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Jüdische Volksstimme · 1912-12-19 · Heft 37 (19.12.1912) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 37 (19.12.1912)
Date
1912-12-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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«KK-! Seite 4. ״Jüdische BolkSstimme." Nr. 37 her für Renovierungen und Erneuerungen des Portals große Summen investiert hätte. Baron Springer aber erklärte: ״Sie haben dieses Gcschäftslokal seit mehr als zwanzig Jahren in Miete, ohne daß Ihnen auch ein Heller gesteigert worden wäre. Sie müssen sich jetzt diese geringfügige Erhöhung schon gefallen lassen. Sollten Sie jedoch nicht sofort zustimmcn, so müßten Sic sich um ein anderes Lokal umsehen." Als Herr H. Bedenkfrist erbat, erklärte Baron Springer, die Erhöhung würde, wenn nicht sofort zugcstimmt, 10.000 Kronen ausmachcn. Der Chef der genannten Firma machte also gute Miene zum bösen Spiel und unterschrieb sofort den ihm vorgclcgten Vertrag. Als er sich entfernen Wollte, hielt ihm Baron Springer noch zurück, klingelte, worauf das tagszuvor aus der Firma cntlaffcne jüdische Mädchen aus dem anstoßenden Bureau hereintrat. Herr Baron Springer sagte: ״Fräulein'. Der Herr zahlt vom 1. Februar angefangcn 400 Kronen monatlich mehr für sein Gcschäftslokal, diese 400 K gehören Ihnen und Sic werden sie am 1. eines jeden Monats bei der Firma gegen skalamäßig gestempelte Quittung beheben. Sprachs und verabschiedete beide Parteien." Dazu ist,weiter nichts zu bemerken als: Hut ab! von dieser Hutfirma! wiener Nuclrricüten Interpellationen. Am 6. Dezember l. I. hat der polnische Abg. Breiter in einer im Parlamente gehaltcnen Rede auf die momentane Geldnot in Galizien hingcwiescn, die durch das plötzliche Zurückzichcn der Geldmittel durch einige Banken entstanden sei. Abg. Breiter bczcichnetc in seiner Rede diese Tat der Bankcn als einen .,Kreuzzug", der gegen die Juden gerichtet fei. Natürlich schwieg sich das gesamte Parlament und das Ministerium zu dieser Frage gründlichst aus und der Abg. Reizes mußte in der Sitzung vom 13. Dezcmbcr wieder durch eine Anfrage diese Angelegenheit dem Hause in Erinnerung bringen. Die Regierung scheint diesmal taube Ohren zu haben, weil cs sich nur um Juden handelt. Sonst wären sic gleich mit irgendeiner Notslandsaktion zur Stelle. Aber die Regierung wird sich gewaltig täuschen. Sie meint die Juden, und wird die Bauern treffen. Denn verläusig ist der galizischc Bauer noch lange nicht so weit, um sich ohne Nachteil ohne die Juden behelfen zu können. Wir werden auf diese Angelegenheit noch des näheren zurückkommcn. Rosenfcld-Fcicr. Mittwoch den 11. Dezember d. I. fand im Saale 38 der Wiener Universität eine von der ״Jüdischen Kultur" anläßlich des 50. Geburtstages des Dichters veranstaltete Roscnscld-Fcier statt. Der große Saal war bis aufs letzte Plätzchen gefüllt. Die cinlcitcndc Conference hielt Dr. Otto Abeles. Hierauf trug Fräulein Hclldorf eine Reihe von Roscnfcldschcn Gedichten unter lebhaftem Beifall vor. Geradezu glänzend war die Rezitation der Gedichte ״Gerechtigkeit", ״Mein Kind" und ״Sturm" durch den Schauspieler Alwin Neuß. Dieser besitzt ein ausgezeichnetes Organ und verstand cs ausgezeichnet sich in das jeweilige Sujet hineinzuleben und die einzelnen Szenen mit packender Gewalt wicdcrzugcben. Minutenlanger Applaus lohnte seinen herrlichen Vortrag. Die ״Kultur" hat allen Grund, auf diese Veranstaltung stolz zu sein. Vortragszyklus. Wie alljährlich, hat auch diesmal die Wiener israelitische Kultusgcmcindc einen Vortrogszyklus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur eingerichtet. Die Vorträge werden jeden Donnerstag im Festsaalc des Ingenieur- und Architcktenvcrcincs, 1. Bezirk, Eschenbachgaflc 9, abgchaltcn. Da der Eintritt frei ist, so ist der Saal gewöhnlich schon lange vor Beginn des Vortrages so dicht besetzt, daß der größte Teil abzichcn muß, ohne Einlaß zu finden. Es wäre deshalb zu wünschen, daß der Vorstand der Kultusgemeinde vielleicht einen größeren Saal zur Abhaltung der Vorträge wählt, um so mehr als die Vorträge doch möglichst vielen zugänglich sein sollen. Wien. (Chanukafcier.) Der Bcthaus- und Talmud-- Thora-Verein am ״Volkcrt", 2. Bcz., Fugbachgaffe 7, veranstaltete am Sonntag den 8. d. M. um 5 Uhr nachmittags einen imposanten Festgottcsdienst für die Schüler der Sprach- und Bibclschulc. Es waren erschienen: der Prä!wcnt des Tcmpelvcrcincs Herr Adolf Schramek, der Obmann der Schulscktion Herr Samuel Adler mit dem Vorstände, Sr. Ehrw. Herr Rabbiner I. L. Abeles, Herr Bibclschulinspcktor I. Braun, Religionsprofessor Moritz Antschcrl, sowie viele andere Zuhörer und Jntcrcffentcn. ES war geradezu scnsationcll, daß die Schüler selbst den Abcndgottcsdicnst in altchrwürdigcr Weise mit Routine versahen. Nach dem Vortrage eines Gedichtes erfolgte das Anzünden dec Chanukalichter. Nachdem der Tempclchor das Haneros halolu sang stimmte der Schülerchor das Moaus zur an. Dann trat ein Schüler auf den Almcmor und trug schwungvoll das Maariw-Gebet, affisticrt vom Schülerchor, mit der traditionellen Melodie vor. Sr. Ehrw. Herr Rabbiner I. S. Abeles hielt hierauf die Festrede, in der er die Bedeutung dieses Festes schilderte. Nachdem noch einige Gedichte vorgetragen wurden, sang der Schülcrchor das Halelujah und dann die Volks- Hymne. Nach der Feier wurden die Schüler mit Ersrischungen bedacht. Das Verdienst um das Gelingen dieser Feier gebührt den Lehrern Herren I. Nutzbaum und M. Schulz, letzterer hat auch den Gottesdienst einstudiert und geleuct. Wien. (Misrachi-Wien, 2. Bez., Zirkusgafle 20.) Die am 8. d. stattgchabte konstituierende Gcneralvcrsammlung hat in die Vereinslcitung berufen die Herrcn: Austerlitz August, Austerlitz Isidor, Lcitncr Julius, März Jakob, Neurath Emil, Spiegel Markus, Stern Jakob. In der nun folgenden Sitzung der neuen Bcrcinslcitung berief dieselbe zum Obmanne Herrn Isidor Austerlitz, zum Obmannstellvcrtreter Herrn Emil Neurath und Herr Jakob März, zum Kaffier Herrn Julius Lcitncr. Ferner wählte die Generalversammlung a,s Revisoren die Herren Mendel Kohn und Leopold Ullmann. Trauung. Mittwoch den 25. d. M. findet um halb 2 Uhr im Leopoldstädter Tempel die Trauung unseres bewährten Gg. Moritz Klingcnbcrger mit Fräuleni Gisa Eisler statt. Unsere herzlichsten Glückwünsche. Die Ned. Verlobung. Unser Gg. Georg Sonderling hat sich mit Fräulein Josza Taussig, Prag, verlobt. Unsere besten Glückwünsche. Die Red. Aorrel'ponlienzen. Mayr.-Ostrau. Am 12. d. M. fand in M.- Ostrau eine allgemein zag c,:gliche, vom Geh!(- st-11:1ssckmß der freien und konzessionierte» Gewerbe in M.-Ostrau sowie von der Ortsgruvve Mähr.-Ostrau des sozialdemokratischen Vereine-: der kaufmännischen. Angestellten einberufenc Versammlung statt, welche die Tagesordnung batte: 1. Sieben-Uhr-Sperres 2. Die Kriegsgcfahr und der Handel. Nach Inhalt dieser Tagesordnung konnten und durften die Versammlungsbcsucher natürlich rein wirtschaftliche, streng sachliche Referate erwarten. Der erste Refercnt Ärankenkassasckretär Siegmund Reiß glaubte jedoch seine Aufgabe am besten damit zu lösen, daß er sein Röferat dazu benützte, um den jüdischnationalen Gedanken und insbesondere dessen Einfluß auf die jüdischen Handlungsgchilfcn in einer Weise zu verunglimpfen, die den Widerwillen jedes Unbefangenen hervorrufen mußte. Hierbei konnte sich Herr Reiß nicht versagen, mit den ödesten und abgestanbesten Witzen nach dem bewährten Muster der Arbeiterzeitung zu antiscmitcln, offenbar darum, weil dieses Antisemiteln immer mehr zu einem unerläßlichen Requisit jedes strammen internationalen Sozialdemokraten wird, welcher eine jüdische Abstammung zu bemänteln hat. Es war ein hartes Stück Arbeit für einen selbstbcwußten Juden, all diese böswilligen Entstellungen und albernen Verunglimpfungen, die an Stelle eines sachlichen Referates geboten wurden, ruhig über sich ergehen zu lassen. Dennoch verhielt sich unser Gesinnungsgenosse Herr Dr. Winterstein, der zufällig in der Versammlung anwesend war, vollständig ruhig und begnügte sich damit, ordnungsgemäß beim Vorsitzenden der Versammlung um das Wort zu bitten, damit er diesen Angriffen entgcgcntrcten könne. Zu seiner größten Uebcrraschung wurden jedoch nach Abhaltung der Referate gegen 11 Uhr nachts alle Anstalten getroffen, um nach Verlesung der Resolution die Versammlung mit der Abstimmung zu schließen. Gesinnungsgenosse Herr Dr. Winterstein reklamierte daher in höflicher Form unter Hinweis auf feine Anmeldung beim Präsidenten der Versanunlung sein Rederccht, wurde aber brüsk und kategorisch mit der Erklärung abgefcrtigt, daß er das Wort nicht erhalten werde. Vergeblich wies er darauf hin, daß auf dcu Plakaten die frei Zugänglichkeit der Versammlung für jedermann garantiert war. Umsonst berief er sich darauf, daß man doch speziell in einer Versammlung freiheitlicher Elemente erwarten könne, daß die sogar in reaktionären Kreisen selbstverständliche Redefreiheit respektiert werde. Er wurde niedergebrüllt und von den willigen Trabanten des Sekretärs Reiß in der rüdesten Weise beschimpft und mit Mißhandlungen bedroht. Als Herr Dr. Winterstein feiner Meinung hierüber Ausdruck verlieh, daß ein derartiges Vorgehen in einer Gesellschaft geduldet werde, die sich kurz vorher nicht genug an den Worten Freiheit und Brüderlichkeit berauschen konnte, da konnte Sekretär Reiß seine Wahre Natur nicht länger verleugnen. Anstatt Ruhe und Ordnung zu schaffen und wenigstens die Anwendung brutaler Gewalt aller gegen einen zu vermeiden, stürzte er selbst auf Herrn Dr. Winterstein los, beschimpfte ihn auf das gröblichste mit den Worten ״das ist eine zionistischc Büberei" und drohte mit dem Hinauswerfen. Nur dem Eingreifen zweier Angestellten, die sich des Bedrohten annahmen und ihn hinausgeleiteten, ist es zu danken, daß es nicht zu Brutalitäten seitens dieser Freiheitshelden kam. Die jüdischen Handlungsgehilfen aber, die sich noch einigen Sinn nicht nur für Judentum, sondern auch für wahre Freiheit bewahrt haben, werden durch diesen Vorfall neuerlich darüber belehrt werden, daß sie nur in einer jüdischnationalen Handlungsgchilfenorganisation Schutz für ihre Ehre und für ihre Interessen finden können. Daß Herr Reiß und seine Handlanger durch ihr jeder Kultur hohnsprcchendes Vorgehen die Reihen dieser Organisation stärken halfen, bleibt ihr zwar ungewolltes, aber ungeschmälertes Verdienst. Tobitschau. Eine wahre Esches Chajil ist mit Frau Berta Löw, Gattin unseres Chewrah Kadischa-Vorstehers, Herrn Adolf Löw, von uns geschieden. Berta Löw war eine wahre jüdische Frau, die als Mitbegründerin unseres Frauen- Wohltätigkeitsvercines, cs verstanden hat, Zedokoh und Gemilus Chesed im patriarchalischem Sinne auszuüben. Welcher Beliebtheit sich die Verstorbene in allen Schichten unserer Bevölkerung erfreute, zeigte das Leichenbegängnis, welches Sonntag den 15׳, d. M. sich zu einer imposanten Trauerkundgebung gestaltete. Unter den Trauergästen bemerkte man die Ritter v. Gutmannschen Guts- und Fabriksbeamten, den Kultusvorstand, den Vorstand der Chewrah Kadischah u. v. a. Die geräumige Leichenhalle konnte nicht alle Trauergäste fassen, die der edlen Verblichenen die letzte Ehre erweisen wollten. Herr Rabbiner Schap entwarf in zu Herzen gehenden Worten ein Bild vom Leben .und edlen Wirken der Verblichenen. Der Weggang dieser wackeren Frau hat in unserer Gemeiude eine tiefe Lücke hinterlassen. Möge der Allgütige den schwer heimgesuchten Hinterbliedenen seinen Trost zuteil werden lassen und weitcre Schicksalsschläge von unserer altchrwürdigen Gemeinde fernhalten. Ung.-Ostra. Im Nachhange zu unserem letztwöchentlichen Berichte über die Chanukafcier tragen wir hiermit nach, daß Frl. Jella Czech gleichfalls durch Vortrag von Gedichten zur Verschönerung der Feier beigetragen hat. Die Festrede hielt Herr Kantor Marton Eibenschütz. Herr Kantor Eibenschütz hat das ganze Arrangement der Feier besorgt. Austerlitz. Anläßlich des Chanukafcstes besuchte Herr Bezirksrabbincr Dr. Max Steif wie alljährlich unsere Gemeinde. Um 4 Uhr nachmittags versammelten. zum Fcstgottesdicnste die Gcmcindemitglicdcr sowie tliche Schulkinder. Nachdem Herr Kantor H. Stern das Minchagebct verrichtete, wurden die Chanukalichter in feierlicher Weise angczündct. Hieraus bestieg Herr Rabbiner Dr. Steif die Kanzel und hielt eine tiefdurchdachte Rede, die allgemein Beifall fand. Der Redner führte in sehr treffenden und zu Herzen dringender Weise unseren hiesigen Glaubensgenossen zu Gemütc, daß namentlich bei der Schuljugend die Religion nicht nur in der Schule gelehrt werden muß, sondern durch die Erziehung auf die junger» empfänglichc Seele des Kindes eingcwirkt werden muß. Wünschcnswcrt wäre cs, wenn der Herr Bezirksrabbincr unsere Gemeinde des öfteren durch seine erbaulichen und belehrenden Reden beglücken würde. Baden. (Chanukafcier.) Wie alljährlich veranstaltctc der hicrortigc israelitische Frauen-Wohltätigkeits- Die schönste Schrift in kürzester Zeit erreicht jedermannin! K k. deh. aut, Schreibschule Professor Rudolf Roubitscbek PratJ H|£tt7£lSttlaf7 £7 nach auswärts brieflicher Unternag, Wtll4tl>piai4 4/ fUhtnacheig.ges.gesch. Methode.

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