Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 37 (19.12.1912)
- Date
- 1912-12-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. ״Jüdische BoUSstimme." Nr. 37 Jerusalemer Chronik. 2. Für den Gedanken, den Sabbath ״zeitgemäß" zu i begehen, kann ich den Berliner Fortschrittjuden der Ge- > gcmvart die Originalität durchaus nicht zubilligcn.s Dieser Tage verschied hier der Gründer der Denn leider spuckt diese Idee in den Kopsen der ״mo- . Jeschibah ״Thorath Chajim", Rabbiner Jizschak dcrnen Israeliten" seit länger als einem halben Jahr-; Winagrad. Vor 26 Jahren kam er nach Jerusahundert. Der Bericht über die Versammlung der Sab- : lem mit dein ausgesprochenen Ziele, eine Neue bath srcundc in Wien hat nur eine der ersten Prcgroße Jeschibah für das Talmudstudium zu digtcn, die im Osten unserer Monarchie gehalten wurde,! gründen. In die für diese Zwecke der Jeschibah in Erinnerung gebracht.; nötigen Gebäude steckte er eigenes Kapital sowie die Geschichte Pothiphars und Josephs behandelt. Den Als nämlich die Lcmbcrgcr Judengcmcinde daran; namhafte Geldmittel seines reichen Schwieger-! Text versassen Hugo von Hofmannsthal und Graf ging, sich zu reformieren, d. h. die gute alte jüdische Vaters hinein. Die Ausgaben der Jeschibah be- Harry Keßler. Hofmannsthal eignet sich allerdings füt Tradition über den Haufen zu wrsen und für die Fortliefen sich jährlich auf mehr als 100.000 Franken!die Bearbeitung dieser Geschichte ganz besonders gut. schrittler einen ״modernen Gottesdienst" einzuführcn, — bis vor zwei Jahren die Krise in den hiesigen ' baute sie zunächst einen Tempel, wie man diese Art Anstalten des alten Jischub ausbrach, von der diese Annahme, 'so hat man neben altäghptischen und altsyrischen Heiligtum die Stelle der Zusammenkunft der Juden auf Delos gefunden, wodurch sich das Bild der heiligen Insel, auf deren Boden in den letzten Jahr- Hunderten vor Christi Geburt alle Gottesdienste der antiken Welt gepflegt wurden, erst richtig vervollständigt. Richard Strauß' neuestes Werk ist ein Bassett, das Synagogen fälschlich benennt. In Konsequenz dieses ersten Schrittes stellte die Gemeinde einen deutschen Prediger an. (Dazumal gab es noch die Spezies ״Jüdische Polen" nicht.) Dieser Prediger — wenn ich mich recht erinnere war es Schwabacher — unterstellte als Text einer Sabbathpredigl den ושמהו Ta übersetzte beziehungsweise deutele er den Satz לעשות את השבת להורותם ״Zu feiern den Sabath nach dem Zcitgeistc." Er führte diesen Gedanken dahin aus, daß die strenge Einhaltung des Sabbaths als mit der moderne» Entwicklung des wirtschaftliche»^Lebens nicht mehr vereinbar, auch nicht mehr gefordert werden dürfe. Ick betone ausdrücklich, daß ich um die Zeit, als sich dieser Vorfall zutrug, noch ein Kind war und die Predigt nicht gehört habe; diese Art der Deutung der beiligne Schrift hat aber dazumal so viel Aufsehen, ja ' geradezu Verblüffung erregt, daß sie in ganz Galizien eifrig diskutiert wurde. Diese darikale Reform aber war selbst den Lembergcr Fortschrittlern gar zu sonderbar: sic haben denn auch den Prediger, der von der Kanzel aus die Einballuiig des Sabbaths als nicht unbedingt notwendig verkünden wollte, nicht lange behalten. Ick glaube, daß auch die Fortschrittler neuester ,wit ihren Irrtum einsehen und finden werden, daß es ein Sabathfeier nach dem Zeitgeiste nicht gibt. Ich erinnere mich auch, daß die Wiener Kultusgemeinde auf eine Anregung des Landesschulrates, den jüdischen Kindern zu gestatten, am Samstag zu schreiben, geantwortet hat, «vom dogmatischen Verbote, am Sabbath zu schreiben, sind wir nicht in der Lage, Tispens zu erteilen". Also selbst die modernste und fortgeschrittenste Indengenninde des Reiches konnte einer zeitgemäßen Tabbathfeier nicht das Wort reden. .Hoffentlich hat es mit der ״zeitgemäßen" Feier des Sabbath noch seine guten Wege. :ercth. Dr. I. K o h 1:. Löbliche Redaktion! Aus den letzten Nummern Ihres geschätzten Blattes ist die ersrcnliche Tatsache wahrzunchinen, daß Tie religionsgesetzlichen Fragen Raum gewähren. Die öffentlichen Erörterungen solcher Fragen lenken zweifellos die Aufnlcrkiamfeit der weitesten Kreise aus Ihr geschätztes Platt und somit auch auf das darin besprochene Tliemo, so daß man auch iin Kaffeehaus leicht zum Ttzorasrnditnn eingeregt werden und getangen tann. Tic nlachcn sich demgemäß um unsere heil. Thora sehr verdienstvoll. Insbesondere ist es auch מצוה להגדיל תירה ולהאדירה Es gebührt Ihnen ob dieser glücklichen Idee allseitige Anerkennung. Gestatten Tie nun einem Tchächler, in dessen Wohnort, kein Rabbiner da ist, eine שאלה zu veröffentlichen: Wie soll ein Tchochet bei Milzbrand verfahren: soll er Trefah oder Koscher sagen? Nach unserer Norschritt ist ein Loch in der Milz Trefah, nach den tierärztlichen Vorschriften ist auch Milzbrand Trefah und höchst gesundheitsschädlich. Ich ersuche die geehrten Herren Rabbiner um eine תשובה , damit auch andere Schächter den דיל הלבה למעשה erfahren. die Jeschibah in hohem Maße betroffen wurde seit damals hatte Rabbiner Winograd harte Kämpfe mit den Gläubigern und mit seinen Gegnern, die er in den rabbinischen Kreisen stets hatte, auszufechten. Ucberhaupt gilt von ihm das Wort des Dichters: Non der Parteien Gunst und Haß verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte." Er war als Mann der Tat, begabt mit einer ungewöhnlichen Energie, eben eine ungewohnte Erscheinung unter den Jerusalemer Rabbinern, die in kein dauerndes Verhältnis zu ihm gelangen konnten. Während nun die einen ihn mit glühendem Haß verfolgten, waren die anderen ebensosehr für ihn begeistert. — Dem Vernehmen nach wird die Jeschibah von seinem Bruder, der noch in Rußland weilt, wciter geleitet werden. Dieser Tage übergab der Chachainbaschi der hiesigen Schulbehörde 800 Franken, die in den Schulen und Talmud-Thoras von Jerusalem für den Noten Halbmond gesammelt wurden. Weitere 1000 Franken, die in den hiesigen aschkenasischen und sephardischen Gemeinden gesammelt wurden, wird der Chachainbaschi demnächst dem Gouverneur zum gleichen Zweck übergeben. Der Vorsitzende der Schulbehörde ersuchte den Cbachanibaschi in einem Schreiben, den Judeii den Tank der Negierung auszusprechen. Die Werkstatt für Pcrlmutterarbeiten, die hier ans Rechnung ves Herrn Nathan Straus gegründet wurde, entwickelt sich gut, .und es ist zu hoffen, daß ste einer Anzahl Familien den Lebensunctrhalt verschaffen wird. Die Vczalelschule geht jetzt daran, in Je rusalein selbst eine Verkaufsstelle für ihre Produktc einzurichtcn. Zu diesem Zwecke errichtet der Bezalcl am Jassator, wo hier der größte Verkehr ist, einen Pavillon, in dem auch andere Arbeiten, wie beispielsweise die der Perlmutter- Werkstatt und der Diainantenschlciserei zum Verkaufe gelangen werden. Der Pavillon, auf dessen stattliche Ausführung besonderes Gewich t gelegt wird, dürfte in einem Monate bereits vollendet sein. Dr. Brünn, der Leiter des hiesigen Gesund heitsamtes, erhielt von Herrn Nathan Straus aus Ncwpork 10.000 Franken, die als Unterstütziing für die durch den Krieg in eine Notläge geratenen Familien dienen sollen Notiz. Kalligraph Noubitschek garantiert dafür, daß bei nur einigem Flcitzc, nach seiner Methode eine tadellose, gefällige und elegante Handschrift auf Lebenszeit erworben und alle anhaftenden Schrcibgebrcchcn, wie auch Schrcibkramvf, Händezittern usw. beseitigt werden, und daß jede Schrift sich fortgesetzt überraschend weiter verbessern mutz. Seine Methode hat nichts Gemeinschaftliches mir den Methoden, wie sic in den im Handel Vorkommenden, veralteten Lehrbüchern gelehrt werden, denn diese Lehrbücher zeigen gewissermaßen nur, wie die Schrift sein soll, aber niemals kann man danach die schöne geläufige Schrift erlernen, weil dem Schüler nicht der Schlüssel gegeben wird, die Buchstaben korrekt nachzubilden. Der Schüler verfällt bei dieser veralteten Methode infolge der Ungeübtheit und des Mangels einer rationellen Anleitung in der Regel in seine alten Fehler, verliert die Geduld, wirft dann die Vorlagen weg und behält die schlechte Schrift bis ans Lebensende. Die Methode — eine sensationelle Erfindung des öerühmten Kunstkalligraphen Rudolf Noubitschek - so genial durchdacht und so verläßlich erprobt, daß cs dem Lernenden schon im vorhinein unmöglich ge!!acht wird, in die seiner Handschirft anhafienden Fehler auch weiterhin zu verfallen, da er die zu erlernende Schrift auf den eigens von ihm erfundenen patentierten Linienblättern, welche die Lage, Größe, Eni'!-, nung und Vollendung der einzelnen Buchstaben korrckt angcben, einfach nachschreibt und auch alle so wichtigen Anfangsbcgrisfc vor sich hat, die den Schi.!!ei zur rationellen Erlernung darstcllen. Der Schüler har also gleich bei Beginn des Unterrichtes das Gefühl der Sicherheit und übt somit sofort fehlerfrei. — Es ist daher jedermann Gelegenheit geboten, ohne Aeiiücrsäumnis, ohne Berufsstörung und mühelos durck diese Schreibmeihode eine korrekte, elegante und tjöch» modcrnc Handschrift sich sofort anzueigncn. Nähere Aaskunft und Anmeldungen an Kalligraph Noubitschek in Prag. Wenzelsplatz 61, der jede gewünschte Auskunft erteilt. itiindlchait. 1912 Wochenkalender 5678. Achtungsvoll Rcinus. Leo Vrodsky verläßt Rußland. Wie man aus gut unterrichteten Kreisen erfährt, wird der auch im Auslande bekannte Millionär und Philantrop Leo Brodsky binnen kurzem für immer Rußland verlassen und sich in Paris niederlassen. Vor seinem endgültigen Abschiede aus Rußland wird Leo Brodsky aus eigenen Mitteln eine zweite jüdische Gewerbeschule in Kiew errichten. Ein jüdischer Rektor in Basel. Professor Karl Joel, der jüngste Nachfolger Nitzsches auf dem philosophischcn Lehrstuhl der Universität in Basel, ist für das neue Studienjahr zum Rektor magnifieus der Basclcr Universität gewählt worden. Ueber die engereren Kreise der philosophischen Fachwissenschaft hinaus, die er durch seine Studie zur griechischen Philosophie gefördert hat, ist der Gelehrte durch fesselnde Essays!..Philosophenwege") und durch sein Buch über Nietzsche und die Romantik bekannt geworden. Ein antiker jüdischer Tempel auf Delos. Wie aus Paris geschrieben wird, sind die französischen Ausgrabangen ans Delos nun beinahe vollendet. Das intercssantc Resultat ist die Entdeckung eines Gebäude-Z, an dessen Innenwänden Bänke entlang führen. Man hält dies Gebäude für eine jüdische Synagoge. Bestätigt sich טבת $e«.| Festtage | הפטרה M ח 18 D ט 19 ff י 20 Fasttag — עשרה בטבת s יא 21 ל״ל א־־וך! דח־ =- Beg. d. Wint. ויקרבו יפי דוד S 22 M י: 23 סזק״ל D יד 24 צו 25 l D טז 26 תענית שובבים רדת הכא־ם י; רט F יד 27 S יח 28 . שמות יעקב Röntgen-Institut Durchleuchtungen »er Brust mt* ftaa* einaeweide. Photographien bei Unsaft Verletzungen, Gelenksu Nnochenkrankheite», Heilbehandlung bei verschiedene» chr»> nischen Krankheiten. Speziatarzt Dr Eugen Koda«, OrS»», Großer Platz 3. (Bankhau» H«be») Kleptzo» 1444 (iaterarl*■). ״FLÄUMIN״ Monantsbinde für Damen mit 3 waschbaren Reserveeinlagea sehr bequem zum Tragen per 1 Stück 4 Kronen. 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