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Jüdische Volksstimme · 1912-12-19 · Heft 37 (19.12.1912) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 37 (19.12.1912)
Date
1912-12-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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s ״Jüdische Volksstimme." W:37 innig mit religiösen Traditionen verwachsen, literarischen Verwertung rein jüdischer Motive, schen Gesetzgebung nur, ,eine indiso vollständig in ihnen cmfgegaugcn, daß es nur , mit der Pflege jüdischer Musik usw., mit der rekte, mit der amerikanischen Versehr weniges gibt, das national und nicht zu-!Errichtung von Bildungsvereinen und mit viefassung aber eine direkte, unmittelgleich religiös wäre. יי" ״" י - .* Tic religiösen Werte sind gleichsam die Klammern und Nieten der Nationalen. Eine solche Verkennung des jüdischen Wescns war aber wohl vorauszusetzen bei jungen Leuten, denen nur ein Schritt noch gefehlt hatte, um in den Gefilden einer ganz anderen religiösen Weltanschauung zu landen, die niemals Lust oder Notwendigkeit verspürt hatten, sich dem Studium der jüdischen Geschichte hinzugeben, die nur deshalb Juden geblieben waren, weil man cs ihnen in der energischesten Weise demonstriert hatte, daß sie eben nichts anderes sein könnten .... Diesen jungen Leuten ist durchaus kein Vorwurf zu machen. Im Gegenteil, sic haben die logisch richtige Konsequenz aus ihrer Erziehung verfolgt, aus ihrenl ganzen Werdegänge vom Knaben zum Jünglinge, der ihnen wohl schöne Bluinen auf den Auen aller anderen Völker gezeigt, das Jüdische jedoch ganz l'ciseite geschoben latte, sic beben uns gezeigt, welche Schäden in einer selch einseitigen Er- Ziehung liegen, zu welchen verkehrten Resultaten man kommen kann, wenn alles mit einem Maße gemessen wird. Hcrzl erkannte dieses Ucbel, dem gesteuert werden müsse, sollte nicht die Zukunft des Zionismus als einer das ganze Volk untfasienden Bewegung vernichtet werden. ״Rückkehr zum Judentume vor der Rückkehr ins Judenland" — dieser Ausspruch sollte die Parole werden, das Programm der Zukunft. Denn der Zionismus sollte nicht eine abgesonderte kleine Partei des jüdischen Volkes, sondern alle Schattierungen als einigendes Band umfassen. Deshalb müsse die einheitliche, historische Auffassung des Judentums als Grundläge angenommen werden, als Basis der viel geitaltigen, so verschiedene Volksnuancen aufweisenden Judcnhcit. Nicht mit fremden Augen das Judentum betrachten und zu erfassen suchcn, mit Augen, die von Fremdem übersättigt, das spezifisch Jüdische nicht zu durchblickcn vermögen, sondern Lurch liebevolles Eindringen in die jüdische Volksseele die jüdische Geschichte und Literatur als d a s zu erkennen, was als Mittelpunkt des gesamten Volkstums als für die Gesamthcit des Volkes bindend betrachtet wird. Das war der erste Ansatz zu der Verwirklichuitg des Planes, den Zionismus zu einer großartigen Volksbewegung auszugcstalten. Hcrzl hatte cs erkannt. Im Handumdrehen war bei diesen jahrhundertelang gedrückten Juden keine Wiedergeburt herbeizuführen. Im Entwicklungsleben eines Volkes sind Jahrzehnte nur Minuten.Deshalb schickte er seine Jüngcr ins Volk, um durch langsame, zielbewußte Tätigkeit dem Endziele näherzukommen. Man versuchte cs nun mit der intensiveren Pflege der modernen jüdischen Literatur, mit der len anderen Mitteln. bareVerbindung, Diese Befassung sichert Und doch bleibt immer die Zahl der Zioniallen amerikanischen Bürgern gleiche Rechte zu, tcn gleich groß, schwankt vielleicht ein paar in politischer ebenso wie in handelspolitischer und Tausend nach oben oder unten, aber eine Volkskommerzieller Beziehung. Außerdem aber, und wegung ist der Zionismus nicht geworden — das ist besonders wichtig, schränkt die amerikaheute, ,>״.') ungefähr 20 Jahren! nische Verfassung diese Garantie nicht bloß auf Worin .'legt der Grund? Etwa in dem das Gebiet der Republik ein, sondern sie vertritt Mangel an A Station? Sicherlich nicht. Hierin die Rechte ihrer Staatsbürger überall und gegen ist genug geschehe . jedermann. Oder in der zu geringen Begeisterung der; Daher muß die sagte er weinend, ״ich habe tausendmal durch meine avschculichcn Angebereien den Tod verdient, meine Ärüder, verzeihet mir und habet Mitleid mit einem Unglücklichen! Ich bin unbestraft sür alles Uebel, das ich euch und allen Israeliten zugcsügt, jo steiniget wenigslens meine» Sarg, che ihr rnich ins Grab senkt, cs sei einigermaßen als wenn es an mir beim Lebe» vollzogen lvordcn wäre!" Man versprach es ihm und der Sterbende verschied vergnügt, ein Lächeln auf den Lippen. Nach seinem Tode tat man ihm, was man versprochen hatte, aber kaum hatte man einige Steine auf ihn geworfen, als mehrere Polizeidicncr hcraneiltcn und die ganze Briiderjchast verhafteten. Der Ulende hatte vor seinem Tode der Polizei angczcigt, daß die Juden, um sich an ihm zu rächen, mit dem abscheulichen Vorhaben umgingen, seine Leiche zu mißhandeln. Nur gegen eine schwere Geldslrafc erhielten sic die Freiheit." Daher war das Sprichwort ״Kräuschc eine Mesira nach dem Tode" lange Zeit im Munde aller jüdischen Rheinländer. Non solch erbärmlichen Kreaturen stammen gar viele, wie cs in neuester Zeit oft nachgciviesen ivurdc, der modernen Antisemitenhäuptlingc ab. Zionisten, die nicht vergrößernd wirkt? Auch das ist der Grund nicht! Der alleinige Grund ist nur der: Die Zionisten sind zum großen Teile n.1ch immer von der unjüdischen Auffassung durchdrungen, daß das jüdische Nationalitätsprinzip auf derselben Grundlage beruhe wie bei den anderem Völkern und daß es deshalb historisch begründeten religiösen Traditionen nicht unbedingt zu einem nnlösbaren Ganzen verwachsen sein müsse. Als individuelle Anschauung ohneweiteres zugestandcn, mutz sie in dem Monlente entschieden bekämpft werden, indem sie die Grundlage sür eine jüdische Volksbewegung zu sein vorgibt. Der Zionismus hat die Erstlingsjahre glücklich überstanden, seine Organisation ist fcstgefügt, feine praktischen Erfolge bedeutend. Ein durchschlagender Erfolg jedoch wird nur durch Annäherung an den eben gekennzeichneten Standpunkt der Berücksichtigung der Volkstraditionen zu erreichen sein. Wieder sind neue Vereinigungen ins Lebeir gerufen worden. Wieder eine neue Schranke errichten, das Kastenwesen fördern .... Wie leicht könnte der Zionismus all dies unnötig machen, alle Vereinigungen beiseite schieben durch das Doppelgestirn: Nation und Religion! Es lohnte sich eines ernstlichen Verfuchs. Tie Gelegenheit ist da! Dann wäre aus einem kritischen Momente vielleicht ein zukunftsfroher, günstiger geworden .... Der russische Handelsvertrag mit Amerika. Wechselbeziehungen zur Judenfrage. In kaum zwei Wochen läuft der Handels- und Niederlassungsvertrag ab, der seit 80 Jahren die Beziehungen zwischen Rußland und den Vereinigten Staaten geregelt hat. Trotz aller Bemühungen und Drohungen ist es Rußland nicht gelungen, Amerika dahin zu bringen, etwas Neues an die Stelle des alten Vertrages zu fetzen. Augenblicklich schweben bloß Verhandlungen, daß sich die beiden Staaten für ihre Hanvelsbeziehungen gegenseitig die Rechte der meistbegünstigten Nation zusichern. Als vor einigen Monaten Amerika den Vertrag kündigte, war in Rußland des Tobens kem Ende. Alle Parteien kamen in der Duma zu Wort, die Industriellen- und Exportverbände schrieen Zeter und Mordio, der damalige Führer der Oktobriften G u t s ch k o w schlug hochtönende patriotische Saiten an, um die ״Frechheit" der Amerikaner zu brandmarken, die es gewagt haden sollten, sich in die innersten Angelegenheiten amerikanische Regierung beim Abschluß von Staatsverträgen, welche die Rechte, der Amerikaner in anderen Staaten regeln, jede Aufstellung von Kategorien ablehnen, nach denen die Rechte abgestuft werden. D i e rufsifcheJudengesetzgebung hat nun bekanntlich für die Juden einen Sonderstand- Punkt geschaffen und beschränkt ihre Freizügigkcit in der schamlosesten Weise. Nichtrussnchc Juden werden überhaupt nur mit den größten? chwierigkeiten über die Grenze gelassen. Man kennt ja die Schikanen und Sekkaturen, denen jeoer Jude ausgcsetzt ist. der auch mit einem ordnungsgemäß ausgestellten Patz versehen, russisches Gebiet betreten will, man weiß auch welcher Schliche, Winkelzüge und Bestechungen sich jüdische Kaufleute bedienen müssen, wenn sie der Geschäftsbetrieb hu.’ Rußland zu reisen zwingt. All dem hat Amerika Rechnung .mo hat einfach bei der Frage der Erneuerung des Handelsvertrages mit einem schroffen 'Nein geantwortet. Es hat damit bewiesen, daß feine Verfassung keine bloß papierene ist und daß sie sich auf alle Staatsbürger erstreckt. Es hat aber auch bewiesen, daß Staatsgrundgesetze nach ihrem Wortlaut zu handhaben sind und daß man willkürliche'Auslegungen und Interpretationen zu vermeiden hat. Wenn die anderen an dieser Frage intercssierten Staaten den Schutz ihrer jüdischen Mit-, bürger ebenso nachdrücklich übernähmen, wie die Nordamrrik. Republik, dann müßte die russische Judcn-Gesetzgebung bald geändert werden, da sie für ein Reich, das mit Kulturstaaten auf dem Fuße der Gleichberechtigung verhandeln will, einfach unmöglich ist. Denn das ist doch schließlich selbst in Rußland undenkbar, daß man den ausländiscken Juden mehr Rechte gewährt, als den einheimischen. Rußland hat Amerika mit dem Zollkrieg gedroht, es ist aber bei der Drohung geblieben, man wagte sie nicht eininal diesem einen Staat gegenüber zur Wahrheit zu machen. Um wie viel mehr müßte der russische Antisemitismus vor einem einheitlichen Vorgehen mehrerer Mächte die Segel streichen. Die Mächte sind eben daran, unterjochten Völkern zu ihren Rechten zu ver-!,elfen. Sie seien daran erinnert, daß ein zwölf Millionen-Volk in Fesseln schmachtet, denen gegenüber die der kleinen Balkanstaaten güldene Spangen sind. Zusammenbruch. (Zur Wiener Bürgcrmeisterkrise.) Nun kriselt cs wieder einmal in der Wiener illathauspartci. Diesmal geht es gegen das Oberhaupt der Stadt Wien: Dr. Josef Neu mayer. Dieser galt, wenigstens bisher, als der ״weiße Nabe" der '.ußlands einzumengen. Die Folge der allgeine:- christlichsozialen Partei. Selbst seine ehemaligen Par nen Erregung war, daß Rußland mit großem Applomb den bevorstehenden Zollkrieg an A,ncrika verkündete. In Amerika blieb man aber kühl bis ans Herz hinan, die Drohungen wurden überlegen entgegengenommen und hatten nur ein umso starreres Festhalten an dem einmal vorgezeichneten Kurs zur Folge. Denn in Amerika durchschaute man das erbärmliche Spiel und war sich klar darüber, daß hinter der protzigen Berufung Rußlands auf die Grundsätze des internationalen Rechtes bloß der nackte A n t i s ein i t i s m u s lauere, von dem ein großer Teil der Oktobriften beseelt wird. Denn die Streitfrage, uni derentwillen die Vereinigten Staaten auch vor einem Konflikt nicht zurückschreckten, hatte wohl mit der r u s s iteigenossen Dr. Hetlinger und Silberer haben ihm anläßlich der letzten Gcmeindcratswahlcn das Zeugnis politischer Makclwsigkeit ausgestellt und sogar sür seine Wahl plädiert. Und das will viel bedeuten. Trotzdem soll cs dem vielgeplagten Dr. Neumayer nicht erspart bleiben, vor Gericht um den letzten Rest der ihm aus dem allgemeinen Zusammenbruche verbliebenen Mandate und des damit verbundenen Ansehens, zu kämpfen.- Freiwillig hat Dr. Neumayer den Abg. Schuhmcier nicht geklagt. Und gerne tat er es auch nicht. Ganz gewiß nicht! So sehr er auch seinem bissigen Gegner eine empfindliche Schlappe gönnen würde! Wäre es nach ihm gegangen, er hätte auch weiterhin die boshaften Sticheleien Schuhmeicrs ruhig eingesteckt, seine passenden und unpassenden Bemerkungen geduldig ertragen, würde zu jeder Provokation geschwiegen haben. Mährisch - schlesische Bank Brünn. Telephon Nr. 350, Direktion. verzinst EINLAGEN Büchel und In laufender Rechnung 'mif Ferdinandsgasse Nr. 29 gegen A3\ KOI 1» mif “ 4 Uiö *J In Telephon Nr. 1016, Wechselstube. gebundene Einlagen laut Übereinkommen. Bankgeschähe aller Art, Börsen-mWechslergeschäfte.

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