Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 38 (27.12.1912)
- Date
- 1912-12-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2621806-2621807-2621845--1887-2622962- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4. ״Jüdische BolkSstnnme."_t ' M. 38 Diskonto-Jesellschaft bei der 0 Nordösterreichischen Bank fit Industrie, Handel and Landwirtschaft, registrierte Genossenschaft mit besehrSnkter Haftung ln Sriinn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgesch&fte, hauptsächlich auch für den Eskompt offener Buchforderungen | unter den allergünstigsten Bedingungen. Wiener Hadmditcn. WienOTavid^HcinrichMüllrr gestorben. Am 21. d. ist hier der hervorragende jüdische Orientalin David Heinrich M ül lcr, Professor der semitischen Philologie an der Wiener Universität, im Alter von 66 Jahren gesiorbcn. Müller genotz namentlich als ausgezeichneter Kenner der südarabischcn Dialekte hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen. Er hat sich auch um die Erforschung der althcbräischen Metrik sowie um die hcbräischc Lexikographie bleibende Verdienste crtvorbcn und war ferner als tüchtiger Assyriologe bekannt. In früheren Jahren gehörte er auch dem Lehrkörper der Jüdisch-Theologischen Lehranstalt in Wien an und laS dort über hebräische Grammatik und jüdische Religionsvbilosophic. Von seinen Schriften zur Bibclwissenschast sind zu nennen: Ezechiel-Studien, Wien 1895; Die Prophctcn in ihrer ursprünglichen Form, 2 Bdc., Wien 1896; Strophcnbau und Rcsponscn, neue Beiträge, Wien, .898; Neue Wahrnehmungen bezüglich der prophctischcn Kunstsormcn, Wien 1916. Müller schrieb ferner u. a.: Südarabischc Studien, 1877; Die Burgen und Schläger Südarabicns, 2 Bde., 1879—81; Die Mehr!- und Soqotri-Sprachc, 3 Bdc., 1902—07; Die Gesetze Hammurabi's und ihr Verhältnis zur mosaischen Gesetzgebung sowie zu den 12 Tafeln, 1903. Spezifisch ji^isch-iviffenschaftlichc Gegenstände behandelte Müller in den Schriften: Rezensionen und Versionen des Eldad Ha-Dani 11892! und Tie Haggada von Scrajcvo (1898). M,.^er war Mitglied der Wiener Akademie der Wissenschastcn und Mitherausgeber der Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes. Klerikalismus und Frcihrrrutitrl. Wie die Wie- ״er ״Arbeiterzeitung" berichtet, hat nun auch der In- Haber des Bankhauses S. und M. Reitzes in Wien, Hans Freiherr v. Reitzes, den Frciherrntitcl für ein Zuwcndüng von ungefähr eine halbe Millionen Kronen für den im September stattgcfundcncn Eucharistcnkongrcß erhalten. Daß das holboftiziösc ״Frcmdenblatt" diese Behauptung prompt berichtigt, verschlägt nichts. Die ״Arbeiterzeitung" hält ihre Behauptung doch aufrecht. Es wird nachgerade zur Manie, sich für Spenden an die .Kirche und für deren Zwecke den Frciherrntitcl zu ergattern. Und dass cö gerade Juden sein müssen, die dazu auscrwählt werben, der Kirche den Tribut zu liefern, ist geradezu skandalös. Wohl wahr: In Geldfachen gilt das ״Non ölet", aber die Frage einer solchen Zuwendung durch Juden für die Hebung und Stärkung des Klcrikalismus in Oesterreich hat doch auch etwas menschlich nicht zu Billigendes und ist an und für sich abstoßend. Es gibt doch genug Woklfahrts- und andere Zwecke in Österreich, um die die titcllüsternen Jsraclilcn sich verdient mache» könnten, und cs gibt doch anderseits auch begüterte nichijüdischc Adelsaspirauten, die, wenn cs schon sein mutz, zu Leistungen für die Kirche hcrangczogcn werden könnten! Wcisikirchner Bürgermeister von Wien. Am Tage, da Schuhmcier vom Parlamente ausgclicfcrt wurde, hat der bisherige Bürgermeister von Wien, aus Furcht vor einem Eklat seine Würde nicdergclegt. Nun ist also Neumaycr doch gegangen. Nach Lueger. Neu- ,naher und nach diesem auf Beschluß des Bürgcrklubs: Wcitzkirchncr. Deutlicher als in dieser Folge kann sich der Niedergang der chrisilicksozialcn Partei nicht dokumentiercn. ZOjährigcs Stiftungsfest der Verbindung ״Kadimah" in Wien. Die erste zionistische Studentenverbindung ״Kadimah" in Wien feiert im Jänner 1918 den Ablauf ihres 60. Semesters. Das Festprostramm lautet: 27. Jänner: Bcgrntznngscibcnd. 2S. Jänner: Ball. 20. Jänner: Festkonvent. 80. Jänner (vormittags): Besuch des Grabes Herzls: (abends): Kommers. 81. Jänner: Zionislisches Meeting. 1. Februar: Fcstbummel auf der Aula der Universität. 2. Februar: Ausflust. Oeiumer Macfttuftieii. Beda-Abend. Am Dienstag den 17. Dezember 1912 veranstaltete die rührige jüdisch-akademische Rede- und Lesehalle in Brünn wieder einen Vortragsabend und, damit wir es gleich vor vornherein sagen, mit einem Erfolg, zu dem man dem strebsamen Verein nur herzlichst gratuliercn kann. Der Titel ״Beda-Abend" bewirkte, was noch nie bei einer derartigen jüdischeu Veranstaltung zu sehen war, einen bis auf das berühmte letzte Plätzchen ausverkauften Saal, ja, noch mehr, es mutzten einzelne Sitze, so gut es ging, im letzten Augenblick eingcschoden werden, unVTrotz alledem konnte gar mancher keinen Einlatz mehr finden! Nicht wenig trug zum schönen Gelingen des Abends das liebenswürdige, bildhübsche Frl. Helene Nies, das beliebte Mitglied des hiesigen Stadttheatcrs, bei, die bekanntlich einem Rufe ans Burgtheatcr folgen wird, und sich in liebenswürdiger Weise dem Verein zur Verfügung gestellt hatte. Den Abend leitete, Beda, mit stürmischem Beifall bcgrützt, mit einigen launigen Worten ein und schloß daran eine Reihe seiner neuesten Gedichte, die sämtliche im Publikum ein verständnisinniges Echo fanden. Den zweiten Teil des Abends bestritt die reizende Künstlerin, die zuerst einzelne von Bedas ernsten Gedichten zum Vortrag brachte, und dann eine gelungene Auswähl von Perlen der modernen Literatur, fein pointiert, vorlas. Die temperamentvolle junge Dame mutzte sich zu mehreren Zugaben entschlietzcn und wurde nicht nur durch tosenden Beifall belohnt, sondern auch mit zahlreichen Blumcnspenden und Geschenken bedacht. Nach dem Vortrag gönnte man den beiden Künstlern noch lange keine Ruhe und sic mutzten bei der darauffelgenden Damenkneipc die Ehrenplätze cinnehmen. Die Kneipe, deren inoffiziellem Teil Veda präsidierte, nahm einen flotten und lustigen, von echt studentischem Humor durchwehten Verlauf. Unter den überaus zahlreich erschienen Gästen herrschte die animierteste Stimmung, was umso höher anzuschlagen ist, als die ganze Veranstaltung streng auf jüdischer Basis stand. Ten Gipfelpunkt des, man konnte längst nicht mehr sagen, ״Abends", bildete die Ueberreickmng des Bandes an das neuernannte Ehrenmitglied der jüdisch-akademischen Rede- und Lesehalle ״Beda" (Dr. Fritz Löhner). H. K.- B. Israeliten ausgeschlossen! Im Tagesbotcn vom 16. Dezember, Kleiner Anzeiger, war solgendcs Inserat eingeschaltet: ״Möbl., reines, separ. Gasscnzimmcr an soliden Herrn zu ver mieten. Israelit ausgeschlossen. Winterhollerpl. Nr. 18, 1. Stock, Tür 3." Zwei Tage hierauf erschien in der Administration des genannten Blattes ein Jude, der ein gleichlautendes Inserat bis auf die Worte ״Israeliten ausgeschlosscn", ״Christen ausgeschlossen" einschalten wollte. Der Administrationsbeamte übernahm das Inserat und erlaubte sich die Frage: ״Sind Wir denn Hottentotten?" Hierauf bemerkte der das Inserat aufgebende Herr in höflicher Weise: ״)Nachdem Sic Inserate mit dem Texte: Jsraeliten ausgeschlossen, werden Sie Wohl auch dieses Inserat ausnchmcn. Das Inserat wurde bezahlt und siehe da cs erschien anstatt des aufgegebcncn Inserates ein Inserat: ״Möbl. Zimmer für Jsraelitcn zu vergeben" usw. Der Tagcsbote, das Organ der hiesigen Deutschen, mosaischer Konscssion, welches gar so gerne in die Welt hinausposaunt, deutschfortschrittlich zu sein, hat den Mut, Inserate mit dem Texte: ״Israeliten ausgeschlossen" zu bringen. In dem Momente aber, wie oben angeführt, gebracht ׳werden soll, ist der Fortschritt dieses Blattes beim Teufel. Wir glauben, das; unseren jüdischen Mitbürgern diese kleine Kostprobe wieder wohl ein wenig Anlatz zum )Nachdenken geben wird. Peo-Brockcnsammlung des Vereines Machsite HadaS, Brünn. Die P. T. Glaubensgenossen werden dringend gebeten, alte Schuhe, Kleider, Hüte, Wäsche dem Vereine zur Verfügung zu stellen, lieber Wunsch werden die Spenden abgcholt. — Herr Dr. Jak. Eckstein hat der Peo-Sammlung zwei Hcrrcnhütc gespendet. — Für die Chanukascicr der Bibelschulc des Vereines Machsikc Hadas haben die Herren I. Stern, Kraut- . markt, Gutmann Breda, Falkcnsteinergassc, und Leo I Baumgatten, Krapfengasse, Zuckerwaren und Obst gespendet. Den Spendern ser an dieser Stelle bester Dank gesagt.. Brunner Stadttheater. Wochen spielplan: Freitag den 27. Dezember: Zar und Zimmermann. Samstag den 28. Dezember: Die Meistersinger. (Anfang 6 Uhr.) Sonntag den 29. Dezember: Eine tolle Wirtschaft. Abends: Das Märchen, vom Wolf. Montag den 30. Dezember: Die Zauberflöte. . (Anfang 6 Uhr.) Dienstag den 31. Dezember: Prinz Methusalem. (Anfang 6 Uhr.) Mittwoch den 1. Jänner: Fatinitza. Theaternachricht. In der Aufführung von ״Die Meistersinger von Nürnberg" debütiert als Hans Sachs der Heldentenor Herr Willi Sonilen vom Stadttheater in Danzig. Die Direktion steht wegen der Oper: ״Der Gaukler unserer lieben Frau" von Massenet in Unterhandlung, lieber die Premiere von Molnars ״Märchen vom Wolf" werden wir in der nächsten Nummer berichten. H. G. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNG^ GESELL- SCHAFT, WIEN, I. ASPERNPLATZ I lm eigenen Palais. — Versichertes Kapital dr|ca 380 MtUonen. Reserven drka 113 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tarif mit 5«/0 jährlich fallender garantierter Prämie Generalngenlur für Wien, 1., Aspe,rplatz 1, Leiter David NebeazaidJSub Direktion fttr Prag, Perainmdsgasse20 neu, Leiter Roden Gerstel. Sub-Direktion für Lemberg, Saat-' nochn 3. Leiter LSdl Taube י Hauptagentur für Brünn, WawrastraBe 10. Leiter: Samuel Reininger. Äoreelponäenzen. Misslich. Am 1. Dezember d. I. veranstaltete die israelitische Volksschule unter Mitwirkung der Violinschule des Herrn Lehrers Felix Riesenfeld, ferner des Herrn Willi Horner und des Herrn Ernst Schwarzbart im Hotel Bader eine Schulfeier, deren Reinerträgnis dem Vereine für Kinderschutz und Jugendfürsorge zusiel. An dem überfüllten Saale konnte man sehen, Interesse die hiesige Bevölkerung derartigen Veranstaltungen entgegcnbringt. Herr Oberlehrer Hersch begrüßte die Erschienenen und erklärte den Zweck der Feier. Hierauf folgten abwechselnd deklamatorische und musikalische Vorträge. Ein wahrer Beifallssturm raste durch den Saal als die Kinderkapelle unter Leitung des Herrn Lehrers Felix Riesenfeld die Ouvertüre vom ״Kalifen von Bagdad" mit Klavierbegleitung vortrugen. Nach Abwicklung des Programnies hielt die gehobene Stimmung auch während des Tanzens an. Karlsbad. Wir entnehmen dem Karlsbader Volkswillc folgende Zeilen: Wie man beim ״Badeblatt" den Geschästsleuten Hilst, ist uns schon öfter erzählt worden. Dieser Tage wieder hörten wir von einem Falle, der recht drastisch zeigt, wie gcwerbefreundlich man beim Blatte der ״Gcwerbcretter" ist. Ein Gastwirt, der seit länger als einem Jahrzehnt Abonnent des ״Badeblattes" ist und auch öfter in diesem Blatte inseriert, gab eine Anzeige einer musikalischen Unterhaltung auf. Er bestellte sich die Salonkapclle Bügler, richtete für einen größeren Besuch Speisen vor und — erlitt einen großen materiellen Schaden, da das ״Badcblatt" dtp Annonce nicht brachte — weil das Geld nicht im vÄaus eintraf — und der Wirt außer dieser Annonce für keine weitere Reklame gesorgt hatte. Als er dann in der Verwaltung des Blattes darüber Klage führte, sagte man ihm, daß das deshalb geschehen wäre, weil der betreffende Wirt vor zwei Jahren — mehrmals vom Inkassanten des ״Badcblattcs" nicht zu Hause angetroffcn worden sei (!!). Gewiß ein triftiger Grund, um einen Geschäftsmann schwer zu schädigen. Im übrigen fuhr man den Wirt gleich an, er sei ״Wohl ein Sozialdemokrat" und schloß daran gleich eine Verunglimpfung des Abgeordneten Löw. Schließlich schnauzte man den Wirt an, daß er jener Partei angchöre, die an ihrer Spitze Inden habe, fügte bei, daß das sehr dumm von ihm sei, da doch ״Juden nichts arbeiten" usw. Als der Wirt (der natürlich kein Sozialdemokrat ist, sich aber über das Geschimpfe aufrcgtc) den betreffenden Beamten derb abfertigte, wurde man gegen ihn handgreiflich. Wir wollen nicht weiter Worte darüber verlieren, wie komisch es ist, wenn die Administrationsbeamten des ״Badcblattcs", die täglich die jüdischen Annoncen auf- Die schönste Schrift in Kürzester Zeit erreicht iedertnannini K k. veh. aut. Zchreldschule Professor Rudolf Roubltscbek känüäiämt^m Prag, Ulmeisplatz 01 &ÄÄÄÄ: