheiden überlassen, der doch den Milzbrand sicherlich aus eigenen Sinncswahrnehmung kennen dürfte. Das aber unterliegt keinem Zweifel, daß nach dem Grundsätze der der erwähnten Mischnah ein solches Tier für trephah erklärt werden muß. Gelegentlich möchte ich mich auch mit wenigen Worten mit dem Achad haam abfinden. Offengcstanden widerstrebt es meiner Anschauung und sittlichen Denkweise, auf Pscudonymauslassungcn irgendwie zu reagieren. Da ich aber gerade die Feder in der Hand habe, bitte ich Sic, geehrter Herr Redakteur, meiner Erklärung wenige Zeilen cinzuräumen. Der ״Eine aus dem Volke" ist der" Ansicht, daß ״zufolge meinen Ausführungen müßte man das von Schelhoh (?) — meint der Herr vielleicht das Buch Schncluchoth habbrith? — so heiß empfohlene und von ganz Israel sehr verherrlichte Buch ״Tikkun Bel Schowuas cinstampfcn." Wenn er dazu Lust verspürt, habe ich nichts darein zu reden. In ganz Mähren, Böhmen und Schlesien wird ihm die Ausführung keine allzu große Mühe verursachen. In diesen drei Kronländcrn wird dieses ״von ganz Israel verherrlichte Buch" sicherlich durchschnittlich kaum אחד בעיר ושנים במשפחה vvrfindcn. Wie viele von ״ganz Israel" in Brünn mögen wohl eine Ahnung von der Existenz dieses von ihnen ״verherrlichten" Buches haben? Wenn er auch die Meinung vertritt, meine Ausführungen stimmen nicht ganz überein mit Joredea Hilchos Seser Thora, so gestatte ich mir die unbescheidene Frage, warum der Herr die widersprechende Stelle nicht zitiert. Lomnitz den 20. Dezember 1912. Rabbiner Dr. Simon,Wolffsohn. Jkief&alien der Redaktion. Jüdischnationaler. Hülsner ist tatsächlich römisch-katholisch geworden) was.aber nicht an der Ueberzeugnng aller vernünftigen Menschen ändert, daß er mit dem Morde an Agnes Hruza irichts zu tun gehabt hat. Ebensowenig wird dadurch das Unrecht verringert, welches Vorgänge während der Untersuchung und der Verhandlung an dem Judcntume und den einzelnen Juden verübt wurde. Die ״Arbeiterzeitung" hat kein Interesse an der Beugung des Rechtes und an den Leiden des Individuums, wenn die Geschädigten Juden,sind. — Orthodoxer K. Diese feineu Unterscheidungen zwischen hyperorthodox, orthodox und gemäßigt orthodox usw. können wir nicht abmessen. Wer religiös ist, fühlt sich durch das offizielle Ableugncn der Grundwahrheiten verletzt. — Leser der W. Ob Habig sein Geschäft im Hause des Barons Springer betreibt oder ob der Hausbesitzer anders heißt, ist füglich Nebensache. Die Hauptsache, daß Habig seine jüdische Kontoristin wegen ihres Judentums entlassen hat, steht fest. Kann man die Tatsache nicht todsprcchen, so versucht man sie ti-dzuschweigcn. — Mehrere Eingcsendet und Artikel mußten wegen Raummangeln Zurückbleiben. » Spezial-Geschäft in Strumpfu. Wirk- 1I £11111־1־ q 11 n waren. Alleinverkauf von gestrickten Anzügen. JÖCl lllOlvl 1 lvl l lllCtllll Strümpfe, Socken, Handschuhe, Sportartikel 8V Brünn, Herrengasse Nr. 8—10. 1■ s K S L

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