Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 37 (19.12.1912)
- Date
- 1912-12-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37. jüdische Bolk-sti««e." Seite S. verein, der auf dem Gebiete der Armenunterstützung, insbesondere in der Badesaison, unermüdlich Großes leistet, zur Chanukafcier eine Bekleidung unserer bedürftigen Schuljugend, wobei dieselbe mit vollständiger Winteradjustierung ausgestattet wurde. Am Abend des ersten Chanukatages veranstaltete der Vizepcäscs Herr Siegmund Rausnitz für die bedachten Kinder im Hotel Gebrüder Rausnitz ein Festmahl, bei welchem die frcudestrahlenden Kinder mit einer reichlichen, gute Dinge enthaltenden Jause unter musikalischen Klavicrkiängen bewirtet wurden. Anwesend bei diesem herzersreuenden Feste waren die Borstandsdamen des Vereines: Präsidentin Frau Julie Leitner, Kassaverwaltcrin Frau Sophie Leitner, die Frauen Rosa Schneider, Marie Schreiber, Frau Dr. Raab, Frau Dr. Polatschek als Gast, ferner die Herren: Beirat Moritz Leitner, Kultuspräsidcnt und Sekretär I. Jnfcld. Die Stimmung der Kinder ivar eine sehr gehobene; ohne Aufforderung sangen sie unter Klavierbeglciturkg diverse Schullieder und schlossen mit der Jnwnierung der Volkshymne,!vorauf alle Anwesenden ein dreimaliges Hoch ausbrachten. Kremsier. (Chanukafeicr in der Landes-Pflege- und Heilanstalt.) Einer gewiß sehr seltenen Chanukafeicr, hatten wir in Kremsier Gelegenheit -beizuwohnen. Wie bei den periodisch eingeführten Gottesdiensten, so auch bei dieser Feier, war es die Initiative unseres allgemein beliebten, sehr geehrten Herrn Rabbiner Dr. Schweiger, der sich für das Zustandekommen dieser Feier Fehr bemühte. Im Verein mit unserer verehrlichen Chewra, sotoie des verehrlichen Frauen-Ilnterstützungsvereines, wurde am 8. d. M. bei Anwesenheit der Vertretung obiger Vereine sowie des KultusausschuffcS, dann vieler Gcmeindemitgliedcr die Feier begangen. Nach Beendigung des Minchagcbetes entzündetc Sr. Ehrw. die Lichter und brachte in begeisterter Rede die hohe Bedeutung des Festes für das Judentum vor. Wie wirkungsvoll diese Rede war, konnte man am besten ersehen, wenn man die Mienen der ״Aermsten der Armen", der Pfleglinge beobachtete, in welchem man fast ein neues Aufleuchten ihres schon erloschenen Gemütes zu sehen glaubte. Ein wahres Chanukka. Nach dem Maariwgebete wurden die Pfleglinge mit Siitzigleiten bcteilt. Die löbl. Direktion kam diesmal mit besonderer Liebenswürdigkeit entgegen, indem selbe den Festsaal zur Verfügung stellte und Beamte sowie die Herren Acrzte der Feier beiwohnten. Vielleicht sollte die löbliche Kultusgemcinde, der doch schon die besondere Zuvorkommenheit der löbl. Direktion bekannt ist, höheren Orts darüber berichten. Unserem sehr verehrten Herrn Rabbiner ist es gewiß der schönste Lohn, wenn er sah, was für Wirkung er mit seiner Rede erzielte. Oberhollabrunn. Sonntag den 15. d. M. fand unter zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung von Obcrhollabrunn und Umgebung das 'Leichenbegängnis der Frau Mathilde Wcinberger geb. Deutsch statt. Die Verblichene entstammte einer der vornehmsten Fami-, lien Mährens und lebte an der Seite ihres Gatten Herrn Leopold Wcinberger, Vorstandsmitglied der Chewra Kadischa und des Tempelvereines der hiesigen Kultusgemcinde, seit 39 Jahren in der glücklichsten Ehe. Die verblichene war eine edle, wohltätige Frau und ob ihrer Bescheidenheit und Lauterkeit des Charakters von jedermann hochgeachtet. Neligionslehrer S. Jellinek widmete der so früh Dahingeschiedenen einen warmempfundenen Nachruf. <^egen ihrem Andenken! Welka. Am 15. d. fand m israelitischen Tempel z>. Pretzburg die Trauung des Frl. Margit Haas, Toch-- tcr des Herrn Moritz Haas, Gutspächters in Welka, mit Herrn Ing. Gyula Bcncc, Budapest, statt. Unsere besten Glückwünsche. Die Red. Budapest. (Eine unglückliche Familie.) Im Vorjahre wies die Bartfacr Grenzpolizei auf Geheiß des Sztropkoer Oberstuhlrichters Malonyay den seit siebzehn Jahren in Sztropko ansässigen Moses Tkats, Baler von sieben minderjährigen Kindern, aus dem Lande. Ter frühere Ministerpräsident Graf Karl Khuen-Hedervary, dem der Fall gemeldet wurde, verurteilte die Verfügung aufs schärfste und annullierte sie. Over-' stuhlrichtcr Malonyay wies nun Tkats von neuem aus, welche Verfügung jetzt auch vom Ministerium des Innein bestätigt wurde. Tkats lebt nun mit seiner Familie in dem Grenzdorfe Komancza im größten Elend. In diesem Monat kam Tkats zu Fuß nach Budapest, um um Hilfe zu suchen. ' Reichsratsabgcordneter Josef Markus überreichte dem Ministerpräsidenten v. Lukacs das Rcpatriierungsgesuch des unglücklichen Mannes. Ter Ministerpräsident versprach, dem Bedauerswerten und seiner Familie nach Tunlichkeit zu helfen. Tebreczin. Im Alter von 79 Jahren ist der Großgrundbesitzer Peter Hartstein gestorben. Er war der reichste Mann des Hajduer Komitatcs und besaß die ausgebrcitetsten Latifundien. Auf seinen Gütern ruhte jede Arbeit am Sabbath. Er war überaus wohltätig. T. A. lljhely. In der strittigen Nabbinersrage wurde ein rabbinischcs Schiedsgericht enigesetzt. Mitglieder sind die Rabbiner aus Beregszoz, Raczsüred. Szobsany und Nagy Karoly. Obmann ist der Oberrabbiner E. Deutsch in Bonyhad. Jerusalem. Die Augenklinik des Lemaan-Zion ist seit Monat Juli wiederum eröffnet worden. Tr. Ticho hat die Stelle als Chefarzt übernommen. Tie Leistungen der Augenklinik im 3. Quartal!Juli—Oktober) waren ganz enorm und sind von keiner Anstalt bisher erreicht worden. 2280 Personen wurden ambulatorisch behandelt, deren Besuche in den Sprechstunden insgesamt 23.551 betrugen. Von den Patienten sind neun Zehntel bereits geheilt und brauchen nicht mehr die Poliklinik zu besuchen. Das Augenhospital enthält 10 Betten, in welchen 199 Patienten Aufnahme fanden, nämlich solche, die unbedingt operativ behandelt werden mußten oder einer fachmännischen Aufsicht unterstellt werden sollten. Von diesen 109 internen Patienten wurden 119 als geheilt entlassen, und die übrigen, bis auf zwei Kranke, werden demnächst die Klinik gesund verlassen .Von den oben genannten 2280 Kranken, von denen 900 mit akuten Entzündungen behaftet!varen, sind alle bis auf vier von der Gefahr einer Erblindung gerettet. — Nach den o!1lziellen Berichten der ägyptischen Regierung, die in der Zeitschrift für Augenärzte in Wien erscheinen, beträgt die Zahl der Erblindungen bei akuten Entzündüngen 38 Prozent, sodaß der Verein Lemaan-Zion auf die durch seine Augenklinik außerordentlich günstig erzielten Resultate mit Recht stolz sein kann. Jerusalem. Die religiöse Verehrung der frommen Juden für Jerusalem ist kürzlich lvicder durch eine große Spende für religiöse Zlvccke zum Ausdruck gekemmen. Ein Mitglied der bekannten indl,ch-jn״i>chen Familie Sasson hat in seinem -Testament über eine Million Franken mit der Bestimmung hinterstesten, daß in Jerusalcn, eine Jeschibah, ein Lehrbaus zum Studium des Talmuds errichtet werden soll, wo zwanzig Talmudgelehrte dem Studium des Talmuds und der Kaboaliftischen Schriften oblieg--»! sollen. Dr. Rudolf Raibollcky gew. Letter der l.cbirg.Jl&ttiluiig der Lander»ran»ensnr»att wohnt: £cke?erdinand$oa$se und 1 30ba!UIC$$<l$$C <. ttoier ttrevr -) ordiniert tSgiich von 2 vir 4 übr nachm. Fernsprecher Nr 603. Sprec&faaf. Sehr geehrter Herr Redakteur! Es ist vor kurzem vorgekommen, das; der Vorsteher einer Gemeinde, deren Rabbinat zurzeit nicht beseht ist, eine Trannngsdelegation nicht durch den bei der Behörde angemeldeten Rabbinerstellvertreter ausfertigen lief;, sondern selbst ausgestellt hat und daß ein Rabbiner auf Grund dieser illegalen Delegation die Trauung des ihm fremden Brautpaares in seinem Gemeindesprengel vorgenommen hat. Um der Wiederholung eines derartigen dein Gesetze nicht entsprechenden Vorganges vorzubeugen, fühlt man sich veranlaßt, auf die gesetzliche Bestimmung des ss 17 des Gesetzes vom 21. März 1800, Rr. 57 R.-G.-Bl., hinzuweisen, daß zur Vornähme der Trauung. Scheidung und Trennung nur der Rabbiner oder dessen Stellvertreter berufen ist, ferner auf 8 127 a. b. G.-B., daß nur der Rabbiner den Rabbiner einer Indexen Geineinde zur Vornahme der Trauung bestellen kann; weiter auf den tiefeinschueidenden 8 12!» a. b. G.-B., daß der Abschluß einer Ehe unter Juden, ohne Beobachtung der gesetzlichen Borschristen, ganz andere gesetzliche Folgen nach sich zieht, als beispielsweise zwischen Christen, bei! welchen die Gültigkeit der Ehe nicht immer kontrovers wird, ferner auf die Bestimmungen des 8 180 a. b. G.-B. und die in demselben enthaltenen Strafandrohungen. Bei dieser Gelegenheit wäre es nicht unangebracht, der Anregung Raum zu geben, daß die Studierenden der jüdischen Theologie an den Leminarien statt nebenbei das Studium der Philosophie zu betreiben, lieber trachten mögen überdies das Doktorat der Rechte zu erlangen; ihre Stellung im Leben wäre daun, etwaigen Uebergriffen gegenüber, eine viel gefestigtere, überdies verlangt die Studienordnun״ auch für Juristen eine Beschäftigung mit philosophischen Disziplinen oder schließt dieselbe wenigstens nicht aus, auch stünden sie beim Betreiben juristijcher Studien insofern auch tzistoriiö'-indii'^ein Boden, als sa die früheren Rabbiner den Titel ״Appellanten oder Oberjuristen" führten und würde das Obliegen solcher Studien sie gewiß nicht sosehr in die Gefahr innerer Konflikte bringen, wie das beim Betreiben philosophischer Studien bei dem einen oder anderen der Fo.il sein kann; endlich wäre noch darauf hinzuweisen, daß im Talmud ein ganzes System eines ins gentium niedergeicgt ist, ein Schatz, der bis heute nicht gehoben wurde und der Gesichtspunkte enthält, welche allch aus die moderne Zivil- und Strafrechtslehre befruchtend wirken könnte und welcher der'Wissenschaft nur durch juristisch durchbildete Rabbiner zugänglich gemacht werden könnte. Gaya. den 16. Dezeurber 1912. Prof. Dr. Julius Neach, Rabbiner. » Löbliche Redaktion! In Ihrer Zeitung vom 4. d. brachten Sie einen ״Beitrag zum Rückgänge des Judentums in Mähren" und behandelten darin die Einsührung des Kreuzes in jüdischen Schulen. Bei die-;er Gelegenheit machten Sie den Rabbinern den Vorwurf, daß dieselben sich ans die jüdischen Priester hinausspielen. Gegen diesen Vorwurf muß ich. entschieden Verwahrung einlegen und weiß mich diesbezüglich eins mit allen Berufsgenossen, gleichviel, ob dieselben liberal oder konservativ sind. Wir sind nichts anderes und wollen nichts anderes sein als die Lehrer unserer Gemeinden und ihre religiösen Berater. Wenn wir bei unserer Funktion unseren Ornat an׳ legen ,so tun wir das nur gezwungen, mit Rücksicht auf das Vorurteil des Publikums und mit Unterdrückung unserer edleren Gefühle. Uns bedeutet der Ornat gar nichts und wir entkleiden uns seinetwegen nur ungerne des durch die Religion vorgeschriebenen ״Talis". Ich betone nochmals, etz liegt den Rabbi ncrn nichts ferner, als sich die Priestertvürde zu arrogieren. Mit dem Ausdrucke der vorzüglichsten Hochachtung K. * * Löbl. Redaktivn! Zufolge den Ausführungen des Herrn Wolffsohu in der vorvorletzten Nummer Ihres gesch. Blattes, die übrigens mit Jorch Deal, Hilchot Scfer Thora nicht ganz übercinstimmen, müßte man das von Schilha so heiß empfohlene und von ganz Israel sehr verherrlichte Buch Tikknm Lel Schoivnas einstampsen, da es doch kein Lehrbuch ist. Achtungsvoll Achad Haam. * * Sehr geehrter Herr Redakteur! Ein hervorragender jüdischer Theologe in Oesterreich hat wisfenschafllich fejkgeitellt, daß die Bibel kein d i r e k t e s G e b o t d e r E h e enthält. Ich geflatre mir daher die Frage zu stellen, woher es kommt, daß Ivir 013 anstatt 012 Gebote haben. ' Tr. K—11. * * Geehrter Herr Redakteur! Tie Lektüre Ihres geschätzten Blattes vom 0. d. veranlaßt mich zu einigen Bemerkungen, für ivelche ich mir Ihre geehrte Freundschaft erbitte: 1. Die Fragerin, ״Was macht eigentlich euer Wott nach den sechs Tchöpfungstagen" würde ich aus unser tägliches Morgengebet verwiesen habe», wo es heißt: רבטזבי מחדש בכל יוס המדד מעשה בי־יאשית Unser Gott erneut eben Tag für Tag für alle Ewigkeit das Werk der Schöpfung. *»«*/,xt** mm « nach Mass und Herrenmodewaren kaufen besten am Sie flc rreilWaSUie lm SperialgesvbMe *«־ kirma ״Derby“ V. DRESLER, Brünn, Krapfengasse Nr. 24—26. Nur apparte Neuheiten. Feste Preise. B a