Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 37 (19.12.1912)
- Date
- 1912-12-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 37 ״Attische «ott,stimme." €e1t» 3 und hätte auch auf seine Behauptungen nicht reagiert. 1 Eibe. So ist denn eine Bürgermeisterkrise Tatsache. Wenn! Ja, wenn nicht einige Gemeinderäte, die sich Dagegen helfen weder Dementis noch Kommuniques als für die Bürgermeisterwürde geradezu prädestiniert! und auch nicht das naive Achselzucken des Bürgermei fühlen, herausgefunden hätten, daß jetzt der geeignetste I sters selbst. Die Tatsachen sind vorhanden, sie können Zeitpunkt sei, sich auf die ״Ehre" der Partei zu be- I für eine Weile vertuscht und ihre Wirkung kann aufsinnen. Und so klagte denn Neumayer den Abg. Schuh-! geschoben werden, aber man kann sie durch nichts aus meicr wegen Ehrenbeleidigung. Der Bürgerklub wollte I der Welt schaffen. Dafür, daß das nicht geschieht, dafür cs, und Dr. Neumayer mußte sich fügen. Mutzte!! sorgen schon Schuhmeier und — das Bürgermeister׳ Darauf scheint Abg. Schuhmcier nur gewartet zu I Prätendentenkonsortium im christlichsozialcn Bürger׳ haben. Mit geradezu beispiellosem Eifer betreibt er I klub. Und diese haben dem jetzigen Bürgermeister eine nun das gegen ihn eingeleitcte Auslieferungsvcrfah- > letzte Frist bis zur Beendigung des Prozesses gewährt. Wien, 15. Dezember 1912. A. E. R—r. NIEDERLÄNDISCHE LE BENS VERSiCHEK UNGS GESELL SCHAFT, WIEN, 1. ASPERNPLATZ 1 im eigenen Palal«. — Versicherte* Kapital drka 380 MlUoaen. Reserven dm 113 Millionen Kronen. — Billigste Tarife; Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser!»uester Tarll mit L«» jälir leb fallend ■r garantierte׳ Prämie Oe-eralag nntr lür Wl. n. 1.. Asp .platz 1. Leite! ■ David NebunzaMySub Dlrelcti <11 IQr Prae, •,ciula ndsgMs« 20. -eu, L ile! Rover! Oers,ei. Sub-Dl-ehlu n für Lemb. rg, Szaj- 3 11.1־0״. Leiter Löbi T.ube Hauptagsntur fOr Brünn, WawrastraBs 10. Leüar: Samue Belninger. Selbsthilfe. ren. Freiwillig begibt sich Schuhmeier des Rechtes der Immunität, um -nur ja vor Gericht den Nimbus des jetzigen Bürgermeisters zerpflücken zu können. Er kennt die Zufälligkeiten eines Prozeßes und ist sich auch der gerade für einen Politiker schwerwiegenden Konscquenzen eines solchen bewußt. Und trotzdem nimmt er diese auf sich, um die Möglichkeit zu haben, vor den Schranken des Gerichts die Qualität?« und die Würdigkeit Dr. Neumayers grell zu beleuchten und so dessen Eignung zum Bürgermeister nachzuprüfcn. Schuhmeier ist ein zu gewiegter Politiker, um sich der Gefahr eines verlorenen Prozesses auszusetzen, aber auch zu ehrgeizig, um sich einen politisch bedeutsamen Erfolg aus den Händen winden zu lassen. Und eine Freisprechung Schuhmeiers wäre in diesem Falle zweifellos ein Erfolg. Das haben die letzten Monate gelehrt, wo eine jede Niederlage eines Christlichsozialen im Gerichtssaale I Trotz des Sieges der bürgerlichen Parteien eine Wahlniederlage oder einen Stimmenrückgang der über die Chriftlichfozialen bei den letzten Reichs- Partei zur unvermeidlichen Folge gehabt hat. Die ratswahlen im Juni vorigen Jahres, ist es den- Qcfsentlichkeit hat sich nachgerade bereits daran genoch eine nicht wegzuleugnende Tatsache, das; wähnt, christlichsozialc Führer auf dem Wege über den Die antisemitische Bewegung immer krassere For- Gerichtssaal aus der politischen Arena verschwinden zu men annimmt und jeder Tag uns den Judenhaß sehen. Denn die Partei, die einst mit fliegenden Fah׳ jn potenzierter Gestalt zeigt. Der unseliae Jndifneu, umrauscht von stürmischem Jubel der Wiener ferentismus in allen gemeinsamen Interessen Bevölkerung zum Kampf gegen die Korruption, zur ״ad der Glaube, der deutsche Nationalverband Rettung der Gewerbetreibenden und zur Vernichtung ״ad die paar deutschfortschrittlichen Abgeordneder Juden auszog, ist heute selbst faul und morsch, ten außerhalb dieses Verbandes vermöchten alles, zerfressen vom Neid ihrer Führer, durchwuchcrt von sie schläfern die ״liberalen" Juden ein und mader Korruption ihrer Mandatare und beherrscht von che״ sie kurzsichtig und zaghaft, kleinlicher Mandatsstreberei. Den Gewerbetreibenden Die Unzufriedenheit im Volke ist groß, die geht es gerade seit der Herrschaft der Christlichsozialen Abneigung gegen die Mittelparteien ist in der schlechter denn je, das öffentliche Leben ist durch und gegenwärtigen Notzeit leicht erklärlich und so durch korrumpiert und nur den Juden haben die strömen sie hin in Massen all die Unzufriede- Christlichsozialcn so manche unheilbare Wunde ge- ״en, zu den radikalen Parteien, von denen sie schlagen. Sie konnten nicht schaffen, also zerstörten sie. ihr Heil erwarten, zu den Sozialdemokraten und sie wollten nicht bauen und predigten deshalb in ihrer zu den deutschradikalen Antisemiten, denn nur Beschränktheit Vernichtung.!diese beiden Parteien verstehen noch, zum Volke Unter dem Vorwand, die Oeffentlichkcit von dem in seiner Sprache zu reden. Die Klügeren und schädlichen Einfluß der Juden befreien zu wollen, haben Besseren der Unzufriedenen begeistern sich für die die Matadore der christlichsozialen Partei, das Staats- Ideale der Sozialdemokratie und werden ihre gruqdgesetz, das auch uns Juden Gleichberechtigung ge- Anhänger. Da jedoch Begeisterung und Verwährlcistet, mit den Füßen getreten, den Pöbel zu glüständni's nicht jedermanns Sache, anderseits das hcndcm Hasse gegen das jüdische Volk aufgestachelt, jü-1 System des Antisemitisnuls so leicht faßlich ist. dische Beamte aus den öffentlichen Aemtern gedrängt, wird es niemandem auffallen, daß die christlichhaben uns aller möglichen und unmöglichen Verbrechen sozialen Vereinigungen in den politischen Vergeziehen und kein Mittel gescheut uns brutal zu schätretungskörpern noch immer neue Erfolge aufben und diese besteht in ihrer Verteidigung dur^׳ Schrift und Wort, in dem männlichen Kampfe ums Recht, um die Gleichberechtigung. Diese zielbewußte, würdige Verteidig t lg I'lüßte von einem natürlichen Zentralpunkt ans gehen, nämlich von der j ü d i s ch e n G e IN e i ud e. Die Gemeinde hat nicht nur für die Kultus- Verhältnisse zu sorgen, hat nicht nur religiösen Bedürfnissen Rechnung zu tragen, sondern sie soll auch das jüdische Leben leiten und da, wo Gefahr vorhanden ist. mit aller .Kraft durch die geeigneten Organe einireten. Zu diesem Behufe müßten sich die größeren jüdischen Gemeinden Oesterreichs zu einer Organisation vereinigen, welche die Ausgabe zu übernehmen hätten, tüchtige Redner zu entsenden, die das Judentum genau kennen und es öffentlich zu verteidigen imstande sind. Die Verteidigung müßte in würdigen und berufenen Händen liegen, die den Kampf gegen unsere ehrlichen und unehrlichen Feinde in Volksversammlungen aufnehmen und dann — wenn wir die richtigen Kräfte haben - werden wir uns Achtung und Gehör verschafsen: denn das lebenvige Wort aus überzeugtem Munde und mit der Kraft der Begeisleruug gesprochen, wirkt weit mehr als alle gelehrten Erklärungen und Proteste auf dem Papier. — t.iso eine einheitlich organisierte und zielbewusste Gemeindevereinigung zur Wahrung unserer .echte soll unsere nächste Bestrebung sein. Nur unsere Einheit macht uns stark und 111! durch unsere Selb st a ch t 1! 11 g werden wir d׳e Achtung anderer erringen. Bisenz. Dr. Josef Hoff. Diskonto Jesellschaft bei der Nordösterreichischen Bank für Industrie, Handel and Landwirtschaft, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung in Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt -°!eh für alle einschlägigen Bankgeschälte, hauptsächlich auch für den Eskcmpt offener Buchforderungen ur?er den slU-ruünsti'gsten ßedi gonget. Ein Wiener Hutfav ikant^ und seine jüdischen Angestellten. Keimen Sie die Hutfirma Habig? Schöne Frage das. Wer kennt nicht Habig und wer trägt nicht seine Hüte? Jeder moderne Mensch trügt Habig. Besonders die jüdischen Hulträger kaufen und tragen nur Habig. digen, unsere Volksehre in den Kot zu zerren und u-ns > ^-״Meisen haben, Erfolge auf den Ruinen des Amt ist es gewiß nicht uninteressant, zu erfahren, wie auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens unmöglich I menschlichen Verstandes und auf den Trümmern I dieser Habig, der mit jüdischem Gelde groß und reich zu machen. Sich selbst jedoch und ihre Partei hoben I ßes Rechtsgefühles des Volkes. i geworden ist, mit Jüdinnen, die bei ihm zufällig angesie auf das hehre Piedcstal arischer Reinheit, chrift- Fs wäre töricht, der Macht der Kultur tu i*eHt sind, verfährt. Das ״Czernowitzer Tagblatt" bringt licher Ideologie und treuen Teutomanentums. Wie ju vertrauen und zu erwarten, daß alle Men'^en nämlich in seiner Nummer vom 8. d. M. in einem aber in Wahrheit waren, zeigten und zeigen die Entgebildet. einsichtsvoll und Vorurteilsfrei Werden. Wiener Brief folgende interessante Anekdote, die wir hüllungcn von Dissidenten aus ihren eigenen Reihen, I Die Gebildeten und Menschlichfühlenden werden mit Berufung auf diese Quelle zum Abdruck bringen, beweisen gerichtliche Urteile gegen so manchen ihrer si^A Minorität bleiben, und die österreichi- Wir müssen natürlich auch die Veraiitworiiing für die Führer und bestätigen die trotz Pawelka und Wahlkreissche״ Juden haben von niemandem ihre Rettung Richtigkeit der Erzählung dem genannten Blatte übereinteilung immer mehr für die Christlichsozialen un- ^״ erhoffen als V0N sich selb st. . lassen. günstig verlausenden Wahlen. Doch die Juden müssen sich endlich gewöh-1 Tie bezeichnenden Anekdote lautet wörtlich: ..Bor Zwanzig Jahre lang haben diejenigen im öffent-1 ״en, auf eigenen Füsien zu stehen und nicht ‘ einigen Tagen ließ der Chef einer großen Huliirina in lichcn Leben gewirkt, denen der traurige Ruhm gebührt, auf'deutschförtschrittlichcn Stelzen umherzustolder Kärntnerstratze eine seiner Angestellten zu sich komden Antisemitismus zum Parteiprogramm erhoben zu I pern. Im alten Griechenland mußten die Freinmen und erklärte ihr kurz und bündig: ״Fränkin, h.-ben. Und der Weg, den sie zurückgelcgt, ist gefenn־U)en am Gerichte sich durch einen Einheimischen ich habe eben erfahren, daß sie eine Jüdin sind. Wiezeichnet durch Tausende vernichteter Existenzen, durch vertreten lassen. Nun halten sich die Juden selbst wohl ich nun gegen ihre sonstigei! Qualitäten nichts Verrohung des öffentlichen Lebens, durch wirtschaftli-1 ״״ch heute für F r e M d e? Sie müssen sich selbsteinznwendcn habe, bedauere ich lebhaft. Ihnen initchen Niedergang, kulturellen Stillstand, durch sogenannte I ״sA volle Bürger betrachten, d. h. nicht als teilen zu müssen, daß Sie nicht länger in meinen Dien- "*־. — ־ ״•- ׳ ״ - ' * -•<־׳ •׳־•■־׳ ״ ־־* .!.״‘-!-׳״■י-״ ״ ״• ' . {jjnllCK> jst mein Geschäftsprinzip, Angestellten zu beschäftigen." Das Nlädihr zngczählte Abfertigung weinend ein freudig erfüllen und dah Bürgerrechte ׳ t• I zn verlangen befugt und. Erbettelte Verteidigt׳!! t ״ '׳”b (sing ÖD״ banne«. Im Korridor begegnete ihr ein i־ non deutfchfortschrittlichen Philosemiten, die in im selben Hanse wohnhastcr Advokat, der das Mädchen er Ad-!volle sich Juden vernichten wollten, vernichten sich nun selber Und wenn trotzdem doch noch manche von ihnen schwel- I po״ deutschfortschrittlichen Philosemiten gen, so ist es deshalb, weil sie zu viel von einander I Wahrheit die Juden nie geliebt, ist ebenso UNweinen sah und sie nach der Ursache fragte. De wissen. Weik jeder von ihnen um dieses-Wissens die mürdlg als unwirksam. Es hat etwas Komü-sies vokat erklärte der bitter Schluchzenden, er!voll anderen fürchkct. Und reden sic schon, dann kann man aßcr ״״ch zugleich Bedrückendes für das jüdische ihrer annrhinen. sie möge am nächsten Tage in sstner sicher sein, daß die Sucht nach einem ergiebigen Man- Gefühl, Wenn jüdische Zeitungen darüber trium- Advokaturskanzlci erscheinen. Ter besagte Advokat richdat oder einer einträglichen Ehrenstelle ihnen diese phieren, daß irgendeine andersgläubige ״Größe" teste sofort an den Eigemümer des Hauses. i>- w!cl-em Furcht hat überwinden helfen. sich günstig über das Judentum geäußert hat. die Niederlage der Firma sich befindet, Herrn Ba- Es kriselt im Rathause. Dr. Josef Neumayer Wir bedürfen keiner Bescheinigung für die . ron Gustav Springer, ein Schreibt», in welch.״! e mußte klagen, wenn er nicht anders sogleich um geistige Größe des Judentums, denn seine glor-j ihm den Sachverhalt milt.ilte und um Saiissaklion für seine Bürgermeiftcrwürde kommen wollte. Und trotzreiche Geschichte, feine herrliche Literatur, fein bas gekränkte Mädchen bat. Bald darauf wurde der dem er klagte, geben sich so manche Herren des Bürgewaltiger Anteil an der Kultur legitimieren es iihef der Firma von Herrn Baron Springer cingegerklubs noch immer nicht zufrieden. Weißkirchner, genügend für all diejeniaen, die wirklich belehrt iadcn. Baron Springer sprach ihn kurz und^bündig an: Steiner, Porzer und Hicrhammer haben sich zu sehr iu stsi״ wollen. Die Juden müssen f e l b st ihre Ver-! --Vom l. Februar 1913 angefangrn werden Sie sü.׳ Ihr den Traum hineingelebk, einst Qberhaupt der Stadt feidigUNg in die .Hände nehnien, offen und ehr-, Geschäslslokat in meinem Hause in der Kärntnerstraße Wien zu sein, als daß sie sich mit dem bloßen Faktum sich, ohne jegliche Politik müssen sie den Kamps ' um 481,0 Kronen jährlich mehr zahlen als bisher." der Ehrnebeleidigungsklage gegen Schuhmeier begnü- ״sit ihren Feinden und Verleumdern aufneh- Ter Herr versuchte nun einzuwenden, diese Mietzinsgen sollten. Und deshalb streiten sie bereits um das,״,en: sie haben yur eine einzige Politik zu treiüeigcrung treffe ihn furchtbar hart, zumal er kurz vor-