Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 37 (19.12.1912)
- Date
- 1912-12-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Donnerstag. Xllljl. Jahrg. Nummer 37 4a- •־- Bezugspreise;ür Österreich-Ungarn. halbjährig Leutschland^ ganzjährig. Rußland, ganzjährig. Salkan, Frankreich. Einzelne Nummer 20 h. Kronen &*20 Kronen 10•— Mark 10 - Rubel 650׳ Franks 12•— Herausgeber: Max Hickl. Inserate: die 6 spaltige Petitzeile 30 h. Buchhändleri'ch; Vertretung: Otto Klemm, Leipzig- Poftspaikassakonto Nr. 312.842. Geschäftsstelle, Wien: I., Rotenturmstraße Nr. 31. I TelephontE/VUI. Sprechstunden von 10—12 Uhr.! Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoriert I Manuskripten ist Rückporto beizusagen. a---0 Brunn—Budapest Wien 19. Lczcmber 1912. 9 ׳. Theweth 5673 Prag—Lemberg. Aus dem Inhalte: Mar Jung, Wien: Der kritische Moment. — Der russische Handelsvertrag mit Amerika, Wechsellczichimgen zur Judenfrage. — Zusammenbruch. Zur Wiener Bürgermeisterkrise. — Löb .:-.avs oder Kräusche. Ein berüchtigter Tenun- . iant des 17. Jahrhunderts. — Dr. Josef Hoff, Bisenz: Selbsthilfe. — Ein Wiener Hutfabrikant und seine jüdischen Angestellten. — Wiener Nachrichten. — Korrespondenzen. — Sprechsaal. — Jerusalemer Chronik. — Rundschau. — Prof. Dr. A. Deutsch: Exegetisches zum Wochenabschnitt . — Dr. F. Kanter: Die Krankheit des russischen Thronfolgers und der Tal- >:׳.ud. — Die jüdischen Gemeinden in Hamburg wahrend der Franzosenzeit. Bücherbesprechungen. ÄWdWWSWSSdSBWSWSTdSB Ms P. I. kmptänger verdon dringendst behufs Vermeidung der Postauftragsspesen um gefl. sofortige Bezahlung des DsnneMliis-veirsges ersucht. — Die Administration. Feuilleton. Löb Kraus oder Kräusche. Ein berüchtigter Denunziant im 17. Jahrhundert. Wenn wir einen Blick in die Vergangenheit werfen, so gewinnen wir die Uebcrzeugung, daß das Mittclalter den traurigsten Abschnitt in der Geschichte des Judentums bildet, daß überhaupt die Geschichte der Juden im Mittelalter nichts anderes als eine ununterbrochcne Erzählung von Leiden, Qualen und Trübsalcn sei: denn man würgte sie zu Tausenden in Spanien, Italien, Frankreich, England und allen Provinzen Deutschlands. Bemerkt aber mutz werden, datz nicht imwer Edom es war, das diese furchtbaren Judenschlächtcreicn und grausamen Judenverfolgungen heraufbeschworen hatte, sondern Renegaten, Konvertiten, Apostaten und wie diese Verräter heitzen mögen, waren es, die ihren Stammesgenoffen furchtbare Wunden schlugen, die lange nicht vernarben konnten, Wunden, die heute noch, so oft sie von den Feinden Israels ausgcriffcn werden, dem Judentume unsägliche Schmerzen verursachen. Auf der einen Seite gab cs Leute, die, wie 9t. Salomo Alami sie schildert, von unbezähmbaren Ehrgeiz so sehr beherrscht wurden, datz ihr ganzes Der kritische Moment. Von jur. Mar Jung (Wien). Zionismus hieß: Reorganisation, Wiederbelebung. Neue Mittel, alter Stoff. Tie ersteren, den veränderten Lcbensverhältnissen angepaßt, waren durchaus zeitgenössisch׳, begannen mit einer Massenproduktion von Schlagwörtern, bohrten in die Tiefe des Volksempfindens, um die neue Idee mit altem Rahmen zu verbrämen, alte Klänge für neue Melodien zu verwerten, die schlaff gewordenen Saiten des Volks- Herzens wieder höher zu friminen, durch die Anziehungskraft, die sich jahrtausendelang bewährt — durch den Hinweis auf Palästina, auf eine eigene Sprache und Kultur. Naturgemäß fand dieser Ruf bei der akademischen Jugend den leb- Haftesten Widerhall. Hier war der Resonnanzboden für all die Schwingungen, die in der öffentlichen jüdischen Meinung ausgelöst wurden, hier fand der Zionismus begeisterte Freunde und erbitterte Gegner. Wurde er von den einen als Fortschritt in der Volksentwicklung als unbedingtes Postulat gekennzeichnet, so sahen die anderen einen Rückschritt in ihm. eine schädliche Lostrennung von den übrigen Völkern, deren Abneigung dadurch nur noch größer und deren Anschauung, baß die Juden nicht imstande seien, sich die moderne Kultur voll und ganz anzueignen, dadurch nur neuen Halt gewinnen würde .... Es war die Zeit des Kanipfes, des Widerstreites zwischen neuen Werten und alten, eingebürgerten.Die Zeit der Entwicklung, des Forinens und Schaffens. Festgefügtes, Festumrissenes gab es damals noch nicht. . . Alles war mehr aus innerer Opposition entstanden, denn aus wahrer Neigung zu einer Neugestaltung der gegenwärtigen Verhältnisse .... Die eine Partei der akademischen Jugend begrüßte in der skrupellosen Herübernahme der Streben dahin gerichtet war, sich in nichljüdischen Kreisen Ehrenstellcn und Ehrenämter zu ergattern. Das Judentum war ihnen zu klein, d>e ״Judengaffc" zu enge, die Ehrenämter in der Gemeinde zu geringfügig, zu unbedeutend; sie wollten in der großen Welt eine Nolle spielen, in höheren Kreisen glänzen und von oben auf ihre Glaubensgenoffen, auf deren Schultern sie sich emporgearbeitet, stolz herabblicken. Da sie aber dies als Juden in jenen Verhängnisvollen Zeiten nicht erreichen konnten, so gingen sie hin, warfen das Judentum, das ihnen eine unerträgliche Bürde war, von sich, verhöhnten und verspotteten es, zogen in den Kreisen ihrer neuen Glaubensgenossen jüdische Bräuche, jüdische Sitten und Zeremonien ins Lächerliche und stellten überhaupt das Judentum als Karrikatur dar. Auf der anderen Seite gab es wieder Skeptiker, Gottesleugner, die ostentativ alles Heilige und Religiöse verspotteten — denn Ausnahmen, d. h. einzelne 9!eligionsspötter hate es ja zu allen Zeiten gegeben — und da man damals gegen Religionsspötter nicht so tolerant war als in der Gegenwart, sondern sic vielmehr mit dem Bann bedrohte, aus der Gemeinde Gottes ausschloß und mit der tiefsten Verachtung bestrafte, so blieb ihnen, um sich überhaupt eine Existenz gründen zu können, nichts anderes übrig, als ins feindliche Lager zu flüchten. Sie warfen ebenfalls das Judentum von sich und suchten sich die Liebe ihrer neuen Glaustudentischen Einrichtungen der anderen Nativnen unter verändertem jüdischen "Namen dte geglückte Schaffung eines Ueberg.,״gsslad׳u1u-:-, einer Brücke von Assimilation zum Judentume, von nationaler Unmündigkeit zu nationaler Betätigung: die andere Partei blieb den fremden Einrichtungen ergeben, in der Erwartung, daß sie recht behalten und der Zionisi! 1 ׳^, als!»0n.eutane Reaktion gegen den Aurisemilismus geboren, mit der Zeit langsam im Sande r׳erlausen werde. Jahrelang war die ziomst'iä:: Bewegung fast ausschließlich auf studentische Kreise be schränkt .... Kein Wunder also, daß hier, durch den Wunsch, neue jüdische Werte als Äquivalent für die alten verlorenen ztl schaffen, von denselben Prinzipien ausgegangen wurde, auf denen die Werte der anderen Nationalitäten fußten. Es wurde ja nichts anderes erstrebt, als die Möglichkeit, den bei den fremden Kommilitonen wahrgenommenen nationalen Zusammenfchluß durch die Beschränkung auf gleichgesinnte Genossen zu ersetzen. Da nun als Voraussetzung für die Oualifizierung eines z. B. Teutschnationalen, bloß deutschnationale Gesinnung und deutfchnationale Betätigung, nicht aber Zugehörigkeit zu irgendeiner Religion festgesetzt ist, zogen die jüdischen Studenten den Schluß, daß auch ihre Bedingungen lediglich von nationaler Gesinnungstüchtigteil abhängig zu machen seien. Damit hatten sie sich tatsächlich mit allem Nachdrucke auf bei׳ Standpunkt gestellt, den sie gerade bei der versuchten Revrganifativn des jüdischen Volkes nimmer hätten verteidigen dürfen, weil gerade in dieser, der historischen Entwicklung de׳!udifchen Volkes völlig entgegengesetzten An'f.iss.iiig vom Wesen des jüdischen Nationalismus der größte Einfluß der Assimilation zu spüren war, der sie sich schon entzogen wähnten. Die nationalen Werte gerade des jüdischen Volkes sind so bensgcnoffen dadurch zu erwerbe», iiidem sie das Judentum ausliefcrtcn, das jüdische Schrifttum fälschten, ganze Sätze aus dem Zusamemnhange riffen und lügenhafte Märchen verbreiteten. Was Wunder also, datz man in uichtjüdische» Kreisen soudcrbare Begriffe vom Judentume hatte. Aber nicht nur Renegaten, sondern auch ungewäfferte Juden hat es hie und da gegeben, die das Judentum verleumdet, denunziert, verunglimpft und verraten hatten,-um i» nichtjüdischen Kreisen irgendeinen Vorteil erzielen zu können. Solch ein Verräter war Löb Kraus oder Kräusche, der seine Glaubensgenossen i» Frankfurt nicht nur während seines Lebens sondern auch nach feinem Tode verfolgt hatte. Ter gelehrte Earmoly A. teilte hierüber im 3. Jahrgang der .,Ben Eh." folgendes Histörchen mit: ״Löb Kraus oder Kräusche, der berüchtigte An geber von Frankfurt, lebte seit ItilB unbekannt in Bcnn am Rhein. Er hatte wohl seinen Wohnort, aber nicht seinen Eharatter geändert, denn er plagte wie vordem seine Religionsverwandlen mit Angebereien die er im Geheimen der Polizei und der Geistlichkei hinterbrqchte. Nicht zufrieden, sie also während seines ganzen Lebens zu quälen, wollte er sie auch nach sei »em Tode verfolgen. Er gab sich aus dem Tötenden. der Brüderschaft der Barmherzigkeit, die bei ihm versammelt war, um ihm die letzten religiösen Dienst zu erweisen, zu erkennen. ״Ich bin ein großer Sünder/ Große Auswahl!! Synagogeuoruate auch Lüsterkutteu »«- schöne seltene Gelegeuheitskäuse im Spezialhaus für Syuagogeuoruate Rudolf Goldstein, Telephon 21990 (interurbau). s ien, Hl! Taborstraße 54 Wiederverkäufer Rabatt! Lieferant zahlreicher i»׳ »ul» ausländischer Kultusgemeiudeu »uv t t Aetdral»di»«r Reich illustrierte Preisliste»!