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Jüdische Volksstimme · 1912-11-28 · Heft 34 (28.11.1912) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 34 (28.11.1912)
Date
1912-11-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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״Jüdische BolkSstimme." Seite S. Nr. 34. Lemberger, Gustav Pisk und Heinrich Toch. 1. Wahlkörper: Gustav Abeles, Jakob Spitzer, Moritz Bock, Eugen Teltscher, Bernhard Tel- Wer, Josef Pater und Wilhelm Teltscher. Verstärkter. Ausschuß: Samuel Krakauer, Julius Hirsch, Gustav Kohn, Julius Feldsberg, Adolf Telfscher, Moritz Kohn, Robert Teltscher, Ignaz Gräßl, Heinrich Pater und Leopold König. Die Konstituierung wird demnächst erfolgen. Möge die steue Vertretung von dem Streben beseelt sein, alles zu fördern, was geeignet ist. wahre, ungeheuchelte Frömmigkeit zu unterstützen, möge es den Neugewählten gelingen, den Ruf, den diese einst berühmteste mährische Gemeinde in der Welt genießt, zu exhalten. Nikolsburg. Gestern fand hier unter zahlreicher Beteiligung das Leichenbegängnis der im Alter von 95 Jahren verstorbenen Rebekka Krakauer statt. Die Verblichene, eine Großmutter des hiesigen Gemeinderates Karl Glogau, war eine sympathische, sehr religiöse Frau, die bis in ihr hohes Alter allsabbatlich die Synagoge besuchte. Sehr ergreifend wirkte es, als beim Leichenbegängnisse die telegrchihische Nachricht eintraf, daß ein' Ururenkelkind der Verblichenen geboren wurde. Mähr.-Budwitz. Am 10. d. verschied hier die allseits geschätzte Präsidentin und Gründerin des hiesigen Jüdischen Frauenwohltätigkeitsvereines, Frau Elise Pächter, in ihrem 75. Lebensjahre. Sie war die Gattin des vor drei Jahren verstorbenen Vorstehers und Ehrenpräsidenten der jüdischen Gemeinde, Herrn Moritz Pächter, und zeichnete sich durch wahrhafte Frömmigkeit und edlen Wohltätigkeitsnnn aus. Das Begrabnis, bei welchem Herr Kantor und Religionslehrer Adolf Kohn einen tiefergreifenden Nachruf hielt, fand am 12. d. unter großer Beteiligung aller Kreise der hierortigen Einwohnerschaft statt. Preßburg. Der seinerzeit von Rabbiner Feisch Fischmann s. A. gegründete Verein ״Marpe Lanefesch", welcher sich zum Ziele stellte, den im Landesspitale internierten jüdischen Kranken rituelle Kost zu verabreichen, hielt am 27. Oktober seine General-Versammlung ab. in der folgende Herren in den Vorstand gewählt wurden: Präses: Emanuel Strauß, Stellvertreter: Samuel Lebensfeld, Heinrich Bettelheim, Moses Schwarz, Lipot Ungar, Dr. Sandor Bauer, Dr. Ferenz Oehler, Ferenz Liebe!. — Außerdem wurden 8 Inspektoren gewählt und ein sechsgliedriger Ausschuß gebildet. Beuthen (Preußisch-Schlesien.) In dem Hofe des hiesigen Landgerichts wurde der Fleischermeister Koczy und der Fleischergeselle Konziolka durch den Scharfrichter Schwietz-Breslau hingerichtet. Die beiden ermordeten und beraubten in Gemeinschaft am 6. November 1911 den jüdischen Händler Chaper aus Bendzin und vergruben die Leiche in den Gieschwald. Das Todesurteil wurde am 9. Juni gefällt. Das Reichsgericht verwarf die Revision Koczys. Konziolka hatte keine Revision eingelegt. Königsberg. (Das Judentum in der Kunst.) Im hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt der Dozent für Kunstgeschichte an der Freien Hochschule in Berlin Dr. Ernst Cohn-Wiener einen überaus instruktiven und anregenden Vortrag über ״Das Judentum in der Kunst der Völker". Seine durch zahlreiche interessante Lichtbilder veranschaulichten Ausführungen gingen davon aus, daß die Kunst der sichtbarste Ausdruck des Volksempfindens sei und daher zu allen Zeiten am unverfälschtesten die Meinung wiedergab, die man gerade von Juden und vom Judentum hatte. Schon auf den Denkmälern, die Acgypter und Römer zur Erinnerung an ihre Siege über Israel errichteten, zeigt sich das deutlich. Am klarsten aber hat die christliche Kunst des Mittelalters bewiesen, von welchen Gesichtspunkten aus und niit welchen Gesinnungen man danmls das Judentum beurteilt. In dieser Zeit erscheint beispielsweise die Kirche hundertfach als Siegerin über die Synagoge dargestellt, bald als einfache Antithese, bald im Zusammenhang mit der Kreuzigung. Die schönsten dieser Gruppen stehen an: Straßburger Münster und Bambergen Tom. Der letztere zeigt zugleich in den Statuen der auf den Schultern der Propheten stehenden Apostel, daß man das Alte Testament als bloß Vorhersäge des Neuen änsah. Szenen aus beiden setzte man ebenfalls gern in Parallele zueinander. Den Juden selbst stellte man stets in der beschimpfenden Tracht dar, die ihn die Landesgesetze anzulegen zwangen. In der Zeit der Renaissance zeigt sich allerdings Holland objektiv, und für Rembrandt werden gar die jüdischen Charakterköpfe bevorzugte Modelle. In Italien hatte Michelangelos Moses den Typus ins Grandiose gesteigert, während in Deutschland gleichzeitig die Passionsszenen verzerrte Karrikaturen bieten, die.selbst noch im 19. Jahrhundert Vorkommen. Erst der Realismus der Gegenwart hat hier die schlichte Tarstellungsweise zum Prinzip erhoben. Hamburg. Die soeben erschienene Nr. 12 der Misrachi-Korrespondenz beschäftigt sich u. a. mit der Agudas Jisroel. Sie erhebt gegen die Leitung dieser Organisation den Vorwurf, daß sie in ihrer Schrift ״Berichte und Materialien", die die Akten zur Vorgeschichte der Organisation und das Protokoll der Kattowitzer Konferenz enthält, Wohl die Kattowitzer Rede des Herrn Rabbiner Dr. Breuer vollinhaltlich mit den die Misrachisten beschimpfenden Aeußerungen wiedergibt, jedoch nicht die parlamentarischreligiöse Anstandspflicht erfüllt, ״auch die Ausführungen derjenigen, die zur Abwehr gezwungen waren, genau dem Wortlaut nach zu bringen." ״Man hat jedoch die gegnerischen Aeußerungen völlig entstellt wiedergegeben oder ganzlich unterdrückt. Es ist sonst üblich, daß man vor endgültiger Abfassung des Protokolls den einzelnen Rednern das Stenogramm ihre Rede zur Prüfung vorlegt. Das ist hier nicht geschehen. Wir können nicht annehmen, daß hier ein Versehen der Preßkommifsion vorliegt, vermuten im Gegenteil, daß der so frisierte Bericht der Tiskreditierung ihrer misrachistischen Teilnehmer und Mitglieder dienen soll." .London. Die diesjährige Chanukafeier der jüdischen Soldaten in der großen Synagoge von London wird sich besonders imposant gestalten. Ter neue Lordmayor Sir David Burnett und sämtliche Sheriffs haben bereits ihre Teilnahme zu der am 8. Dezember stattfindenden Feier angemeldet. Die jüdischen Soldaten versammeln sich in Paradeuniform in der jüdischen freien Schule und treten von dort mit Militürmusik den Marsch in die Synagoge an. Fast sämtliche in London garnisonierenden Regimenter haben ihre Vertretungen angemeldet. Dr. RudolfHatbolicky gev. Leiter der I.chltg.Ahirliirng der Candeskranhenaitstau wohnt: €cke yerflinand$oas$e und 30banne$ga$$e (•ro!״ rkm.) ordiniert täglich von r dir 4 Ohr nachm. Fernrprecher Nr- 803. New Aork. Hier wurde der Grundstein für ein neues jüdisches Asyl für unheilbare Kranke, das den Namen ״Montefiore-Home" führen wird, unter großen Feierlichkeiten gelegt. Dieses neue Asyl, dessen Errichtung über zwei Millionen Dollar kosten wird, wird für 700 Patienten zu gleicher Zeit Platz haben. Wie der Bürgermeister Gaynor von New Aork in seiner Festrede hervorhob, wird dieses Asyl die größte Anstalt der Welt sein, welche für die unglücklichen Menschen, die von einer unheilbaren .Krankheit befallen sind, bestimmt ist. Das Budget der Anstalt, die in einem Jahre fertiggestellt sein׳ soll, wurde mit, 300.000 Dollar pro Jahr in Aussicht genommen. KunäUau. Ein Kurort am Tiberiassee. Wie aus Konstantinopel gemeldet wird, hat die türkische Regierüng beschlossen, den ״Tiberiassee" einer jüdischen Gesellschaft zu verpachten, an deren Spitze Ahron Eisenberg steht. Die Gesellschaft verfügt bereits über ein Vermögen von mehrercn Millionen Kronen und wird nun in Tiberias ein modern eingerichtetes Kurbad errichten. Vor kurzer Zeit wurde der Tiberiassee von engtischen Chemiken analisiert und als eines der besten Mineralwasser der Welt bezeichnet. Es ist besonders bei Rheumatismus. Haut-, Nerven- und Frauenkrankheiten sehr heilwirkend. Humoristische Ecke. Tie neue Synagoge. In einer mitteldeutschen Stadt wurde von dem liberalen Teil der jüdischen Gemeinde ein prächtiges Gotteshaus errichtet. Zu seinem Schmuck zählt auch ein steinerner Löwe, der in seinen Pranken die Tafeln mit den zehn Geboten hält. Ter Rabbi der frommen Gemeinde der gleichen Stadt besichtigte das Bauwerk in allen Einzelhei ten und faßte dann sein Urteil in die Worte: ״Ter Löwe ist der einzige, der in der Synagoge die zehn Gebote hält. (״Jugend."» Ein Enkel von Mendele-Mocher-Sforim. Ter russiische Flieger Wloßwoled Abramowitsch, der zurzeit in Petersburg Schauslüge voranstaltet, hat kürzlich einen neuen Weltrekord aufgestellt. Er stieg mit vier Passagieren auf einem Whrigtdoppeldecker auf und hielt sich 5l Sekünden in 300 bis 500 Meter in der Höhe. Mit dieser Leistung hat Abramowitsch den von Schirrmeister ausgestellten Weltrekord von 3.3 Minuten 52 Sekunden geschlagen. Ter hervorragendste Aviatiker Rußlands ist ein Enkel des Seniors der jiddischen Literatur, Mendele- Mocher-Sforim. Das hebräische Gymnasium in Jaffa ist von der Regierung anerkannt worden, so daß die Abiturienten desselben das Recht haben, an allen türkischen Universitäten zu studieren. Ein Jude promoviert sub auspiciis Jmperatoris. Am 23. d. M., um 11 Uhr vormittags, send in der Aula der Czernowitzer Universität die Promotion sub auspiciis Jmperatoris des Supplenten am dritten Staatsgymnasiums in Czernowitz, Herrn Hermann Sternberg, zum Doktor der Philosophie statt. Professor Sternberg hat einen Dissertationsvortrag üb׳׳r d>3׳ Bildungswert der Antike gehalten. Konfessionslos. Bekanntlich werden die Nekruten vor ihrer Eidesleistung in die Kirche und die jüdischen in die Synagoge geführt, wo sie vom Religionslehrer über die Heiligkeit des Eides aufgeklärt werden. Tie Soldaten werden zu diesen: Zwecke nach ihrer Religion in Gruppen geteilt, um dann unter Führung eines Offiziers ihres Glaubens zum Gottesdienste zu marschieren. Ties geschah auch vor einigen Tagen in einer österreichischen Kaserne. Tie Gruppierung nach Konfessionen war bereits vollzöge, es blieben nur noch zwei Einjährige zurück, die sich keiner der Gruppe nangeschlossen hatten. ״Welcher Konfession gehören Sie denn an?" frug der diensthabende Hauptmann die beiden Einjährigen, ״warum treten sie nicht in eine der Gruppen?" ״Melde gehorsamst deshalb, weil wir konfessionslos sind," antworteten die beiden Einjährig-Freiwilligen zu gleicher Zeit. ״Was. konfenionSloS!" schrie der Hauptmann, ״dann marsch in die jüdische Gruppe!" Folgende Zusammenstellung aus dem Ame rikanisch-Jüdischen Jahrbuch 5673 verdient Beachtung: Tie jüdische Bevölkerungszifser in den Vereinigten Staaten betrug im Jahre 181k 3000 Juden, im Jahre 1880 230.257 Juden, im Jahre 1912 2,0-11.702 Juden. Tie jüdische Einwanderung in Amerika beträgt bis jevt 1,632.399. Die erste deutsche Grabstein-Inschrift auf dem jüdischen Friedhofe zu Maiuz. Vor jetzt 80 Jahren, im Jahre 1832, richtete ein jüdischer Einwohner von Mainz an den Vorstand der israelitischen Gemeinde dortselbst die Bitte, seiner verstorbenen Frau einen Grabstein mit Deutscher Inschrift setzen zu dürfen, da die hebräische Aufschrift, die allein zugelassen war. nicht mehr von allen verstanden werde und die fortgeschrittene Zeit es verlange, daß man von diesen veralteten Vorschriften abgehe. Schon am nächsten Tage erhielt er die Erlaubnis mit der Einfchränkung. daß für die Jahreszahl die jüdische Zeitrechnung genommen werden müsse. Man wird diesen Bescheid verstehen, wenn man erfährt, daß der damalige Vorsitzende der Mainzer Gemeinde Ternburg war, der Großvater des späteren Kolonialministers. Ternburg legte Herrenwäsche nach Mass und Herrenmodewaren kaufen Sie am besten im Spezialgeschäfte der Firma ״Derby“ V. DRESLER, Brünn Krapfengasse Nr. 24—26. Nur apparte Neuheiten. Feste Preise. B

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