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Jüdische Volksstimme · 1912-11-28 · Heft 34 (28.11.1912) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 34 (28.11.1912)
Date
1912-11-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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»,״re 4 ״Jüdische Lolksstimme." m 34. Wenn Frauen, die mit ihrem Liberalismus prunken, öffentlich als Schächtgegnerinnen auftreten, so zeigt das nur, daß die Vertreterinnen des schönen Geschlechtes auch auf geistigem Gebiete ohne Koketterie nicht fertig werden. Durch nichts schadet man so sehr dem Gedanken des Freisinns, als durch seine Vermengung mit Dingen, die trotz aller Phrasen durch und durch reaktionär sind. Doch schlimmer aber ist es, wenn ein jüdischer Stadtverordneter in Dresden das Schächten als einen überwundenen Rückschritt behandelt, der nur noch vorläufig großmütig geduldet werden müsse. Vor allem ist es längst zur Evidenz erwiesen, daß das Schächten minbestens nicht grausamer ist als jede andere Tötungsart. Der Begriff der Tierquälerei ist noch sehr unklar. Es ist schwer, mit Bestimmtheit die Grenze festzustellen. Der radikale Vertreter des Tierschutzes müßte eigentlich gegen jede TLtung sein, denn das Töten ist Wohl auch in der inildcsten Art kein Vergnügen für das Tier. Wie will man da wegen solcher subtiler Begriffe einer ganzen Bcvölkcrungsklasse den Flcischgenuß unmöglich machen? Stellt man auf den Standpunkt, daß der Mensch mehr als das Tier ist und daher größere Rücksichten verdient, dann wird man auch das Schächten gesetzlich gestatten müssen. Speziell der Jude selbst soll und muß auch solchen religiösen Gesetzen, die er für sich als nicht mebr bindend erachtet, eine Achtung cntgcgcnbringen. Es kommt gar nicht darauf an, ob man selbst rituell lebt oder nicht. So lange es auch nur einen Juden gibt, der rituelle lebt, hat die ganze jüdische Gesamtheit die heiligste Pflicht, dafür einzutreten, daß dieses rituelle Leben möglich bleibt.' Die ganze Empörung unserer Ticrschützler gegen das Schächten erscheint uns so lange als unecht, als sie nicht auch gegen die Jagd, das Vergnügen der höchsten und allerhöchsten Personen, mit aller Energie auftreten. Jeder weiß, daß die Jagd in manchen ihrer Formen eine Tierquälerei schlimmster Art darstellt. Warum treten die Ticrschutzvcreine nicht mit aller Kraft gegen diesen verrohenden Sport auf? Es will beinahe scheinen, daß für diese Kreise die Tierquälerei da anfängt, wo nur jüdische Interessen geschädigt werden. Der Kampf gegen das Schachtcn wäre wohl nie aufgetaucht, wenn die Schächt- Methode keine jüdische wäre. Wenn man dieses alles bedenkt, dann fällt cs häufig schwer, all die Gehässigkeiten gegen das Schächten als einen Ausfluß innerer Gesinnung zu betrachten. Vom Kriegsschauplätze. Ein tapferes jüdisches Schneiderlein. In der Schlacht bei Kumanowa kämpfte, wie französische Blätter berichten, ein kleiner jüdischer Schneider, namens Abrahm Levy, im serbischen Infanterie-Regiment mit. Die türkischeu Geschosse prasselten wie Kugelregen auf die Serben nieder und richteten eine Panik unter ihnen an. ״Kein Zurück!" rief der Kommandierendc. Die Offiziere vor die Front!" Und die Offiziere marschierten an die Spitze. Vorwärts gings mit neuem Mut. Aber der Kugelregen wurde immer dichter. Die Offiziere fielen, unter ihnen der Kommandierende. Der Fahnenträger fiel. Die Lage war entsetzlich. Eine Minute länger und eine allgemeine Flucht wäre ausgcbrochen. Da auf einmal flattert die Fahne wieder in der Luft, ein fritcher, mächtiaer Ruf ertönt: Vorwärts, Kameraden! Erstaunt blicktcn alle empor. Das jüdische Schnciderlein Abrahamchc hatte die Fahne ergriffen, begeistert stürmten die anderen nach, in einer Minute standen sic Leib an Leib mit dem Feinde. Die Serben kämpften wie Löwen und eroberten das türkische Fort, der Fahnenträger, Abrahamche, an der Spitze. Anderen Tags erscheint Prinz Alexander unter den Helden von gestern. ״Wer verdient eine Auszeichnung," fragt der Prinz. Und alle weisen übereinstimmend mit dem Fingcr auf Abrahamche, das jüdische Schnciderlein, den neuen Fahnenträger., Auf der Stelle'ernannte ihn der Prinz zum Fahnenträger und schenkte ihm 10 Zwanzigfrankcnstückc. Der bulgarische HauptmLU« Tadscher. Ein anderer Zug soldatischen Wagemuts wird von einem bulgarischen ׳Hauptmann Tadscher erzählt, der den Befehl hatte, den Bahnhof von Mustapha Pascha einzunehmen. Unter der Deckung des Bahnhofes richteten die Türken ein mörderisches Feuer auf die bulgarischen Truppen. Lange konnte es so nicht weiter gehen. Da gelang -es dem Hauptmann Tadscher, mit einigen Mann sich längs eines Grabens hinzuschleichen und eine halbe Kompagnie Türken zu umgehen. Sofort eröffnete er ein heftiges Feuer auf den Feind. Die Türken hielten sich umzingelt und ergriffen bestürzt die Flucht. Da zog der tapfere Offizier oen Degen, hing seine Mütze an dessen Spitze, ließ alle seine Leute ganze 200 Mann, vormarschieren und stürzte sich mit ihnen dem Feinde nach bis an die Stadtmauer. Ein fürchterliches Jnfanteriefeuer der Türken streckte ein Drittel der Leute nieder. Die Soldaten stutzten. Da steckte der Hauptmann den Degen ein, zündete unter einem dichten Kugelregen eine Zigarette an, und trat so allein, die Hände auf dem Rücken gekreuzt, gegen die Türken vor, die ob dieser Tollkühnheit entsetzt waren. Die blugarischcn Leute eilten, von Begeisterung ergriffen, ihrem Offizier nach und drangen unter wildem Kriegsgeschrei unter Führung des Offiziers mit gefälltem Bajonett bis in unmittelbare Nähe der Stadtmauer. Die Türken glaubten eine größere Truppenmasse rücke jetzt heran und wichen. Bald aber erkannten sie ihren Irrtum und ergriffen wieder die Offensive. Dann begann ein hartnäckiges furchtbares Ringen, die Bulgaren erkämpften sich mit dem Bajonctt einen Fuß breit nach dem anderen, bis Verstärkungen herbeikamen und die Türken in die Flucht schlugen. Mustapha,Pascha wurde genommen. Der tapfere Hauptmann Tadscher wurde noch auf dem Schlachtfelde vom König Ferdinand beglückwünscht, erhielt eine Auszeichnung und wurde zum Major im Generalstab ernannt. Er ist der erste Offizier im bulgarischen Generalstab. Eiugelaufene Spenden. Auf Grund des Aufrufes in unserer letzten Nummer für die notleidende jüdische Bevölkerung der Türkei sind uns von einem Anonymus 60 K zugekommen. Weitere Spenden werden von uns entgegengenommen und ihrer Bestimmung zugeführt. Boykottdrohungeu geben die Juden in Warschau. Die herrschenden polnischen Parteien können cs noch immer nicht verwinden, daß die jüdische Bevölkerung Warschaus sich ihrem tyrannischen Machtgebot nicht fügen wollte und den antisemitischen Dumakandidaten der ״polnischen Konzentration", Herrn Kucharzcwski, zu Falle brachte. Was jedem unbefangenen Menschen als ein Gebot des einfachsten Ehrgefühls und der elementarsten Selbstachtung erscheinen muß, das stellen die edlen Polen Warschaus als einen ״hakatistischen" Akt der Feindseligkeit gegen die polnische Gescllschaft dar. Die bürgerlich-polinsche Presse Warschaus, die sonst eine mehr salonfähige Abart des Antisemitismus pflegte, schlägt jetzt den Ton der rüdesten ruffischcn Pogromblätter von der Art der ״Semstschina" an. Die polnische Gesellschaft wird aufgefordert, alle geschäftlichcn Beziehungen zu den Juden abzubrcchcn und nichts mehr in jüdischen Geschäften zu kaufen. Infolge dieser wüsten Hetze kam es bereits in einer Markthalle und vor einigen, jüdischen Läden, wo polnische ״Wachtposten" aufgestellt waren, um christliche Kunden, vom Einkauf abzuhalten, zu Zusammenstößen und Schlägereien, so daß die Polizei cinschreiten mußte. Inzwischen setzt die judenfeindliche polnische Presse die Boykotthetze und die ganze heldenhafte Kampagne gegen die Juden ruhig und ungestört fort ..... NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHEkUNGS GESELL- SCHAFT, WIEN, L ASPERNPLATZ 1 Im eigenen Palais. — Versichertes Kapital clrfea 380 MiBottcn. Reserven drica 113 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden fiberall gestiebt. — Unser neuester Tarif mtt 5«fe jfibrricb fallender garantierter. Pr«mie aeneralagentur fflr Wien. 1., Asp. , platt 1, Leiter David Nebenzahl. Sub Direktion für Prag, t-'erain ndtgasse 20. -eit. Leiter Robert oerster. Sud-Direktion für Lemberg. Sank■ nocha 3. Leiter LObl Taube Hauptagentur für Brünn, WawrastraBa 10, Lai.er: Samuel Relnlnger. ürüimcr Uaekrlckten. Kultuswahlen. In den nächsten Tagen: finden die Ergänzungswahlen für den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde statt. Die Zionisten haben zu den Wahlen in keiner/Weife Stellung genommen. Es werden die Wahlen unter allgemeiner Interesselosigkeit vor sich gehen. Chauukafeier der Bibelschule des Vereines Machsike Hadaß. Mittwoch den 4. Dezember, 5 Uhr nachmittags, findet in der Bibelschüle des Vereines Machsike Hadaß eine Chanukafeier statt. Die Vereinsmitglieder sowie Gäste werden ersucht, sich an derselben zahlreich zu beteiligen. Gleichzeitig werden die P. T. Eltern aufmerksam gemacht, datz an der fünfklassigen Bibelschule noch einige Knaben und Mädchen Aufnähme finden. Peo-Brockensammlung, Brünn, Adlerg- 12. Herr Doktor Filipp Baß und Herr Jakob Feuereisen haben der Peosammlung eine Anzahl Kleider gespendet. Chanuka - Kinderbescheruug im Vereine Machsike Hadaß. Anläßlich des Chanukafestes werden einige Knaben und Mädchen der Bibelschule mit Kleidern beteilt. Eventuelle Spenden sind an das Vorstandsmitglied Herrn Rudolf Meisl, Krapfengaffe, zu senden. Die Firma N. Trollers Söhne in Brünn hat für die Bekleidung armer Schulkinder dem Verein Machsike Hadaß eine Anzahl Hüte gespendet, wofür denselben an dieser Stelle Herzlichsier Dank gesagt sei. Für die Chanuka-Armenbefcherung sandte uns die Firma Rudolf Meisl: 40 Stück Kra- Watten, 6 Kappen, 6 Paar Socken. Hebräischer Sprachkurs in Brüun. Ein großes und höchst wertvolles Stück Kulturarbeit wird hier seitens der Jüdischen Toynbeehalle geleistet. Der Vorstand des Toynbee-Vereines beschränkt sich nicht auf Abhaltung von wiffenschaftlichen Vorträgen allein, sondern erweitert sein Arbeitsfeld zum Nutzen unseres Volkes und errichtete Heuer wie voriges Jahr Hebräische Sprachkurse. Die Erfolge sind heute noch bedeutend größer als im Vorjahre, zumal der Sprachlehrer, der als Meister auf pädagogischem und sprachlichem Gebiete allbekannt ist, Herr Religionslehrer und Oberkantor I. L. Rabinowicz aus Boskowitz, in diesem Jahre die freie Konversation, sowie das Lesen unpunktierter Texte in sein Vortrags- und Unterrichtsprogramm ausgenommen hat. Man steht verblüfft da, als man hört und sieht, was eine wirklich geeignete Lehrkraft zu leisten imstande ist, selbst wenn ihr nur zwei Stunden wöchentlich zur Verfügung stehen. Schreiben, Lesen punktierter und unpunktierter Texte, Konversation, Uebersetzung deutscher Sätze in Hebräische und -hebräischer Sätze ins Deutsche, sowie grammat. Uebungen und interessante syntaktische und fprachgebräuchliche Erklärungen füllen die Unterrichtsstunde angenehm aus. Es ist wahrlich ein Vergnügen, diesen Sprachkurs mitzumachen und deshalb ist auch die Teilnahme eine große und eine dauernde. Wäre es nicht eine heilige Pflicht auch in anderen Großstädten der Monarchie solche Kurse, anstatt englische oder französische, zu errichten? Dr. K. Jüdische Toynbeehalle: Lormfeier. Wie bereits berichtet wurde, veranstaltet die Jüdische Toynbeehalle am 1. Dezember, l. I. um 5 Uhr nachmittags im Saale des Mährischen Gewerbe- Vereines anläßlich der zehnten Wiederkehr des Todestages unseres heimischen jüdischen Dichters Hieronymus Lorm (H. Landesmann), eine L o r m f e i e r, bei welcher Herr Dr. I. Eckstein die Festrede hält, während Herr Strauß, Mitglied des hiesigen Städttheaters, aus den Werken des Dichters lesen wird. Jtomfca1tcfcn$a». x Austerlitz. Herr Oskar Zweig (Austerlitz), Sohn des Herrn Josef Zweig, hat sich mit Fräulein Gisela Jellinek (Brünn) verlobt. Nikolsburg. Die in den Kultusausschuß am 21. d. vorgenommene Wahl ergab folgendes Resultat: 2. Wahlkörper: Franz Deutsch, Philipp Kohn, David Finsches, Wilhelm A. Oser, Emil Die schönste Schrift Kürxester Zeit erreicht ]edermannin! K kdeh. aut. Schreibschule. Professor Rudolf Roubitscbek k.te«it$״!־m«p״K Prafl 17 nach auswärts brieflicher Unternag, um1£?l>J71a14 4/ f|cbtnacl)m 8e,ch.Wethode

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