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Jüdische Volksstimme · 1912-11-28 · Heft 34 (28.11.1912) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 34 (28.11.1912)
Date
1912-11-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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V \:’מ; SH*|^ **.. iSÜSSö 5״t» 2 ״Jüdische Bolksstimme." N». 34! lische Hausherren, die von! Judentum noch nid^t ] infiziert sind. Denn das w a h r e Judentum hat den Sfationcn die Reinheit des Familienlebens, die Keuschheit der Gesinnung und Wertung der Frau gegeben, bis es in seinen Wantelmütigcn Afsimilantcn selbst geschädigt zu werden beginnt, die mit den fremden Sitten auch die Lauterkeit der Familie geopfert haben. Das wahrhaft jüdische Haus ist aber noch immer der selbst von Christen anerkannte Hort reinster Gesinnung und echter Liebe. W. K. Meidet die Renegaten. Von Tr. Artur Kahn in Charlottenburg. Man sollte denken, jeder charaktervolle Jude würde es mit Entrüstung zurückweiscn, mit solchcn Verrätern und Meineidigen in welcher Art und bei welcher Gelegenheit immer, in Berührung zu kommen. Man sollte ferner glauben, das; man von denselben Renegaten, die uns in den Rücken fallen, die uns unfreundlich und judenfeiudlich gesinnten Greifen nur noch schärsere Waffen gegen uns reichen ,uns und unsere Religion öffentlich disqualifiziert haben, nie und nimmer auch nur einen Pfennig annehmen würde, um jüdische Ziele zu erreichen, weil das eine Sanktion der Unmoral ist. Und was inüssen wir wahrnehmen? Tie getauften Juden verkehren nach wie vor mit denselben jüdischen Kreisen, als sei nicht das mindeste vorgcsallen! Getaufte Kinder sitzen mit (leider!) Juden gebliebenen Eltern au einem Tisch, leben zusammen unter einem Dach! Und an der Börse, im Bureau, im Kasino, im Bahnwagcn, auf den Bällen, in den Vereinen, bei Goldbergers und Silbermanns, fitzen getaufte und ungetaufte und noch nicht getaufte Juden friedlich und gemütlich beisammen und taktvoll (beileibe nicht charaktervoll) vermeiden die Chons, Lewis und die Israels, an die heikle Affäre zu stoßen. Religion ist ja Privatsache!! Und was ist Ehre? Auch Privatsache! Trotzdem in unzähligen Artikeln, in hunderten von nichtjüdischcn Zeitungen aus der Feder hochgeachteter Christen — und nicht nur fturmbereiter Antisemiten — den Juden das Stigma der moralischen Minderwertigkeit, eben deswegen, aufgedrückt worden ist, bleibt es beim alten. Meiner hat den Mut, den Renegaten von sich zu weifen, ihm den Stuhl vor die Tür zu stellen, Allerdings sind Mut und Charakter schwer und-nur in Ausnahmesällen trennbar. So geschieht denn den Juden recht, wenn sich bei den Nichtjuden die Verachtung zu deren Abneigung hinzugcscUt und beide sich immer mehr vertiefen. . Wer kann denn vor einer Menschengattung Achtung haben, die sich selber verachtet und so wenig auf Selbstwürde und Ehre hält? Und warum suchen neunzig Prozent aller Tausjuden nicht ihre neuen ״Glaubensgenossen" auf? Wei diese gesund empfinden, gesünder als ihr jüdischeu Herbergsväter der Gesinnungslosen; wei sie klarer blicken und keine Gemeinschaft mi : Verrätern und Falschschwörern haben wollen. Resümieren wir! Die Geringschätzung der Christen gegen den Taufjuden entspringt einem gesunden moralischeu Empfinden, um das sie alle jüdischen Freunde der Taufjuden nur beneiden können. Die Taufe macht keinen Juden dem vornehm denkenden Christen sympathischer. Oder ist nicht der ״Fall" des getauften Juden Professor Bern- Hardt in Berlin ein eklatantes Beispiel? Selbst ein ״Piftolenducll" hat hieran nichts geändert. Solange die Juden den -Judentäuflingen nicht jeglichen persönlichen Umgang versagen, bleibt mit vollem Recht an ihnen selbst der Vor- Wurf der Charakterlosigkeit haften und sie haben keinerlei moralisches Recht, mit denjenigen Juden, die die jüdischen Renegaten meiden, auf -eine gleiche sittliche Stufe gestellt zu werden. Solange der Taufjude noch in einem jüdischeu Haufe und Kreise als moralisch gleichwertig und überhaupt verkehre ndarf, degradieren sich die Gastgebet selber und verdienen die gleiche moralische Einschätzung mit ihrer* getauften Gästen. Jüdische Vereine, Gesellschaften und Gemeindcn, welche Juden, die entweder sich oder ihre Angehörigen haben taufen lassen, in ihre Verwaltung ehrenamtlich aufnehmen oder befolden oder gar an die Spitze stellen, dürfen nicht in jüdische Verbände irgendwelcher Art aufgenommen werden, und Juden, bei noch auf jüdische Eltern halten, müssen entweder solche schadhafte Elemente entfernen, oder selber aus diesen Vereinen, Gesellschaften und Gemeinden austreten. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Berlin hat die Gefahr der Demoralisation, die das Taufjudcntum in seinen unvermeidlichen persönlichen Beziehungen zu jüdischen Familien unterhält, richtig erkannt, als er gleich in der ersten Nummer des seinerzeit neugegründeten Gemeindeblattcs die Namen der aus dem Judentum ausgetretenen Personen auch nach Stand und Wohnung bckanntgegeben hat. Mit dieser überaus verdienstvollen Publikation hat er nicht nur seinen eigenen ablehnenden Standpunkt gegenüber den Täuflingen klipp und klar erklärt, sondern auch gleichzeitig dem jüdischen Publikum eine Information gegeben, die jeder honorig denkende Jude nur dankbar benutzen soll. Möchten doch auch andere Gemeinden in gleicher Weife gegen das die Moral zersetzende Taufjudentüm Vorgehen, und in jüdischen Zeitungen die gleichen Veröffentlichungen zum Prinzip erheben. Und dann würden jüdische Ze>- tungen, namentlich diejenigen, die in libeualjüdischen Kreisen gelesen werden und von denen ein großer Teil bisher nicht seine Pflicht in diesein Kampfe gegen düs Renegatentum erfüllt hat, durch periodische NamensverLffentljchungen der jüdischen Renegaten aller Genzeinden am wirksamsten diese Krebskrankheit des modernen Judentums bekämpfen helfen. Wer in Ehrensachen Kompromisse eingeht, zumal in Ehrensachen, welche die ganze Judenheit berühren und exponieren, befindet sich (vielleicht nur unbewußt), auf dem sittlichen Abstieg. Das jüdische Renegatentum ist die allergrößte Gefahr für die Gesamtjudenheit. Nur durch die energische Abwehr, und diese ist: Generalboykott auf der ganzen Linie, wird dieser schweren Gefahr begegnet. Ein zweites gibt es nicht! Und nun steinigt mich! Zum Niedergange der mährischen Kultusgemeinden. Die von Sr. Ehrwürden Rabbiner Herrn Samuel Frcifcld in Straßnitz vorgeschlagenen Vorbedingungen zur Schaffung einer jüdischen Organisation sind mir entgangen, aber ohne Kenntnis derselben ist es mir klar, daß mit Worten eine derartige Organisation nicht geschaffen >vird, wird sie aber geschaffen, so sinkt sie zu einer gewöhnlichen Vereinsmeierei herab. Wir müssen vor allem das ethische Moment ins Auge fasten und uns nicht scheuen, öffentlich auf Fehler und Gebrechen hinzuwcisen, die das ethische Moment tangieren. Dankbar sei vorerst erwähnt, der Vorschlag des Herrn Einsenders des diesbezüglichen -Aufsatzes in Nummer 44 vom 13. November d. I., in dieser Organisation sämtliche Faktoren einzubeziehen, so auch den Kantorenbund. Die Kantore werden sonst sehr stiefmütterlich be» handelt, nirgends zu Rate gezogen, wo es sich um das Interesse des Judentums handelt. Ueber ihre Köpfe hinweg wird verhandelt und beschlossen, oft auch in Fragen, wo sie wertvolle Anregungen geben könnten. Es ist dies symptomatisch für die Behandlung dersel-* den und die einseitige Auffassung der einschlägigen Fragen. Und doch ist der Kantor ein unerläßliches Requisit im jüdischen Kultus» dieses sollte um so mehr ins Auge gefaßt werden, wo cs sich um Fragen handelt, welche den Zusammenschluß sämtlicher Kräfte bedingen/ Eifersüchtelei, Aütoritätsduselei lassen jedoch eine obejektive Auffassung der Lage und ihrer Bedürfnisse aber von einem sanften Feuer, das nicht weniger Geist und Begabung verriet. Auch er war in einem langen Kaftan von blauem Merino gcpreßt und mit einem roten Bande gegürtet, auch auf feinem lockigen Kopfe prangte bas Samtläppcheu, die Jaumulka, aber beides piinmte gut zu feinem ernsten Wesen. Tie schöne, junge Frau, welche vor dem Cymbal faß, war offenbar die Mutter, denn sie Hane dieselben blauen, etwas fchwürnterifchen Augen, nur daß bei ihr eine gewisse Schalkhafliflu'it in denfetveu tag. Obwohl ihr Haar unter der unerbittlichen Schere Hymens gefallen war, Hane ihr Kopf doch nichts von feinem herben Reiz eiugebüßt. Ihre strengen Züge, besonders die kleine Adlernase mit den flatternden Nafenflügeln, atmeten Leidenschaft und Kraft. Eine kleine weiße Haube bedeckte den Scheitel und eine Binde von Goldbrokat die Stirne, während ihre mittelgroße, volle Gestalt durch den dunkelgeblümten kteberrock und die bequeme Pelzjacke etlvas^ vornehm Behagliches bekam. e^ie spielten nicht zum Tanz, sondern trugen verschiedene Stücke ihres Programmes dem tieinen Publikum vor, das in der weiten Stube verfckwmelt war, teils Bauern aus dem Dorfe, teils junge Leute aus Lemberg, die einen Ausflug gemacht hatten. > Sie spielten sicher und mit vollständiger Beherrschung ihrer Instrumente; das Eigentüntliche war jedoch ihr Zusammenfpiel. Es klang wie aus einem Instrument und einer Seele heraus, und doch spielte eigentlich nur der Mann und die beiden begleiteten ihn, und zwar iutprovisierten sie nicht die Begleitung, denn was er vortrug, würde in einem zivilisierten Lande als ״Phantasie über ein gegebenes Theiita" bezeichnet werden. Einer der Lemberger Herren hatte ihm das schöne schwermütige Volkslied: ״Die Leute jagen, ich wäre glücklich" zum Thema gegeben, und er spielte eine Art Paraphrase dieser herrlichen Melodie, wahrhaftig! Franz Liszt hätte sie nicht kühner ersinnen und virtuoser ausführen können. Die Frau und das Kind begleiteten ihn mit einem geradezu künstlerischen Verständnis, indem sie bescheiden ititiner im Hintergründe blieden uitd doch jeder feinen wechselnden Stimmungen, seinen stets feinen, nicht selten bizarren Nuancen zu folgen wußten. Als sich die Fremden entfernt hatten und ich und die Freundin des Schankwirtes mit dem interessanten Terzett allein waren, forderte ich dasselbe auf, uns etwas Hebräisches zu spielen. Der Mann lächelte, sah die Frau an und dachte nach. Da erhob der Knabe die ernsten blauen Augen und flüsterte: ״Das Lied vom Hatman Chmilnitzky." ״Gibt es denn ein solches?" fragte ich, ״ein wahrhaft hebräisches Lied?" ״Ja," erwiderte der Mann, ״Chmilnitzki lebt, im Ernst und Scherz, im Gedächtnis der wlnischen Juden fort: im Scherz als Hatman m Ahasverusspiel, das zu Purim aufgeführt wird, und im Ernst in Liedern und Geschichten. Wie König Casimir die Lichtgestalt der polnisch-jüdifchcn Chronik ist, so wurde Bogdan Chmilnitzky zum Dämon derselben. Dieser polnische Edelmann, dem ein mächtiger Magnat Weib und Gut genommen hatte, war ein Michael Kohlhaas in großem Maßstab, zu den Koaken geflohen und führte sie, als ihr Heerführer, wiederholt in die polnischen Lande, wo jedem ihrer Siege Mord und Plünderung auf dem Fuße folgten. Vor allem wurden die Juden zu Tausenden niedergemetzelt, da man in ihnen die Helfershelfer der polnischen Magnaten fand." Die Improvisation, welche nun folgte, war ein dramatisch-musikalisches Gemälde. Die Melobte der alten Ballade bildete gleichsam der Grund, auf dem der jüdische Geiger dasselbe wob. Ein idyllisches Motiv leitete das Ganze Mährisch-schlesische Bank Brünn. Telephon Nr. 350, Direktion. Ferdinandsgasse Nr. 29 Telephon Nr. 1016, Wechselstube. verzinst EINLAGEN gegen Zl| 01 gebundene Einlagen laut Übereinkommen. Bank- Büchel und in laufender Rechnung mit Tr |2 (0 geschähe all er Art, 8örsen־u.Wechslergeschäfte.

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